Nun betritt die Sure einen völlig anderen Bereich, den der menschlichen Seelen, Gefühle und anderen Geschöpfe.
Now the sūrah enters a totally different realm, that of human souls and feelings and other creatures.
Gott weiß, was jede weibliche Frucht austrägt, und um wie viel die Gebärmütter [in der Tragzeit] zu kurz kommen und um wie viel sie zunehmen mögen. Bei Ihm hat alles sein bestimmtes Maß. Er kennt alles, was jenseits der menschlichen Wahrnehmung liegt, und alles, was jemand bezeugen mag. Er ist der Große, der Allerhöchste. Es ist Ihm gleich, ob einer von euch im Geheimen oder laut spricht, ob er sich unter dem Schutz der Nacht verbergen will oder am hellen Tag offen einhergeht. Jeder hat Schutzengel vor sich und hinter sich, die ihn auf Gottes Geheiß bewachen. Gewiss, Gott ändert den Zustand eines Volkes nicht, solange es nicht zuerst ändert, was in seinen Herzen ist. Wenn Gott will, dass Menschen ein Unglück widerfährt, kann es niemand abwenden. Außer Ihm haben sie keinen, der sie beschützt. (Verse 8–11)
God knows what every female bears, and by how much the wombs may fall short [in gestation], and by how much they may increase. With Him everything has its definite measure. He knows all that lies beyond the reach of human perception and all that anyone may witness. He is the Great One, the Most High. It is all alike [to Him] whether any of you speaks in secret or aloud, whether he seeks to hide under the cover of the night or walks openly in the light of day. Each has guardian angels before him and behind him, who watch him by God’s command. Indeed God does not change a people’s conditions unless they first change what is in their hearts. When God wills people to suffer some misfortune, none can avert it. Besides Him, they have none to protect them. (Verses 8-11)
Wir sind überwältigt von der Wirkung dieser feinen Züge in der Szene, die sich vor unseren Augen entfaltet, und von der Musik, die der Ausdrucksweise eigen ist. Wir sind unendlich erstaunt, wenn wir uns vorstellen, wie durchdringend Gottes Wissen ist und bis zu welcher Tiefe es reicht. Er weiß vollkommen um jede Schwangerschaft in jedem Mutterleib, um die Geheimnisse in den Herzen der Menschen, um die Heimlichen, die sich unter dem Schutz der Dunkelheit bewegen, und um jene, die am helllichten Tag einhergehen, und um alles, was irgendein Geschöpf öffentlich oder im Verborgenen sagt. All dies ist Ihm bekannt, als folge jedem einzelnen ein Strahl Seines Wissens und als begleiteten es Beschützer, die ihre Gedanken und Absichten zählen. Die ganze Szene erfüllt uns mit Ehrfurcht. So sehr, dass wir Zuflucht bei Gott suchen und Ihn um Seinen Schutz bitten. Ein Gläubiger weiß, dass Gottes Wissen alles umfasst, doch dieser allumfassende Begriff vermag nicht dieselbe Weite des Gefühls zu erzeugen wie die Einzelheiten, die hier in einem so schönen Bild dargestellt werden.
We are overwhelmed with the effect of these fine touches in the scene drawn before our eyes and the music that is characteristic of the mode of expression. We are infinitely surprised as we imagine how penetrating God’s knowledge is, and to what depth it goes. How He is fully aware of every pregnancy in every womb, the secrets in people’s hearts, the stealthy who move under the cover of darkness, those who walk in open daylight, and whatever any creature says in public or private. All of these are known to Him as if each one is followed by a ray of His knowledge, and by protectors who count their thoughts and intentions. The whole scene fills us with awe. So much so that we seek refuge with God, appealing for His protection. A believer knows that God’s knowledge encompasses everything, but that total concept does not afford the same breadth of feeling as the details given here in such a beautiful image.
Keine abstrakte Vorstellung und keine uneingeschränkt wahre Aussage kommt der Beschreibung des absoluten Wissens Gottes im Qur’ān nahe: „Gott weiß, was jedes weibliche Wesen trägt, und um wie viel die Gebärmütter [in der Tragzeit] zurückbleiben und um wie viel sie zunehmen mögen. Bei Ihm hat alles sein bestimmtes Maß.“ (Vers 8)
Unsere Vorstellungskraft beginnt, jedem weiblichen Wesen in diesem ganzen Universum zu folgen: jeder Frau in ländlichen und städtischen Gegenden, unter Nomadenstämmen und Stadtbewohnern, in Häusern, Höhlen, Elendsvierteln und Wäldern. Wir bedenken dann, dass Gott jeder Schwangerschaft folgt, die in jeder Gebärmutter getragen wird, und jeden Blutstropfen kennt, der in diese Gebärmütter hinein- oder aus ihnen herausfließt.
No abstract concept or unqualified true statement comes near to the Qur’ānic description of God’s absolute knowledge: “God knows what every female bears, and by how much the wombs may fall short [in gestation], and by how much they may increase. With Him everything has its definite measure.” (Verse 8) Our imagination starts to follow every female in this whole universe: every female in rural and urban areas, amongst nomadic tribes and city dwellers, in houses, caves, shanty towns and forests. We then consider that God follows every pregnancy carried in every womb, and knows every drop of blood that moves in or out of all these wombs.
Keine Abstraktion und keine Verallgemeinerung kommt dem folgenden Ausspruch gleich: „Ob einer von euch im Verborgenen spricht oder laut, ob er sich unter dem Schutz der Nacht versteckt oder am helllichten Tag umhergeht – es ist Ihm gleich. Jeder hat Wächter vor sich und hinter sich, die ihn auf Gottes Geheiß beobachten.“ (Verse 10–11) Hier folgt unsere Vorstellung jedem, der flüstert oder offen spricht, ebenso jedem, der sich im Schutz der Dunkelheit bewegt oder im offenen Tageslicht irgendwo in diesem großartigen Universum umhergeht. Wir stellen uns vor, wie Gottes Wissen jeden einzelnen von vorn und von hinten begleitet und zu jeder Zeit der Nacht und des Tages jedes noch so kleine Detail festhält.
No abstraction or generalization compares to the statement that follows: “It is all alike [to Him] whether any of you speaks in secret or aloud, whether he seeks to hide under the cover of the night or walks openly in the light of day. Each has guardian angels before him and behind him, who watch him by God’s command.” (Verses 10-11) Here our imagination follows every whisperer and open speaker, as well as everyone who moves about under the cover of darkness or who walks in open daylight anywhere in this great universe. We imagine God’s knowledge following every individual from the front and from behind, recording every little detail at any time of the night or day.
Die einleitende Beschreibung der wunderbaren Merkmale, die sich im offenen Universum finden, ist weder größer noch tiefgründiger als die vorliegenden Verse, die die tieferen Geheimnisse der menschlichen Seele oder die fernen Weiten der Welt untersuchen, die jenseits der menschlichen Wahrnehmung liegen. Beide Gruppen von Zeichen sind von gleicher Großartigkeit. Lasst uns nun einige der feineren Aspekte dieser Verse betrachten: „Gott weiß, was jedes Weibchen austrägt und um wieviel die Gebärmütter [in der Tragzeit] zurückbleiben und um wieviel sie zunehmen mögen. Bei Ihm hat alles sein bestimmtes Maß.“ (Vers 8)
The sūrah’s opening description of the miraculous features to be found in the open universe are no greater and no more profound than the present verses which examine the deeper secrets of the human soul, or the far reaches of the world beyond the reach of human perception. Both sets of signs are of equal magnificence. Let us now reflect on some of the finer aspects of these verses: “God knows what every female bears, and by how much the wombs may fall short [in gestation], and by how much they may increase. With Him everything has its definite measure.” (Verse 8)
Wenn Gottes Wissen im Hinblick auf Zunahme und Abnahme in der Schwangerschaft als umfassend beschrieben wird, folgt darauf die Aussage, dass bei Gott alles nach einem klaren und bestimmten Maß geschieht. Somit ist die Harmonie zwischen dem Begriff „Maß“ und dem Gedanken von Zunahme, Abnahme oder Mangel offensichtlich. Darüber hinaus bilden die beiden Zustände der Gebärmütter, nämlich das Abnehmen und das Zunehmen, einen Kontrast, der für die gesamte Sure charakteristisch ist.
When God’s knowledge is described as total with regard to increase and decrease in gestation, this is followed by a statement saying that with God everything comes according to a clear and definite measure. So harmony is evident between the term, ‘measure’, and the notion of increase and decrease or falling short. Furthermore, the two situations of wombs falling short and increasing provide contrast, which is characteristic of the whole of this sūrah.
„Er kennt alles, was jenseits der menschlichen Wahrnehmung liegt, und alles, was jemand bezeugen mag. Er ist der Erhabene, der Höchste." (Vers 9) Die beiden hier genannten Eigenschaften, „der Erhabene" und „der Höchste", vermitteln bestimmte Eindrücke, die sich jedoch nur schwer in Worte fassen lassen. Es gibt nichts Geschaffenes, das nicht eine Unzulänglichkeit hätte, die es in endlichen Grenzen hält. Alles aus Gottes Schöpfung, sei es Handlung oder Materie, das Menschen als groß bezeichnen, beginnt zu schrumpfen, sobald Gott erwähnt wird. Dasselbe gilt für die andere Eigenschaft, „der Höchste". Habe ich damit etwas gesagt? Nein. Auch kein anderer Kommentator des Qur'ān, der über diese beiden Eigenschaften, „der Erhabene, der Höchste", nachgedacht hat, hat etwas gesagt.
“He knows all that lies beyond the reach of human perception and all that anyone may witness. He is the Great One, the Most High.” (Verse 9) The two attributes mentioned here, ‘the Great One’ and ‘the Most High’, have definite impressions that they impart, but which are so difficult to describe in words. There is nothing created that does not have some shortcoming that keeps it within finite limits. Anything of God’s creation, whether action or matter, which people describe as great indeed, begins to shrink once God is mentioned. The same applies to the other attribute, ‘the Most High’. Have I said anything at all? No. Nor has any other commentator on the Qur’ān who has reflected on these two attributes, ‘the Great One, the Most High’.
„Es ist für Ihn gleich, ob einer von euch im Verborgenen spricht oder laut, ob er sich im Schutz der Nacht versteckt oder am helllichten Tag offen einhergeht.“ (Vers 10) Der Gegensatz ist in diesem Vers sehr deutlich. Doch der auffallendste Punkt ist das arabische Wort sārib, das mit „offen einhergehen“ übersetzt wird. Seine Bedeutung legt beinahe den gegenteiligen Eindruck nahe. Der Klang, den es hervorruft, erinnert an Heimlichkeit oder Verborgenes, während es in Wahrheit „in der Öffentlichkeit gehen oder sich bewegen“ bedeutet. Die Bewegung ist hier das eigentlich Gemeinte, im Gegensatz zum Gebrauch der dunklen Nacht als Deckung. Dies zeigt, dass sowohl der feine Klang des Wortes als auch seine Bedeutungsnuancen der Grund für seine Verwendung sind, sodass die allgemeine Stimmung unberührt bleibt.
“It is all alike [to Him] whether any of you speaks in secret or aloud, whether he seeks to hide under the cover of the night or walks openly in the light of day.” (Verse 10) The contrast is very clear in this verse. But the arresting point is the use of the Arabic word, sārib, which is translated as ‘walking openly’. Its implication suggesting almost the opposite impression of its meaning. The shade it casts is akin to stealth or something hiding, while it means ‘going or moving in the open’. Motion here is the intended feature as contrasted with using the dark night for cover. This shows that both the fine sound of the word and its shades are the cause of its use, so that the general atmosphere remains undisturbed.
„Jeder hat Wächter vor sich und hinter sich, die ihn auf Gottes Befehl bewachen.“ (Vers 11) Die Wächter, die jedem Menschen folgen und jedes kleinste Detail aufzeichnen, einschließlich Gedanken, Gefühle und Launen, werden hier in keiner Weise beschrieben oder definiert, außer insofern, als sie diese Aufgabe „auf Gottes Befehl“ erfüllen. Daher ist eine weitere Beschreibung zwecklos. Wir können nicht sagen, wer sie sind, wie sie aussehen, wie sie beobachten oder wo sie sich befinden. Wir wollen die ehrfurchtgebietende Wirkung des Verses nicht schmälern. Die Beschreibung soll einen rätselhaften Eindruck vermitteln. Wer feinen Stil zu schätzen weiß, wird lange zögern, bevor er versucht, diese Mehrdeutigkeit zu zerstören, indem er erklärt, was besser unerklärt bleibt.
“Each has guardian angels before him and behind him, who watch him by God’s command.” (Verse 11) The guardians that follow every human being, recording every little detail, including thoughts, feelings and whims are not described or defined in any way here, except in so far as they fulfil this task ‘by God’s command’. Hence, further description is pointless. We cannot say who they are, or what they are like, or how they watch, or where they are placed. We do not want to take away any of the awesome effect that the verse generates. The description is meant to give a cryptic impression. Anyone who appreciates fine style would hesitate long before trying to spoil this ambiguity by trying to explain what is better left unexplained.
„Gewiss, Gott verändert nicht die Verhältnisse eines Volkes, bevor sie nicht verändern, was in ihren Herzen ist." (Vers 11) Er sendet Seine Engel, die sie ständig beobachten, und überwacht jede Veränderung, die sie an sich selbst oder in ihrer Lebensweise vornehmen, und entscheidet auf dieser Grundlage, was Er mit ihnen tut. Er verändert keine Gnade, keinen Wohlstand oder keine Stellung der Achtung, ebenso wenig wie irgendeine Not oder eine Stellung der Erniedrigung oder Schwäche, bis die Menschen ihre Handlungen, Gefühle und Verhältnisse verändert haben. Die Veränderung entspricht dann dem, was sie selbst verändert haben. Gott aber weiß, was sie tun oder verändern, noch bevor sie es selbst tun, doch die Folgen ihres Handelns treten ein, nachdem sie es getan haben.
“Indeed God does not change a people’s conditions unless they first change what is in their hearts.” (Verse 11) He sends His angels to watch them all the time, monitoring any changes they may introduce within themselves or in their way of living, and determines what He does with them on that basis. He does not change any grace, luxury or position of respect, or indeed any hardship or position of humiliation or weakness, until people have changed their actions, feelings and conditions. The change then fits what they themselves have changed. But God knows what they do or change even before they do it themselves, but the consequences of their action take place after they have done it.
Dies legt den Menschen eine große Verantwortung auf. Es ist Gottes Wille, dass das, was Er mit ihnen tut, davon abhängt, was sie selbst tun. Seine Gesetze wirken auf der Grundlage dessen, wie sie mit diesen Gesetzen durch ihre Handlungen umgehen. Die Aussage ist hier sehr eindeutig und lässt keine andere Auslegung zu. Sie zeigt aber auch die Ehrenstellung, die Gott den Menschen gewährt, indem Er sie so geschaffen hat und ihre Handlungen zum Mittel macht, Gottes Willen in Bezug auf ihre eigene Stellung, ihren Status und ihr Wohlergehen zu verwirklichen.
This lays a great responsibility on human beings. It is God’s will that makes what He does with them dependent on what they themselves do. His laws operate on the basis of how they tackle these laws through their actions. The statement here is very clear, allowing no other interpretation. But it also signifies the position of honour God grants human beings as He has made them and their actions the means to implement God’s will with regard to their own position, status and welfare.
Nachdem dieser Grundsatz etabliert ist, hebt die Sure hervor, dass Gott die Lage jeder einzelnen Gemeinschaft zum Schlechteren verändert. Der Kern der ersten Aussage deutet darauf hin, dass sie sich zum Schlechteren gewandelt haben, und infolgedessen hat Gott gewollt, dass sie Unglück erleiden: „Wenn Gott will, dass Menschen ein Unglück widerfährt, kann niemand es abwenden."
Having established this principle, the sūrah highlights God’s changing the situation of any particular community for the worse. The gist of the first statement indicates that they have changed for the worse, and as a result God has willed them to suffer misfortune: “When God wills people to suffer some misfortune, none can avert it.
„Außer Ihm haben sie niemanden, der sie beschützt.“ (Vers 11) Die Sure betont diesen Aspekt eher als das Gegenteil, weil er hier zu denen passt, die das Böse statt des Guten herbeisehnen. Als dies erwähnt wurde, wurde zuerst die Vergebung genannt, damit die Unkenntnis der Menschen über die Wahrheit hervorgehoben wird. Hier wird nur die böse Alternative erwähnt, um als Warnung zu dienen. Wenn sie durch ihre Taten Gottes Strafe verdienen, dann ist sie unvermeidlich; sie wird nicht abgewendet werden. Keine Unterstützung wird sie davor retten.
Besides Him, they have none to protect them.” (Verse 11) The sūrah stresses this aspect rather than the opposite because it fits here with those who hasten evil rather than good. When that was mentioned forgiveness was stated first so that people’s lack of awareness of the truth was highlighted. Here, only the evil alternative is mentioned so as to serve as a warning. If, by their actions, they deserve God’s punishment, then it is inevitable; it will not be averted. No support will rescue them from it.