An-Naml (Die Ameisen)
Al-Naml (The Ants)
Prolog
Prologue
Diese Sure wurde in Mekka kurz nach Sure 26, Die Dichter, offenbart, und sie folgt demselben Aufbau: Eine Einleitung und ein Schluss, die zusammen den Inhalt verdeutlichen. Dazwischen stehen mehrere geschichtliche Berichte, die das Hauptthema betonen und weiter erläutern. Diese Geschichten helfen, Parallelen zu ziehen zwischen der Haltung der Ungläubigen in Mekka einerseits und ihren Vorgängern in anderen Gemeinschaften andererseits. Somit offenbart die Sure ein Muster, das Verfechter des Islams in jeder Generation bedenken müssen.
This sūrah was revealed in Makkah shortly after Sūrah 26, The Poets, and it follows the same pattern: an introduction and conclusion which together spell out the subject matter. In between there are several historical accounts that emphasize the main theme, providing further elucidation of it. Theses histories help to draw parallels between the attitudes of the unbelievers in Makkah on the one hand and their predecessors among other communities on the other. Thus, the sūrah reveals a pattern which advocates of Islam in any generation need to contemplate.
Wie in allen mekkanischen Suren ist das Hauptthema der Glaube: an Gott zu glauben und Ihn allein anzubeten, ohne Teilhaber, sowie an die Auferstehung und an Belohnung und Bestrafung im Jenseits zu glauben. Dazu gehört auch, an die Offenbarungen Gottes zu glauben, und dass alle Dinge, die jenseits unserer Wahrnehmung liegen, also das Ghaib, Gott gehören: Sie sind nur Ihm bekannt. Eine weitere Voraussetzung eines solchen Glaubens ist der Glaube an die Eigenschaften Gottes.
As in all Makkan sūrahs, the main theme is faith: to believe in God and worship Him alone, without partners, and to believe in the resurrection as well as reward and punishment in the hereafter. This also requires believing in God’s revelations, and that all matters that are beyond our perception, or ghayb, belong to God: they are known only to Him. A further prerequisite of such faith is belief in God’s attributes:
Er allein ist der Schöpfer und Versorger, und alle Segnungen kommen allein von Ihm. Daher gebührt Ihm Dank für alles, was Er uns gibt. Darüber hinaus ist Er der Allmächtige, der uns alle unsere Fähigkeiten, Begabungen und Kräfte verleiht.
He alone is the Creator and Provider, and all blessings come from Him alone. Hence, gratitude is due to Him for all that He gives us. Moreover, He is the Almighty who grants us all our faculties, abilities and powers.
Die historischen Berichte der Sure bestätigen diese Sachverhalte und stellen das Schicksal derer dar, die sie leugnen, sowie das glückliche Ende derer, die an sie glauben. Unmittelbar nach dem Eingangsteil folgt ein kurzer Bericht über Mose, der schildert, wie er auf seiner nächtlichen Reise durch die Wüste ein Feuer erblickte, sich ihm näherte und wie er von oben angesprochen wurde. Dieser Bericht hält zudem die Botschaft fest, die Mose dem Pharao überbringen sollte. Danach stellt die Sure sogleich fest, dass Pharao und sein Volk die Wahrheit der Zeichen, die Gott ihnen sandte, leugneten, obwohl sie in ihren Herzen wussten, dass diese wahr waren. In diesem Zusammenhang erfahren wir auch das Schicksal derer, die die Wahrheit wissentlich leugnen: „Obwohl sie in ihren Seelen überzeugt waren, dass sie wahr sind, verwarfen sie sie aus Ungerechtigkeit und Hochmut. Schau nun, wie das Ende der Frevler war.“ (Vers 14) Die Haltung der mekkanischen Ungläubigen gegenüber dem Qur'ān, von dem sie wussten, dass er wahrhaftig die Offenbarung Gottes war, unterschied sich im Wesentlichen nicht von der dieser früheren Frevler.
The sūrah’s historical accounts confirm these issues and portray the fate of those who deny them and the happy end of those who believe in them. Immediately after the opening, we have a short account of Moses which describes his sighting of a fire as he travelled at night in the desert, his approach towards it and how he was addressed from on high. This account also documents the message Moses was required to deliver to Pharaoh. The sūrah then immediately proceeds to state that Pharaoh and his people denied the truth of the signs God sent them, even though they knew in their hearts that these were true. In this context we are also told of the fate of those who knowingly deny the truth: “Within their souls they knew them to be true, yet they, in their wickedness and arrogance, rejected them. Consider, then, what happened in the end to the evildoers.” (Verse 14) The Makkan unbelievers’ attitude towards the Qur’ān, which they knew to be truly God’s revelation was, in essence, no different than these earlier evildoers.
Wir lesen dann von den Gaben, die Gott David und Salomo (Friede sei auf ihnen beiden) verliehen hat. Dies geht der Geschichte von Salomo mit der Ameise, dem Wiedehopf und der Königin von Saba voraus. Die Geschichte betont, dass David und Salomo den Gunstbeweisen Gottes wahrhaft dankbar waren, zu denen Wissen, ein Königreich und das Prophetentum gehörten. Außerdem machte Er die Dschinn und die Vögel Salomo untertan, sodass sie bereit waren, seinen Befehlen zu gehorchen. Auch hier hebt die Geschichte die Grundlagen des Glaubens hervor, wie sie alle Gesandten Gottes verkündet haben. Die Erzählung widmet der Art besondere Aufmerksamkeit, wie die Königin von Saba und ihr Volk die Botschaft Salomos aufgenommen haben, und stellt dem die Aufnahme gegenüber, die die Quraisch der Botschaft Gottes gaben, wie sie der Prophet Muhammad ﷺ verkündete. Im Grunde leugneten die Quraisch die Botschaft und bezeichneten sie als falsch, während die anderen sie annahmen. Doch es war Gott, der Salomo all das Wissen, den Reichtum und die Macht gab, die er besaß. Gott ist es, der alles weiß und allem gehört. Verglichen mit dem, was Gott gehört, waren Salomos Königreich und sein Wissen nicht mehr als ein Tropfen im Ozean.
We then have a reference to the blessings God bestowed on David and Solomon (peace be upon them both). This precedes Solomon’s story with the ant, the hoopoe and the Queen of Sheba. The story highlights that David and Solomon were truly thankful for the favours God granted them, which included knowledge, a kingdom and prophethood. In addition, He made the jinn and the birds subservient to Solomon, willing to do his bidding. Again the story here highlights the basics of faith preached by all God’s messengers. The account gives special treatment to how the Queen of Sheba and her people received Solomon’s message, contrasting this with the reception the Quraysh gave God’s message as preached by the Prophet Muhammad. Basically, the Quraysh denied the message, describing it as false, while the others accepted it. Yet it was God who gave Solomon all the knowledge, wealth and power he possessed. It is God who knows and owns everything. When compared with those of God, Solomon’s kingdom and knowledge were no more than a drop in the ocean.
Anschließend folgt ein Bericht über den Propheten Ṣāliḥ und die Thamūd. Besonders wichtig ist hier die Verschwörung, die einige Übeltäter unter seinem Volk gegen Ṣāliḥ und seine Familie geschmiedet haben, indem sie planten, ihn zu töten. Sie zeigt, wie Gott ihren Plan vereitelte, Ṣāliḥ und die Gläubigen rettete und die Thamūd zusammen mit den Verschwörern vernichtete: „Ihre Wohnstätten sind nun leer.“ (Vers 52) Auch die Quraysch planten gegen den Propheten Muhammad ﷺ und verschworen sich ebenso, ihn nachts zu töten.
Then follows an account of the Prophet Şāliĥ and the Thamūd. Of particular importance here is the conspiracy some of the evildoers among his people concocted against Şāliĥ and his household, plotting to kill him. It shows how God foiled their plot, saved Şāliĥ and the believers, and destroyed the Thamūd together with the conspirators: “Their dwellings are now empty.” (Verse 52) The Quraysh also plotted against the Prophet Muhammad, similarly conspiring to kill him at night.
Die letzte historische Erzählung in dieser Sure betrifft Lot. Sie berichtet, wie sein Volk plante, ihn und diejenigen, die an ihn glaubten, unter dem Vorwand aus ihrer Stadt zu vertreiben, dass sie sich rein halten wollten. Sie berichtet uns auch von ihrem Ende, nachdem Lot und seine Gefolgschaft sie ihrem Schicksal überließen: „Und Wir ließen einen Regen auf sie niederprasseln. Schrecklich war der Regen für jene, die gewarnt worden waren.“ (Vers 58) Auch die Quraisch zogen kurz vor seiner Auswanderung nach Madinah in Betracht, den Propheten ﷺ aus ihrer Stadt zu vertreiben.
The last historical account in this sūrah concerns Lot. It tells how his people planned to drive him and those who believed in him out of their town under the pretext that they kept themselves pure’. It tells us of their end after Lot and his group left them to their fate: “We rained on the others a rain of destruction. Dire indeed is such rain which fell on those who were forewarned.” (Verse 58) The Quraysh also considered driving the Prophet out of their city, shortly before he migrated to Madinah.
Nachdem diese historischen Aspekte behandelt sind, beginnt die Sure ihre Ausführungen mit dem Vers: „Sprich: Aller Preis gebührt Gott, und Friede sei über Seinen Dienern, die Er auserwählt hat. Wer ist besser: Gott oder die falschen [Gottheiten], die sie Ihm beigesellen?“ (Vers 59) Sodann führt sie uns auf einen beschreibenden Rundgang durch einige große universelle Szenen sowie durch einige tieferliegende Aspekte der menschlichen Seele. Auf diese Weise zeigt uns die Sure das Wirken des großen Schöpfers, Planers, Erschaffers und Erhalters, der allein weiß, was jenseits der Wahrnehmung jedes Geschöpfes liegt, und zu dem wir alle zurückkehren werden. Sodann berichtet sie uns von einem der Zeichen, die das Kommen der Stunde ankündigen, und fügt einige Bilder vom Tag des Gerichts hinzu sowie vom Schicksal, das jenen bevorsteht, die ihn leugnen.
Once these historical aspects are dealt with, the sūrah begins its comments with the verse: “Say: All praise be to God, and peace be upon His servants whom He has chosen. Who is more worthy: God or the false [deities] they associate with Him?” (Verse 59) It then takes us on a descriptive round of some great universal scenes, as also some of the deeper aspects of the human soul. In this way, the sūrah shows us the work of the great Maker, Planner, Creator and Sustainer who alone knows what lies beyond the reach of any created being’s perception, and to whom we shall all return. It then tells us about one of the aspects that signal the coming of the Last Hour, adding some images of the Day of Judgement and the fate that awaits those who deny it.
Die Sure endet mit einem Schlussgedanken, der gut zu ihrem Thema und ihrer Atmosphäre passt:
The sūrah concludes on a note that fits well with its subject matter and ambience:
„Mir ist nur geboten, den Herrn dieser Stadt zu verehren, der sie heilig gemacht hat. Ihm gehört alles. Und mir ist geboten, zu denen zu gehören, die sich [Gott] hingeben, und den Qur’ān zu rezitieren. Wer also den rechten Weg wählt, tut dies zu seinem eigenen Nutzen; und wer sich entscheidet, irrezugehen, so sprich: Ich bin nur ein Warner. Und sprich: Aller Lob gebührt Gott. Er wird euch gewiss Seine Zeichen zeigen, und ihr werdet sie erkennen. Dein Herr ist niemals achtlos gegenüber dem, was ihr tut.“ (Verse 91–93)
“I am only bidden to worship the Lord of this city who has made it sacred. To Him all things belong. And I am bidden to be one of those who submit themselves [to God], and to recite the Qur’ān. So whoever chooses to follow the right path does so for his own benefit; and if any chooses to go astray, say: I am only a warner. And say: All praise is due to God. He will indeed make you see His signs, and you will recognize them. Your Lord is never heedless of what you do.” (Verses 91-93)
Durch die gesamte Sure hindurch wird besonderer Nachdruck auf das Wissen gelegt, wobei Gottes vollkommenes Wissen um das, was verborgen ist, und um das, was offen zutage liegt, hervorgehoben wird, insbesondere Sein Wissen um alles, was jenseits der Reichweite unserer Wahrnehmung liegt. Sie spricht auch von einigen der universellen Zeichen, die Er uns offenbart. Sie erwähnt das Wissen, das Gott David und Salomo verliehen hat, und wie Salomo die Sprache der Vögel gelehrt wurde und wie er solches Wissen demütig anerkannte. Daher wird der Prophet zu Beginn der Sure angewiesen: „Gewiss, du empfängst den Qur’ān aus der Gnade des Weisen, des Allwissenden.“ (Vers 6) Bei den Kommentaren zu den geschichtlichen Berichten wird dem Propheten ﷺ aufgetragen zu sagen: „Keiner in den Himmeln und auf der Erde kennt das Verborgene außer Gott. Auch können sie nie wahrnehmen, wann sie von den Toten auferweckt werden. Tatsächlich reicht die Gesamtheit ihres Wissens nicht aus, das Jenseits zu erfassen.“ (Verse 65–66)
Throughout the sūrah, special emphasis is laid on knowledge, highlighting God’s perfect knowledge of what is concealed and what is left public, particularly His knowledge of everything that lies beyond the reach of our perceptions. It also speaks about some of the universal signs which He reveals to us. It refers to the knowledge God granted David and Solomon, and how Solomon was taught the language of the birds, and how he humbly acknowledged such learning. Hence, at the beginning of the sūrah the Prophet is told: “Most certainly, you receive the Qur’ān out of the grace of One who is Wise, All-Knowing.” (Verse 6) In the comments on the historical accounts the Prophet is instructed to say: “None in the heavens or earth knows what is hidden except God. Nor can they ever perceive when they shall be raised from the dead. Indeed the total sum of their knowledge stops short of comprehending the hereafter.” (Verses 65-66)
Wahrlich, dein Herr weiß, was ihre Herzen verbergen und was sie offen zutage bringen.
“Indeed your Lord knows all that their hearts conceal and all that they bring into the open.
„Nichts ist im Himmel oder auf der Erde verborgen, das nicht in einem deutlichen Buch verzeichnet wäre.“ (Verse 74-75) Zum Schluss heißt es: „Er wird euch wahrlich Seine Zeichen zeigen, und ihr werdet sie erkennen.“ (Vers 93) Die Geschichte Salomos beginnt folgendermaßen: „Gewiss, Wir gaben David und Salomo Wissen, und beide sprachen: Aller Lobpreis gebührt Gott, der uns vor vielen Seiner gläubigen Diener bevorzugt hat.“ (Vers 15) Wissen wird in solchen Versen besonders hervorgehoben, nicht zuletzt dort, wo Salomo sagt: „Uns wurde die Sprache der Vögel gelehrt.“ (Vers 16) Und ebenso wie der Wiedehopf sagt: „Dass sie sich nicht niederwerfen sollten in Anbetung vor Gott, der alles hervorbringt, was in den Himmeln und auf der Erde verborgen ist, und der weiß, was ihr verbergt und was ihr offenbart.“ (Vers 25) Als Salomo wollte, dass der Thron der Königin zu ihm gebracht werde, war es nicht der geschickte Dschinn, der ihn im Nu herbeibrachte; es war derjenige, der „viel vom Buch verstand“. (Vers 40)
There is nothing that is hidden in the heavens or the earth but is recorded in a clear book.” (Verses 74-75) In conclusion we are told: “He will indeed make you see His signs, and you will recognize them.” (Verse 93) The story of Solomon begins as follows: “For sure, We granted knowledge to David and Solomon, and both of them said: All praise is due to God who has favoured us above many of His believing servants.” (Verse 15) Knowledge is given special emphasis in such verses, not least where Solomon says: “We have been taught the speech of birds.” (Verse 16) And also as the Hoopoe says: “That they should not prostrate themselves in worship of God who brings forth all that is hidden in the heavens and the earth, and knows what you conceal and what you reveal.” (Verse 25) When Solomon wanted the queen’s throne to be brought to him, it was not the skilful jinn who brought it in the wink of an eye; the one who did was a person “who was deeply versed in the Book.” (Verse 40)
So ist das Wissen das zentrale Merkmal, das die gesamte Sure von Anfang bis Ende durchzieht, um dessen besondere Bedeutung hervorzuheben.
Thus knowledge is the main feature that permeates the entire sūrah, from beginning to end, so as to highlight its special importance.