Als Nächstes folgt eine umfassende Darlegung des Wesens sowohl des Glaubens als auch des Unglaubens. Die folgenden Verse sprechen vom Willen Gottes, der sich in jeder Gemeinschaft zeigt, selbst dort, wo die verstocktesten Verbrecher Ränke schmieden und sich aufspielen. Ihr Hochmut hindert sie daran, den Glauben anzunehmen. Das Ganze mündet in ein prachtvolles Bild, das den Glauben darstellt, der die Herzen und Sinne der Menschen öffnet, und es dem bedrückenden Zustand des Unglaubens gegenüberstellt, der schwer auf den Gedanken der Menschen lastet. Der gesamte Abschnitt steht im Zusammenhang mit der Frage nach Verbot und Erlaubtheit geschlachteter Tiere, so wie eine allgemeine Grundregel mit ihrer detaillierten Anwendung zusammenhängt.
Next we have a full treatment of the nature of both faith and disbelief. The following verses speak of God’s will that manifests itself in every community, even where the most hardened of criminals scheme and give themselves airs. Their arrogance prevents them from accepting the faith. This concludes with a splendid image portraying the faith that opens people’s hearts and minds, contrasting it with the oppressive situation of disbelief, which weighs heavily on people’s minds. The whole passage relates to the question of prohibition and permissibility concerning slaughtered animals, in the same way as a basic rule is related to a detailed application.
Ist denn der, der tot war und dem Wir Leben gegeben haben, und dem Wir ein Licht gesetzt haben, mit dem er unter den Menschen wandelt, gleich dem, der in tiefen Finsternissen ist, aus denen er nicht herauskommen kann? So erscheint den Ungläubigen ihr Tun in schönem Licht. Und so haben Wir in jeder Stadt die Größten ihrer Verbrecher eingesetzt, damit sie dort Ränke schmieden. Aber sie schmieden Ränke nur gegen sich selbst, ohne es zu merken. Wenn ihnen ein Zeichen kommt, sagen sie: „Wir werden nicht glauben, bevor uns nicht dasselbe gegeben wird, was den Gesandten Gottes gegeben wurde.“ Gott weiß am besten, wem Er Seine Botschaft anvertraut. Erniedrigung vor Gott und schwere Strafe wird jene treffen, die Unrecht getan haben, für all ihre Ränke. Wen Gott rechtleiten will, dem weitet Er die Brust für die Hingabe an Ihn; und wen Er irregehen lassen will, dem macht Er die Brust eng und beklommen, als steige er in den Himmel empor. So legt Gott die Strafe auf die Ungläubigen.
Is he who was dead and whom We have raised to life, and for whom We set up a light to see his way among men, to be compared to one who is in deep darkness out of which he cannot emerge? Thus do their deeds seem goodly to the unbelievers. And thus in every city have We placed arch-criminals so that they weave their schemes there. But it is only against themselves that they scheme, though they do not perceive it. When a sign comes to them, they say: “We shall not believe unless we are given the same as God’s messengers were given.” But God knows best whom to entrust with His message. Humiliation before God and severe suffering will befall those guilty of evildoing for all their scheming. Whomever God wills to guide, He makes his bosom open wide with willingness towards self-surrender (to Him); and whomever He wills to let go astray, He causes his bosom to be tight and constricted, as if he were climbing up into the skies. Thus does God lay the scourge on the unbelievers. (Verses 122-5)
Diese Verse beschreiben das Wesen des Glaubens und der göttlichen Rechtleitung in einer sachlichen Aussage, die eine wahre Tatsache schildert. Die scheinbare Allegorie verleiht ihr auf eine inspirierende Weise zusätzlichen Glanz, doch die Aussage selbst drückt eine praktische Tatsache aus. Tatsächlich erfordert die Natur dieser Tatsache den Gebrauch solch prächtiger Bilder. Wir sprechen hier von einer geistigen und intellektuellen Tatsache, die sich nur im Erleben voll erschließen lässt. Ihre Beschreibung rückt dieses gesamte Erleben in volle Anschaulichkeit, besonders für jene, die es tatsächlich durchlebt haben.
These verses delineate the nature of faith and divine guidance in a factual statement describing a true fact. The apparent allegory magnifies this in an inspiring way, but the statement itself expresses a practical fact. Indeed, the nature of that fact requires the use of such splendid images. We are speaking here of a spiritual and intellectual fact, one which can only be appreciated when experienced. Its description brings this whole experience into full relief, particularly to those who have actually gone through it.
Es ist wahr, dass der Glaube die Herzen der Menschen belebt, nachdem sie tot waren, und ihnen Licht schenkt, um sie aus der Finsternis herauszuführen. Ihr neues Leben befähigt sie, alle Dinge in einem neuen Licht und nach einem neuen Maßstab zu schätzen und zu beurteilen, den sie zuvor nicht kannten. Das Licht, das ihnen geschenkt wird, lässt alles neu erscheinen. Es ist, als hätten jene Herzen, die nun im Licht des Glaubens erstrahlen, dies niemals zuvor gesehen.
It is true that faith revives people’s hearts after they have been dead and gives them light to bring them out of darkness. Their new life enables them to appreciate and evaluate all things in a new light and according to a new measure they did not previously know. The light they are given makes everything appear new. It is as if it has never been seen by those hearts that now bask in the light of faith.
Diese Erfahrung lässt sich nicht in Worte fassen, denn sie ist nur denen bekannt, die sie tatsächlich durchlebt haben. Die Aussage des Qur'ān ist die stärkste, die uns das Wesen dieser Erfahrung zum Ausdruck bringen kann, denn sie beschreibt sie in ihren wahren Farben.
This experience cannot be described in words, because it is known only to those who have actually gone through it. The Qur’ānic statement is the strongest that can express for us the nature of this experience, because it depicts it in its true colours.
Die Ablehnung des göttlichen Glaubens ist in der Tat ein Bruch mit dem wahren Leben, das stets gegenwärtig und ewig ist. Sie ist eine selbstgewählte Isolation von der wirkmächtigen Kraft, die das gesamte Dasein beeinflusst, und ein Zusammenbruch aller natürlichen Systeme des Empfangens und Antwortens. Daher ist sie ein tatsächlicher Tod. Der Glaube hingegen ist eine wirkliche Verbindung der Kommunikation und der Antwort. Als solcher ist er Leben.
Rejection of the divine faith is indeed a break with the true life which is ever present, eternal. It is a self-imposed isolation from the effective power that influences the whole of existence, and a breakdown of all natural systems of reception and response. Hence, it is an effective death. Faith, on the other hand, is a real bond of communication and response. As such, it is life.
Die Leugnung der göttlichen Wahrheit ist eine Hülle, die verhindert, dass die Seele um sich blickt, ein Schirm über den menschlichen Kräften und Gefühlen und ein Zustand völligen Verlustes. Deshalb ist sie Finsternis. Der Glaube hingegen bedeutet, sich zu öffnen, umherzublicken, zu schätzen und zu verstehen. Als solcher ist er das wahre Licht.
Denial of the divine truth is a cover that prevents the soul from looking around, a screen over human powers and feelings, and a state of complete loss. Hence, it is darkness. Faith, on the other hand, means opening up, looking around, appreciating and understanding. As such, it is the true light.
Unglaube bedeutet, sich in sich selbst zusammenzuziehen, und bezeichnet daher Enge. Er ist eine Abweichung von der natürlichen, leichten Weise; daher bezeichnet er Schwierigkeit und Bedrängnis. Er ist ein Verlust von Geborgenheit und Zuversicht; daher bezeichnet er Sorge. Glaube hingegen bezeichnet Weite, Leichtigkeit und Zuversicht.
Disbelief means shrinking within oneself, so it signifies narrowness. It is a deviation from the natural, easy method; hence, it signifies difficulty and affliction. It is a deprivation of security and reassurance; hence, it signifies worry. Faith, on the other hand, signifies openness, ease and reassurance.
Wie beschreibt man einen Ungläubigen? Er ist nichts weiter als ein parasitärer Auswuchs, der keine echten Wurzeln im Boden dieses Universums hat. Er ist ein isoliertes Individuum, das keine Verbindung zum Schöpfer des Universums besitzt. Folglich sind seine Bindungen an das Universum sehr schwach und reichen nur so weit, wie seine eigene Existenz reicht. Mit anderen Worten: Ungläubige sind auf die Grenzen beschränkt, die der physischen Welt der Tiere gesetzt sind.
How do we describe an unbeliever? He is no more than a parasitic growth that has no real roots in the soil of this universe. He is an isolated individual who has no tie with the Creator of the universe. Consequently, his ties with the universe are very flimsy, extending only within the limitations of his own existence. In other words, unbelievers are confined to the limitations placed on the physical world of animals.
Wenn ein Gläubiger seine Verbindung zum Schöpfer herstellt und den Glauben zur Grundlage all seiner Beziehungen zu anderen Menschen macht, gelangt er tatsächlich, innerhalb seines kurzen Lebens, zu jener Existenz, die vor dem Anfang der Zeit bestand, und zu einer Unsterblichkeit, die kein Ende hat. Zugleich knüpft er feste Bande zum Universum und zu allen Bereichen des Lebens. Er knüpft außerdem Bande zur Prozession der Gläubigen, die eine einzige Nation bilden, deren Geschichte bis in urferne Zeiten zurückreicht und weit in die Zukunft reicht, ja so lange, wie menschliches Leben andauert. Somit besitzt ein Gläubiger einen großen Schatz an Verbindungen, die weit über sein eigenes, begrenztes Leben hinausgehen.
When a believer establishes his bond with the Creator and makes faith the basis of all his ties with other people, he actually reaches out, within his short life, to that existence which was there before the beginning of time and to immortality which has no end. He also establishes firm ties with the universe and with all aspects of life. He also establishes ties with the procession of the faithful who constitute a single nation whose history stretches back to time immemorial and extends far into the future, indeed for as long as human life continues. Thus, a believer has a great treasure of ties going well beyond his own limited lifetime.
Sobald ein Gläubiger das Licht in seinem Herzen spürt, beginnt er, die grundlegenden Wahrheiten dieser Religion und ihre Art des Wirkens zu entdecken. Die Szene, die sich vor den Augen des Menschen auftut, ist atemberaubend, denn sie offenbart die einzigartige Harmonie in der Natur und in den Einzelheiten dieser Religion sowie das kunstvolle Zusammenspiel ihrer Wirkungsweise. Der Gläubige beginnt dann, diese Religion nicht mehr als eine Sammlung von Glaubenssätzen, Gottesdiensten, Gesetzen und Anweisungen zu betrachten, sondern als ein vollständiges Ganzes, das lebendig ist und mit der Natur wie ein vertrauter und liebevoller Freund in Wechselwirkung steht.
As a believer feels the light in his heart, he begins to discover the basic facts of this religion and its method of action. The scene that extends before man’s eyes is breathtaking because it portrays the unique harmony in the nature and the details of this religion and the elaborate complementarity of its method of action. The believer then begins to look at this religion, not as a set of beliefs, acts of worship, laws and directives but as a complete whole which is alive, interacting with nature like an intimate and loving friend.
Mit diesem Licht im Herzen beginnt ein Gläubiger, die Wirklichkeiten hinter dem Dasein, dem Leben, den Menschen und den Geschehnissen auf der Erde und im Universum zu entdecken. Innerhalb dieser wunderbaren Szenerie erkennt er wiederum die vollkommenen göttlichen Gesetze, die Ausgangsprämissen mit ihren natürlichen Schlussfolgerungen verbinden, in einem kunstvollen und zugleich natürlichen und einfachen System. Er sieht, wie Gottes freier Wille das Gesetz und seine Wirkungsweise bestimmt, während Er selbst frei und absolut bleibt. Er sieht, dass Menschen und Ereignisse auf natürliche Gesetze reagieren, die stets dem Willen Gottes unterworfen bleiben.
With this light in his heart, a believer begins to discover the facts behind existence, life, people and the facts of the events that take place on earth and in the universe. Again, within this wonderful scene he sees the perfect divine laws that relate starting premises to their natural conclusions in an elaborate, but natural and easy system. He sees how God’s free-will determines the law and its operation, while continuing to be free, absolute. He sees that people and events react to natural laws which remain subject to God’s will.
Dieses Licht schenkt dem Menschen auch vollkommene Klarheit in allen Angelegenheiten und Ereignissen. Er ist sich klar über die Gedanken und Absichten, die er hegt, und über die Handlungen, die er plant. Die Ereignisse, die sich um ihn herum abspielen, sieht er mit absoluter Klarheit, ob sie nun das Ergebnis der Naturgesetze oder der Handlungen und Pläne der Menschen sind. Ihm wird die gesamte Geschichte der Menschheit und des Universums zu einem offenen Buch, das er mit vollkommener Durchsichtigkeit liest. Seine Gedanken und Gefühle werden hell; er hat keine Sorge um seine Existenz oder seine Zukunft; Ereignisse und Geschehnisse finden statt, und er ist gelassen und beruhigt.
This light also gives man complete clarity in all matters and events. He is clear about the thoughts and intentions he entertains and the actions he plans. He sees with absolute clarity the events that take place around him, whether they are the result of the laws of nature or of people’s actions and plans. To him, the whole history of mankind and the universe becomes an open book that he reads with absolute transparency. His thoughts and feelings become bright; he has no worry about his existence or his future; events and happenings take place and he is relaxed, reassured.
Der Qur’ān beschreibt dies mit eindrucksvollen Bildern: „Ist denn der, der tot war und dem Wir dann Leben gaben und für den Wir ein Licht schufen, mit dem er unter den Menschen wandeln kann, dem gleich, der sich in tiefster Finsternis befindet, aus der er nicht herausfinden kann?“ (Vers 122)
The Qur’ān describes all this with inspiring touches: “Is he who was dead and whom We have raised to life, and for whom We set up a light to see his way among men, to be compared to one who is in deep darkness out of which he cannot emerge?” (Verse 122)
Dieser Vers beschreibt die Lage der Muslime, bevor sie zu diesem Glauben fanden und bevor der Glaube ihre Seelen mit Leben erfüllte, sodass ihr großer Schatz an Fähigkeiten, Tatkraft und zukunftsorientierten Eigenschaften in ihnen freigesetzt wurde. Ihre Herzen waren tot, und ihre Geister lagen in Finsternis. Als der Glaube jedoch ihre Herzen berührte, erwachten sie zum Leben, und Licht erhellte ihre Seelen. So waren sie in der Lage, der Menschheit Führung, Zuversicht und Freiheit zu bringen, ihr den Weg zu weisen und die allesentscheidende Verkündigung zu machen, dass der Mensch neu geboren wurde. Durch den Glauben wird der Mensch befreit und erleuchtet und unterwirft sich keiner anderen Autorität als der Gottes.
This verse describes the situation of Muslims before they came to believe in this religion, and before faith breathed life into their souls to release within them their great store of ability, action and forward- looking qualities. Their hearts were dead, and their spirits were in darkness, but when faith touched their hearts they quickened and light brightened their souls. Thus they were able to bring guidance, reassurance and freedom to mankind, showing them the way and making an all- important declaration that man has been reborn. With faith, man is liberated, enlightened, submitting to no authority other than that of God’s.
Kann man beide miteinander vergleichen: denjenigen, dem Gott Leben eingehaucht und dem Er Licht gegeben hat, und denjenigen, der in der Finsternis verharrt und keinen Ausweg daraus kennt? Die beiden Welten liegen weit auseinander. Warum verharren Menschen dann in der Finsternis, obwohl das Licht ringsum hell strahlt? „So erscheinen den Ungläubigen ihre Taten in schönem Licht.“ (Vers 122)
Can they be compared: the one in whom God has breathed life and to whom He has given light, and the one who lingers in darkness, knowing no way out of it? The two worlds are set widely apart. Why do people, then, linger in darkness when the light is bright all around them? “Thus do their deeds seem goodly to the unbelievers.” (Verse 122)
Das ist also das Geheimnis. Unglaube, Finsternis und sogar der Tod sind den Ungläubigen als schön dargestellt worden. Das ist Teil des Willens Gottes, der die Menschen von Natur aus anfällig für den doppelten Reiz von Licht und Finsternis gemacht hat. So wird der Mensch auf die Probe gestellt, um herauszufinden, ob er die Finsternis oder das Licht wählt. Wenn er die Finsternis wählt, wird sie ihm schön erscheinen, sodass er immer tiefer in sie hineingerät. Zudem inspirieren die Bösen unter den Menschen und den Dschinn einander weiterhin mit erdichteten Falschheiten und lassen ihre Taten den Ungläubigen weiterhin schön erscheinen. Ein Herz, das vom Leben, vom Glauben und vom Licht abgeschnitten wurde, hört auf die bösen Einflüsterungen in der Dunkelheit, denn es kann weder sehen noch fühlen noch Rechtleitung von Irrtum unterscheiden.
This is the secret then. Disbelief, darkness and even death have been made to seem good to the unbelievers. This is part of God’s will which has made men, by nature, susceptible to the dual lure of light and darkness. Thus, man is put to a test to find out whether he chooses darkness or light. When he chooses darkness, it is made to look good to him so that he goes deeper and deeper into it. Additionally, the evil ones among both human beings and jinn continue to inspire each other with fabricated falsehoods and continue to make their actions seem goodly to the unbelievers. A heart that has been cut off from life, faith and light listens to evil whispers in the dark, because it cannot see or feel or distinguish guidance from error.
Wie kann es in der Tiefe der Finsternis, in die es versunken ist, einen solchen Unterschied machen?
How can it make such a distinction in the depth of the darkness into which it has sunk?