In einer solchen Atmosphäre bewussten Gehorsams wird der Mensch von oben angesprochen: „O Mensch! Du mühst dich ab zu deinem Herrn hin, und du wirst Ihm begegnen.“ (Vers 6) „O Mensch!“ Dein Herr hat dich auf vollkommene Weise erschaffen. Er hat dir dein Menschsein gegeben, das dich von der übrigen Schöpfung unterscheidet. Dein Menschsein verleiht dir bestimmte Eigenschaften, die dich mehr als Himmel und Erde dazu hätten bringen müssen, dir deines Herrn bewusster zu sein und Ihm gehorsamer und unterwürfiger zu sein. Er hat dem Menschen von Seinem eigenen Geist gegeben und ihn mit der Fähigkeit ausgestattet, mit Ihm in Verbindung zu treten, Sein Licht zu empfangen und sich mit der Gnade Gottes zu veredeln, um den höchsten Grad an Vollkommenheit zu erreichen, der einem Menschen möglich ist. Dies ist keine geringe Auszeichnung.
In such an atmosphere of conscious obedience, man is addressed from on high: “O man! You have been toiling towards your Lord, and you shall meet Him.” (Verse 6) “O man!” your Lord has made you in a perfect way. He has given you your humanity which distinguishes you from the rest of creation. Your humanity endows you with certain characteristics which should have made you more conscious of your Lord, and more obedient and submissive to Him than both the sky and the earth. He has given man of His own spirit and endowed him with the ability to communicate with Him, receive His light, ennoble himself with God’s grace in order to achieve the highest degree of perfection attainable by man. This is no little distinction.
„O Mensch! Du mühst dich ab auf dem Weg zu deinem Herrn, und du wirst Ihm begegnen.“ (Vers 6)
“O man! You have been toiling towards your Lord and you shall meet Him.” (Verse 6)
Der Mensch müht sich gewiss hart in diesem Leben, trägt seine Verantwortung und strengt sich an. All dies tut er, um am Ende, wie alle übrige Schöpfung, zu Gott zurückzukehren. Der Mensch müht sich sogar um das, was er genießt! Nichts in diesem Leben gelingt mühelos oder ohne Anstrengung: Wenn manchmal keine körperliche Arbeit nötig ist, so ist doch gewiss eine geistige und seelische Anstrengung erforderlich. Darin sind Reiche und Arme gleich, wenngleich sich die aufgewendete Mühe in Art und Form unterscheiden mag. Diese Ansprache erinnert den Menschen daran, dass hartes Mühen das Los aller in diesem irdischen Leben ist. Wenn wir aber unserem Herrn begegnen, werden wir uns in zwei Gruppen teilen: Die einen werden eine Mühsal erleiden, die mit dem auf Erden Erlittenen nicht zu vergleichen ist; die anderen, bestehend aus denen, die ihren Gehorsam und ihre wahre Hingabe bewiesen haben, werden eine Ruhe genießen, in der das Leid dieses Lebens vergessen sein wird.
Man certainly labours hard in this life, shouldering his responsibilities and exerting himself. All this he does in order to return, in the end, like all the rest of creation, to God. Man labours even for what he enjoys! Nothing in this life comes easily or without effort: if sometimes no physical labour is needed, then surely some mental and emotional effort is required. In this the rich and poor are alike, although the labour exerted may differ in kind and form. This address reminds man that labouring hard is the lot of all in this life on earth. But when we meet our Lord, we will fall into two groups: one will suffer hardship incomparable to that suffered on earth; and the other, consisting of those who have demonstrated their obedience and true submission, will enjoy a rest in which the suffering of this life will be forgotten.
„Wer sein Buch in seine rechte Hand gegeben bekommt, wird zu einer milden Abrechnung gelangen und fröhlich zu seinen Leuten zurückkehren.“ (Verse 7-9) Wer sein Buch in die rechte Hand gegeben bekommt, ist der Glückliche, der seinem Glauben treu war. Gott ist mit ihm zufrieden und belohnt ihn reichlich. Er wird eine milde Abrechnung erhalten, das heißt, dass er nicht für das zur Rechenschaft gezogen wird, was er in diesem Leben getan hat. Dies wird in den Überlieferungen des Propheten ﷺ mehr als deutlich. ʿĀʾischa, die Ehefrau des Propheten ﷺ, überliefert ihn mit den Worten: „Wer zur Rechenschaft gezogen wird, wird Qual erleiden.“ In ihrem Bericht fuhr sie fort, dass Gott sagt: „… wird eine milde Abrechnung erhalten.“ Darauf antwortete der Gesandte Gottes ﷺ: „Damit ist nicht Abrechnung und Verantwortung gemeint. Milde Abrechnung bedeutet nichts weiter, als dass man ihm sein Buch zeigt. Wer am Tag des Gerichts zur Rechenschaft gezogen wird, wird Qual erleiden.“ [Überliefert von al-Bukhārī, Muslim, al-Tirmidhī und al-Nasā’ī.] ʿĀʾischa berichtete außerdem: „Ich hörte den Gesandten Gottes ﷺ in seinem Gebet sagen: ‚Mein Herr, mache meine Abrechnung mild.‘ Als er sein Gebet beendet hatte, fragte ich ihn: ‚Was ist die milde Abrechnung?‘ Er antwortete: ‚Wer eine milde Abrechnung erhält, dessen Buch wird überprüft und dem wird vergeben. Wer aber an jenem Tag zur Rechenschaft gezogen wird, wird zugrunde gehen.‘“ [Überliefert von Aḥmad.] Dies ist also die milde Abrechnung, die demjenigen zuteilwird, der sein Buch in seine rechte Hand erhält. Er wird siegreich sein und „fröhlich zu seinen Leuten zurückkehren“, die ebenfalls gesiegt haben und vor ihm ins Paradies gelangt sind. Wir folgern aus dieser Aussage, dass jene, die in diesem Leben den Glauben annehmen und dem rechten Weg folgen, im Paradies zusammenkommen werden. Jeder findet sich bei denen wieder, die er liebt. Zudem erhalten wir ein Bild der alles entscheidenden Prüfung des Siegers: Er kehrt zurück, sein Gesicht überströmt vor Glück.
“He who is given his record in his right hand will in time have a lenient reckoning, and return rejoicing to his people.” (Verses 7-9) He who is given his book in his right hand is the happy one who was true to his faith. God is pleased with him and rewards him well. He will have a lenient reckoning, that is to say that he will not be called to account for what he did in this life. This is abundantly clear in the traditions of the Prophet. `Ā’ishah, the Prophet’s wife, quotes him as saying: “He who is called to account will suffer affliction.” Continuing her report, she pointed out that God says, ‘He... shall have a lenient reckoning.’ God’s Messenger answered: ‘That is not what is meant by reckoning and accountability. Lenient reckoning signifies no more than showing him his record. He who is called to account on the Day of Judgement will suffer affliction.’“ [Related by al-Bukhārī, Muslim, al-Tirmidhī and al-Nasā’ī.] `Ā’ishah also related: “I heard God’s Messenger (peace be upon him) saying in his prayers ‘My Lord, make my reckoning a lenient one’. When he had finished his prayers I asked him, ‘What is the lenient reckoning?’ He answered: ‘He who receives lenient reckoning will have his record looked into and will be forgiven, but he who is called to account on that day will perish.” [Related by Aĥmad.] This is, then, the lenient reckoning accorded to him who receives his record in his right hand. He shall win “and return rejoicing to his people,” who will also have won and arrived in heaven ahead of him. We deduce from this statement that those who accept the faith in this life and adhere to the right path will gather together in heaven. Everyone ends up with those whom he loves. We also have an image of the winner’s all-important test: he returns with his face overflowing with happiness.
Das Bild ist das Gegenteil dessen, was dem Betroffenen geschieht, der über seine bösen Taten Rechenschaft ablegen muss und sein Buch der Taten widerstrebend empfängt. „Wer aber sein Buch hinter seinem Rücken erhält, der wird bald Vernichtung herbeirufen und im Feuer der Hölle brennen.“ (Verse 10-12)
This image is the opposite of what happens to the afflicted one who has to account for his evil deeds and receives his record with reluctance. “But he who is given his record behind his back will in time call down destruction upon himself and will enter the fire of hell.” (Verses 10-12)
Der Koran unterscheidet gewöhnlich zwischen dem Empfang des Registers mit der rechten oder der linken Hand. Hier haben wir ein neues Bild: Das Register wird von hinter dem Rücken gereicht. Es gibt keinen Grund, auszuschließen, dass jemand sein Register zugleich in der linken Hand und von hinter seinem Rücken erhält. Es ist das Bild eines Menschen, der großes Schamgefühl empfindet und es hasst, mit dem konfrontiert zu werden, was er getan hat. Wir haben kein wirkliches Wissen über die Beschaffenheit dieses Registers oder darüber, wie es in der rechten oder linken Hand oder hinter dem Rücken gereicht wird. Aber wir können aus dem ersten Ausdruck die Wirklichkeit des Gewinnerseins erfassen und aus dem zweiten die Wirklichkeit des Verderbens. Dies ist in der Tat das, was wir erfassen sollen. Diese verschiedenen Ausdrucksformen dienen hauptsächlich dazu, uns den Punkt einzuprägen und seine Wirkung zu verstärken. Denn genaues Wissen darüber, was geschehen wird und wie es geschehen wird, gehört allein Gott.
The Qur’ān usually makes a distinction between receiving one’s record with one’s right or left hand. Here we have a new image: the record is given from behind one’s back. There is no reason to prevent anyone being given his record in his left hand and from behind his back at the same time. It is an image of one who feels great shame and hates to be confronted with what he has done. We have no real knowledge of the nature of this record or how it is given in one’s right or left hand or behind one’s back. But we can comprehend from the first expression the reality of being a winner, and from the second the reality of doom. This is indeed what we are meant to appreciate. These various forms of expression are used mainly to drive the point home to us and to enhance its effects. For exact knowledge of what will happen and how it will happen belongs only to God.
So, der unglückliche Mensch, der sein Leben auf der Erde in harter Mühsal verbracht, Gott aber ungehorsam gewesen ist und sich dem hingegeben hat, was verboten ist, wird sein Schicksal erkennen. Er begreift, dass ihn vor sich nichts als weiteres Leiden und harte Mühsal erwartet, mit dem einzigen Unterschied, dass dieses Mal das Leiden größer, ununterbrochen und endlos sein wird. Daher ruft er sich selbst den Untergang herbei, denn er sieht seine eigene Vernichtung als das einzige Mittel der Rettung vor dem, was über ihn kommen wird. Wenn der Mensch Zuflucht in seiner eigenen Vernichtung sucht, dann befindet er sich gewiss in einer hilflosen Lage. Sein eigenes Nichtsein wird zu seinem stärksten Verlangen. Seine Verzweiflung ist unbeschreiblich. Dies ist die Bedeutung, die in dem Gedicht des arabischen Dichters al-Mutanabbī mitschwingt, das mit den Worten beginnt, die im Deutschen etwa so wiedergegeben werden können: „Es genügt ein Leiden, dass du den Tod für eine Heilung hältst. Es spricht Bände, dass der Untergang begierig ersehnt wird.“ Es ist gewiss ein Fall unbeschreiblicher Not und Elends. „Und [er] wird in das Feuer der Hölle eintreten.“ (Vers 12) Dies ist das Ende, dem er durch seine eigene Vernichtung zu entkommen sucht; doch es gibt keinen Ausweg.
So, the unfortunate one who lived his life on earth labouring hard but disobeying God and indulging in what is forbidden will know his destiny. He realizes that what lies in front of him is more suffering and hard labour with the only difference being that this time the suffering is greater, uninterrupted and endless. So, he calls destruction upon himself, for he sees his own destruction as the only means of salvation from what will befall him. When man seeks refuge in his own destruction, then he is certainly in a helpless position. His own non-existence becomes his strongest desire. His hopelessness is beyond description. This is the meaning implied by the Arab poet al-Mutanabbī in his poem which starts with what may be rendered in English as: “Suffice it a malady that you should think death a cure. It says much that doom should be eagerly desired.” It is certainly a case of indescribable distress and misery. “And [he] will enter the fire of hell.” (Verse 12) This is the end from which he wishes to escape by means of his own destruction; but there is no way out.
Nachdem die Sure diese elende Szene gezeichnet hat, gewährt sie uns einen Einblick in die Vergangenheit des Leidenden, die ihn in dieses endlose Elend geführt hat: „Er lebte fröhlich unter seinem Volk.
Having portrayed this miserable scene, the sūrah gives us a glimpse of the sufferer’s past which led him to this endless misery: “He lived joyfully among his people.
Er dachte sicherlich, er werde niemals zurückkehren.“ (Verse 13-14) Die Vergangenheitsform wird hier verwendet, weil wir das Gefühl haben, dass der Tag des Gerichts angebrochen ist, nachdem dieses Leben beendet ist. Die Ausschweifung und die Freude hatten in diesem Leben stattgefunden. „Er lebte freudig unter seinem Volk.“ Er kümmerte sich um nichts über den Augenblick hinaus, in dem er sich befand, und traf keine Vorbereitung für das Jenseits. „Er dachte sicherlich, er werde niemals zurückkehren“, zu seinem Herrn. Hätte er am Ende seiner Lebensreise an die Rückkehr gedacht, hätte er Proviant mitgenommen, der ihn versorgt hätte. „Ja, gewiss; sein Herr beobachtete ihn.“ (Vers 15) Gewiss war Gott schon immer über die Gedanken, Handlungen und Gefühle des Menschen im Bilde. Gott weiß, dass es, anders als der Mensch vielleicht denkt, eine Rückkehr zu Ihm geben wird, um die Belohnung zu empfangen, die seine Taten auf Erden verdient haben. Dies geschieht tatsächlich, wenn alle zu Gott zurückkehren, um ihr bestimmtes Schicksal zu erfahren, wenn das eintritt, was Gott bestimmt hat.
He surely thought he would never return.” (Verses 13-14) The past tense is used here because we feel that the Day of Judgement has arrived, after this life has ended. The indulgence and the joy had taken place in this life. “He lived joyfully among his people.” He cared for nothing beyond the moment he was in, and made no preparation for the hereafter. “He surely thought he would never return,” to his Lord. Had he thought about the return at the end of his journey through life, he would have carried provisions to sustain him. “Yes, indeed; his Lord was watching over him.” (Verse 15) Indeed God has always been aware of man’s thoughts, actions and feelings. God knows that, contrary to what man may think, there will be a return to Him to receive the reward merited by actions on earth. This is indeed what happens when all return to God to meet their appointed destiny, when what God has ordained will take place.
„Er lebte fröhlich unter seinem Volk. Er glaubte sicherlich, niemals zurückzukehren. Ja, wahrlich; sein Herr hatte ein Auge auf ihn." (Verse 13-15) Diesem Bild vom Elend dessen, der während seines kurzen Lebens auf Erden unter seinem Volk fröhlich war, steht das Bild des Glücklichen gegenüber, der freudig zu seinem Volk zurückkehrt, um dort ein ewiges glückliches Leben frei von Mühsal zu führen: „Wer seine Aufzeichnung in seiner rechten Hand erhält, wird zu gegebener Zeit eine milde Abrechnung haben und freudig zu seinem Volk zurückkehren." (Verse 7-9)
“He lived joyfully among his people. He surely thought he would never return. Yes, indeed; his Lord was watching over him.” (Verses 13-15) This image of the misery of the one who was joyful among his people during his short life on earth has a counterpart in the image of the happy one who returns rejoicing to his people to live with them an eternal happy life, free from hardship: “He who is given his record in his right hand will in time have a lenient reckoning and return rejoicing to his people.” (Verses 7-9)