Yā Sīn
Ya Sin
Prolog
Prologue
Diese mekkanische Sure zeichnet sich durch kurze Verse und einen schnellen Rhythmus aus. Mit 83 Versen ist sie insgesamt etwas kürzer als die vorangehende Sure, die nur 45 Verse umfasst. Solche kurzen Verse verleihen zusammen mit dem schnellen Rhythmus der Sure eine besondere Ausstrahlung. Ihr Rhythmus klingt wie aufeinanderfolgende Schläge, und diese Wirkung wird durch die zahlreichen Bilder, die sie zeichnet, noch verstärkt, die alle einen tiefen Eindruck hinterlassen.
This Makkan sūrah is characterized by short verses and a fast rhythm. Composed of 83 verses, it is slightly shorter in overall length than the preceding sūrah which contained only 45 verses. Such short verses together with the fast rhythm give the sūrah a special outlook. Its rhythm sounds successive beats, the effect of which is increased by the numerous images it draws, all leaving a profound impression.
Es teilt dieselben Hauptthemen, die allen Sure aus der mekkanischen Zeit gemeinsam sind, und zielt darauf ab, das Fundament des Glaubens zu legen. Gleich zu Beginn verweilt sie bei der Natur der Offenbarung und der Wahrheit der Botschaft: „Yā Sīn. Bei dem Qur’ān, der voller Weisheit ist, bist du wahrlich einer der Gesandten Gottes, der auf einem geraden Weg wandelt. Er ist eine Offenbarung des Allmächtigen, des Barmherzigen.“ (Verse 1–5)
It shares the same main themes of all Makkan sūrahs, aiming to lay the foundation of faith. At the very outset it dwells on the nature of revelation and the truth of the message: “Yā Sīn. By the Qur’ān, full of wisdom, you are indeed one of God’s messengers, pursuing a straight way. It is a revelation by the Almighty, the Ever Merciful.” (Verses 1-5)
Es berichtet die Geschichte der Leute der Stadt, zu der Gesandte geschickt wurden, und nutzt diese Geschichte, um vor der Ablehnung der Botschaft und der Leugnung der Offenbarung zu warnen.
It relates the story of the people of the township to which messengers were sent, using the story to warn against rejection of the message and denial of the revelation.
Es zeigt das Ende, das die Bewohner der Stadt ereilte, um die Botschaft zu betonen, die die Sure vermitteln will. Gegen Ende greift die Sure diesen Punkt erneut auf: „Wir haben ihn nicht die Dichtkunst gelehrt, und es ziemt sich auch nicht für ihn. Dies ist nur eine Ermahnung und ein klarer Qur’ān, um jeden Lebenden zu warnen und damit das Wort Gottes gegen die Ungläubigen bewiesen werde.“ (Verse 69-70)
It shows the end that befell the people of the township to emphasize the message the sūrah wants to deliver. Towards the end, the sūrah picks up this point again: “We have not taught the Prophet poetry; nor is it fitting for him to be a poet. This is but a reminder and a Qur’ān making all things clear, to warn everyone who is alive, and that the word of God be proved against the unbelievers.” (Verses 69-70)
Die Sure behandelt auch die Einheit der Gottheit und legt die Verurteilung des Polytheismus dem Mann in den Mund, der vom entferntesten Ende der Stadt kam. Er ist es, der mit seinem Volk über dessen Ablehnung der Gesandten Gottes streitet: „Warum sollte ich nicht Den verehren, Der mich erschaffen hat? Zu Ihm werdet ihr alle zurückkehren.
The sūrah also discusses the oneness of the Godhead, giving the voice of denunciation of polytheism to the man who came from the farthest end of town. It is he who argues with his people about their denial of God’s messengers: “Why should I not worship the One who has brought me into being? It is to Him that you will all return.
Soll ich mir andere Gottheiten neben Ihm zum Gegenstand der Anbetung nehmen? Wenn der Barmherzige mir ein Leid zufügen will, wird ihre Fürsprache mir nichts nützen, und sie werden mich nicht retten. Wahrlich, dann wäre ich in offenkundigem Irrtum.“ (Verse 22-24) Derselbe Punkt wird gegen Ende der Sure noch einmal betont: „Doch sie haben sich außer Gott andere Gottheiten zur Anbetung genommen, in der Hoffnung auf [ihren] Beistand.
Should I worship other deities beside Him? If the Lord of Grace should will that harm befall me, their intercession will avail me nothing, nor will they save me. Indeed, I should clearly be in error.” (Verses 22-24) The same point is emphasized again towards the end of the sūrah: “Yet they have taken to worship deities other than God, hoping for /their] support.
Sie sind nicht in der Lage, ihnen zu helfen; doch ihre Anbeter stehen wie Krieger bereit, um sie zu verteidigen.“ (Verse 74–75)
They are unable to support them; yet their worshippers stand like warriors to defend them.” (Verses 74-75)
Das Thema, das in der Sure am stärksten betont wird, ist die Auferstehung.
The issue that is most strongly emphasized in the sūrah is that of resurrection.
Auf dieses Thema wird gleich zu Beginn zuerst hingewiesen: „Wir sind es, die die Toten wieder lebendig machen werden. Wir verzeichnen, was sie an Taten vorausschicken, ebenso die Spuren, die sie hinterlassen. Und Wir halten alle Dinge in einem klaren Verzeichnis fest.“ (Vers 12) Die Auferstehung wird ferner in der Geschichte der Stadt angedeutet, wo von dem Lohn die Rede ist, der dem Mann zuteilwird, der für den Glauben eintritt: „Es wurde ihm gesagt: Tritt ins Paradies ein. Er sagte: Wenn doch mein Volk wüsste, wie mein Herr mir meine Sünden vergeben und mich unter die Hochgeehrten gesetzt hat!“ (Verse 26–27) In der Mitte der Sure wird die Auferstehung erneut erwähnt: „Sie fragen auch:
Mention of this is first made at the very outset: “It is We who will bring the dead back to life. We record whatever Needs] they send ahead, as well as the traces they leave behind. We keep an account of all things in a clear record.” (Verse 12) Resurrection is further alluded to in the story of the township as it mentions the reward given to the man arguing the case of faith: “He was told- Enter paradise. He said Would that my people knew how my Lord has forgiven me my sins, and has placed me among the highly honoured!” (Verses 26- 27) In the middle of the sūrah resurrection is once again referred to: “They also ask:
„Wann wird dieses Versprechen erfüllt, wenn ihr die Wahrheit sagt?“ Sie warten nur auf einen einzigen Schrei, der sie überrascht, während sie noch streiten. Dann werden sie keine Zeit mehr haben, Testamente zu verfügen, noch werden sie zu ihren Angehörigen zurückkehren.“ (Verse 48-50) Und am Ende der Sure wird es in Form eines Dialogs dargestellt: „Er tritt mit Argumenten gegen Uns auf und vergisst dabei, wie er selbst erschaffen wurde. Er fragt: ‚Wer könnte Knochen, die zu Staub zerfallen sind, wieder lebendig machen?‘ Sprich: Derjenige, der sie beim ersten Mal erschaffen hat, wird sie wieder lebendig machen. Er kennt jede Schöpfung in allen Einzelheiten.“ (Verse 78-79)
‘When will this promise be fulfilled, if what you say be true?’ All they are waiting for is a single blast that will overtake them while they are still disputing. No time will they have to make bequests, nor will they return to their own people.” (Verses 48-50) And at the end of the sūrah, it is stated in the form of dialogue: “He comes up with arguments against Us, forgetting how he himself was created. He asks: ‘Who could give life to bones that have crumbled to dust?’ Say: He who brought them into being in the first instance will give them life again. He has full knowledge of every act of creation.” (Verses 78-79)
Diese grundlegenden Glaubensfragen werden in den mekkanischen Sūren immer wieder behandelt. Dabei werden sie jedes Mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, in einen neuen Fokus gerückt und mit Wirkungen versehen, die zur Gesamtstimmung der Sure passen, sodass sie im Einklang mit deren Rhythmus, Bildern und Eindrücken bleiben.
These fundamental issues of faith are repeatedly discussed in Makkan sūrahs. Each time though they are tackled from a different angle, brought under new focus, and given effects that fit the overall ambience of the sūrah, maintaining harmony with its rhythm, images and impressions.
Diese Wirkungen variieren in dieser Sure. Einige entstammen den Szenen des Jüngsten Gerichts, den Szenen der Geschichte und den Positionen, die darin eingenommen werden, sowie den Dialogen, die sie enthält, ebenso wie dem Ende, das frühere Gemeinschaften erlitten. Andere Wirkungen stammen aus den zahlreichen Bildern, die vom Universum gezeichnet werden, von denen jedes seine eigene Botschaft vermittelt. Das tote Land, in dem das Leben zu sprießen beginnt; die Nacht, die dem Tag entzogen wird, um totale Finsternis zu verbreiten; die Sonne, die ihren Lauf bis zu ihrem Ziel vollendet; der Mond, der von einer Phase zur nächsten wandert, bis er wie ein alter Dattelzweig wird; die Schiffe, beladen mit den Nachkommen früherer Menschengenerationen; das Vieh, das dem Menschen dienstbar gemacht wurde; der Samentropfen, der sich in einen Menschen verwandelt, der streitet und zankt; und der grüne Baum, der zu einem Feuer gemacht wird, mit dem sie ihre eigenen Feuer entzünden. Durch den Gebrauch all dieser Szenen und Bilder betont die Sure ihre Botschaft.
These effects vary in this sūrah. Some derive from the scenes of the Day of Judgement, the scenes in the story and the positions taken in it and the dialogue it includes as also the end suffered by earlier communities. Other effects are derived from the numerous images given of the universe, each of which imparts its own message. The dead land as life begins to emerge in it; the night stripped out of the day to spread total darkness; the sun running its course up to its point of destination; the moon moving from one phase to another until it becomes like an old date stalk; the boats laden with the offspring of old human generations; the cattle made subservient to man; the gamete being transformed into a human being who argues and quarrels; and the green tree made into a fire from which they light their own fires. It is by using all these scenes and images that the sūrah emphasizes its message.
Neben diesen gibt es weitere Wirkungen, die unsere Herzen berühren und unseren Verstand wachrütteln sollen. Eine davon ist das Bild derer, die die Wahrheit leugnen, wenn Gottes Gericht über sie hereinbricht. Dann können sie keinen Nutzen mehr aus den Zeichen und den Warnungen ziehen, die ihnen gegeben wurden: „Um ihre Hälse legen Wir Ketten, die bis zu ihrem Kinn reichen, so dass ihre Köpfe nach oben gezwungen werden. Und Wir stellen eine Sperre vor sie und eine Sperre hinter sie und hüllen sie in Schleier, so dass sie nicht sehen können.“ (Verse 8-9) Eine weitere ist die Tatsache, dass alles, was sie in ihren Herzen verbergen und was sie offen lassen, Gott bekannt ist; nichts ist vor Ihm verborgen. Eine dritte Wirkung ist die Beschreibung des Mechanismus der Schöpfung, der nichts als ein kurzes Wort erfordert: „Wenn Er etwas bestimmt, sagt Er nur zu ihm: ‚Sei!‘, und es ist.“ (Vers 82)
Alongside these there are other effects made to touch our hearts and alert our minds. One of these is the image of those who deny the truth when God’s judgement befalls them. No longer can they derive any benefit from the signs and the warnings given them: “Around their necks We have put chains, reaching up to their chins, so that their heads are forced up. And We have set a barrier before them and a barrier behind them, and We enshrouded them in veils so that they cannot see.” (Verses 8-9) Another is the fact that whatever they harbour inside their hearts and whatever they leave open are known to God; nothing is hidden from Him. A third effect is the description of the mechanism of creation as involving nothing but one short word: “When He intends something to be, He only says to it, Be,’ and it is.” (Verse 82)
Die Sure lässt sich in drei Teile gliedern. Der erste beginnt mit einem Schwur, den Gott bei den beiden getrennten Buchstaben Yā Sīn und bei dem Qur'ān, der voller Weisheit ist, leistet, um die Wahrheit der Botschaft des Propheten ﷺ zu bekräftigen und dass er einem geraden Weg folgt. Darauf folgt die Beschreibung des elenden Endes derer, die der Botschaft keine Beachtung schenken und ihre Wahrheit leugnen. Sie werden niemals einen Weg zur Rechtleitung finden, denn so ist Gottes Urteil. Es wird erklärt, dass die Warnung nur denen nützt, die den Offenbarungen folgen, die Gott gegeben hat, und die Ihn fürchten, obwohl ihre Wahrnehmungsfähigkeiten Ihn nicht erreichen können. Solche Menschen öffnen ihre Herzen, um die Beweise der göttlichen Rechtleitung und die Hinweise auf den Weg des Glaubens aufzunehmen. In diesem Teil wird der Prophet ﷺ aufgefordert, das Beispiel der Leute der Stadt anzuführen, die die Gesandten Gottes leugneten, und das Ende, das sie erlitten. Außerdem wird gezeigt, worin das Wesen des Glaubens besteht und wie er das Herz des Menschen beeinflusst, der für ihn eintritt.
The sūrah can he divided into three parts. The first begins with an oath God makes by the expression of two separate letters, Yā Sīn, and by the Qur’ān, which is full of wisdom, to emphasize the truth of the Prophet’s message and that he follows a straight path. This is followed by describing the miserable end of those who pay no heed to the message and deny its truth. They will never find a way to guidance because this is God’s judgement. It explains that the warning only benefits those who follow the revelations given by God and who fear Him despite the fact that their faculties of perception cannot reach Him. Such people open their hearts to receive the evidence of divine guidance and the pointers to the path of faith. In this part, the Prophet is asked to cite the example of the people of the township who denied God’s messengers and the end they suffered. It also shows the nature of faith and how it affects the heart of the man arguing its case.
Der zweite Teil beginnt mit einem Wehruf über jene Menschen, die weiterhin jeden Gesandten leugnen, den Gott ihnen sendet, sie und ihre Botschaft verspotten und nicht darauf achten, was den früheren Völkern widerfuhr, die die Wahrheit leugneten, noch auf die große Zahl der Zeichen, die Gott rings um sie herum gesetzt hat. Dieser Teil enthält die universellen Bilder, die wir bereits erwähnt haben, sowie eine lange und ausführliche Szene vom Tag des Gerichts.
The second part begins with a call of sorrow for those people who continue to deny every messenger God sends them, ridiculing them and their message, paying no heed to what happened to earlier communities who denied the truth, or to the great many signs God has placed all around them. This part includes the universal images we have already mentioned as well as a long and detailed scene from the Day of Judgement.
Der dritte und letzte Teil fasst alle Themen der Sure zusammen und beginnt mit der Verneinung, dass das, was Muḥammad rezitierte, Dichtung sei, wobei betont wird, dass der Prophet ﷺ niemals etwas mit Dichtung zu tun hatte. Er führt eine Reihe von Bildern an, die die Einheit Gottes bestätigen. Er verurteilt die Praxis der Ungläubigen, Gottheiten zu haben, zu denen sie beten, damit diese ihnen zum Sieg über ihre Feinde verhelfen, obwohl sie selbst diese vermeintlichen Gottheiten beschützen müssen. Er behandelt die Frage der Auferstehung und erinnert sie an ihren Ursprung und daran, dass ihre Erschaffung mit einem Samentropfen beginnt. Dies soll ihnen ermöglichen zu verstehen, dass das Lebendigmachen von Knochen, die zu Staub zerfallen sind, kaum verschieden ist von ihrer ersten Erschaffung aus einem Samentropfen. Er erinnert sie an die grünen Bäume und daran, wie sie zu Brennholz für das Feuer werden, obwohl die beiden Dinge weit auseinanderzuliegen scheinen. Auch die Erschaffung der Himmel und der Erde wird erwähnt als Erinnerung daran, dass Gott in der Lage ist, sie in beiden Phasen ihres Lebens zu erschaffen. Schließlich folgt der letzte Abschnitt, der die Sure abschließt:
The third and final part sums up all the themes of the sūrah, starting with a denial that what Muĥammad recited was poetry, and emphasizing the fact that the Prophet never had anything to do with poetry. It portrays a number of images confirming God’s oneness. It decries the unbelievers’ practice of having deities to which they pray to give them victory over their enemies, when in fact they themselves have to protect those alleged deities. It discusses the issue of resurrection, reminding them of their origin and how their creation starts with a gamete. This should enable them to understand that giving life to bones that have crumbled into dust is barely different from their first creation from a gamete. It reminds them of the green trees and how they become fire fuel, although the two concepts seem to be far apart. The creation of the heavens and the earth is also mentioned as a reminder that God is able to create them in both stages of their life. Finally, the last beat that concludes the sūrah is:
„Wenn Er etwas will, sagt Er nur zu ihm: ‚Sei!‘, und es ist.“ Erhaben ist daher Er, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge liegt, und zu Ihm werdet ihr alle zurückgebracht werden. (Verse 82–83)
“When He intends something to be, He only says to it, Be,’ and it is. Limitless, then, in His glory is He in whose hand rests the mighty dominion over all things, and to Him you all will be brought back.” (Verses 82-83)