Yūsuf (Joseph)
Yūsuf (Joseph)
Prolog
Prologue
Diese Sure ist eine mekkanische Offenbarung, und sie folgt auf Sure 11, Hūd, in der chronologischen Reihenfolge der Offenbarung. Das bedeutet, dass sie in die kritische Periode fiel, die wir in den Prologen zu den Suren 10 und 11, Jonas bzw. Hūd, erwähnt haben.
This sūrah is a Makkan revelation, and it follows Sūrah 11, Hūd, in the chronological order of revelation. This means that it belonged to the critical period we mentioned in the Prologues to Sūrahs 10 and 11, Jonah and Hūd, respectively.
Dies ist der Zeitraum zwischen dem sogenannten Jahr der Trauer, als der Prophet ﷺ seinen Onkel Abū Ţālib und seine Frau Khadījah verlor, die beide ihm unerschütterlichen Beistand gewährt hatten, und dem Zeitpunkt, als die neuen Muslime von Madinah, die Anşār, dem Propheten ﷺ bei `Aqabah ihren ersten und zweiten Treueschwur und ihre Unterstützung gaben. Diese Treueschwüre brachten neue Unterstützung und kündigten eine weitreichende Wende im Schicksal der islamischen Botschaft und der muslimischen Gemeinschaft an, beginnend mit der Auswanderung des Propheten ﷺ und seiner Gefährten nach Madinah.
This is the intervening period between what is known as the year of sorrow, when the Prophet lost his uncle Abū Ţālib and his wife Khadījah, both of whom gave him unfailing support, and the time when the new Muslims of Madinah, the Anşār, gave the Prophet their first and second pledges of loyalty and support at `Aqabah. These pledges brought in new support and heralded a far reaching change in the fortunes of the Islamic message and the Muslim community, beginning with the migration of the Prophet and his Companions to Madinah.
Die gesamte Sure wurde in Mekka offenbart, entgegen dem, was in einigen Koranausgaben erwähnt wird, wonach die Verse 1–3 und 7 Offenbarungen aus Medina seien. Die ersten drei Verse lauten: „Alif. Lām. Rā. Dies sind die Verse des Buches, das [die Wahrheit] klar darlegt. Wir haben es als Rede auf Arabisch herabgesandt, damit ihr verstehen möget.“
The whole sūrah was revealed in Makkah, contrary to what is mentioned in some copies of the Qur’ān, stating that verses 1-3 and 7 were Madinan revelations. The first three verses read as follows: “Alif. Lām. Rā. These are the verses of the Book that clearly shows [the truth]. We have revealed it as a discourse in Arabic so that you may understand.
Indem Wir dir diesen Qur'an offenbaren, erzählen Wir dir die schönste aller Geschichten. Zuvor warst du unter denen, die von der Offenbarung nichts wussten.{ } Diese Verse dienen als logische Einleitung zu dem, was unmittelbar folgt, nämlich der Geschichte Josephs: „Joseph sprach zu seinem Vater: ‚Vater, ich sah im Traum elf Sterne sowie die Sonne und den Mond; ich sah, wie sie sich vor mir niederwarfen.‘“ (Vers 4) Danach entfalten sich die Ereignisse der Geschichte bis hin zu ihrem Ende.
In revealing this Qur’ān We relate to you the best of narratives. Before it you were among those who are unaware [of revelation].” These verses serve as a logical prelude to what immediately follows, namely Joseph’s story: “Joseph said to his father: ‘Father, I saw in a dream eleven stars, as well as the sun and the moon; I saw them prostrate themselves before me.’“ (Verse 4) Then the events of the story begin to unfold, right up to its conclusion.
Daher ist der Verweis auf die Qur'ān-Erzählungen im Eröffnungsvers ein perfekter Auftakt zur Geschichte.
Hence, the reference to Qur’ānic narratives in the opening verse is a perfect prelude to the story.
Darüber hinaus gehört die Botschaft der ersten drei Verse vollständig zum mekkanischen Qur'an. Sie betont, dass es sich um eine Offenbarung von oben handelt, in arabischer Sprache, und widerlegt damit die Behauptung der Götzendiener, ein Nicht-Araber habe es dem Propheten ﷺ beigebracht. Sie erklären, dass der Prophet ﷺ vor dem Empfang dieser Offenbarung von ihrer Botschaft und den Themen, die sie behandelte, völlig unwissend war.
Moreover, the message of the first three verses belongs fully to the Makkan Qur’ān, emphasizing that it is a revelation from on high, in Arabic, refuting the idolaters’ accusation that a non-Arab taught it to the Prophet. They state that prior to receiving this revelation, the Prophet was totally unaware of its message and the subjects it addressed.
Des Weiteren passt diese Einleitung zur Sure hervorragend zu den Bemerkungen, die die Sure am Ende zu der Geschichte macht: „Das ist eine Nachricht vom Verborgenen, die Wir dir offenbaren. Du warst nicht bei ihnen, als sie ihre Pläne fassten und ihre Ränke schmiedeten.“ (Vers 102) Wir sehen, wie der Auftakt der Geschichte zu ihren abschließenden Bemerkungen passt, was darauf hindeutet, dass die gesamte Sure – Einleitung, Erzählung und Bemerkungen – zur gleichen Zeit offenbart wurde.
Furthermore, this introduction to the sūrah fits perfectly with the comments the sūrah provides on the story towards the end: “That is an account which We have now revealed to you, speaking of things that have been beyond your perception. You were not present when they i.e. Joseph’s brothers] resolved upon their plans and completed their schemes.” (Verse 102) We see how the prelude to the story dovetails with its concluding comments, indicating that the entire sūrah, prelude, narrative and comments, were all revealed at the same time.
Was Vers 7 betrifft, so ist er ein integraler Bestandteil der fortschreitenden Erzählung. Dass er später, in Madinah, hinzugefügt worden sein soll, steht im Widerspruch zum Ganzen. Zum einen Vers 8
As for verse 7, it is an integral part of the progressing narrative. For it to have been added later, in Madinah, is inconsistent with the whole. For one thing, verse 8
Das Pronomen „sie“ in Vers 8 bezieht sich auf die Brüder Josephs, die in Vers 7 erwähnt werden. Daher könnte Vers 8 ohne Vers 7 nicht richtig verstanden werden. Die beiden Verse zusammen lauten: „Gewiss, in Joseph und seinen Brüdern gibt es Zeichen für die, die fragen.“ (Vers 7) „Sie sagten [untereinander]: ‚Wahrlich, Joseph und sein Bruder sind unserem Vater lieber als wir, obwohl wir zahlreich sind. Gewiss, unser Vater befindet sich in offenkundigem Irrtum.‘“ (Vers 8) All dies zeigt deutlich, dass die beiden Verse gemeinsam als Teil der sich entfaltenden Erzählung offenbart wurden.
includes a pronoun that refers to Joseph’s brothers mentioned in verse 7, which means that verse 8 could not be properly understood unless its were preceded by verse 7. The two verses together read: “Surely in Joseph and his brothers there are signs for those who inquire. (Verse 7) “They said [to one another]: ‘Truly, Joseph and his brother are dearer to our father than we, even though we are many. Surely our father is in manifest error.’” (Verse 8) All this clearly indicates that the two verses were revealed together as part of the unfolding narrative.
Prüfungen in Fülle
Trials In Plenty
Die Sure bildet eine einzige, in sich geschlossene Einheit mit einem klar mekkanischen Charakter, der sich in ihrem Inhalt, ihrer Botschaft und ihrer Atmosphäre widerspiegelt. Sie spiegelt die Art jener kritischen Zeit wider, in der sie offenbart wurde. Der Gesandte Allahs ﷺ durchlebte eine Zeit, in der er sich einsam und von seiner gesellschaftlichen Umgebung entfremdet fühlte, und seine Anhänger spürten die Belastungen der Isolation.
The sūrah is a single, complete unit with a clear Makkan character reflected in its subject matter, message and ambience. It reflects the nature of the critical period in which it was revealed. The Prophet was enduring a time when he felt lonely and alienated from his social surroundings, and his followers felt the strains of isolation.
Mit der Offenbarung dieser Sure erzählt Gott Seinem edlen Gesandten Muhammad ﷺ die Geschichte eines edlen Bruders, des Josef, Sohn des Jakob, Sohn des Isaak, Sohn des Abraham (Friede sei auf ihnen allen). Auch Josef musste eine Reihe von Prüfungen und Heimsuchungen erdulden: Zunächst schmiedeten seine Brüder Pläne, ihn loszuwerden, dann wurde er in den Brunnen geworfen, wo er um sein Leben bangen musste. Danach wurde er als Sklave verkauft, wie ein lebloser Gegenstand, ohne jedes Mitspracherecht, und er verlor die ganze Fürsorge und Liebe seiner Eltern. Anschließend sah er sich Versuchung und Verführung gegenüber, gefolgt von den bösen Ränken der Frau seines Herrn und ihrer Gefährtinnen. Danach musste er eine lange Haft ertragen, nachdem er zuvor komfortabel in einem Palast gelebt hatte. Ein Wechsel des Schicksals brachte ihn dann in eine Position der Macht, in der er die volle Kontrolle über die lebensnotwendige Nahrung der Menschen und über ihr Leben hatte. Danach stand er einer Prüfung ganz anderer Art gegenüber, als er seinen Brüdern begegnete, deren Anschlag gegen ihn den ganzen Verlauf eingeleitet hatte. Doch Josef blieb durchgehend ein standhafter Gläubiger und nutzte diese Prüfungen, um die göttliche Botschaft zu verbreiten. Am Ende ging er triumphierend hervor, wiedervereint mit seinen Eltern und seiner Familie, und er sah die Verwirklichung seines frühen Traumes in vollkommener Klarheit: „Als Josef zu seinem Vater sagte: ‚Mein Vater, ich sah im Traum elf Sterne, dazu die Sonne und den Mond; ich sah, wie sie sich vor mir niederwarfen.“ (Vers 4)
With the revelation of this sūrah, God tells His noble Messenger, Muĥammad, the story of a noble brother, one Joseph ibn Jacob ibn Isaac ibn Abraham, (peace be upon them all). Joseph too had to endure a series of tests and trials: first, his brothers schemed to get rid of him, then he was thrown into the well where he found himself in fear of his life. This was followed by his becoming a slave sold like an inanimate object, having no say in the matter and losing all the care and love of his parents. He then faced temptation and seduction, followed by the wicked scheming of his master’s wife and her fellow women. He then had to endure long imprisonment after having lived comfortably in a palace. A change of fortunes then sees him in a position of power where he had full control of people’s basic food requirements and their lives. He subsequently faces a trial of a totally different nature when he meets his brothers whose plot against him started this whole scenario. Throughout, however, Joseph remained a steadfast believer, using these trials to propagate the divine message. He emerged triumphant at the end, reunited with his parents and family, witnessing the realization of his early dream in perfect relief: “Joseph said to his father: ‘Father, I saw in a dream eleven stars, as well as the sun and the moon; I saw them prostrate themselves before me.” (Verse 4)
Ein Hinweis auf zukünftige Aussichten
A Hint Of Future Prospects
Es ist nicht verwunderlich, dass diese Sure mit ihrer Schilderung und ihren Kommentaren gerade in jener besonders schwierigen Zeit in Makkah dem Propheten ﷺ offenbart wurde, um ihm und seinen Gefährten Trost, Beistand und Zuversicht zu geben. Tatsächlich vermittelt mir die Art, wie ich die Sure betrachte, das Gefühl, dass sie einen unterschwelligen Hinweis enthält, dass die Muslime Makkah verlassen werden, um sich anderswo niederzulassen, wo sie Macht genießen und Sieg erringen werden. Es stimmt, dass die Auswanderung durch die lange Verfolgung, welche die muslimische Gemeinschaft erduldete, erzwungen zu sein schien. Doch so war es auch im Fall Josephs, der von seinen Eltern weggeführt wurde, um eine lange Reihe von Prüfungen und Heimsuchungen zu erdulden: „So festigten Wir Joseph im Land, und Wir lehrten ihn die Deutung der Ereignisse. Gott vermag immer zu verwirklichen, was Er will; doch die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Vers 21) Dies wird im Zusammenhang mit dem Augenblick gesagt, als Joseph als junger Knabe zum ersten Mal nach Ägypten kam und dem Oberminister als Sklave verkauft wurde.
It is no wonder that this sūrah, and the account and comments it gives, was revealed to the Prophet during that particularly difficult time in Makkah, giving him and his followers solace, comfort and reassurance. Indeed the way I think about the sūrah gives me the feeling that it carries a subtle hint that the Muslims will be made to leave Makkah to settle somewhere else, where they will enjoy power and achieve victory. It is true that the migration appeared to be enforced by the long persecution endured by the Muslim community. But so was the case with Joseph who was taken away from his parents to endure a long series of trials and tribulations: “Thus We established Joseph in the land, and We imparted to him some understanding of the real meaning of statements. God always prevails in whatever be His purpose; though most people may not know it.” (Verse 21) This is stated in relation to the moment when Joseph first arrived in Egypt as a young lad being sold as a slave to the Chief Minister.
Diese Gedanken, die mir jetzt auf dem Herzen liegen, lassen mich den Schluss der Sure mit ihren abschließenden Anmerkungen zur Geschichte besonders wertschätzen. Ich kann nur auf das verweisen, was ich empfinde, obwohl es schwierig ist, solche Gefühle in Worte zu fassen. Das Beste, was ich tun kann, ist daher, auf die letzten Verse selbst zu verweisen: „Auch vor dir sandten Wir nur Männer [als Gesandte], denen Wir Offenbarungen eingaben, und zwar aus den Bewohnern der Städte. Sind sie denn nicht im Land umhergereist und haben gesehen, welches das Ende derer war, die vor ihnen lebten? [Jene Ungläubigen]"
These thoughts that press on my mind now give me a special appreciation of the ending of the sūrah with its final comments on the story. I can only refer to what I feel, though putting such feelings into words is difficult. So the best I can do is to refer to the final verses themselves: “Even before your time, We only sent [as messengers] men to whom We gave Our revelations, choosing them from among their people. Have they not travelled the land and seen what was the end of those [unbelievers] who lived before them?
Künstlerische Erzählung
Artistic Narrative
Wie in dieser Sure erzählt wird, bietet die Geschichte Josephs das vollkommene Beispiel für die islamische Methode des Erzählens, die zugleich ihre psychologische und erzieherische Wirkung verstärkt, mit dem Ziel, den Glauben zu festigen und das Vertrauen in ihren Handlungsweg zu stärken. Obwohl der Koran dasselbe Thema und dieselbe Darstellungsweise beibehält, sticht die Geschichte Josephs als vollkommenes Beispiel für seine künstlerischen Merkmale hervor.
As narrated in this sūrah, Joseph’s story provides the perfect example of the Islamic method of story-telling while enhancing its psychological and educational effects that aim to reinforce faith and strengthen trust in its line of action. Although the Qur’ān maintains the same theme and method of presentation, Joseph’s story stands out as a perfect example of its artistic features.
Joseph, die Hauptfigur, wird in der Interaktion mit allen Lebensbereichen und in einer großen Vielfalt von Situationen gezeigt. Seine Prüfungen, die in Art und Wirkung stark voneinander abweichen, werden alle in vollem Umfang mit natürlichen menschlichen Reaktionen dargestellt. Joseph, ein vollkommenes Vorbild eines demütigen Dieners Gottes, geht aus all diesen Prüfungen rein, makellos und ganz hingegeben hervor und richtet an Gott ein aufrichtiges Gebet, das seine Hingabe zum Ausdruck bringt.
Joseph, the main protagonist, is shown interacting with all aspects of life across a wide variety of situations. His trials, greatly varied in nature and effect, are all fully portrayed with natural human reactions in each case. Joseph, a perfect model of God’s humble servant, emerges from all these trials pure, untarnished, fully dedicated, addressing to God a heartfelt prayer that expresses his devotion.
Andere Figuren in der Geschichte werden mit unterschiedlichem Grad an Offenheit, Raum und Fokus dargestellt. Die Geschichte offenbart auf diese Weise tiefe Einsichten in die menschliche Psyche und zeigt eine Vielfalt von Situationen, Gefühlen, Reaktionen und Interaktionen. Ein solcher Fall ist Jakob, ein liebender Vater, voller Kummer, und zugleich ein beruhigter Prophet, dem besonderes Wissen gewährt wurde. Ein anderer ist der Fall der Brüder Josefs, die von Neid, Eifersucht und persönlichen Groll zu einem bösen Plan getrieben werden, der schwer auf ihnen lastet und sie schwach und verwirrt zurücklässt. Einer von ihnen tritt jedoch mit einer anderen Persönlichkeit hervor, die sich in den verschiedenen Phasen der Geschichte behauptet. Ein dritter Fall ist die Frau des Ministerpräsidenten: von sexuellem Begehren getrieben, in ihrem Ausdruck schamlos eindeutig, und die Verhältnisse in den Palästen Ägyptens während einer Zeit der Dschahiliyya widerspiegelnd. Sie wird klar umrissen, sodass wir Einblick in ihren persönlichen Charakter erhalten und darin, wie sie von ihrer Umgebung beeinflusst wird.
Realismus und Konsistenz
Realism And Consistency
Man nehme den Fall der Brüder Josephs: Kleinliche Groll-Gefühle wachsen in ihren Herzen und nehmen so große Ausmaße an, dass sie das Ausmaß ihres abscheulichen Verbrechens aus den Augen verlieren. Dann erfinden sie eine „moralische Rechtfertigung", um ihr Gewissen zu beruhigen.
Take the case of Joseph’s brothers: petty grudges grow in their hearts, reaching great proportions so as to make them lose sight of the enormity of their ghastly crime. They then come up with a ‘moral justification’ to quieten their consciences.
Diese Rechtfertigung spiegelt die Wirklichkeit ihres religiösen Umfelds wider, denn sie sind die Kinder des Propheten Yaʿqūb ibn Isḥāq ibn Ibrāhīm (Friede sei mit ihnen allen). Ihr Umfeld hinterlässt deutliche Spuren in ihrer Denkweise, ihren Gefühlen und ihren Traditionen. Sie wissen, dass sie irgendeine Art von Rechtfertigung brauchen, um die Abscheulichkeit ihres Verbrechens zu mindern:
This justification reflects the reality of their religious environment, since they are the children of the Prophet Ya`qūb ibn Isĥāq ibn Ibrāhīm (peace be upon them all). Their environment leaves its clear impressions on their way of thinking, feelings and traditions. They know that they need some sort of justification so as to reduce the ghastliness of their crime:
Wahrlich, in Joseph und seinen Brüdern liegen Zeichen für die, die fragen. Sie sagten [zueinander]: „Wahrlich, Joseph und sein Bruder sind unserem Vater lieber als wir, obwohl wir doch eine starke Schar sind. Gewiss ist unser Vater in offenkundigem Irrtum. Tötet Joseph oder werft ihn in irgendein fernes Land, damit euch die Zuwendung eures Vaters allein gehört. Danach werdet ihr [Reue zeigen und] rechtschaffene Leute sein.“ Einer von ihnen sagte: „Tötet Joseph nicht, sondern werft ihn – wenn ihr etwas tun müsst – in die finstere Tiefe dieses Brunnens. Vielleicht holt ihn irgendeine Karawane heraus.“ [Daraufhin] sagten sie [zu ihrem Vater]:
Surely in Joseph and his brothers there are signs for those who inquire. They said [to one another]: ‘Truly, Joseph and his brother are dearer to our father than we, even though we are many. Surely our father is in manifest error. Kill Joseph, or cast him away in some faraway land, so that you have your father’s attention turned to you alone. After that you will [repent and] be righteous people.’ One of them said: Do not kill Joseph, but rather — if you must do something — cast him into the dark depth of this well. Some caravan may pick him up.’ [Thereupon] they sad [to their father]:
„Vater, warum vertraust du uns Joseph nicht an, wo wir ihm doch wahrlich wohlgesinnt sind?
‘Father, why do you not trust us with Joseph, when we are indeed his well-wishers?
Realismus und Angemessenheit
Realism And Propriety
Die Frau des Ministers ist eine weitere Gestalt, an der sich Beständigkeit in allen Lagen zeigt. Zunächst sehen wir sie im Griff der Begierde, die auf nichts achtet, während sie versucht, ihre ungezügelte Lust zu stillen. Weder weibliche Scham, Selbstachtung und gesellschaftliche Stellung noch die Gefahr eines familiären Skandals halten sie zurück. Rasch setzt sie all ihre weibliche List und Verschlagenheit ein, um sich von Schuld freizusprechen und zugleich ihren Geliebten zu schützen, den sie bewusst einer falschen Anschuldigung preisgegeben hat. Ihr Ziel ist dabei, dass er eine milde Strafe erhält, die ihm das Leben lässt. Auch später hilft ihr die List, die Anschuldigungen anderer Frauen zu beantworten, indem sie deren gleiche Schwäche gegenüber sinnlichem Verlangen ausnutzt. Als ihr eigener Mangel an Selbstbeherrschung offenbar wird, bekennt sie sich zu ihrem Entschluss, zu bekommen, was sie will, und erklärt dies den anderen Frauen, die dieselbe Begierde teilen und darin nichts Verwerfliches sehen, fleischliche Lüste zu befriedigen.
The Chief Minister’s wife is another character that reflects consistency in all situations. We see her first in the grip of desire, heeding nothing as she tries to satisfy her uncontrolled lust. She is restrained neither by feminine shyness, self respect, social position nor by a potential family scandal. She is quick to employ all her female guile and craftiness in order to show herself free of blame and at the same time protect her loved one, at whom she deliberately levelled a false accusation. Her aim here is that he should be given a mild sentence that spares his life. Again her guile helps her to answer other women’s accusations, utilizing their similar weakness against sexual desire. When her own lack of control is exposed, she owns up to her determination to get what she wants, declaring this to the other women who share with her the same lust that sees nothing wrong in satisfying carnal desires.
Obwohl die Geschichte diese Art von Frau realistisch und wirklichkeitsgetreu zeichnet und den Moment unkontrollierten Begehrens in seiner ganzen Dringlichkeit zeigt, hält der Qur'ān-Bericht, der das beste Beispiel islamischer Erzählkunst darstellt, durchweg eine sehr klare Linie ein.
Although the story paints this type of woman realistically and faithfully, showing the moment of uncontrolled desire at its most urgent, the Qur’ānic account, which provides the best example of Islamic artistry, maintains a very clean line throughout.
Auch dort, wo die Beschreibung einer Frau ihre körperliche und seelische Blöße offenlegt, meidet der Qur’ān den Schmutz einer expliziten Erotik, der jene Art von „Realismus“ in literarischen Werken zeitgenössischer Gesellschaften kennzeichnet, die religiösen Werten nur wenig Beachtung schenken.
Even in the description of a woman exposing her physical and mental nakedness, the Qur’ān steers away from the squalor of explicit eroticism which characterizes what is called realism in literary works of contemporary societies that pay little regard to religious values.
Die Entwicklung des Charakters von Josef
The Development Of Joseph’s Character
Wenn wir Josef durch die gesamte Geschichte folgen, sehen wir, wie sein Charakter in allen Umgebungen, in denen er sich befindet, hervorstrahlt und seine wesentlichen Eigenschaften widerspiegelt. Er ist ein gottesfürchtiger junger Mann, der im Haus eines Propheten aufgewachsen ist und dort seinen Glauben erworben hat. Zu keinem Zeitpunkt sehen wir, dass er einen dieser Wesenszüge aus den Augen verliert. In den dunklen Stunden, als er zu Unrecht ins Gefängnis geworfen wird, verbreitet er seinen Glauben weiterhin sanft, aber bestimmt; er ist sich seiner Umgebung bewusst und weiß, wie er sich in einem solchen Umfeld den Menschen nähern muss. Er erkennt, dass er die Überlegenheit seines Glaubens stets durch sein Verhalten widerspiegeln muss, das hohe moralische Maßstäbe und Werte wahrt.
If we follow Joseph across the whole story, we find his character shining throughout, reflecting its essential characteristics in every environment he finds himself in. He is a God-fearing young man brought up in a prophet’s home where he acquired his faith. At no point do we see him losing sight of any of these elements. In the dark hours when he is unjustly thrown into prison, he continues to advocate his faith gently but firmly, aware of his environment and knowing how to approach people in such an environment. He realizes that he must always reflect the superiority of his faith by his conduct which maintains high moral standards and values:
Zwei junge Männer kamen mit ihm ins Gefängnis. Einer von ihnen sagte: „Ich sah mich [im Traum] Wein auspressen.“ Der andere sagte: „Und ich sah mich [im Traum] Brot auf meinem Kopf tragen, und Vögel fraßen davon.“ „Sag uns die Deutung dieser Träume, denn wir sehen, dass du ein Mann der Tugend bist.“ [Josef] antwortete: „Eure Speise, die euch zugeteilt wird, wird nicht zu euch gelangen, bevor ich euch nicht die wahre Bedeutung [eurer Träume] mitgeteilt habe. Das gehört zu dem Wissen, das mein Herr mir verliehen hat. Ich habe den Glauben eines Volkes verlassen, das nicht an Gott glaubt und die Wahrheit des Jenseits leugnet. Ich folge dem Glauben meiner Väter, Abraham, Isaak und Jakob. Es steht uns nicht zu, Gott irgendwelche Teilhaber beizugesellen. Dies ist eine Gnade Gottes, die Er uns und allen Menschen erwiesen hat, doch die meisten Menschen danken nicht. Meine beiden Gefährten im Gefängnis! Ist es besser, an verschiedene Herren zu glauben, oder an Gott, den Einen, der über alles herrscht, was existiert? Jene, die ihr statt Ihm verehrt, sind nichts als Namen, die ihr und eure Väter erfunden habt, und wofür Gott keine Vollmacht von oben gegeben hat. Das Urteil liegt allein bei Gott. Er hat bestimmt, dass ihr keinen anderen als Ihn verehren sollt. Dies ist der wahre Glaube, doch die meisten Menschen wissen es nicht.“
Two young men went to prison with him. One of them said: I saw myself [in a dream] pressing wine.’ The other said: And I saw myself [in a dream] carrying bread on my head, and birds were eating of it.’ ‘Tell us the meaning of these dreams, for we can see that you are a man of virtue.’ [Joseph] answered: ‘Your food which is provided for you will not have come to you before I have informed you of the real meaning of [your dreams]. That is part of the knowledge which my Lord has imparted to me. I have left the faith of people who do not believe in God, and who deny the truth of the life to come. I follow the faith of my forefathers, Abraham, Isaac and Jacob. It is not for us to associate any partners with God. This is part of God’s grace which He has bestowed on us and on all mankind, but most people do not give thanks. My two prison companions! Which is better: [to believe] in diverse lords, or to believe in God, the One who holds sway over all that exists? Those you worship instead of Him are nothing but names you and your fathers have invented, and for which God has given no sanction from on high. All judgement rests with God alone. He has ordained that you should worship none but Him. This is the true faith, but most people do not know it.
Der trauernde Vater
The Bereaved Father
Ein weiterer Charakter ist Jakob, der liebevolle, gütige Vater und selbstbewusste Prophet, der eine Mischung aus Besorgnis und Hoffnung empfindet, als sein Sohn ihm von seinem Traum erzählt. Er erkennt, dass der Traum eine sehr vielversprechende Zukunft ankündigt, doch fürchtet er zugleich, Satan könnte seine anderen Kinder zu einer unerwünschten Handlung verleiten. Wir sehen ihn hier, wie er über alle Aspekte seines Charakters nachdenkt: „Joseph sprach zu seinem Vater: ‚Vater, ich sah im Traum elf Sterne, dazu die Sonne und den Mond; ich sah, wie sie sich vor mir niederwarfen.‘ ‚Mein Sohn‘, erwiderte er, ‚erzähle deinen Brüdern deinen Traum nicht, sonst schmieden sie einen bösen Plan gegen dich. Satan ist dem Menschen wahrlich ein offenkundiger Feind. Ebenso wird dein Herr dich erwählen und dich die Deutung der Ereignisse lehren, und Er wird Seine Gnade an dir und an der Familie Jakobs vollenden, so wie Er sie an deinen Vorvätern Abraham und Isaak vollendet hat. Dein Herr ist wahrlich allwissend, allweise.‘“ (Verse 4-6)
Another character is Jacob, the loving kindly father and confident prophet who experiences a combination of apprehension and hope when his son tells him of his dream. He recognizes that the dream heralds a very promising future, but he fears at the same time that Satan might prompt his other children to take some undesirable action. We see him here reflecting on all aspects of his character: “Joseph said to his father: ‘Father, I saw in a dream eleven stars, as well as the sun and the moon; I saw them prostrate themselves before me.’ My son,’ he replied, do not relate your dream to your brothers, lest they plot some evil against you. Satan is indeed man’s open enemy. Even thus will your Lord make you His chosen one, and will impart to you some understanding of the real meaning of statements. He will perfect His favour to you and to the House of Jacob, as He perfected it to your forefathers, Abraham and Isaac. Your Lord is certainly All-Knowing, Wise.’“ (Verses 4-6)
Danach begegnen wir ihm erneut, als seine Söhne versuchen, ihn zu überreden, ihnen zu erlauben, Joseph mitzunehmen, und ihm anschließend die erschütternde Nachricht von Josephs Verschwinden überbringen:
We then meet him again as his sons try to persuade him to let them take Joseph with them, followed by them giving him the shocking news of Joseph’s disappearance:
[Daraufhin] sagten sie [zu ihrem Vater]: „Vater, warum vertraust du uns Joseph nicht an, wo wir ihm doch gewiss wohlgesinnt sind? Schick ihn morgen mit uns, damit er sich vergnügen und spielen kann. Wir werden gewiss gut auf ihn achtgeben.“ Er antwortete: „Es betrübt mich wahrlich, dass ihr ihn mitnehmt; und ich fürchte, dass der Wolf ihn frisst, während ihr achtlos seid.“ Sie sagten: „Wenn der Wolf ihn fräße, obwohl wir so viele sind, dann wären wir wahrlich verloren.“ Und als sie mit ihm fortgingen, beschlossen sie, ihn in die Tiefe des Brunnens zu werfen. Wir offenbarten ihm [dies]: „Du wirst ihnen von dieser ihrer Tat erzählen zu einer Zeit, in der sie dich nicht erkennen werden.“ Am Abend kamen sie weinend zu ihrem Vater und sagten: „Vater, wir sind um die Wette gelaufen und haben Joseph bei unseren Sachen zurückgelassen, und der Wolf hat ihn gefressen. Aber du wirst uns nicht glauben, selbst wenn wir die Wahrheit sagen.“ Und sie brachten sein Hemd, mit falschem Blut befleckt. Er sagte: „Nein, sondern eure Seelen haben euch zum Bösen verleitet. Geduldiges Ausharren ist schön! Gott allein rufe ich um Beistand an gegen dieses Unglück, das ihr beschrieben habt.“ (Verse 11–18)
Das Fleischliche und das Erhabene
The Carnal And The Sublime
Der qur'ānische Ansatz, die Wirklichkeit getreu abzubilden und dabei die Werte der Reinheit und Schicklichkeit zu wahren, beschränkt sich nicht auf die Darstellung menschlicher Charakterzüge. Er zeigt sich ebenso deutlich in der wahrheitsgetreuen Erzählung von Ereignissen: Sie werden so dargestellt, wie sie sich zugetragen haben, mit genauer Schilderung ihrer Umstände, ihres Hintergrunds, ihrer Zeit und ihres Ortes. Jede Bewegung, jedes Gefühl, jede Reaktion und tatsächlich jedes Wort wird zur passenden Zeit wiedergegeben.
The Qur’ānic approach of faithfully painting reality while maintaining the values of purity and propriety is not limited to the sketching of human characteristics. It is also clearly seen in the faithful narration of events, showing them as they took place, accurately outlining their circumstances, background, time and place. Every movement, feeling, reaction and indeed every word is given at the appropriate time.
Dasselbe gilt für die dargestellten Figuren.
All this is similarly true of the characters painted.
Selbst sexuelle Gefühle und Haltungen erhalten ihren vollen Raum, innerhalb der Grenzen des sauberen Zugangs, der dem Menschen entspricht. Wir sehen keine Verfälschung, Verzerrung oder Unterdrückung der menschlichen Wirklichkeit, ihres Umfangs oder ihrer Integrität. Doch diesen Momenten im Verhältnis zum übrigen Geschehen ihren angemessenen Raum zu geben, bedeutet nicht, sie in den Mittelpunkt zu stellen, als wären sie die gesamte Wirklichkeit des Menschen und das zentrale Element seines Lebens. Dies steht im Widerspruch zur un-islamischen bzw. dschahiliyyah-Haltung, die uns glauben machen will, dass nur ein solcher Fokus realistische Kunst hervorbringe.
Even sexual feelings and attitudes are given their full space, within the limits of the clean approach that suits man. We see no falsification, distortion or suppression of the human reality, its scope or integrity. However, giving these moments their proper space in relation to the rest of events does not mean focusing on them as if they were the total reality of humans and the pivotal element in their life. This is contrary to the un-Islamic or jāhiliyyah approach which wants us to believe that only such focus produces realist art.
Die Dschahiliyya verzerrt den Menschen unter dem Vorwand des künstlerischen Realismus. Sie richtet den Blick so auf den Sex, als wäre er das ganze Ziel des menschlichen Lebens, und macht ihn zu einem tiefen Sumpf, der von verlockenden, aber bösen Blumen umgeben ist. Nicht die Treue zur Wirklichkeit bewegt die Dschahiliyya zu dieser Herangehensweise an den Sex. Sie geschieht, weil die Zionistischen Protokolle sie dazu ermutigen. Diese Protokolle wollen den Menschen all seiner Werte beraubt sehen außer den tierischen und fleischlichen, damit die Zionisten nicht als die einzigen Menschen erscheinen, die alle nichtmateriellen Werte abgelegt haben. Sie wollen, dass die Menschheit in den Morast des Sexes fällt und all ihre Kräfte darauf richtet. Das ist der sicherste Weg, die Menschheit zu zerstören und sie vor dem heranrückenden Zionistischen Reich niederzuwerfen. Sie machen die Kunst zu ihrem Mittel, all dieses Übel herbeizuführen. Außerdem bemühen sie sich eifrig, neue Lehren zu verbreiten, und nutzen sie so aus, dass sie demselben Zweck dienen, während sie behaupten, solche Lehren seien „wissenschaftlich“. Beispiele dafür sind der Darwinismus, der Freudianismus, der Marxismus und der wissenschaftliche Sozialismus. All diese haben das gemeinsame Ziel, den bösen zionistischen Plänen zu dienen.
Historische Dimension
Historical Dimension
Die Erzählung beschränkt sich nicht darauf, Ereignisse zu schildern und Figuren zu zeichnen. Sie geht darüber hinaus, indem sie auf die Epoche in der Geschichte hinweist, in der sich diese Ereignisse zutrugen, und deren allgemeine Merkmale beschreibt. Auf diese Weise erhält die Bühne eine internationale historische Dimension. Auf einige davon werden wir kurz eingehen.
The story does not only relate events and draw characters. It goes beyond this to point out the period in history when these events took place, and describes its general features. Thus the stage acquires an international historical dimension. We will briefly refer to some of these.
Ägypten wurde zu jener Zeit nicht von Pharaonen ägyptischer Abstammung regiert. Es stand vielmehr unter der Herrschaft eines nomadischen Volkes, das von Abraham, Ismael, Isaak und Jakob, die in der Nähe lebten, etwas über den göttlichen Glauben gelernt hatte. Wir schließen dies daraus, dass der Herrscher Ägyptens zu jener Zeit im Qur'an mit dem Titel König bezeichnet wird, während der Herrscher Ägyptens in der Geschichte von Moses den bekannten ägyptischen Titel Pharao trägt. Diese Unterscheidung bestimmt die Zeit, in der Joseph in Ägypten war, nämlich zwischen der 13. und der 17. Dynastie, die dem nomadischen Volk angehörten, das die Ägypter Hyksos nannten. Dies soll eine abwertende Bezeichnung gewesen sein, die sich auf Schweine oder Schweinehirten bezog. Ihre Herrschaft in Ägypten dauerte etwa anderthalb Jahrhunderte.
Egypt was not ruled at the time by pharaohs of Egyptian descent. It was instead under the rule of a nomadic people who had learnt something about the divine faith from Abraham, Ishmael, Isaac and Jacob who lived nearby. We deduce this from the fact that the ruler of Egypt at the time is given in the Qur’ān the title of King, while the ruler of Egypt in the story of Moses is given the well-known Egyptian title, Pharaoh. This distinction determines the time when Joseph was in Egypt, namely between the 13th and 17th dynasties, which belonged to the nomads whom the Egyptian people called the Hyksos. This was said to be a derogatory appellation which referred to pigs or pig farmers. Their rule in Egypt lasted about one and a half centuries.
Joseph wurde in dieser Zeit als Gesandter Gottes entsandt. Im Gefängnis begann er, den Islam in seinem weiteren Sinne zu verkünden, das heißt die Religion des absoluten Monotheismus. Wir sehen ihn dort, wie er deutlich macht, dass dies der Glaube seiner Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob war, und einen genauen Abriss dessen gibt, was er bedeutete: „Ich habe den Glauben von Menschen verlassen, die nicht an Gott glauben und die Wahrheit des Jenseits leugnen. Ich folge dem Glauben meiner Vorfahren, Abrahams, Isaaks und Jakobs. Es steht uns nicht zu, Gott irgendwelche Teilhaber beizugesellen. Dies gehört zur Gnade Gottes, die Er uns und allen Menschen erwiesen hat, doch die meisten Menschen danken nicht. Meine beiden Gefährten im Gefängnis! Was ist besser: [an] vielfache Herren [zu glauben] oder an Gott zu glauben, den Einen, der über alles herrscht, was existiert? Diejenigen, die ihr statt Ihm verehrt, sind nichts als Namen, die ihr und eure Väter erfunden habt und für die Gott keine Vollmacht von oben herabgesandt hat. Das Urteil liegt allein bei Gott. Er hat bestimmt, dass ihr keinen anderen verehren sollt als Ihn. Dies ist der wahre Glaube, doch die meisten Menschen wissen es nicht." (Verse 37-40)
Moralische Lehren
Moral Lessons
Für die islamische Bewegung liefert die Geschichte klare Lehren, von denen einige besonders für bestimmte Phasen ihres Fortschritts relevant sind, während andere klare, dauerhafte Bedürfnisse beantworten. Darüber hinaus werden durch die Geschichte und innerhalb der Sure als Ganzes, besonders in ihren abschließenden Anmerkungen, bestimmte Tatsachen festgestellt. Wir werden kurz auf einige davon eingehen.
For the Islamic movement, the story provides clear lessons, some of which are particularly relevant to certain stages of its progress, while others answer clear permanent needs. In addition, certain facts are established through the story and within the sūrah as a whole, particularly in its final comments. We will briefly refer to some of these.
Wir haben bereits erwähnt, dass die Offenbarung dieser Sure und die Geschichte, die sie erzählt, besonders geeignet waren für die kritische Phase, die die islamische Botschaft in Makkah durchlief, und für die Not, die der Prophet ﷺ und seine wenigen Gefährten erduldeten.
We have already mentioned that the revelation of this sūrah and the story it narrates were particularly suited to the critical period the Islamic message went through in Makkah, and the hardship endured by the Prophet and his few followers.
Dies wird durch die Darstellung der Prüfungen deutlich, die Joseph, ein edler Bruder Muhammads, des Gesandten Gottes ﷺ, erdulden musste, und wie er sein Land verlassen musste, bis ihm anderswo Macht verliehen wurde. Dies gibt uns einen Einblick in die Lehre der Geschichte, die zu den Bedürfnissen der islamischen Botschaft zu jener bestimmten Zeit passt. So erhalten wir einen Einblick in die handlungsorientierte Natur des Qur'ān, da er das Wesen der Botschaft erklärt und der muslimischen Gemeinschaft praktische Richtlinien mit klaren und eindeutig bestimmten Zielen gibt.
This is manifested through the relation of the trials endured by Joseph, a noble brother of Muĥammad, God’s Messenger, and how he had to depart from his land until he was given power elsewhere. This gives us an aspect of the moral of the story which fits in with the needs of the Islamic message at that particular time. We thus have an insight into the action-oriented nature of the Qur’ān, as it explains the nature of the message and gives the Muslim community practical directives with clear and well defined objectives.
In unserer Analyse der Geschichte haben wir auch auf das klare, detaillierte und genaue Bild des göttlichen Glaubens, des Islam, Bezug genommen, das Joseph zeichnete.
In our analysis of the story, we have also referred to the clear, detailed and accurate picture of the divine faith, Islam, drawn by Joseph (peace be upon him).
Geeignete Kommentare
Suitable Comments
Der erste Kommentar, den die Sure in ihrem abschließenden Abschnitt nach der langen Geschichte macht, zeigt die Absurdität der Verleugnung der Wahrheit der Offenbarung durch die Quraysch anhand der Geschichte, die in dieser Sure erzählt wird. Er stellt fest, dass der Prophet ﷺ bei den Ereignissen dieser Geschichte nicht anwesend war: „Dies ist ein Bericht über verborgene Dinge, den Wir dir offenbaren. Du warst nicht bei ihnen, als sie ihren Plan fassten und ihre Ränke schmiedeten.“ (Vers 102) Dieser Kommentar knüpft an den einleitenden Kommentar am Anfang der Sure an: „Indem Wir diesen Koran offenbaren, erzählen Wir dir die schönste aller Geschichten.“
The first comment the sūrah makes in its final passage that follows the long story shows the absurdity of the Quraysh’s denial of the truth of revelation with a statement based on the history related in this sūrah. It states that the Prophet was not present when the events of this history took place: “That is an account which We have now revealed to you, speaking of things that have been beyond your perception. You were not present when they [i.e. Joseph’s brothers] resolved upon their plans and completed their schemes.” (Verse 102) This comment ties up with the introductory one at the beginning of the sūrah: “In revealing this Qur’ān We relate to you the best of narratives.
Bevor dies offenbart wurde, gehörtest du zu denen, die unwissend waren.“ (Vers 3)
Before it you were among those who are unaware [of revelation].” (Verse 3)
Die einleitende Aussage fügt sich somit mit der abschließenden zu einem Bild der Wahrheit zusammen. Auf diese Weise begegnet sie zugleich den erhobenen Einwänden und Leugnungen.
The introductory statement thus dovetails with the end one to form a picture of the truth. In this way it also counters the objections and denials raised.
Dies wird gefolgt von einer tröstenden Botschaft an den Propheten ﷺ, damit er jenen, die seine Botschaft leugnen, nicht übermäßige Bedeutung beimisst. Sie zeigt, wie hartnäckig sie sich weigern, die Zeichen zu bedenken, die Gott überall im Universum um sie herum angebracht hat. Diese Zeichen genügen, um die menschliche Natur auf die Wahrheit des Glaubens aufmerksam zu machen und sie dazu zu bringen, auf die göttliche Botschaft zu hören und den sie bestätigenden Beweisen zu folgen. Ihnen wird mit der Strafe Gottes gedroht, die über sie hereinbrechen könnte, ohne dass sie es erwarten: „Doch so sehr du es auch wünschen magst, die meisten Menschen werden nicht glauben. Du verlangst dafür keinen Lohn von ihnen. Es ist nur eine Ermahnung Gottes an alle Menschen. Doch viele sind die Zeichen in den Himmeln und auf der Erde, an denen sie vorübergehen, ohne ihnen Beachtung zu schenken. Und die meisten von ihnen glauben nicht an Gott, ohne Ihm Teilhaber beizugesellen. Fühlen sie sich sicher, dass die überwältigende Geißel der Strafe Gottes nicht über sie kommt oder dass die Stunde nicht plötzlich über sie hereinbricht, während sie es nicht ahnen?“ (Verse 103–107) Diese Verse vermitteln grundlegende Wahrheiten über Menschen, die nicht an den wahren göttlichen Glauben glauben. Dies wird besonders in der Aussage deutlich: „Und die meisten von ihnen glauben nicht an Gott, ohne Ihm Teilhaber beizugesellen.“ (Vers 106) Dies ist eine zutreffende Beschreibung vieler Menschen, die keine richtige Vorstellung von der Einheit Gottes entwickelt haben, sodass der Glaube mit dem Unglauben verwechselt wird.
Effektive Harmonie
Effective Harmony
Es ist nützlich, am Ende dieses Prologs zur Sure, die die Geschichte Josephs erzählt, einige Aspekte der feinen Harmonie hervorzuheben, die durch die gesamte Sure verläuft, und einige ihrer feineren Beispiele anzuführen.
It is useful at the end of this Prologue to the sūrah relating Joseph’s story to highlight some aspects of the fine harmony that runs throughout the sūrah, citing some of its finer examples.
Diese Sure folgt dem gleichen Muster des Qur’ān, in dem bestimmte Wörter und Ausdrücke häufig wiederholt werden, um zur allgemeinen Atmosphäre und zum Charakter der Sure beizutragen. So wird hier etwa Wissen sehr häufig erwähnt, während Unwissenheit an mehreren Stellen genannt wird.
• This sūrah follows the same pattern of the Qur’ān when certain words and expressions are often repeated to contribute to the general atmosphere and character of the sūrah. For example, here knowledge is mentioned very frequently, while ignorance is mentioned on several occasions:
So wird dein Herr dich erwählen und dich die Deutung der Reden lehren. Er wird Seine Gnade an dir und an der Familie Jakobs vollenden, so wie Er sie zuvor an deinen Vorfahren Abraham und Isaak vollendet hat. Wahrlich, dein Herr ist allwissend und allweise. (Vers 6)
Even thus will your Lord make you His chosen one, and will impart to you some understanding of the real meaning of statements. He will perfect His favour to you and to the House of Jacob, as He perfected it to your forefathers, Abraham and Isaac. Your Lord is certainly All-Knowing, Wise. (Verse 6)
So verliehen Wir Josef Macht im Land, und Wir lehrten ihn die Deutung von Ereignissen. Gott setzt sich stets durch, was Seinen Ratschluss betrifft; doch die meisten Menschen wissen es nicht. (Vers 21)
Thus We established Joseph in the land, and We imparted to him some understanding of the real meaning of statements. God always prevails in whatever be His purpose; though most people may not know it. (Verse 21)
Und als er seine volle Mannesreife erreichte, verliehen Wir ihm Weisheit und Wissen. So belohnen Wir diejenigen, die Gutes tun. (Vers 22)
And when he attained his full manhood, We bestowed on him wisdom and knowledge. Thus do We reward those who do good. (Verse 22)
Sein Herr erhörte sein Gebet und wehrte ihre List von ihm ab. Er allein ist der Allhörende, der Allwissende. (Vers 34)
His Lord answered his prayer and warded off their guile from him. It is He alone who hears all and knows all. (Verse 34)