Al-Nisa (Organisation der äußeren Beziehungen) 87 - 94
Al-Nisa ( Organising External Relations ) 87 - 94
Gott, außer Dem es keine Gottheit gibt, wird euch alle am Tag der Auferstehung, der gewiss kommen wird, zweifellos versammeln. Wessen Wort könnte wahrhaftiger sein als das Wort Gottes? (87)
God, save whom there is no deity, will surely gather you all together on the Day of Resurrection, which is sure to come, no doubt. Whose word could be truer than God’s? (87)
Wie könnt ihr euch in zwei Gruppen spalten lassen in Bezug auf die Heuchler, wo doch Gott selbst sie wegen ihrer Schuld verstoßen hat? Wollt ihr denjenigen den Weg weisen, den Gott irregehen lässt? Für jenen, den Gott irregehen lässt, wirst du niemals einen Weg finden.
How could you be divided into two groups concerning the hypocrites, when God Himself has cast them off because of their guilt? Do you seek to guide those whom God has let go astray? For him whom God lets go astray you can never find any way.
(88)
(88)
Sie wünschen sich, dass ihr ungläubig werdet, so wie sie ungläubig sind, damit ihr alle gleich seid. Nehmt sie daher nicht zu Verbündeten, bis sie um Gottes willen auswandern. Wenden sie sich jedoch ab, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet. Nehmt keinen von ihnen zum Verbündeten oder Helfer. (89)
They would love to see you disbelieve as they themselves disbelieve, so that you may be all alike. Do not, therefore, take them for your allies, until they migrate for God’s cause. If they turn against you, then seize them and kill them wherever you may find them. Do not take any of them for your ally or supporter. (89)
Ausgenommen davon sind jene unter ihnen, die Verbindungen zu Menschen haben, mit denen ihr selbst durch einen Bund verbunden seid, oder jene, die zu euch kommen, weil ihre Herzen davor zurückschrecken, gegen euch oder gegen ihr eigenes Volk zu kämpfen. Hätte Gott es gewollt, hätte Er sie über euch mächtig gemacht, und sie hätten gegen euch gekämpft.
Except in the case of those of them who have ties with people to whom you yourselves are bound by a covenant, or those who come to you because their hearts shrink from the thought of fighting you or fighting their own people. Had God so willed, He would have given them power over you, and they would have fought you.
Wenn sie euch also in Ruhe lassen, nicht gegen euch kämpfen und euch Frieden anbieten, hat Gott euch kein Recht gegen sie gegeben.
Therefore, if they leave you alone, and do not make war on you, and offer you peace, God has given you no way against them.
(90)
(90)
Sie werden andere finden, die sowohl vor euch sicher sein wollen als auch vor ihrem eigenen Volk. Sooft sie zur Zwietracht zurückgerufen werden, stürzen sie sich kopfüber hinein. Wenn sie euch nicht in Ruhe lassen, euch keinen Frieden anbieten und ihre Hände nicht zurückhalten, dann packt sie und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt. Gegen diese haben Wir euch eine klare Vollmacht gegeben. (91)
You will find others who would like to be safe from you as well as to be safe from their own people. Whenever they are called back to sedition they plunge headlong into it. If they do not leave you alone, and do not offer you peace and do not stay their hands, seize them and kill them wherever you come upon them. Over these We have given you a clear authority. (91)
Ein Gläubiger darf niemals einen anderen Gläubigen töten, es sei denn aus Versehen. Wer einen Gläubigen aus Versehen tötet, muss einen gläubigen Sklaven befreien und seiner Familie eine Blutgeld-Entschädigung zahlen, es sei denn, sie verzichten darauf als Almosen. Gehörte das Opfer einem Volk an, das mit euch im Krieg steht, war es aber selbst gläubig, so soll sein Mörder einen gläubigen Sklaven befreien. Gehörte es einem Volk an, mit dem ihr durch einen Bund verbunden seid, so ist die Buße eine Entschädigung, die an seine Familie zu zahlen ist, und die Befreiung eines gläubigen Sklaven. Wer die Mittel dazu nicht hat, muss zwei aufeinanderfolgende Monate fasten. Dies ist die Sühne, die Gott vorgeschrieben hat. Gott ist allwissend und weise. (92)
Never should a believer kill another believer, unless it be by mistake. He who kills a believer by mistake must free a believing soul from bondage and pay an indemnity to his family, unless they forego it by way of charity. If the victim belonged to a people who are at war with you, while he himself was a believer, then let his killer free a believing soul from bondage. If he (the victim) belonged to a people with whom you are bound by a covenant, then the penalty is an indemnity to be paid to his family and the freeing of a believing soul from bondage. He who cannot afford the wherewithal must fast for two consecutive months. This is the atonement ordained by God. God is All-Knowing, Wise. (92)
Wer vorsätzlich einen Gläubigen tötet, dessen Strafe ist die Hölle, darin wird er ewig bleiben. Gott wird zornig auf ihn sein, ihn verstoßen und ihm eine furchtbare Strafe bereiten. (93)
He who deliberately kills a believer his punishment is hell, therein to abide permanently. God will be angry with him, and will reject him, and will prepare for him a dreadful suffering (93)
Gläubige, wenn ihr auf einer Expedition seid, um der Sache Gottes zu dienen, so prüft genau und sagt nicht aus Verlangen nach den flüchtigen Gewinnen dieses weltlichen Lebens zu dem, der euch den Gruß des Friedens entbietet: „Du bist kein Gläubiger“, denn bei Gott sind reichliche Gewinne. So wart auch ihr in früheren Tagen. Doch Gott hat euch Seine Gnade erwiesen. Darum prüft genau. Gewiss, Gott ist stets wohl darüber unterrichtet, was ihr tut. (94)
Believers, when you go on an expedition to serve the cause of God, use your discernment and do not — out of a desire for the fleeting gains of this worldly life — say to one who offers you the greeting of peace: “You are not a believer”: for with God are abundant gains. Thus have you been in days gone by. But God has bestowed on you His grace. Therefore, use your discernment. Indeed God is always aware of what you do. (94)
Überblick
Overview
Dieser neue Abschnitt beginnt mit einer nachdrücklichen Bekräftigung des zentralen Grundsatzes des islamischen Glaubens, nämlich der Einheit Gottes. Auf dieser Grundlage formuliert er anschließend eine Reihe von Bestimmungen zur Ordnung der Beziehungen zwischen der muslimischen Gemeinschaft und anderen Gruppierungen. Der Abschnitt enthält außerdem eine Verurteilung der Spaltung der Muslime in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Ansichten hinsichtlich des Umgangs mit den Heuchlern. Es scheint, dass sich dies auf eine bestimmte Gruppe von Heuchlern bezieht, die nicht in Madinah lebten. Diese Bestimmungen ebenso wie die Verurteilung beruhen auf demselben zentralen Grundsatz des Islam, der am deutlichsten dort genannt wird, wo im Qur'an eine gesetzliche Regelung oder eine praktische Weisung erwähnt wird. Es ist festzuhalten, dass diese Bestimmungen nur einen Teil der Regeln darstellen, die der Islam als erster in der Menschheitsgeschichte für die Regelung der internationalen Beziehungen verkündet hat. Zum ersten Mal überhaupt beruhen diese Beziehungen auf einer anderen Grundlage als roher Gewalt.
This new passage begins with an emphatic reiteration of the central principle of Islamic faith, declaring God’s oneness. It goes on to formulate on this basis a number of provisions to organise relations between the Muslim community and other groupings. The passage includes a denunciation of the division of Muslims into two groups with different views with regard to the treatment of hypocrites. It seems that this relates to a particular group of hypocrites who did not live in Madinah. These provisions, as well as the denunciation, are based on the same central principle of Islam which is stated most clearly whenever a piece of legislation or a practical directive is mentioned in the Qur’ān. It should be stated that these provisions constitute only a part of the rules which Islam was the first to enunciate in human history for the regulation of international relations. For the first time ever, these relations have a basis other than brute force.
Trotz seines Völkerrechts und all der internationalen Organisationen, die auf der Grundlage solchen Rechts entstanden sind, begann Europa erst im siebzehnten Jahrhundert (dem elften Jahrhundert des islamischen Kalenders), diese Richtung einzuschlagen. Allgemein gesprochen bleibt dieses Recht theoretisch, und die internationalen Organisationen sind im Großen und Ganzen Mittel, um die Ambitionen der Großmächte zu verschleiern. Keineswegs lassen sie sich als Einrichtungen beschreiben, die darauf abzielen, dass Gerechtigkeit geübt wird. Sie sind als Ergebnis von Auseinandersetzungen zwischen gleich starken Kräften entstanden. 14 Immer dann, wenn sich dieses Gleichgewicht stark zu der einen oder anderen Seite neigt, verlieren die internationalen Rechtsnormen an Wert, und die internationalen Organisationen haben keine Zähne mehr.
Despite its international law and all the international organisations that have come into existence on the basis of such law, Europe began moving in this direction only in the seventeenth century (the eleventh century of the Islamic calendar). Generally speaking, this law remains theoretical, and international organisations are, on the whole, devices to conceal the ambitions of the great powers. In no way can they be described as aiming to ensure that justice is done. They have come into existence as a result of disputes between forces of equal strength. 14 Whenever this balance is heavily tilted one way or the other, international laws become of little value and international organisations have no teeth.
14 Der Autor schrieb dies in den späten 1950er Jahren.
14 The author wrote this during the late 1950s.
Leitprinzipien
Guiding Principles
„Gott, außer dem es keine Gottheit gibt, wird euch alle am Tag der Auferstehung, der gewiss kommen wird, ohne Zweifel versammeln. Wessen Wort könnte wahrhaftiger sein als das Gottes?“ (Vers 87) Bei der Kultivierung der Herzen und der Erziehung der Menschen sowie bei der Errichtung einer muslimischen Gemeinschaft und der Verleihung einer eigenen Gestalt und eines eigenen Rechts beginnt der Islam mit dem Grundsatz, die Einheit Gottes zu bekennen und dass Er die einzige Gottheit im Universum ist. Dasselbe gilt, ob es sich um eine innere Gesetzgebung für die muslimische Gemeinschaft handelt oder ob sie die internationalen Beziehungen betrifft. Daher beginnt auch der Abschnitt, der eine Vielzahl von Bestimmungen für die äußeren Beziehungen enthält, mit demselben zentralen Grundsatz. Aus dem Glauben an das Jenseits und an die Versammlung aller Seiner Geschöpfe durch Gott, damit sie Rechenschaft darüber ablegen, was sie mit den Gelegenheiten getan haben, die Er ihnen in diesem Leben geboten hat, beginnt das islamische System seine Arbeit, die Herzen zu kultivieren und die Menschen zu erziehen.
To start with, this passage begins with the basic principle central to the foundation of Islamic society. “God, save whom there is no deity, will surely gather you all together on the Day of Resurrection, which is sure to come, no doubt. Whose word could be truer than God’s?” (Verse 87) In the cultivation of hearts and the education of people, as well as in establishing a Muslim community and giving it a distinctive shape and law, Islam begins with the basic principle of declaring the oneness of God and that He is the only deity in the universe. The same holds true whether the legislation to be enacted is an internal one for the Muslim community or whether it relates to international dealings. Hence, the passage which includes a host of provisions for external relations opens with the same central principle. It is from believing in the hereafter and the gathering by God of all His creatures, so that they may account for what they have done with the chances He has offered them in this life, that the Islamic system begins its work to cultivate hearts and educate people.
Ziel ist es, Muslimen ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber den islamischen Gesetzen und Weisungen sowie deren Wirksamkeit im menschlichen Leben zu vermitteln. Jede Kleinigkeit gehört zur Prüfung, der jeder Einzelne unterworfen ist. Jeder wird für all seine Taten zur Rechenschaft gezogen, seien sie groß oder klein. Dies ist die sicherste Garantie für die ordnungsgemäße Durchsetzung aller Gesetze. Es ist eine Garantie, die tief in den Tiefen der menschlichen Seele verwurzelt ist. Sie verleiht ihr ein stets feinfühliges Gewissen, das wach bleibt, wenn jede äußere Wache in tiefen Schlaf fällt. Dies ist Gottes Wort und Sein Versprechen: „Und wessen Wort könnte wahrhaftiger sein als das Gottes?“ (Vers 87)
The aim is to provide Muslims with a keen sense of commitment to Islamic laws and directives and their operation in human life. Every little thing is part of the test set for every individual. Everyone will be held to account for all his deeds, large or small. This is the surest guarantee for the proper enforcement of all laws. It is a guarantee that is well rooted in the depths of the human soul. It gives it an ever sensitive conscience that remains alert when every external watch guard goes into deep slumber. This is God’s Word and His promise: “Whose word could be truer than God’s?” (Verse 87)
Umgang mit Heuchlern
Dealing With Hypocrites
Der folgende Vers kritisiert das Zögern der muslimischen Gemeinschaft, gegenüber den Heuchlern eine entschlossene Haltung einzunehmen. Die muslimische Gemeinschaft war offenbar in zwei Meinungen gespalten, was zu einer Kontroverse über ihr Verhältnis zu einer Gruppe von Heuchlern von außerhalb Madinas führte. Die Kritik macht deutlich, dass der Islam in solchen Angelegenheiten nur eine entschlossene Haltung akzeptiert. Er lässt bei der Herangehensweise der muslimischen Gemeinschaft an ein solches Problem keinerlei Zögern zu. Ein solches Zögern bedeutet, die Täuschung zu akzeptieren, die sie vorgeben.
The next verse criticises the Muslim community’s hesitation to adopt a firm attitude towards the hypocrites. The Muslim community was apparently in two minds, leading to some controversy with regard to its relationship with a group of hypocrites from outside Madinah. The criticism makes it clear that Islam only accepts a firm attitude in such matters. It allows for no hesitation in the Muslim community’s approach to such a problem. Such hesitation means accepting the pretence they offer.
Dies kann nur geschehen, wenn es auf einem klar definierten Handlungsplan beruht.
This can only be done if it is based on a clearly defined plan of action.
Wie könnt ihr euch in zwei Gruppen spalten lassen in Bezug auf die Heuchler, wo doch Gott selbst sie wegen ihrer Schuld verstoßen hat? Wollt ihr denjenigen den Weg weisen, den Gott irregehen lässt? Für jenen, den Gott irregehen lässt, wirst du niemals einen Weg finden.
How could you be divided into two groups concerning the hypocrites, when God Himself has cast them off because of their guilt? Do you seek to guide those whom God has let go astray? For him whom God lets go astray you can never find any way.
(Vers 88)
(Verse 88)
Wir haben zwei Überlieferungen, die angeben, welche Gruppe von Heuchlern in diesem Koranvers gemeint ist. Die erste, von Imām Aĥmad überliefert, berichtet von Zayd ibn Thābit, einem Gefährten des Propheten ﷺ, dass der Prophet ﷺ nach Uĥud [mit einem Heer] aufbrach. Einige derer, die mit ihm gingen, beschlossen jedoch umzukehren. Seine Gefährten waren sich uneins darüber, wie mit diesen Abtrünnigen zu verfahren sei. Eine Gruppe sagte, sie müssten getötet werden. Eine andere Gruppe widersprach und erklärte, sie seien Gläubige. Daraufhin wurde dieser Koranvers offenbart, der die Frage aufwarf, dass die Muslime eine einheitliche Haltung einnehmen sollten. Der Prophet ﷺ sagte: „Diese Stadt ist Ṭaibah [ein anderer Name für Madinah, der bedeutet, dass sie eine gute und tugendhafte Stadt ist]. Sie wirft das Böse aus, so wie der Schmelzofen die fremden Bestandteile aus dem Eisen wirft.“ (Überliefert von al-Bukhārī und Muslim.)
Voraussetzungen für ein Bündnis mit Gläubigen
Qualifications For Alliance With Believers
Sie wünschen sich, dass ihr ungläubig werdet, so wie sie selbst ungläubig sind, damit ihr alle gleich seid. Nehmt sie daher nicht zu Verbündeten, bis sie um Gottes willen auswandern. Wenden sie sich aber ab, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet. Nehmt keinen von ihnen zum Verbündeten oder Helfer. (Vers 89)
They would love to see you disbelieve as they themselves disbelieve, so that you may be all alike. Do not, therefore, take them for your allies, until they migrate for God’s cause. If they turn against you, then seize them and kill them wherever you my find them. Do not take any of them for your ally or supporter. (Verse 89)
Dieser Vers geht einen weiteren Schritt, um die Haltung und Absichten der Heuchler bloßzulegen. Sie haben nicht nur den Irrtum der göttlichen Rechtleitung vorgezogen, und ihre Taten und bösen Absichten haben es verdient, dass Gott sie noch weiter in die Irre gehen lässt, sondern sie haben auch absichtlich versucht, die Gläubigen von ihrem rechten Weg in den Irrtum abzulenken: „Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, so wie sie ungläubig sind, damit ihr alle gleich seid.“ Obwohl sie dieselben Aussagen wiederholen wie die Muslime und dieselbe Erklärung abgegeben haben, an die Einheit Gottes und an die Botschaften Muhammads ﷺ zu glauben, widerlegt ihre praktische Unterstützung der Feinde des Islam ihre verbalen Bekundungen. Dennoch begnügen sie sich damit nicht.
This verse moves another step closer to exposing the attitude and intentions of the hypocrites. It is not only that they have chosen error in preference to Divine guidance and that their deeds and bad intentions have merited that God lets them go further astray, but they have deliberately tried to divert the believers off their right course into error: “They would love to see you disbelieve as they themselves disbelieve, so that you my be all alike.” Despite the fact that they repeat the same statements as the Muslims, and they have made the same declaration of believing in the oneness of God and in the messages of Muĥammad (peace be upon him), their practical support to the enemies of Islam belie their verbal statements. Nevertheless, they are not satisfied with that.
Wer den wahren Glauben bewusst ablehnt, empfindet keine Freude, wenn der Glaube weiterhin auf Erden spürbar bleibt und Gläubige anzieht. Er ist der Überzeugung, dass er sich mit aller Kraft und unter Einsatz all seiner Mittel bemühen muss, die Muslime zum Unglauben zurückzuführen, damit sie sich in derselben Lage befinden wie er. Dies ist eine erste Bestimmung der wahren Haltung des Heuchlers. Sie lässt keinen Raum für ein „weiches“ Verständnis des Glaubens. Sie macht unmissverständlich deutlich, dass der Glaube verlangt, dass das Handeln mit den verbalen Aussagen übereinstimmt. Worte haben keine Bedeutung, wenn die Taten ihnen widersprechen.
Frieden mit Stärke
Peace With Power
Nachdem die Sure ein klares Urteil gegen jene gefällt hat, die sich trotz ihres Anspruchs, Muslime zu sein, auf die Seite der Ungläubigen stellen, nennt sie eine Ausnahme für diejenigen, die Zuflucht bei Menschen suchen, mit denen die muslimische Gemeinschaft einen Bund oder einen Vertrag hat. Die für eine solche Gemeinschaft festgelegte Haltung gilt nun auch für sie: „Ausgenommen diejenigen unter ihnen, die Bindungen zu Leuten haben, mit denen ihr selbst durch einen Bund verbunden seid.“ (Vers 90)
Having thus given a clear verdict against those who side with the unbelievers despite their claims to be Muslims, the sūrah states an exception in the case of those who seek refuge with people who have a covenant or a treaty with the Muslim community. The attitude determined for such a community now also applies to them: “Except in the case of those of them who have ties with people to whom you yourselves are bound by a covenant.” (Verse 90)
Wir sehen hier, dass der Islam den Frieden bevorzugt, wann immer Raum für Frieden besteht, der seine Aufgabe, seine Botschaft frei an die Menschen zu überbringen, und die Gewährung freier Wahl für sie nicht behindert. Niemand und nichts sollte in der Lage sein, Gewalt gegen das Bemühen einzusetzen, den Islam den Menschen zu vermitteln. Die Sicherheit der Muslime sollte gewährleistet sein. Sie dürfen keiner Gefahr von Aufruhr ausgesetzt werden und keinen Bedrohungen der islamischen Botschaft, die dazu führen könnten, dass ihre Bemühungen behindert werden. Aus diesem Grund genießen diejenigen, die Zuflucht suchen und bei einer Gruppe von Menschen leben, die mit den Muslimen durch einen Vertrag oder ein Bündnis verbunden sind, dieselbe Behandlung wie die Menschen, unter denen sie leben. Für sie gilt derselbe Zustand des Friedens. Dies ist ein klarer Beleg für den friedliebenden Charakter des Islam.
We see here that Islam prefers peace whenever there is room for peace which does not impede its work of freely conveying its message to people and allowing them free choice. Nothing and no one should be in a position to use force against the effort to convey Islam to people. The security of the Muslims should be guaranteed. They must not be exposed to any danger of sedition or to threats to the Islamic message which may cause its efforts to be hampered. For this reason, those who seek refuge and live with any group of people who are bound by a treaty or a covenant with the Muslims enjoy the same treatment as the people with whom they live. The same state of peace applies to them. This is clear evidence of the peaceful nature of Islam.
Eine Ausnahme von Gefangenschaft und Hinrichtung gilt auch für diejenigen Einzelpersonen, Stämme oder Gemeinschaften, die eine neutrale Haltung einnehmen, also jene, die sich nicht an den Kämpfen beteiligen, die zwischen ihrem Volk und den Muslimen stattfinden. Ihre Herzen schrecken davor zurück, entweder mit ihrem Volk gegen die Muslime oder mit den Muslimen gegen ihre eigenen Verwandten zu kämpfen. Diese Menschen halten sich abseits und sind nicht bereit, sich auf irgendeine Feindseligkeit einzulassen: „Oder jene, die zu euch kommen, weil ihre Herzen davor zurückschrecken, gegen euch oder gegen ihr eigenes Volk zu kämpfen.“ (Vers 90)
Entschädigung für versehentliche Tötung
Indemnity For Accidental Killing
Alles Vorangegangene bezieht sich auf die Beziehungen zwischen der muslimischen Gemeinschaft und anderen Lagern. Die Sure geht nun dazu über, die inneren Beziehungen unter Muslimen zu behandeln, unabhängig davon, wie weit ihre Länder voneinander entfernt sind. Es ist klar, dass es unter Muslimen weder Kampf noch Tötung geben darf, außer als Strafe für bestimmte Verbrechen. Der Punkt ist, dass keine Situation die Glaubensbeziehung überlagern kann, die zwischen Muslimen besteht. Daher darf kein Muslim jemals einen anderen Muslim töten, wissend, dass dieses starke Band des Glaubens zwischen ihnen besteht. Eine solche Tötung kann nur aus Versehen geschehen.
All the foregoing applies to relations between the Muslim community and other camps. The sūrah now moves on to speak of internal relations among Muslims, no matter how distant their countries are. It is clear that there can be no fighting or killing among Muslims except by way of punishment for certain crimes. The point is that there can be no situation superseding the relationship of faith that exists between Muslims. Hence, no Muslim may ever kill another Muslim, knowing that this strong tie of faith exists between them. Such killing may only happen by mistake.
Da dies eine Möglichkeit ist, bedarf es bestimmter rechtlicher Bestimmungen. Was die vorsätzliche Tötung betrifft, so ist sie ein Verbrechen von solcher Abscheulichkeit, dass es durch keine Sühne getilgt werden kann. Sie überschreitet alle Grenzen des Islam.
Since this is a possibility, it requires certain legal provisions. As for deliberate killing, it is a crime much too ghastly to be erased by any atonement. It is something that transgresses all boundaries of Islam.
Niemals darf ein Gläubiger einen anderen Gläubigen töten, außer aus Versehen. Wer einen Gläubigen aus Versehen tötet, muss einen gläubigen Sklaven befreien und seiner Familie eine Blutgeld-Entschädigung zahlen, es sei denn, sie verzichten darauf als Almosen. Gehörte das Opfer zu einem Volk, das mit euch im Krieg ist, er selbst aber ein Gläubiger war, so soll sein Töter einen gläubigen Sklaven befreien. Gehörte er zu einem Volk, mit dem euch ein Bündnis verbindet, so ist die Strafe eine Entschädigung, die an seine Familie zu zahlen ist, und die Befreiung eines gläubigen Sklaven. Wer die Mittel dazu nicht hat, muss zwei aufeinanderfolgende Monate fasten. Dies ist die Sühne, die Gott vorgeschrieben hat. Gott ist Allwissend, Weise. (Vers 92)
Never should a believer kill another believer, unless it be by mistake. He who kills a believer by mistake must free a believing soul from bondage and pay an indemnity to his family, unless they forego it by way of charity. If the victim belonged to a people who are at war with you, while he himself was a believer, then let his killer free a believing soul from bondage. If he (the victim) belonged to a people with whom you are bound by a covenant, then the penalty is an indemnity to be paid to his family and the freeing of a believing soul ,from bondage. He who cannot afford the wherewithal must fast for two consecutive months. This is the atonement ordained by God. God is All- Knowing, Wise. (Verse 92)
Strafe für vorsätzliche Tötung
Punishment For Deliberate Killing
Alles Vorstehende gilt für die unbeabsichtigte Tötung. Der vorsätzliche Mord an einem Gläubigen ist ein so abscheuliches Verbrechen, dass es von niemandem begangen werden kann, in dessen Herz auch nur die geringste Spur des Glaubens ist. Es kann weder durch eine Entschädigung noch durch die Freilassung von Sklaven gesühnt werden. Die Strafe in diesem Fall wird von Gott selbst vollzogen: „Wer einen Gläubigen absichtlich tötet, dessen Strafe ist die Hölle, darin er ewig bleibt. Gott wird über ihn zürnen, ihn verstoßen und ihm eine gewaltige Strafe bereiten.“ (Vers 93)
All the foregoing applies to accidental killing. A deliberate murder of a believer is a crime too horrendous to be committed by anyone who has any trace of faith in his heart. It cannot be compensated for by any indemnity or by setting slaves free. The punishment in this case is exacted by God Himself: “He who deliberately kills a believer, his punishment is hell, therein to abide permanently. God will be angry with him, and will reject him, and will prepare for him a dreadful suffering.” (Verse 93)
Es ist ein Mord, bei dem das Opfer nicht allein der Mensch ist, der ohne jede Rechtfertigung getötet wird. Es zerstört auch das edle und hochgeschätzte Band, das Gott zwischen einem Muslim und dem anderen geknüpft hat. Es ist ein Verbrechen gegen die Idee des Glaubens an Gott selbst. Deshalb wird es häufig mit der Leugnung des Glaubens insgesamt in Verbindung gebracht. Einige angesehene Gelehrte, darunter Ibn `Abbās, der Vetter des Propheten ﷺ, vertreten die Ansicht, dass die Reue für ein solches Verbrechen nicht angenommen wird.
It is a crime of murder wherein the victim is not merely the human being who is killed without any justification whatsoever. It also kills the noble and dearly cherished tie established by God between one Muslim and another. It is a crime against the very idea of believing in God. For this reason, it is often associated with denying faith altogether. Some scholars of high standing including Ibn `Abbās, the Prophet’s cousin, are of the opinion that no repentance of such a crime is acceptable.
Andere Gelehrte, die anderer Meinung sind, stützen ihre Argumentation auf den Koranvers, der besagt: „Gott vergibt nicht, dass Ihm Partner beigesellt werden, doch Er vergibt weniger Schweres, wem Er will.“ (Vers 116) Diese letzteren Gelehrten sagen, dass ein vorsätzlicher Mörder eines Muslims dennoch auf die Vergebung Gottes hoffen dürfe. Sie erklären die Aussage, dass ein solcher Mörder für immer in der Hölle bleiben werde, so, dass damit gemeint sei, die Hölle werde für ihn eine sehr lange Zeit lang der Aufenthaltsort sein.
Other scholars who disagree, rely for their argument on the Qur’ānic verse which states: “God does not forgive that partners should be associated with Him, but He forgives any lesser sin to whomever he wills.” (Verse 116) These latter scholars say that a deliberate murderer of a Muslim may still hope for God’s Forgiveness. They explain the statement that such a killer shall abide permanently in hell as signifying that hell will be his abode for a very long time.