Al-An'ām (Um die plötzliche Strafe abzuwenden) 40 - 49
Al-An`ām ( To Avert Sudden Punishment ) 40 - 49
Sprich: Wenn die Strafe Gottes über euch kommt oder die Stunde über euch hereinbricht, werdet ihr dann jemand anderen als Gott anrufen? [Antwortet mir,] wenn ihr wahrhaftig seid! (40)
Say: If God’s punishment befalls you or the Hour comes upon you, can you see yourselves calling upon anyone other than God? [Answer me] if you are truthful! (40)
Nein, bei Ihm allein werdet ihr anrufen, woraufhin Er, wenn Er will, das Übel beseitigt, um dessentwillen ihr Ihn anrufet; und ihr werdet all jene vergessen, die ihr Ihm als Teilhaber beigesellt. (41)
No, on Him alone you will call, whereupon He will, if He so wills, remove the ill which caused you to call on Him; and you will have forgotten all those you associate as partners with Him. (41)
Gewiss, Wir sandten vor deiner Zeit Gesandte zu anderen Völkern, und Wir suchten sie mit Unglück und Not heim, damit sie sich demütig zeigen mögen. (42)
Indeed We sent messengers before your time to other nations, and visited them with misfortune and hardship so that they might humble themselves. (42)
Hätten sie sich doch demütig gezeigt, als Unser Strafgericht über sie kam! Doch ihre Herzen waren verhärtet, und Satan ließ ihre Taten in ihren Augen schön erscheinen. (43)
If only, when the misfortune decreed by Us befell them, they humbled themselves! Rather, their hearts were hardened and Satan made their deeds seem goodly to them. (43)
Als sie dann das, woran sie erinnert worden waren, gänzlich vergaßen, öffneten Wir ihnen die Tore aller guten Dinge, bis sie sich gerade an dem freuten, was ihnen gewährt worden war, da ergriffen Wir sie plötzlich, und sie wurden in tiefste Verzweiflung gestürzt. (44)
Then, when they had clean forgotten what they had been reminded of, We threw open to them the gates of all good things, until just when they were rejoicing in what they had been granted, We suddenly took them to task; and they were plunged into utter despair. (44)
So wurde der letzte Rest des frevelhaften Volkes vernichtet. Alles Lob gebührt Gott, dem Herrn der Welten. (45)
Thus the last remnant of the wrongdoing people was wiped out. All praise is due to God, the Lord of all the worlds. (45)
Sprich: Bedenkt doch, wenn Gott euch euer Gehör und euer Augenlicht nähme und eure Herzen versiegelte, welcher Gott außer Gott könnte sie euch zurückbringen? Seht, wie vielfältig und mannigfaltig Wir Unsere Zeichen darlegen, und doch wenden sie sich ab! (46)
Say: Do but consider, if God should take away your hearing and your sight and seal your hearts, what deity but God is there to restore them to you. See how varied and multifaceted We make Our signs, and yet they turn away! (46)
Sprich: Bedenkt doch: Wenn Gottes Strafe euch plötzlich oder offensichtlich ereilt, wird dann jemand außer den Frevlern vernichtet werden? (47)
Say: Do but consider, if God’s punishment befalls you suddenly or in a perceptible manner, would any but the wrongdoing folk be destroyed? (47)
Wir senden Unsere Gesandten nur als Überbringer froher Botschaft und als Warner. Wer glaubt und Rechtschaffenes tut, über dem sei keine Furcht, und er wird auch nicht traurig sein. (48)
We send Our messengers only as bearers of good news and as warners. Those who believe and act righteously shall have nothing to fear, nor shall they grieve. (48)
Aber diejenigen, die Unsere Offenbarungen leugnen, werden wegen ihrer sündhaften Taten mit Qual heimgesucht werden. (49)
But those that deny Our revelations shall be afflicted with suffering as a result of their sinful deeds. (49)
Überblick
Overview
In dieser neuen Welle stellt die Sure die Natur der Götzendiener der Macht Gottes gegenüber; ja, sie konfrontiert sie mit ihrer eigenen Natur, wenn sie der Aussicht ins Auge sieht, von der Macht Gottes getroffen zu werden. Was geschieht mit der menschlichen Natur, wenn sie von den schrecklichen Aussichten, die vor ihr liegen, überwältigt wird? Sie wirft gewiss all ihre Lasten ab, seien es falsche Vorstellungen oder falsche Gottheiten, und wendet sich ihrem wahren Herrn zu, den sie gut kennt. Sie ruft allein Ihn um Hilfe an, um dem bevorstehenden Verderben zu entkommen.
In this new wave, the sūrah puts the idolaters’ nature face to face with God’s might; indeed, it puts them face to face with their own nature when it confronts the prospect of being smitten by God’s might. What happens to human nature when it is overwhelmed by the terrible prospects ahead? It is certain to shed all its burdens, whether of false concepts or false deities, and turn to its true Lord, whom it knows well. It appeals to Him alone for help to be saved from the impending doom.
Die Sure führt die Götzendiener an der Hand und zeigt ihnen, wie frühere Gemeinschaften vernichtet wurden. Dabei beschreibt sie, wie das Gesetz Gottes und Sein Wille wirken. Sie macht deutlich, dass diese früheren Gemeinschaften, nachdem sie die Gesandten Gottes zurückgewiesen und deren Botschaften verleugnet hatten, eine Prüfung nach der anderen auferlegt bekamen, mal mit Not und Unglück, mal mit Wohlstand und Überfluss. Ihnen wurde immer wieder eine Gelegenheit nach der anderen gegeben, aus ihrem tiefen Schlaf zu erwachen. Als sie alle ihre Gelegenheiten gehabt hatten, gegenüber Prüfungen und Not gleichgültig blieben und sich von den Annehmlichkeiten und Freuden, die sie genossen, täuschen ließen, trat der Wille Gottes in Kraft. Die Strafe überkam sie plötzlich: „So wurde die letzte Spur des frevelhaften Volkes ausgelöscht.“
The sūrah takes the idolaters by the hand to show them how earlier communities were destroyed. Along the way, it describes how God’s law and His will operate. It makes clear how, after those earlier communities had rejected God’s messengers and denied their messages, they were set one test after another, sometimes with hardship and misfortune, and sometimes with comfort and affluence. They were given chance after chance to wake up from their deep slumber. When they had had all their chances, remained oblivious to trials and hardship, and were deluded by the comforts and pleasures they enjoyed, God’s will came into operation. Punishment overtook them suddenly: “Thus the last remnant of the wrongdoing people was wiped out.
„Aller Lob gebührt Gott, dem Herrn der Welten.“ (Vers 45)
All praise is due to God, the Lord of all the worlds.” (Verse 45)
Die einzige Hoffnung
The Only Hope
Sprich: Wenn Gottes Strafe über euch kommt oder die Stunde über euch hereinbricht, werdet ihr dann jemand anderen als Gott anrufen? [Antwortet mir,] wenn ihr wahrhaftig seid! Nein, zu Ihm allein werdet ihr rufen, woraufhin Er, wenn Er es will, das Übel beseitigt, um dessentwillen ihr Ihn angerufen habt; und ihr werdet all jene vergessen haben, die ihr Ihm als Gefährten beigesellt.
Say: If God’s punishment befalls you or the Hour comes upon you, can you see yourselves calling upon anyone other than God? [Answer me] if you are truthful! No, on Him alone you will call, whereupon He will, if He so wills, remove the ill which caused you to call on Him; and you will have forgotten all those you associate as partners with Him. (Verses 40-1)
Hier haben wir eine der verschiedenen Methoden, die der Koran anwendet, um die menschliche Natur anzusprechen und ihr den islamischen Glauben darzulegen. Wir haben bereits gesehen, wie der Koran die Aufmerksamkeit der Menschen auf das kunstvolle System des Lebens und die Vielzahl der Lebewesen lenkt und wie Gottes Wissen umfassend, makellos und absolut ist. Hier macht die koranische Ansprache von Gottes Macht Gebrauch und davon, wie die menschliche Natur reagiert, wenn sie über irgendeinen Aspekt Seiner Macht nachdenkt, wodurch sie alle Spuren des Götzendienstes abschüttelt. So gewinnt die menschliche Natur ihre Freiheit zurück und zerreißt, was sie bisher daran hinderte, die richtige Erkenntnis ihres Herrn zu erlangen und an Seine Einheit zu glauben: „Sprich: Wenn Gottes Strafe über euch kommt oder die Stunde euch überrascht, könnt ihr dann sehen, dass ihr einen anderen als Gott anruft? [Antwortet mir,] wenn ihr wahrhaftig seid!“ (Vers 40)
Here we have one of the various methods the Qur’ān employs to address human nature in order to present to it the Islamic faith. We have already seen how the Qur’ān draws people’s attentions to the elaborate system of life and the multitude of living creatures, and how God’s knowledge is total, flawless, absolute. Here, the Qur’ānic address makes use of God’s power and how human nature reacts when it reflects on any aspect of God’s might, shaking off all traces of idolatry. Thus, human nature regains its freedom and tears off what used to prevent it from acquiring proper knowledge of its Lord and believing in His oneness: “Say: If God’s punishment befalls you or the Hour comes upon you, can you see yourselves calling upon anyone other than God? [Answer me] if you are truthful!” (Verse 40)
Die menschliche Natur wird somit mit der Möglichkeit völliger Vernichtung konfrontiert, die als Strafe in diesem Leben kommen kann, oder mit dem völlig unerwarteten Eintreten der Stunde. Sobald die menschliche Natur dazu gebracht wird, sich diese Eventualität vorzustellen, reagiert sie positiv auf die Wahrheit. Gott weiß, dass eine solche positive Reaktion in ihr latent vorhanden bleibt. Die menschliche Natur wird erschüttert, da sie sich zu der Wahrheit bekennen muss, die sie kennt. Gott stellt den Ungläubigen die Frage und verlangt eine verbale Antwort, die ihre wahren, natürlichen Gefühle zum Ausdruck bringt: „Könnt ihr euch vorstellen, jemanden außer Gott anzurufen? [Antwortet mir,] wenn ihr wahrhaftig seid!“ (Vers 40)
Prüfungen dienen als Erinnerungen
Trials Serve As Reminders
Wahrlich, Wir sandten Gesandte vor deiner Zeit zu anderen Völkern und suchten sie mit Unglück und Not heim, damit sie sich demütigen mögen. Hätten sie sich doch gedemütigt, als das Unglück, das Wir ihnen bestimmt hatten, über sie kam! Doch ihre Herzen waren verhärtet, und Satan ließ ihre Taten in ihren Augen schön erscheinen. Als sie dann gänzlich vergessen hatten, woran sie erinnert worden waren, öffneten Wir ihnen die Tore aller guten Dinge, bis sie gerade in dem frohlockten, was ihnen gewährt worden war, da nahmen Wir sie plötzlich zur Rechenschaft; und sie waren in völliger Verzweiflung gestürzt. So wurde der letzte Rest des frevlerischen Volkes ausgerottet. Aller Lob gebührt Gott, dem Herrn der Welten. (Verse 42-45)
Indeed We sent messengers before your time to other nations, and visited them with misfortune and hardship so that they might humble themselves. If only, when the misfortune decreed by Us befell them, they humbled themselves! Rather, their hearts were hardened and Satan made their deeds seem goodly to them. Then, when they had clean forgotten what they had been reminded of We threw open to them the gates of all good things, until just when they were rejoicing in what they had been granted, We suddenly took them to task; and they were plunged into utter despair. Thus the last remnant of the wrongdoing people was wiped out. All praise is due to God, the Lord of all the worlds. (Verses 42-5)
Diese Verse führen uns ein geschichtliches Beispiel vor Augen dafür, wie Menschen sich der Macht Gottes aussetzen und was ihnen infolgedessen widerfährt. Gott gibt ihnen eine Chance nach der anderen und sendet ihnen aufeinanderfolgende Mahnungen, doch sie vergessen dennoch. Wenn die Prüfungen, denen sie begegnen, sie nicht dazu bewegen, sich Gott zuzuwenden und Ihn anzuflehen, und wenn Seine Gnade, deren sie sich erfreuen, sie nicht dazu anregt, dankbar zu sein und sich vor dem Bösen zu hüten, dann ist ihr Wesen unheilbar verdorben und ihr Leben nicht mehr wert, verlängert zu werden. Gottes Strafe trifft sie, und ihre Welt wird vernichtet: „Gewiss sandten Wir vor deiner Zeit Gesandte zu anderen Völkern und suchten sie heim mit Unglück und Not, damit sie sich demütigen mögen. Hätten sie sich doch demütigt, als das von Uns bestimmte Unglück über sie kam! Vielmehr verhärteten sich ihre Herzen, und Satan machte ihre Taten in ihren Augen schön.“ (Verse 42–43)
These verses place before our eyes an historical example of how people expose themselves to God’s might and what happens to them in consequence. God gives them one chance after another and issues them with successive reminders, but they still forget. If the trials they encounter do not persuade them to turn to God and implore Him, and if His grace which they enjoy does not prompt them to be grateful and to guard against evil, then their nature has become irremediably corrupt and their lives are no longer worth extending. God’s punishment befalls them and their world is destroyed: “Indeed We sent messengers before your time to other nations, and visited them with misfortune and hardship so that they might humble themselves. If only, when the misfortune decreed by Us befell them, they humbled themselves! Rather, their hearts were hardened and Satan made their deeds seem goodly to them.” (Verses 42-3)
Der Autor erhielt ein Stipendium der ägyptischen Regierung, um in den USA einen Masterabschluss zu erwerben. Er lebte dort zwei Jahre, von 1949 bis 1951, und verfasste ein Buch über seine Beobachtungen der amerikanischen Gesellschaft, das jedoch nie vollständig veröffentlicht wurde. Umfangreiche Auszüge daraus finden sich in seinen anderen Werken. – Anmerkung des Herausgebers.
11 The author was given an Egyptian government scholarship in the US to do a Masters Degree. He lived there for two years, from 1949-51, and wrote a book on his observations of American society, but it was never published in full. Extensive quotations from it are made in his other works. — Editor's note.
Wichtige Punkte zum Nachdenken
Important Points For Reflection
Während die Sure voranschreitet, stellt sie diejenigen, die Gott Teilhaber beigesellen, seiner Macht gegenüber und zeigt, wie sie sie persönlich treffen kann: Sie nimmt ihnen das Gehör und das Augenlicht und versiegelt ihre Herzen. Sie sind dagegen wehrlos, und sie finden keinen anderen Gott außer Gott, der zurückgeben könnte, was Gott ihnen nehmen mag. Die hier geschilderte Szene ist sehr anschaulich und zeigt ihnen ihre völlige Machtlosigkeit gegenüber der Macht Gottes. Sie führt ihnen auch die nackte Wirklichkeit jener Teilhaber vor Augen, die sie Gott beigesellen, wenn sie sich einer wahrhaft schweren Lage gegenübersehen. Die Szene erschüttert sie heftig. Gott, der Schöpfer der menschlichen Natur, weiß, wie sehr diese Szene und die Wahrheit, die sie beschreibt, sie berührt. Die menschliche Natur erkennt, dass Gott die Fähigkeit besitzt, den Menschen Gehör und Sehkraft zu nehmen und ihre Herzen zu versiegeln. Keines dieser Organe kann dann noch überhaupt funktionieren. Würde Er dies tun, gäbe es keinen anderen Gott, der das, was Er getan hat, rückgängig machen könnte.
As the sūrah moves on, it puts those who associate partners with God face to face with His might and how it may strike them personally, taking away their hearing and eyesight and sealing their hearts. They are defenceless against it, and they can find no deity other than God to return what God may take away from them. The scene depicted here is very vivid, showing them their total powerlessness against God’s might. It also paints for them the stark reality of those partners they associate with God when they have to face a truly grave situation. The scene shakes them violently. God, the Creator of human nature knows how far it is affected by this scene and the truth it describes. Human nature realizes that God is able to take away people’s hearing and sight and seal their hearts. None of these organs can then function at all. Should He do this, there is no other deity to reverse what He has done.
Wenn diese Szene den Menschen einen Schauer ins Herz treibt, zeigt sie, wie hohl und irrig der Gedanke des Götzendienstes ist. Die Sure verwundert sich über jene, denen vielfältige, weitreichende und mannigfaltige Zeichen gezeigt werden, die sie zum Glauben rufen, und die sich dennoch abwenden. Hier wird ihre Haltung im Bild eines Kamels gemalt, das an den Beinen eine bestimmte Krankheit hat, die es beim Gehen äußerlich hinken lässt. Die Szene war den Arabern vertraut, an die sich der Qur'ān zuerst richtete. Sie erfüllt uns mit einem Gefühl der Verachtung gegenüber denen, die sich abwenden: „Sieh, wie vielfältig und mannigfaltig Wir Unsere Zeichen machen, und dennoch wenden sie sich ab!“ (Vers 46)
As this scene sends a shiver into people’s hearts, it shows how hollow and erroneous the concept of idolatry is. The sūrah wonders at those who are shown different, wide-ranging and multi-faceted signs, beckoning them to faith, and yet still they turn away. Here, their attitude is painted in the image of a camel which has a particular disease in its legs, causing it to limp outwardly as it walks. The scene was familiar to the Arabs who were the first to be addressed by the Qur’ān. It fills us with a feeling of contempt for those who turn away: “See how varied and multifaceted We make Our signs, and yet they turn away!” (Verse 46)