Al-Qasas Die Geschichte (Undankbar gegenüber Gottes Segnungen) 76–84
Al-Qasas The Story (Ungrateful For God’s Blessings) 76-84
Qārūn [oder Korah] gehörte zum Volk Moses, behandelte sie jedoch ungerecht.
Qārūn [or Korah] was one of the people of Moses, but he treated them unjustly.
Wir hatten ihm solche Schätze gegeben, dass selbst ihre Schlüssel eine zu schwere Last für eine Schar kräftiger Männer gewesen wären.
We had granted him such treasures that their very keys would have been too heavy a burden for a band of strong men.
Sein Volk sagte zu ihm: „Prahle nicht [mit deinem Reichtum]; denn Gott liebt jene nicht, die prahlerisch sind.“
His people said to him: ‘Do not exult [in your riches]; for God does not love those who are exultant. (76)
„Suche stattdessen mit dem, was Gott dir gewährt hat, das Gute des Jenseits, ohne deinen rechtmäßigen Anteil an dieser Welt zu vergessen; und tue Gutes, so wie Gott dir Gutes getan hat, und suche nicht, Verderben auf der Erde zu verbreiten; denn Gott liebt die nicht, die Verderben verbreiten.‘ (77)
Seek instead, by means of what God has granted you, the good of the life to come, without forgetting your rightful share in this world; and do good just as God has done good to you, and do not seek to spread corruption on earth; for God does not love the ones who spread corruption.’ (77)
Er antwortete: „Mir wurde dieser Reichtum nur aufgrund des Wissens zuteil, das ich besitze.“ Wusste er denn nicht, dass Gott viele Generationen vor ihm vernichtet hatte, die weitaus mächtiger waren und größeren Reichtum besaßen als er?
Answered he: ‘I have been given this wealth only by virtue of the knowledge that I have.’ Did he not know that God had destroyed many a generation that preceded him, and who were far more powerful and greater in wealth than he?
Die Schuldigen werden nicht nach ihren Sünden befragt. (78)
The guilty are not questioned about their sins. (78)
Und so zog er vor sein Volk in all seiner Pracht hinaus. Diejenigen, die nur das diesseitige Leben begehrten, sprachen: „Ach, hätten wir doch dasselbe wie das, was Qārūn gegeben wurde! Er ist wahrlich ein Mann von großem Glück!“ (79)
And so he went forth before his people in all his pomp. Those who cared only for the life of this world said: ‘Oh, would that we had the like of what Qārūn has been given! He is certainly a man of great fortune!’ (79)
Aber diejenigen, denen wahres Wissen gewährt worden war, sprachen: „Wehe euch! Der Lohn Gottes ist bei weitem der beste für jeden, der glaubt und Rechtschaffenes tut. Doch niemand erlangt ihn außer denen, die in Widrigkeiten geduldig sind.“ (80)
But those who had been granted true knowledge said: ‘Woe to you! God’s reward is by far the best for any who believes and does what is right. Yet none can attain this other than those who are patient in adversity.’ (80)
Dann ließen Wir die Erde ihn samt seiner Wohnstätte verschlingen. Er hatte keine Schar, die ihm gegen Gott hätte helfen können, und er vermochte sich selbst nicht zu verteidigen. (81)
Then We caused the earth to swallow him, together with his dwelling. He had none to give him support against God, nor was he able to protect himself. (81)
Am nächsten Morgen sagten jene, die noch tags zuvor gewünscht hatten, an seiner Stelle zu sein: „Siehe! Gott gewährt reichlich oder bemisst knapp, wem von Seinen Dienern Er will. Hätte Gott nicht Seine Gnade an uns erwiesen, so hätte Er die Erde auch uns verschlingen lassen. Siehe! Die Ungläubigen werden nicht erfolgreich sein.“ (82)
By the morning, those who but yesterday had longed to be in his place were now saying: ‘Behold! It is indeed God who gives in abundance, or gives in small measure, to whom He wills of His servants. Had not God been gracious to us, He might have caused the earth to swallow us, too. Behold! The unbelievers will not achieve success.’ (82)
Dieses glückliche Leben im Jenseits gewähren Wir jenen, die auf Erden nicht danach streben, sich zu erheben, noch Unheil zu stiften. Das Ende gehört den Gottesfürchtigen. (83)
We grant that happy life in the hereafter to those who do not seek to exalt themselves on earth or to spread corruption. The future belongs to the God- fearing. (83)
Wer mit einer guten Tat kommt, dem wird Besseres als diese zuteil; wer aber mit einer bösen Tat kommt, dem wird nur das gleiche vergolten, was er getan hat. (84)
Whoever comes [before Him] with a good deed shall have far better than it; but anyone who comes with an evil deed will be requited with nothing more than the like of what they have done. (84)
Überblick
Overview
Die Sure begann mit der Geschichte von Moses und Pharao, die die Macht der Herrschaft und Autorität zeigt und wie diese, wenn sie mit Ungerechtigkeit, Tyrannei, Unglauben und der Abkehr von der Rechtleitung Gottes einhergeht, im Scheitern und Verderben endet. Nun erzählt die Sure von Qārūn, dem Korah, und stellt die Macht des Reichtums und des Wissens dar, und wie diese, wenn sie mit Hochmut und Undankbarkeit einhergeht, zum gleichen Ende führt. Im Kern zeigt die Sure jene Werte, die Reichtum und Luxus gegenüber Glauben und Rechtschaffenheit praktisch bedeutungslos machen, ebenso wie Maß beim Genuss der Freuden des Lebens ohne Überheblichkeit und Verderbnis.
The sūrah opened with the story of Moses and Pharaoh showing the power of government and authority and how, when coupled with injustice, tyranny, disbelief and abandonment of God’s guidance, it ended in failure and ruin. Now the sūrah tells us about Qārūn, or Korah, portraying the power of wealth and knowledge and how, when coupled with arrogance and ingratitude, this leads to the same end. In essence, the sūrah depicts those values that make wealth and luxury practically insignificant when compared with faith and righteousness, as also with moderation in enjoying life’s pleasures without arrogance or corruption.
Der Qur’ān nennt weder die Zeit noch den Ort, an denen sich diese Ereignisse zugetragen haben. Er sagt nur, dass Qārūn zu Mūsās Volk gehörte und dass er ihm gegenüber ungerecht war.
The Qur’ān does not specify the time and place where these events took place. It only tells us that Qārūn belonged to Moses’ people and that he was unjust to them.
Geschah dies in Ägypten, bevor die Israeliten auszogen? Oder geschah es nach ihrem Auszug, aber zu Lebzeiten Moses? Oder geschah es nach dem Tod Moses? Es gibt einige Berichte, die nahelegen, dass Qārūn ein Cousin Moses war und dass sich die in der Sure geschilderten Ereignisse zu Lebzeiten Moses zutrugen. Andere Berichte fügen hinzu, dass er Moses sogar Unrecht tat und an einem Komplott beteiligt war, das darauf abzielte, Moses des Ehebruchs zu beschuldigen. Qārūn sollte dafür einen Bestechungslohn erhalten. Gott erwies, dass Moses unschuldig war, und erlaubte ihm, Qārūn zu bestrafen, der in die Erde versank.
Did this happen in Egypt before the Israelites left? Or was it after their departure but during Moses’ lifetime? Or did it take place after Moses’ death? There are some reports which suggest that Qārūn was Moses’ cousin and that the events related in the sūrah took place during Moses’ lifetime. Other reports add that he even wronged Moses and was party to a plot that sought to accuse Moses of adultery. Qārūn was to receive a bribe in return. God showed that Moses was innocent and allowed him to punish Qārūn, who was swallowed into the earth.
Guter Rat, auf Arroganz gestoßen
Sound Advice Met With Arrogance
Qārūn [oder Korah] gehörte zum Volk des Moses, doch er behandelte sie ungerecht. Wir hatten ihm so große Schätze gegeben, dass schon ihre Schlüssel eine Last für eine Schar starker Männer gewesen wären. Sein Volk sagte zu ihm: „Sei nicht übermütig [im Reichtum]; denn Gott liebt die Übermütigen nicht. Suche vielmehr mit dem, was Gott dir gegeben hat, das Gute des Jenseits, ohne deinen rechtmäßigen Anteil an dieser Welt zu vergessen; und tue Gutes, so wie Gott dir Gutes getan hat, und suche nicht, Verderben auf der Erde zu verbreiten; denn Gott liebt die nicht, die Verderben verbreiten.“ Er antwortete: „Diesen Reichtum habe ich nur aufgrund des Wissens erhalten, das ich besitze.“ (Verse 76–78)
Qārūn [or Korah] was one of the people of Moses, but he treated them unjustly. We had granted him such treasures that their very keys would have been too heavy a burden for a band of strong men. His people said to him: Do not exult [in your riches]; for God does not love those who are exultant. Seek instead, by means of what God has granted you, the good of the life to come, without forgetting your rightful share in this world; and do good just as God has done good to you, and do not seek to spread corruption on earth; for God does not love the ones who spread corruption.’ Answered he: ‘I have been given this wealth only by virtue of the knowledge that I have.’ (Verses 76-78)
Die Geschichte beginnt damit, dass sie ihren Hauptakteur Qārūn und seine Gemeinschaft, „das Volk Moses“, benennt, ebenso die Art, wie er mit seinem Volk umging, nämlich ungerecht. Sie nennt gleich zu Beginn auch den Grund für diese Ungerechtigkeit, nämlich den Reichtum: „Wir hatten ihm so große Schätze gegeben, dass ihre Schlüssel für eine Schar kräftiger Männer eine zu schwere Last gewesen wären.“ (Vers 76) Anschließend werden die Ereignisse, Aussagen und Reaktionen geschildert, die damit verbunden sind.
This is how the story begins, naming its main character, Qārūn, and his community, “the people of Moses”, as well as the way he treated his people, which was unjust. It also tells us right at the very start the reason for such injustice, namely wealth: “We had granted him such treasures that their very keys would have been too heavy a burden for a band of strong men.” (Verse 76) It goes on to explain the events, statements and reactions involved.
Qārūn gehörte zum Volk Moses'. Gott hatte ihm überreichen Reichtum gegeben, den die Sure als „Schätze" beschreibt, ein Begriff, der einen gehorteten Überschuss an Geld bezeichnet, der dem Umlauf entzogen wird. Schon das bloße Tragen der Schlüssel zu diesen Schätzen war eine schwere Last, selbst für eine Gruppe starker Männer. Wegen seines Reichtums behandelte Qārūn sein Volk ungerecht. Die Sure nennt die Form des Unrechts, das Qārūn verübte, nicht ausdrücklich, sondern lässt es unbestimmt, sodass alle Arten von Unrecht darunter fallen. Er mag ihnen Land und Eigentum auf unrechtmäßige Weise genommen haben, wie es oft von denen geschieht, die Macht und Reichtum nutzen, um anderen ihre Rechte vorzuenthalten. Er mag ihnen auch ihren gerechten Anteil an seinem Besitz vorenthalten haben. Gott hat den Armen ihren rechtmäßigen Anteil am Besitz der Reichen gegeben, damit der Reichtum nicht ausschließlich unter den Reichen zirkuliert, während um sie herum die Armen in größter Not leben. Wenn dies geschieht, wird Verderbnis offenkundig. Qārūn könnte sich ebenso anderer Formen des Unrechts schuldig gemacht haben.
Trügerische Erscheinungen
Dazzling Appearances
In dieser ersten Szene sehen wir die Arroganz auf ihrem Höhepunkt. Wir sehen auch, wie guter Rat zugunsten von Korruption und Undankbarkeit missachtet wird.
In just this first scene we see arrogance at its height. We also see sound advice ignored in favour of corruption and ingratitude.
Die zweite Szene zeigt Qārūn, wie er vor seinem Volk erscheint, geschmückt mit all dem Prunk, den sein Reichtum ihm ermöglichte. Einige von ihnen sind davon so geblendet, dass sie ihren innigsten Wunsch äußern, etwas Ähnliches zu besitzen. Neidisch glauben sie, dass ihm ein großes Vermögen gegeben wurde. Andere hingegen hören auf die Stimme des Glaubens, die sich über den Reiz des Reichtums und den Pomp Qārūns erhebt. Mit voller Zuversicht sprechen sie und erinnern die erste Gruppe an die Tatsachen:
The second scene shows Qārūn appearing before his people, decked out in all the splendour his wealth could afford him. Some of them are so dazzled by this that they express their keenest wish to have something similar. Envious, they believe that he has been given a great fortune. Others, however, listen to the voice of faith, rising above the lure of wealth and Qārūn’s pomp. Speaking in full confidence, they remind the first group of the facts:
So zog er in all seiner Pracht vor sein Volk hinaus. Diejenigen, die nur das diesseitige Leben begehrten, sagten: „Oh, hätten wir doch dasselbe, was Qārūn gegeben wurde! Er ist wahrlich ein Mann von großem Glück!“ Diejenigen aber, denen wahres Wissen gewährt worden war, sagten: „Wehe euch! Gottes Lohn ist bei weitem der beste für jeden, der glaubt und Rechtschaffenes tut. Doch niemand erlangt ihn außer denen, die in Widrigkeiten geduldig sind.“ (Verse 79-80)
And so he went forth before his people in all his pomp. Those who cared only for the life of this world said: ‘Oh, would that we had the like of what Qārūn has been given! He is certainly a man of great fortune! But those who had been granted true knowledge said: ‘Woe to you!’ God’s reward is by far the best for any who believes and does what is right. Yet none can attain this other than those who are patient in adversity.’ (Verses 79-80)
Hier sehen wir Menschen, die dem Glanz der Annehmlichkeiten dieses diesseitigen Lebens verfallen sind und bereit sind, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um ihren Anteil daran zu erhalten. Andere hingegen empfinden den Glauben als den größeren Segen und hoffen auf den Lohn Gottes. So wird der Wert des Reichtums neben den Wert des Glaubens gestellt: „Diejenigen, die nur das Leben dieser Welt begehrten, sagten:"
Here, we see some people infatuated with the luxuries that the present life can offer, ready to do what they can in order to have their share of it. Others feel that faith is a greater blessing, and hope for God’s reward. Thus the value of wealth is set side by side with the value of faith: “Those who cared only for the life of this world said:
Ein passender Abschluss
A Fitting End
Wenn die Anziehungskraft materieller Pracht und Prunks am stärksten ist, greift Gott ein, um die Prüfung zu beenden und die schwächeren Glieder der Gemeinschaft vor solcher Versuchung zu bewahren. So wird der Hochmut in der dritten, entscheidenden Szene dieser Geschichte vollständig vernichtet.
When the attraction of material splendour and pomp is at its greatest, God intervenes in order to end the test and save the weaker elements of the community from such temptation. Thus arrogance is utterly destroyed in the third, decisive scene of this story:
Da ließen Wir die Erde ihn samt seiner Behausung verschlingen. Er hatte keine Schar, die ihm gegen Gott beistand, und er vermochte sich selbst nicht zu helfen.
Then We caused the earth to swallow him, together with his dwelling. He had none to give him support against God, nor was he able to protect himself. (Verse 81)
In einem so kurzen Satz wird ein gewaltiges Ereignis beschrieben: „Wir ließen die Erde ihn verschlingen samt seiner Wohnstätte.“ So versank Qārūn in der Erde, über die sein Hochmut sich erhoben hatte. Er erscheint schwach und machtlos, unfähig, seinen Reichtum oder seine Stellung zu seinem Vorteil zu nutzen.
In such a short sentence a huge event is described: “We caused the earth to swallow him, together with his dwelling.” Thus Qārūn went into the earth over which his pride had swelled. He is shown to be weak and powerless, incapable of using his wealth or position to any advantage.
Mit ihm fand auch die schwere Prüfung, die anderen Menschen das Leben gekostet hatte, ihr Ende. Der Schlag, den er erhielt, brachte sie dazu, sich wieder Gott zuzuwenden, und hob den Schleier des Irrtums, der sie zuvor geblendet hatte. So wird die letzte Szene der Geschichte dargestellt:
With him the severe test that had claimed other people was also brought to an end. The blow he received made them turn back to God, lifting the cover of error that had earlier blinded them. The final scene of the story is thus portrayed:
Am Morgen sagten jene, die noch tags zuvor sich gewünscht hatten, an seiner Stelle zu sein: Siehe! Gott gibt reichlich oder bemisst knapp, wem Er von Seinen Dienern will. Hätte Gott nicht Gnade an uns erwiesen, Er hätte die Erde auch uns verschlingen lassen. Siehe! Die Ungläubigen werden keinen Erfolg haben.
By the morning, those who but yesterday had longed to be in his place were now saying: Behold! It is indeed God who gives in abundance, or gives in small measure, to whom He wills of His servants. Had not God been gracious to us, He might have caused the earth to swallow us, too. Behold! The unbelievers will not achieve success.