Al-Nisā' (Gerechtes Erbe für alle) 1 – 14
Al-Nisa ( Fair Inheritance For All ) 1 - 14
Ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, der euch aus einer einzigen Seele erschaffen hat und aus ihr sein Gegenstück erschuf und aus den beiden viele Männer und Frauen ausbreitete. Fürchtet Gott, in dessen Namen ihr einander bittet, und achtet die Bande der Verwandtschaft. Gewiss, Gott wacht ständig über euch. (1)
Mankind, fear your Lord, who has created you from a single soul, and from it created its mate, and from the two of them spread abroad so many men and women. Fear God, in whose name you appeal to one another, and be mindful of your ties of kinship. Indeed, God is ever watching over you. (1)
Gebt den Waisen ihr Vermögen. Ersetzt nicht Schlechtes von euch durch ihr Gutes, und verzehrt nicht ihr Vermögen zusammen mit eurem eigenen Vermögen. Das ist wahrlich ein großes Verbrechen. (2)
Give the orphans their property. Do not substitute bad things of your own for their good things, and do not absorb their wealth into your own wealth. That is surely a great crime. (2)
Wenn ihr fürchtet, bei den Waisen nicht gerecht zu sein, so heiratet von den Frauen, die euch zusagen, zwei, drei oder vier. Wenn ihr aber fürchtet, nicht gerecht zwischen ihnen sein zu können, dann nur eine oder diejenigen, die eure rechte Hand besitzt. Das ist eher geeignet, dass ihr nicht ungerecht handelt.
If you fear that you may not deal fairly by the orphans, you may marry of other women as may be agreeable to you, two or three or four. But if you fear that you will not be able to maintain fairness between them, then marry only one, or those whom your right hands possess. That makes it more likely that you will not do injustice.
(3)
(3)
Und gebt den Frauen ihre Brautgabe als freies Geschenk; wenn sie euch aber aus freien Stücken einen Teil davon überlassen, dann dürft ihr es mit Wohlgefallen genießen. (4)
Give women their dower as a free gift; but if they, of their own accord, choose to give up to you a part of it, then you may take it with pleasure. (4)
Gebt den Schwachsinnigen nicht euren Besitz, den Gott euch zur Verwaltung anvertraut hat. Sorgt von ihm für ihren Unterhalt und ihre Kleidung und sprecht freundlich zu ihnen. (5)
Do not give to the feeble-minded your wealth which God has assigned to you in trust. Make provisions for them and clothe them out of it and speak to them in a kindly way. (5)
Prüft die Waisen, bis sie das heiratsfähige Alter erreichen; und wenn ihr bei ihnen Reife im Urteil feststellt, dann übergebt ihnen ihr Vermögen, und verzehrt es nicht durch verschwenderisches und übereiltes Ausgeben, bevor sie erwachsen werden. Wer reich ist, soll sich großzügig enthalten [vom Vermögen seines Mündels], wer aber arm ist, mag davon auf rechtliche Weise Gebrauch machen. Wenn ihr ihnen ihr Vermögen übergebt, sollen Zeugen für sie zugegen sein. Gott genügt als Rechenschaftsprüfer. (6)
Test the orphans [in your charge] until they reach a marriageable age; then, if you find them of sound judgement, hand over to them their property, and do not consume it by wasteful and hasty spending before they come of age. Let him who is rich abstain generously [from his ward’s property], but he who is poor may partake of it in a fair manner. When you hand over to them their property, let there be witnesses on their behalf. God is sufficient as a reckoner. (6)
Den Männern steht ein Anteil zu von dem, was Eltern und Verwandte hinterlassen, und den Frauen steht ein Anteil zu von dem, was Eltern und Verwandte hinterlassen, sei es wenig oder viel. Es ist ein bestimmter Anteil. (7)
Men shall have a share in what parents and kinsfolk leave behind, and women shall have a share in what parents and kinsfolk leave behind; whether it be little or much. It is an apportioned share. (7)
Wenn andere Verwandte, Waisen und Bedürftige bei der Verteilung des Erbes anwesend sind, gebt ihnen etwas davon und sprecht freundlich zu ihnen. (8)
When other kinsfolk, orphans and needy persons are present at the distribution of inheritance, give them something out of it, and speak to them in a kindly way. (8)
Mögen diejenigen sich fürchten, die, wenn sie selbst schwache Nachkommen zurücklassen müssten, um deren Schicksal in Sorge wären. Sie sollen also (davor zurückschrecken, den Waisen unter ihrer Obhut Unrecht zu tun), sie sollen Gott fürchten und in gerechter Weise reden. (9)
Let those who, if they themselves had to leave behind weak offspring, would feel fear on their account, be afraid (to wrong the orphans in their charge), let them fear God and speak in a just manner. (9)
Diejenigen, die das Vermögen von Waisen unrechtmäßig verzehren, verschlingen nur Feuer in ihre Bäuche.
Those who devour the property of orphans unjustly, only swallow fire into their bellies.
Sie werden in ein loderndes Feuer gebracht werden.
They will be made to endure a blazing fire.
(10)
(10)
Gott gebietet euch hinsichtlich eurer Kinder: Der Sohn erhält einen Anteil, der dem Anteil zweier Töchter gleichkommt. Sind es mehr als zwei Frauen, so steht ihnen zwei Drittel dessen zu, was [die Eltern] hinterlassen; und ist es nur eine, so steht ihr die Hälfte davon zu. Was die Eltern [des Verstorbenen] betrifft, so steht jedem von ihnen ein Sechstel dessen zu, was er hinterlässt, falls er Kinder hat; hat er jedoch keine Kinder, und beerben ihn seine Eltern, so steht seiner Mutter ein Drittel zu; und hat er Brüder und Schwestern, so steht seiner Mutter ein Sechstel zu, nachdem (die Ausgaben) für ein Vermächtnis, das er gemacht hat, oder eine ausstehende Schuld abgezogen wurden. Was eure Eltern und eure Kinder betrifft, so wisst ihr nicht, wer von ihnen euch mehr nützt. Dies ist daher eine Verordnung von Gott. Gott ist Allwissend, Weise. (11)
God has this to enjoin on you with regard to your children: The male shall have a share equal to that of two females. If there are more than two women, they shall have two-thirds of what [their parents] leave behind; and if there is only one, she shall have one- half of it. As for the parents [of the deceased], each of them shall have one- sixth of what he leaves behind, in the event of his having a child; but if he leaves no children, and his parents be his heirs, then his mother shall have one-third; and if he has brothers and sisters, his mother shall have one-sixth after (deducting) any bequest he may have made, or any outstanding debt. With regard to your parents and your children, you do not know which of them is of more benefit to you. This is, therefore, an ordinance from God. God is All- Knowing, Wise. (11)
Ihr erbt die Hälfte dessen, was eure Ehefrauen hinterlassen, sofern sie kein Kind hinterlassen haben; haben sie aber ein Kind hinterlassen, so steht euch ein Viertel dessen zu, was sie hinterlassen, nach Abzug eines etwaigen Vermächtnisses, das sie verfügt haben, oder einer etwaigen ausstehenden Schuld. Und ihnen (d. h. euren Witwen) steht ein Viertel dessen zu, was ihr hinterlasst, sofern ihr kein Kind hinterlassen habt; haben ihr aber ein Kind hinterlassen, so steht ihnen ein Achtel dessen zu, was ihr hinterlasst, nach Abzug eines etwaigen Vermächtnisses, das ihr verfügt habt, oder einer etwaigen ausstehenden Schuld.
You shall inherit one-half of what your wives leave behind, provided that they have left no child; but if they have left a child, then you shall have one-quarter of what they leave behind, after [deducting] any bequest they may have made or any outstanding debt. And they (i.e. your widows) shall inherit one-quarter of what you leave behind, provided that you have left no child; but if you have left a child, then they shall have one-eighth of what you leave behind, after [deducting] any bequest you may have made or any outstanding debt.
Hat ein Mann oder eine Frau keinen Erben in gerader Linie, wohl aber einen Bruder oder eine Schwester, so steht jedem von ihnen ein Sechstel zu; sind es aber mehr, so teilen sie sich ein Drittel, nach Abzug eines etwaigen Vermächtnisses oder einer ausstehenden Schuld, wobei dies nicht in der Absicht geschehen darf, [den Erben] zu schaden. Dies ist ein Gebot von Gott; und Gott ist allwissend, nachsichtig. (12)
If a man or a woman has no heir in the direct line, but has a brother or a sister, then each of them shall inherit one-sixth; but if there be more, then they shall share in one-third, after [deducting] any bequest which may have been made or any outstanding debt, neither of which having been intended to harm [the heirs]. This is a commandment from God; and God is All- Knowing, Gracious. (12)
Dies sind die Grenzen, die Gott gesetzt hat. Wer Gott und Seinem Gesandten gehorcht, den wird Er in Gärten eingehen lassen, durch die Bäche fließen, darin er ewig bleiben wird.
These are the bounds set by God. Whoever obeys God and His Messenger, him will He admit into gardens through which running waters flow, there to dwell forever.
Das ist der höchste Triumph. (13)
That is the supreme triumph. (13)
Doch wer Gott und Seinem Gesandten ungehorsam ist und Seine Grenzen überschreitet, den wird Er in das Feuer führen, darin er ewig bleiben wird; und ihn erwartet eine schmähliche Strafe. (14)
But whoever disobeys God and His Messenger, and transgresses His bounds, him will He commit to the fire, there to abide forever; and shameful torment awaits him. (14)
Überblick
Overview
Die erste Passage dieser Sure beginnt mit einem Vers, der die Menschen daran erinnert, dass sie alle einen einzigen Herrn und einen einzigen Schöpfer haben, dass sie von demselben Ursprung abstammen und zu einer einzigen Familie gehören. Er bestimmt den Einzelnen als die Einheit der Menschheit und macht die Familie zur Einheit der Gesellschaft. Er betont die Wichtigkeit der Gottesfurcht und der Pflege der verwandtschaftlichen Bande, um auf dieser Grundlage alle Pflichten gegenseitiger Fürsorge und Unterstützung sowie das Mitgefühl innerhalb der Familie und innerhalb der Menschheit als eines Ganzen aufzubauen. Alle Gesetzgebungen und Vorschriften, die in dieser Sure enthalten sind, berücksichtigen die beiden Pflichten: die Gottesfurcht und die Pflege der verwandtschaftlichen Bande.
This first passage of this sūrah begins with a verse which reminds people that they all have one Lord and a single Creator, that they descend from the same origin and belong to one family. It defines the unit of humanity as the individual and makes the family the unit of society. It emphasises the importance of fearing God and fostering ties of kinship in order to build on this basis all the obligations of mutual care and support, as well as compassion within the family and within humanity as a single whole. All the legislation and regulations included in this sūrah take into account the twin obligations of fearing God and of fostering ties of kinship.
In diesem einleitenden Abschnitt der Sure werden die Pflichten und gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Waisen dargelegt und damit ein Schutz für diejenigen geboten, die gewöhnlich sowohl innerhalb der Familie als auch in der Gesellschaft schwach sind. Diese Bestimmungen legen fest, wie Waisen und ihr Vermögen zu betreuen sind. Sie regeln außerdem, wie die Erbfolge innerhalb der Familie erfolgt und welche Anteile die verschiedenen Verwandten in einer ganzen Reihe von Situationen erhalten. All dies steht im Zusammenhang mit dem grundlegenden Prinzip, das in diesem einleitenden Vers genannt wird und dessen Erinnerungen am Anfang, in der Mitte oder am Ende anderer Verse gegeben werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Beziehung dieser Vorschriften und gesetzlichen Bestimmungen zu Dem, Der sie erlässt, dem Allerhöchsten Herrn, Der allein das Recht hat, Gesetze zu erlassen.
In this opening passage of the sūrah, the duties and legal provisions concerning orphans are outlined, thus providing protection for those who are normally weak within both the family and society. These provisions define the way in which orphans and their property should be looked after. They also regulate how inheritance takes place within the family and the various shares of different relatives according to a whole range of situations. All this relates to the fundamental principle stated in this opening verse, reminders of which are given at the beginning, middle or end of other verses. The emphasis being on the relationship between these regulations and legal provisions and the One who enacts them, the Supreme Lord Who alone has the right to legislate.
Die Menschheit beginnt mit einer einzigen Person
Mankind Begins With A Single Person
Ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, der euch aus einer einzigen Seele erschaffen hat, und aus ihr ihren Gefährten erschuf, und aus den beiden viele Männer und Frauen ausbreitete. Fürchtet Gott, in dessen Namen ihr einander bittet, und achtet auf eure verwandtschaftlichen Bande.
Mankind, fear your Lord, who has created you from a single soul, and from it created its mate, and from the two of them spread abroad so many men and women. Fear God, in whose name you appeal to one another, and be mindful of your ties of kinship.
Gewiss, Gott wacht stets über euch. (Vers 1)
Indeed, God is ever watching over you. (Verse 1)
Diese Ansprache richtet sich an die Menschheit in ihrer grundlegenden menschlichen Eigenschaft, damit sie alle zu ihrem Herrn zurückkehren, der sie „aus einer einzigen Seele“ erschaffen hat. Aus dieser einzigen Seele erschuf Er ferner ihre Gefährtin, „und aus den beiden verbreitete Er viele Männer und Frauen.“ (Vers 1)
This address is made to mankind, in their basic human quality, so that they may all turn to their Lord who has created them “from a single soul”. He further created from this single soul its mate, “and from the two of them spread abroad so many men and women.” (Verse 1)
Diese einfachen und grundlegenden Tatsachen sind sehr tiefgründig und haben großes Gewicht in den menschlichen Überlegungen. Hätten die Menschen diese Tatsachen wirklich beherzigt, so hätte dies große Veränderungen in ihrem Leben bewirkt; es hätte ihnen geholfen, von ihrem Zustand der Unwissenheit in einen Zustand der Einsicht überzugehen, wodurch sie in der Lage gewesen wären, die rechte Leitung zu empfangen und den wahren Glauben anzunehmen. So wären sie imstande gewesen, eine wahre, des Menschen würdige Zivilisation aufzubauen, des Geschöpfes, das Gott als seinen Herrn und Schöpfer anerkennt.
These simple and basic facts are very profound, having much weight in human considerations. Had people been truly mindful of these facts, it would have brought about great changes in their lives, helping them to move from their state of ignorance to a state of intelligence, whereby they would be able to receive proper guidance and accept the true faith. They would, thus, have been able to build a true civilisation worthy of man, the creature who acknowledges God as his Lord and Creator.
Diese Tatsachen eröffnen einen sehr weiten Raum zum Nachdenken. Erstens erinnern sie uns an unseren Ursprung und daran, dass wir unserem Schöpfer gehören, der uns auf dieser Erde eingesetzt hat. Die Menschen sind sich dieser Tatsache oft nicht bewusst, vergessen alles und können deshalb ihr Leben nicht auf einem festen Fundament aufbauen.
Wenn Waisen volljährig werden
When Orphans Come Of Age
Dieser kraftvolle Anfang der Sure wird von einem Überblick über das Fundament gefolgt, auf dem das islamische Gesellschaftssystem aufgebaut ist: gegenseitige Zusammenarbeit innerhalb der Familie und der Gemeinschaft, Fürsorge für die Schwachen und Schutzbedürftigen, Schutz und Würde für die Frau, die Pflege des Eigentums der Gemeinschaft sowie die Verteilung des Erbes unter den Erben nach einem System, das Gerechtigkeit für den Einzelnen und Wohlstand für die Gemeinschaft gewährleistet.
This powerful opening to the sūrah is followed with an outline of the foundation upon which the Islamic social system is built: mutual co-operation within the family and the community, care for the weak and vulnerable, protection and honour for women, looking after the property of the community, and the distribution of inheritance among heirs according to a system which ensures justice to individuals and prosperity to the community.
Vormunde von Waisen werden hier angewiesen, ihnen ihr gesamtes Vermögen zu übergeben, sobald sie das Alter erreicht haben, das mit Urteilsvermögen verbunden ist. Darüber hinaus wird ihnen geboten, unmündige Waisenmädchen, die ihrer Obhut anvertraut sind, nicht in der Absicht zu heiraten, sich ihr Vermögen anzueignen. Was die schwachsinnigen Personen betrifft, bei denen zu befürchten ist, dass sie ihr Vermögen verschwenden, sobald es ihnen übergeben wird, so soll ihnen ihr Besitz nicht ausgehändigt werden, denn dieser gehört tatsächlich der Gemeinschaft, die daran ein Interesse hat.
Guardians of orphans are commanded here to hand over to them all their property when they have attained the age associated with sound judgement. Moreover, they are commanded not to marry under-age orphan girls who are in their charge in the hope of absorbing their wealth. As for the weak-minded who, it is feared, will squander their wealth once it is given to them, they should not be handed their property, because it, in fact, belongs to the community which has an interest in it.
Daher sollte es nicht jedem überlassen werden, der es missbräuchlich verwenden könnte. Auch den Männern wird geboten, im Umgang mit Frauen allgemein Gerechtigkeit und Billigkeit zu wahren.
Hence, it should not he given up to anyone who may use it improperly. Men are also ordered to maintain justice and fairness in their treatment of women generally.
Gebt den Waisen ihr Vermögen. Ersetzt nicht Schlechtes von euch durch ihr Gutes, und verschlingt nicht ihr Vermögen in euer eigenes Vermögen. Das ist wahrlich ein großes Verbrechen. (Vers 2) Wenn ihr fürchtet, gegenüber den Waisen nicht gerecht zu handeln, dann heiratet, was euch an Frauen angenehm ist, zwei, drei oder vier. Wenn ihr aber fürchtet, zwischen ihnen nicht Gerechtigkeit wahren zu können, dann heiratet nur eine oder jene, die eure rechte Hand besitzt. Das macht es wahrscheinlicher, dass ihr kein Unrecht begeht. (Vers 3) Gebt den Frauen ihre Brautgabe als freie Gabe. Wenn sie aber aus eigenem Antrieb einen Teil davon an euch abtreten wollen, dann könnt ihr es mit Wohlgefallen nehmen.
Bedingungen für die Ehe mit einer Waise
Conditions For Marrying An Orphan Girl
`Urwah ibn al-Zubair, ein Gelehrter aus der Generation nach den Gefährten des Propheten ﷺ, berichtet, dass er einmal `Ā'ishah, die Ehefrau des Propheten ﷺ, nach diesem Vers fragte, der lautet: { „Wenn ihr aber fürchtet, dass ihr nicht gerecht sein könnt, dann heiratet nur eine oder was eure rechte Hand besitzt. Das ist eher geeignet, dass ihr nicht Unrecht tut.” (Vers 3) } Sie sagte: „Neffe, damit ist ein Waisenmädchen gemeint, das bei seinem Vormund aufwächst, und sie ist seine Teilhaberin an seinem Vermögen."
`Urwah ibn al-Zubair, a scholar from the generation following that of the Prophet’s Companions, relates that he once asked `Ā’ishah, the Prophet’s wife, about this verse which states: “But if you fear that you will not be able to maintain fairness between them, then marry only one, or those whom your right hands possess. That makes it more likely that you will not do injustice.” (Verse 3) She said: “Nephew, this refers to an orphan girl being brought up by her guardian and she is his partner in his property.
Er fühlt sich zu ihr wegen ihres Vermögens und ihrer Schönheit hingezogen, und er wünscht, sie zu heiraten, ohne ihr in der Brautgabe gerecht zu werden und ohne ihr das zu geben, was ein anderer ihr gegeben hätte. Den Menschen ist es deshalb auf der Grundlage dieses Verses nicht erlaubt, jene Waisen zu heiraten, es sei denn, sie behandeln sie gerecht und geben ihnen die höchste Brautgabe, die Mädchen ihres Standes erhalten hätten. Ferner wird ihnen befohlen, stattdessen andere Frauen zu heiraten.“ ʿUrwah überliefert außerdem auf die Autorität von ʿĀʾischa, dass die Gefährten des Propheten ﷺ nach der Offenbarung dieses Verses seine Entscheidung zur gesamten Frage erbaten. Als Antwort und Hilfe wurde ein weiterer Vers dieser Sure offenbart: „Sie befragen dich nach Bestimmungen über die Frauen. Sprich: Gott gibt euch Seine Bestimmungen über sie, ebenso das, was euch in diesem Buch über die Waisenfrauen verkündet wird, denen ihr das vorenthaltet, was ihnen zusteht, und die ihr nicht zu heiraten begehrt; ...“ (Vers 127) ʿĀʾischa sagt weiter: „Gottes Aussage in diesem anderen Vers, d. h. ‚und die ihr nicht zu heiraten begehrt‘, bezieht sich auf ihre Abneigung, Waisenmädchen zu heiraten, wenn diese weder vermögend noch schön sind. Ihnen wird daher gesagt, dass sie jene Waisenmädchen, zu denen sie wegen ihres Vermögens und ihrer Schönheit hingezogen sind, nicht heiraten dürfen, es sei denn, sie sind ihnen gegenüber gerecht. Dies liegt daran, dass sie nicht daran denken, sie zu heiraten, wenn es ihnen an Vermögen und Schönheit fehlt.“ (Überliefert von al-Buchārī.)
He is attracted to her because of her property and beauty, and he wishes to marry her without being fair to her in her dower and without giving her what someone else would have given. People are therefore not allowed, on the basis of this verse, to marry those orphans unless they treat them fairly and give them the maximum dower girls in their station would have had. They are further ordered to marry other women instead.” `Urwah also relates on the authority of `Ā’ishah that the Prophet’s Companions sought his ruling on the whole question after this verse was revealed. By way of answer and assistance, another verse of this sūrah was revealed: “They ask you for rulings concerning women. Say, God [Himself] gives you His rulings concerning them, as well as what is conveyed to you through this Book about orphan women whom you deny what has been assigned to them, and you are disinclined to marry them; ...” (Verse 127) `Ā’ishah further says: “God’s statement in this other verse, i.e. ‘and whom you are disinclined to marry’, refers to their reluctance to marry orphan girls when they are neither wealthy nor beautiful. They are, therefore, told that they must not marry those orphan girls to whom they are attracted because of their wealth and beauty unless they are fair to them. This is due to the fact that they do not consider marrying them when they lack wealth and beauty.” (Related by al-Bukhārī.)
Gründe für die Erlaubnis der Vielehe
Reasons For Permitting Polygamy
Der Islam ist ein praktisches und positives System für das menschliche Leben, das mit der menschlichen Natur, mit der Beschaffenheit des Menschen, seinen Bedürfnissen, Anforderungen und wechselnden Umständen in allen Bereichen und zu allen Zeiten übereinstimmt. Es ist ein System, das den Menschen so behandelt, wie er ist, und in der Lage, in der es ihn vorfindet, und das ihn zu Höhen erhebt, die er sonst niemals erreichen könnte, ohne dabei seine natürlichen Neigungen in irgendeiner Weise zu verurteilen, seine Natur zu unterdrücken oder seine praktischen Bedürfnisse zu übersehen. Darüber hinaus begegnet der Islam dem Menschen mit Sanftheit. Er greift nicht zu gewaltsamem oder willkürlichem Drängen, um ihn zu zwingen, sich in die Richtung zu bewegen, die er will.
Islam is a practical and positive system for human life, which is consistent with human nature and with man’s constitution, needs, requirements and changing circumstances in all areas and all generations. It is a system which deals with man as he is, and in the situation it finds him in, elevating him to heights he can never otherwise achieve, without in any way denouncing his natural desires or suppressing his nature or overlooking his practical needs. Moreover, Islam approaches man gently. It does not resort to violent or arbitrary pushing to force him to move in the direction it wants.
Der Islam beschwört kein hohles Idealtum oder eine verträumte Theorie herauf, die mit der Natur des Menschen und den Bedürfnissen seines praktischen Lebens im Widerspruch steht. Er ist ein System, dem die Sittlichkeit des Menschen und die Reinheit der Gesellschaft am Herzen liegen. Er duldet keinen Zustand, sofern dieser voraussichtlich zur Schwächung der sittlichen Werte und zur Verderbnis der Gesellschaft führen würde. Er wirkt auf die Schaffung einer gesellschaftlichen Ordnung hin, die sittliche Werte und die Reinheit der Gesellschaft fördert, und zwar mit einem Mindestmaß an Anstrengung sowohl seitens des Einzelnen als auch seitens der Gesellschaft.
Islam does not raise the spectre of hollow idealism, or dreamy theorisation that clashes with man’s nature and the needs of his practical life. It is a system that cares about man’s morality and the purity of society. It does not allow a situation to exist if this is likely to lead to the weakening of moral values and the corruption of society. It works for the creation of a social order that promotes moral values and the purity of society with minimum effort on the parts of both the individual and society.
Wenn wir die Frage der Vielehe betrachten, müssen wir alle diese wesentlichen Merkmale des islamischen Systems im Blick behalten. Wir sehen erstens, dass es in verschiedenen Gesellschaften, in der Vergangenheit wie in der Gegenwart, immer wieder praktische Fälle gegeben hat, in denen die Zahl der heiratsfähigen Frauen die Zahl der Männer übersteigt, die heiraten können. In der Geschichte ist nie bekannt geworden, dass ein solches Ungleichgewicht, das bestimmte Gesellschaften treffen kann, jemals das Verhältnis von vier zu eins überschritten hätte. Es bewegt sich stets innerhalb dieser Grenze. Wie gehen wir mit diesem Ungleichgewicht um, das von Zeit zu Zeit in unterschiedlichen Verhältnissen und Gesellschaften auftritt und das nicht übersehen werden kann? Zucken wir einfach mit den Schultern und tun nichts? Lassen wir es unbehandelt, bis es sich nach den Umständen, die sich gerade durchsetzen, von selbst einpendelt?
Beziehungen zu Sklavinnen
Relationships With Slave Women
Bis hierher haben wir der Bedingung, die der Qur'ān an die Erlaubnis knüpft, mehr als eine Frau zu heiraten, nämlich der gerechten Behandlung, die gebührende Bedeutung beigemessen. Wenn ein Mann befürchtet, dieser Bedingung möglicherweise nicht gerecht werden zu können, nennt der Qur'ān-Vers bestimmte Möglichkeiten, die ihm offenstehen: „Und wenn ihr fürchtet, nicht gerecht zwischen ihnen handeln zu können, dann heiratet nur eine oder jene, die eure rechte Hand besitzt." (Vers 3) Das bedeutet, dass die Ehe dort, wo Gerechtigkeit nicht gewahrt werden kann, auf eine einzige Frau beschränkt bleiben sollte. Die andere Alternative, die mit der Wendung „jene, die eure rechte Hand besitzt" angesprochen wird, bezieht sich auf Frauen, die Sklavinnen sind. Die Aussage ist in allgemeinen Worten gehalten und legt sich nicht auf eine förmliche Eheschließung fest. Die allgemeine Frage der Sklaverei haben wir bereits behandelt, als wir die einschlägigen Verse in Sure 2, Die Kuh oder Al-Baqarah, besprochen haben. Es ist angebracht, hier einige kurze Bemerkungen im Zusammenhang mit dem vorliegenden Vers hinzuzufügen.
So far we have given due importance to the condition attached by the Qur’ān to the concession to marry more than one wife, namely, fair treatment. When a man fears that he may not be able to abide by that condition, the Qur’ānic verse stipulates certain options that are open to him: “If you fear that you will not be able to maintain fairness between them, then marry only one, or those whom your right hands possess.” (Verse 3) This means that where fairness cannot be maintained, marriage should be confined to just one wife. The other alternative touched upon by the phrase “those whom your right hands possess” refers to women who are slaves. The statement is expressed in general terms, without specifying formal marriage. We have already spoken about the general question of slavery when we discussed the relevant verses in Sūrah 2, The Cow, or Al-Baqarah. It is pertinent to add here some brief remarks in connection with the present verse.
Wenn eine Sklavin verheiratet wird, gewinnt sie ihre menschliche Würde zurück. Eine solche Ehe berechtigt sie und jedes Kind, das sie von ihrem Herrn bekommt, zur Freiheit, selbst wenn er sie bei der Heirat nicht tatsächlich freilässt. An dem Tag, an dem sie gebiert, wird sie in den Rang einer „Mutter des Kindes“ erhoben. Ihr Herr hat dann kein Recht mehr, sie zu verkaufen, und sie ist nach seinem Tod frei. Ihr Kind ist von Geburt an frei.
When a slave woman is married, she regains her human dignity. Such a marriage qualifies her and any offspring by her master for freedom, even if he does not actually set her free when he marries her. On the day when she gives birth, she is elevated to the status of “the child’s mother”. Her master no longer has any right to sell her, and she is free on his death. Her child is free from birth.
Übergabe des Vermögens an Waisen
Handing Property Over To Orphans
Nachdem die Sure die Erörterung der Ehe mit Waisenmädchen und anderen Frauen abgeschlossen hat, greift sie erneut das Thema des Erbes der Waisen auf. Sie enthält ausführliche Bestimmungen über die Übergabe ihres Vermögens an sie, nachdem sie dies bereits im zweiten Vers kurz erwähnt hatte.
Having finished with this aspect of the discussion of marriage with orphan girls and other women, the sūrah again picks up the subject of orphans’ inheritance. It provides detailed legislation concerning the handing over of their monies to them, having briefly referred to this in the second verse.
Obwohl dieser Besitz den Waisen gehört, bleibt er im Wesen der Besitz der Gemeinschaft, den Gott ihr gegeben hat, damit die Gemeinschaft ihn bestmöglich nutzt. Die Gemeinschaft ist daher der eigentliche Eigentümer des Besitzes im Allgemeinen.
Although this property belongs to orphans, it remains, in essence, the property of the community given by God so that the community may make its best use of it. It is the community, therefore, which is the primary owner of property in general.
Einzelpersonen, darunter Waisen und diejenigen, denen dieser Besitz bei ihrem Tod überlassen wurde, sind für ihn verantwortlich, damit sie ihn investieren und daraus Nutzen ziehen und zugleich der Gemeinschaft insgesamt Nutzen bringen können. Sie dürfen diese Aufgabe übernehmen, solange sie ihr gutes Urteilsvermögen unter Beweis stellen können. Das individuelle Eigentum mit all seinen Rechten und Beschränkungen beruht auf diesem Grundsatz. Waisen, die Besitz haben, aber geistig beeinträchtigt sind und ihr Vermögen nicht klug verwalten können, wird die Verfügungsgewalt darüber nicht übertragen. Obwohl ihre Eigentumsrechte bestehen bleiben und ihnen nicht entzogen werden können, dürfen sie ihren Besitz nicht verwalten. Er gehört, wie gesagt, der Gemeinschaft. Daher wird jemand aus den Reihen der Gemeinschaft, der fähig ist, ihn zu verwalten, mit dieser Aufgabe betraut, wobei sein Verwandtschaftsgrad zum Waisen berücksichtigt wird. So wird der Grundsatz der gegenseitigen Fürsorge innerhalb der Familie erfüllt, der die Grundlage der allgemeinen Fürsorge innerhalb der größeren Familie der Gesellschaft bildet. Die geistig Beeinträchtigten haben jedoch aus ihrem Vermögen das Recht auf angemessenen Unterhalt und Kleidung sowie auf liebevolle Behandlung: „Gebt den Geistesschwachen nicht euren Reichtum, den Gott euch zur Verwahrung anvertraut hat. Sorgt aus ihm für ihren Unterhalt und ihre Kleidung und sprecht freundlich zu ihnen.“ (Vers 5)
Individuals, including orphans and those who have left them this property upon their death, are in charge of it so that they may invest and benefit by it and provide benefit to the community at large. They may undertake this task as long as they are able to prove sound judgement. Individual ownership, with all its rights and restrictions, is based on this principle. Orphans who have property, but who are feeble minded and unable to look after their property wisely, are not given control over it. Although their rights of ownership remain intact and cannot be taken away from them, they are not allowed to administer their property. It belongs, as we have said, to the community. Hence, someone who is able to administer it from the ranks of the community is given charge of it, taking into consideration his degree of kinship to the orphan. Thus, the principle of mutual care within the family, which is the basis of general care within the greater family of the society, is fulfilled. The feeble-minded, however, enjoy the rights of adequate maintenance and clothing out of their property, as well as the right to be treated kindly: “Do not give to the feeble- minded your wealth which God has assigned to you in trust. Make provisions for them and clothe them out of it, and speak to them in a kindly way.” (Verse 5)
Erbschaft: Ein gerechtes System der sozialen Sicherheit
Inheritance: A Fair System Of Social Security
Männern steht ein Anteil zu von dem, was Eltern und Verwandte hinterlassen, und Frauen steht ein Anteil zu von dem, was Eltern und Verwandte hinterlassen, sei es wenig oder viel. Es ist ein festgesetzter Anteil. (Vers 7)
Men shall have a share in what parents and kinsfolk leave behind, and women shall have a share in what parents and kinsfolk leave behind; whether it be little or much. It is an apportioned share. (Verse 7)
In den Tagen der ǧāhiliyyah, der Unwissenheit im vorislamischen Arabien, wurde weder Frauen noch kleinen Jungen ein Anteil am Erbe gegeben, Letzteren wenn überhaupt nur ein geringer. Der Grund dafür war, dass keine dieser Gruppen gegen einen Angreifer kämpfen konnte. Das Gesetz Gottes hingegen bestimmte, dass allen Verwandten ein Erbe zusteht, entsprechend ihrem Verwandtschaftsgrad und ihren Anteilen, die später noch im Einzelnen dargelegt werden. Nach der Auffassung des Islam sollen die Angehörigen einer Familie einander helfen und füreinander sorgen. Jeder ist verpflichtet, für seine Verwandten zu sorgen, wenn sie in Not sind, und ihre Haftung für die Zahlung von Schadensersatz zu teilen, wenn sie anderen den Tod zufügen oder sie verletzen bzw. körperlich schädigen. Daher ist es nur recht und billig, dass Verwandte einander beerben, wenn sie einen Besitz hinterlassen, entsprechend ihrer jeweiligen Verwandtschaft. Dies verwirklicht in der Praxis die Regel: „Der Gewinn entspricht der Haftung“. Der Islam ist ein vollständiges und in sich vollkommen stimmiges System. Dies zeigt sich am deutlichsten in der Verteilung von Rechten und Pflichten.
In the days of jāhiliyyah, or ignorance, in pre-Islamic Arabia, no share of inheritance was given to females, and little, if any, was given to young boys. The reason being that neither group could fight against any aggressor. God’s law, on the other hand, made inheritance due to all kinsfolk, according to their degree of kinship and their shares, which will be detailed later. It is the view of Islam that members of the same family should help and look after one another. Everyone is required to look after his relatives when they are in need, and to share their liability in paying compensation in cases of causing death to or inflicting injury or bodily harm on others. Hence, it is only right that relatives should inherit each other, when they leave behind some property, according to their respective kinship. This gives practical effect to the rule that: “gain is commensurate with liability”. Islam is a complete and perfectly coherent system. This is reflected most clearly in the distribution of rights and obligations.
Dies ist die allgemeine Regel des Erbrechts. Manche mögen das Konzept des Erbrechts in Frage stellen, doch dies verrät lediglich ihre Respektlosigkeit gegenüber Gott, ihre Unkenntnis der menschlichen Natur und der Erfordernisse des praktischen Lebens.
Schutz der Schwachen und Schutzbedürftigen
Protecting The Weak And Vulnerable
Bevor die Sure die jeweiligen Erbanteile festlegt, warnt sie erneut davor, sich das Vermögen von Waisen anzueignen. Die Art, wie diese Warnung vorgetragen wird, kann die Herzen der Menschen nur tief bewegen. Sie weckt Gefühle der Liebe und des Mitleids für die eigenen Kinder, die elterliche Sorge um sie, wenn sie jung und schwach sind, und ebenso die Gottesfurcht, die über all unsere Handlungen wacht. Sie weckt auch die Furcht um die eigene Sicherheit im Jenseits. Die Furcht davor, im Feuer zu brennen, wird hier in einer sehr anschaulichen und eindringlichen Szene geschildert: „Jene sollen sich fürchten, die, wenn sie selbst schwache Nachkommen zurücklassen müssten, um deren Wohl besorgt wären. Sie sollen (davor) Furcht haben, den Waisen in ihrer Obhut Unrecht zu tun; sie sollen Gott fürchten und gerecht reden."
Before defining the respective shares of inheritance which are due, the sūrah gives another warning against absorbing orphans’ property. The way the warning is delivered cannot fail to have a strong effect on people’s hearts. It does this by stimulating feelings of love, of compassion for one’s own children, of parental fear for them when they are young and weak, and similarly of fear of God who watches over all our actions. It also arouses fear for one’s safety in the life to come. The fear of burning in the fire is portrayed here in a very vivid and powerful scene: “Let those who, if they themselves had to leave behind weak offspring, would feel fear on their account, be afraid (to wrong the orphans in their charge), let them fear God and speak in a just manner.
„Diejenigen, die das Vermögen von Waisen zu Unrecht verzehren, verschlingen nur Feuer in ihre Bäuche. Sie werden in einem lodernden Feuer brennen müssen.“ (Verse 9-10)
Those who devour the property of orphans unjustly, only swallow fire into their bellies. They will be made to endure a blazing fire.” (Verses 9-10)
Der erste Vers rührt an das Herz der Eltern und beschreibt die typische elterliche Furcht vor dem, was ihren Nachkommen zustoßen könnte. Sie werden aufgefordert, sich ihre Kinder vorzustellen: schwach, schutzlos, allein gelassen, ohne jemanden, der sie beschützt oder sich ihrer erbarmt. Wenn sie sich ihre eigenen Kinder in dieser Lage vorstellen, werden sie notwendigerweise Mitgefühl für die Waisen empfinden, die ihrer Obhut anvertraut sind. Sie können nicht wissen, ob ihre eigenen Kinder in die Obhut anderer gegeben würden, so wie sie selbst für die Waisen verantwortlich sind. Ihnen wird außerdem eindringlich nahegelegt, in ihrem Umgang mit denen, die ihrer Obhut unterstehen, Gott zu fürchten. Dies geschieht, damit Gott ihren eigenen Kindern Menschen zur Seite stellt, die Ihn in ihrem Umgang mit solchen Waisen fürchten, und damit diese mitfühlend sind und gut für sie sorgen. Ihnen wird auch gesagt, dass sie zu Waisen gerecht sprechen sollen.
Islamisches Erbrecht gewährleistet Gerechtigkeit für alle
Islamic Inheritance Ensures Justice For All
Gott gebietet euch hinsichtlich eurer Kinder: Der Sohn erhält einen Anteil, der dem Anteil zweier Töchter gleichkommt. Sind es mehr als zwei Frauen, so steht ihnen zwei Drittel dessen zu, was [die Eltern] hinterlassen; und ist es nur eine, so steht ihr die Hälfte davon zu. Was die Eltern [des Verstorbenen] betrifft, so steht jedem von ihnen ein Sechstel dessen zu, was er hinterlässt, falls er Kinder hat; hat er aber keine Kinder und sind seine Eltern seine Erben, so steht seiner Mutter ein Drittel zu; und hat er Brüder und Schwestern, so steht seiner Mutter ein Sechstel zu, nachdem (die Schulden abgezogen wurden), sofern er ein Vermächtnis hinterlassen hat, oder eine ausstehende Schuld. Ihr wisst nicht, welche von euren Eltern und euren Kindern euch mehr nützen. Dies ist daher eine Verordnung von Gott. Gott ist Allwissend, Weise. (Vers 11)
God has this to enjoin on you with regard to your children: The male shall have a share equal to that of two females. If there are more than two women, they shall have two-thirds of what [their parents] leave behind; and if there is only one, she shall have one-half of it. As for the parents [of the deceased], each of them shall have one sixth of what he leaves behind, in the event of his having a child; but if he leaves no children, and his parents be his heirs, then his mother shall have one-third; and if he has brothers and sisters, his mother shall have one-sixth after (deducting) any bequest he may have made, or any outstanding debt. With regard to your parents and your children, you do not know which of them is of more benefit to you. This is, therefore, an ordinance from God. God is All-Knowing, Wise. (Verse 11)
An dieser Stelle erläutert die Sure das islamische Erbrechtssystem. Sie beginnt mit einer Anordnung, die in Form einer nachdrücklichen Empfehlung erfolgt und die Gott den Eltern gibt, unter ihren Kindern Gerechtigkeit zu wahren. Diese Anordnung zeigt, dass Gott, erhaben ist Er in Seiner Herrlichkeit, gütiger, gerechter und barmherziger ist als Eltern gegenüber ihren eigenen Kindern.
At this point, the sūrah explains the Islamic system of inheritance. It starts with an order, made in the form of a strong recommendation, made by God to parents, to maintain justice among their children. This order shows that God, limitless is He in His glory, is kinder, fairer and more merciful than parents are to their own children.
Es zeigt außerdem, dass das gesamte Erbrecht von Gott festgelegt wurde, der über jede Angelegenheit zwischen Eltern und Kindern sowie über alle Fragen, die unter Verwandten auftreten können, Sein Urteil gefällt hat. Die Menschen haben keine andere Wahl, als Seine Anordnungen anzunehmen und Seine Bestimmungen umzusetzen. Dies ist das richtige Verständnis von Religion, das die Sure in ihrer Gesamtheit in klarster Weise darzulegen sucht.
Erbschaft von Eltern und Kindern
Inheritance Of Parents And Children
Die Aufteilung beginnt mit den Anteilen der Nachkommen, wenn sie von ihren Eltern erben: „Sind es mehr als zwei Frauen, so steht ihnen zwei Drittel dessen zu, was [ihre Eltern] hinterlassen; und ist es nur eine, so steht ihr die Hälfte davon zu.“ Hat der Verstorbene keine männlichen Nachkommen, wohl aber zwei oder mehr Töchter, so teilen sich seine Töchter zu gleichen Teilen zwei Drittel seines Nachlasses. Hinterlässt er nur eine Tochter, so erbt sie die Hälfte seines Nachlasses. Der Rest geht an seine nächsten Verwandten väterlicherseits, also an seinen Vater, Großvater oder Bruder, oder an seinen Halbbruder väterlicherseits oder an seinen Onkel väterlicherseits oder an die Kinder seines Großvaters.
The division begins with the shares of offspring when they inherit from their parents: “If there are more than two women, they shall have two-thirds of what [their parents] leave behind; and if there is only one, she shall have one-half of it.” If the deceased has no male issue, but has two or more daughters, his daughters share equally two- thirds of his estate. If he leaves behind only one daughter, she inherits half of his estate. The remainder goes to his nearest of kin on his father’s side, i.e. to his father, grandfather or brother, or to his half-brother on his father’s side or to his paternal uncle or the children of his grandfather.
Der Koranvers besagt: „Sind es aber mehr als zwei Frauen, so steht ihnen zwei Drittel dessen zu, was [ihre Eltern] hinterlassen.“ Diese Aussage bestimmt zwei Drittel, wenn der Verstorbene mehr als zwei Töchter hinterlässt. Derselbe Anteil von zwei Dritteln wird auch dann gegeben, wenn der Verstorbene nur zwei Töchter hat, und zwar auf der Grundlage der Sunnah sowie durch Analogie zum Anteil, der zwei Schwestern im letzten Vers dieser Sure zusteht. Was die Sunnah betrifft, so berichten Abū Dāwūd, al-Tirmidhī und Ibn Mājah auf die Autorität Jābirs hin, dass die Witwe von Sa`d ibn al-Rabī` zum Propheten ﷺ kam und sagte: „Gesandter Gottes, dies sind die beiden Töchter von Sa`d, dessen Vater in der Schlacht von Uĥud als Märtyrer fiel, in der er an deiner Seite kämpfte. Ihr Onkel hat ihr Geld genommen und ihnen nichts gelassen. Sie können nicht auf eine Heirat hoffen, solange sie kein Geld haben.“ Der Prophet ﷺ sagte: „Gott wird in dieser Angelegenheit Sein Urteil fällen.“ Dann wurde der Vers offenbart, der die Erbanteile festlegt. Der Prophet ﷺ ließ dem Onkel ausrichten: „Gib den beiden Töchtern von Sa`d zwei Drittel, ihrer Mutter ein Achtel, und du behältst den Rest.“ Dies ist also das Urteil des Propheten ﷺ, das zwei Töchtern zwei Drittel zuspricht. Es zeigt, dass der Verstorbene, wenn er zwei oder mehr Töchter, aber keine Söhne hinterlässt, seine Töchter sich zwei Drittel seines Vermögens teilen.
The Qur’ānic verse states: “If there are more than two women, they shall have two-thirds of what [their parents] leave behind.” This statement apportions two-thirds if the deceased leaves behind more than two daughters. The same portion of two-thirds is given when the deceased has only two daughters on the basis of the Sunnah as well as the analogy with the share given to two sisters in the final verse of this sūrah. As for the Sunnah, Abū Dāwūd, al-Tirmidhī and Ibn Mājah relate, on the authority of Jābir, that the widow of Sa`d ibn al-Rabī` came to the Prophet, saying: “Messenger of God, these are the two daughters of Sa`d whose father fell a martyr in the Battle of Uĥud in which he fought with you. Their uncle has taken their money and left them nothing. They cannot hope to get married unless they have money.” The Prophet said: “God will give His judgement in this case.” Then the verse that outlines shares of inheritance was revealed. The Prophet sent a message to their uncle, saying: “Give Sa`d’s two daughters two-thirds and their mother one-eighth and you take the remainder.” This, then, is the Prophet’s judgement which gives two-thirds to two daughters. It shows that when the deceased leaves two or more daughters but no sons behind, his daughters share two-thirds of his property.
Wenn Gottes Gesetze befolgt werden
When God’s Laws Are Obeyed
Dies sind die Grenzen, die Gott gesetzt hat. Wer Gott und Seinem Gesandten gehorcht, den wird Er in Gärten eingehen lassen, durch die Bäche fließen, darin er ewig verweilen wird. Das ist der große Triumph. Wer aber Gott und Seinem Gesandten ungehorsam ist und Seine Grenzen überschreitet, den wird Er ins Feuer schicken, darin er ewig verweilen wird; und ihm wartet schmachvolle Strafe. (Verse 13-14)
These are the bounds set by God. Whoever obeys God and His Messenger, him will He admit into gardens through which running waters flow, there to dwell forever. That is the supreme triumph. But whoever disobeys God and His Messenger, and transgresses His bounds, him will He commit to the fire, there to abide forever; and shameful torment awaits him. (Verses 13-14)
Diese beiden Verse dienen als weitere Bekräftigung der grundlegenden Regel des Islam, die unmissverständlich klarstellt, dass die Befugnis zur Gesetzgebung allein Gott zusteht. Jede Übertretung dieser Regel stellt einen Ungehorsam gegenüber Gott und eine Ablehnung des Islam insgesamt dar. Dies wird in diesen beiden Versen erneut hervorgehoben, die die Anteile beschreiben, die für die Verteilung des Nachlasses eines Verstorbenen unter seinen oder ihren Erben festgelegt sind, als von Gott gesetzte Grenzen. Diese Verse dienen als klare Bestimmung der Beziehungen innerhalb der Familie sowie der sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen in der Gesellschaft insgesamt. Die Vorschriften, die sie darüber geben, wie der Nachlass des Verstorbenen aufzuteilen ist, sind endgültig. Werden sie gebührend beachtet und werden Gott und Sein Gesandter in diesen gesetzlichen Bestimmungen befolgt, ist der Lohn groß: nichts Geringeres als das Paradies, ewiglich, was in der Tat ein höchster Triumph ist. Werden sie durch Ungehorsam gegenüber Gott und Seinem Gesandten übertreten, so ist das Ergebnis ein ewiges Feuer und eine schmähliche Qual.
These two verses serve as further emphasis to the basic rule of Islam that makes it absolutely clear that the authority to legislate belongs to God alone. Any contravention of this rule constitutes disobedience to God and rejection of Islam altogether. This is re-emphasised in these two verses which describe the shares specified for the distribution of the estate of a deceased person among his or her heirs as bounds set by God. These verses serve as a clear definition of relations within the family and social and economic relations in the society at large. The rulings they give on how the estate of the deceased is to be shared out are final. When they are properly respected and God and His Messenger are obeyed in these legal provisions, the reward is great: it is nothing less than Paradise, forever, which is indeed a supreme triumph. When they are contravened by disobedience to God and His Messenger, the result is an everlasting fire and a shameful torment.