Rechtschaffenes Handeln ist die natürliche Frucht des Glaubens. Es ist eine spontane Wirkung, die entsteht, sobald die Wirklichkeit des Glaubens sich im menschlichen Herzen und Verstand festgesetzt hat. Denn der Glaube ist ein positiver und aktiver Begriff, der, sobald er das menschliche Gewissen durchdrungen hat, sich eilends in guten Taten nach außen hin widerspiegelt. Dies ist die islamische Sicht des Glaubens. Er muss dynamisch sein. Ist er es nicht, dann ist er entweder unecht oder gar nicht vorhanden, so wie eine Blume ihren Duft nicht zurückhalten kann, der sich von selbst verbreitet. Andernfalls ist er überhaupt nicht in der Blume.
Doing what is righteous is the natural fruit of faith. It is a spontaneous interaction generated once the reality of faith settles inside the human heart and mind. For faith is a positive and active concept which, once it has pervaded the human conscience, hastens to reflect itself to the outside world in good deeds. This is the Islamic view of faith. It must be dynamic. If it is not, then it is either phoney or nonexistent, just as a flower cannot withhold its fragrance which naturally spreads. Otherwise, it is not in the flower at all.
Aus all dem erkennen wir den Wert des Glaubens: Er ist dynamisch, aktiv, schöpferisch, produktiv und ganz dem Wohlgefallen Gottes hingegeben. Er ist das Gegenteil von Engstirnigkeit, Negativität oder Introversion. Er besteht nicht nur aus aufrichtigen und unschuldigen Absichten, die sich nie in Taten verwandeln. Genau darin liegt das kennzeichnende Merkmal des Islam, das ihn zu einer schöpferischen Kraft im praktischen Leben macht.
From all this we recognize the value of faith: it is dynamic, active, creative, productive and totally devoted to God’s pleasure. It is the opposite of narrowness, negativity or introversion. It is not just sincere and innocent intentions that never develop into actions. This is the distinguishing characteristic of Islam that makes it a creative power in practical life.
Das alles ist nur insoweit folgerichtig, wie der Glaube das Bindeglied zu der Lebensweise bleibt, die Gott vorgezeichnet hat. Diese Lebensweise ist durch beständige Dynamik in der Welt und unter den Menschen gekennzeichnet. Sie ist nach einem bestimmten Plan gegründet und auf ein festgelegtes Ziel ausgerichtet. Darüber hinaus treibt der Glaube die Menschheit an, das zu verwirklichen, was gut, rein, aufbauend und nützlich ist.
All this is logical only as long as faith remains the link with the way of life God has outlined. This way of life is characterized by perpetual dynamism in the world and among people. It is founded according to a specific plan and orientated towards a definite goal. Moreover, faith propels humanity towards implementing what is good, pure, constructive and utilitarian.
Sich gegenseitig zur Wahrheit zu ermahnen und einander in Widrigkeiten zur Geduld anzuhalten, zeichnet ein Bild der islamischen Gesellschaft, die eine ganz eigene Einheit bildet: eine einzigartige Verbundenheit ihrer einzelnen Mitglieder und ein gemeinsames Ziel. Sie versteht ihre Stellung, ihre Aufgabe und ihre Pflichten vollständig. Sie erkennt das Wesen ihres Glaubens und das, was sie an guten Werken zu verwirklichen hat, wozu unter anderem gehört, der Menschheit auf ihrem eigenen Weg voranzugehen. Um diese gewaltige Aufgabe zu erfüllen, werden gegenseitige Belehrung und Ermahnung notwendig.
Counselling one another to follow the truth and to persevere in the face of adversity reveals a picture of Islamic society which has its own very special entity, a unique inter-relationship between its individual members and a single objective. It fully understands its position, role and duties. It realizes the essence of its faith and what it has to do of good deeds which include, among other tasks, the leadership of humanity along its own way. To execute this tremendous duty, mutual counselling and exhortation become a necessity.
Aus der Bedeutung und dem Wesen des Wortes „Beratung“ (shura) ergibt sich ein großartiges Bild einer geeinten, abgestimmten, rechtschaffenen und aufgeklärten Gemeinschaft oder Gesellschaft, die auf dieser Erde das Rechte, die Gerechtigkeit und das Gute verfolgt. Genau so wünscht der Islam die muslimische Gemeinschaft.
From the meaning and nature of the very word ‘counsel’ appears a most magnificent picture of a united, co-ordinated, righteous and enlightened community or society which pursues right, justice and goodness on this earth. This is exactly how Islam wants the Muslim community to be.
Die gegenseitige Beratung im Sinne des Rechten ist eine Notwendigkeit, denn es ist schwer, das Rechte stets aufrechtzuerhalten, zumal die Hindernisse auf diesem Weg zahllos sind: egoistische Leidenschaften und Vorlieben, falsche Vorstellungen im gesellschaftlichen Umfeld sowie die Tyrannei, Ungerechtigkeit und Willkür mancher Menschen. Die hier geforderte gegenseitige Ermahnung bedeutet daher, zu erinnern, zu ermutigen und die Einheit des Ziels und der Bestimmung sowie die Gleichheit in Pflicht und Verantwortung zum Ausdruck zu bringen. Sie bündelt zudem die individuellen Bemühungen zu einem geschlossenen Ganzen und stärkt so die Gefühle der Brüderlichkeit bei jedem Hüter der Wahrheit, insofern andere bei ihm sind, die ihn ermahnen, ermutigen, unterstützen und lieben. Genau dies gilt für den Islam, die rechtschaffene Lebensweise, deren Verwirklichung eine aufeinander abgestimmte, voneinander abhängige, autarke und sich selbst tragende Gemeinschaft erfordert.
Mutual counsel aimed at that which is right is a necessity because it is hard always to maintain what is right, bearing in mind that the obstacles in its way are innumerable: egoistic passions and predilections, false concepts in the social environment, and the tyranny, inequity and despotism of some. Hence the mutual exhortation urged here means reminding, encouraging and expressing the unity of aim and destination and equality in duty and responsibility. It also collects individual efforts into a unified whole and thus increases feelings of brotherhood in every guardian of truth, in so far as there are others with him to exhort, encourage, support and love him. This is precisely the case with Islam, the righteous way of life whose establishment requires a co-ordinated, interdependent, self- sufficient and self-supporting community.
Rat und Ermahnung, in Widrigkeiten standhaft zu bleiben, sind ebenfalls unerlässlich, denn den Glauben und die guten Werke zu bewahren sowie für das Recht und die Gerechtigkeit einzustehen, sind die schwersten Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Deshalb ist Geduld durchaus unentbehrlich.
Counsel and exhortation to persevere in the face of adversity are also a necessity because the sustenance of faith and good deeds and catering for right and equity are the hardest tasks to carry out. This makes endurance utterly indispensable.
Geduld ist auch notwendig, wenn man sich an die islamische Lebensweise anpasst, wenn man anderen Menschen begegnet und wenn man schlechte Behandlung und Not erleidet. Ausdauer ist notwendig, wenn das Böse und die Falschheit die Oberhand gewinnen. Sie ist notwendig, um die lange Strecke des Weges zu durchschreiten, die Langsamkeit des Reformprozesses zu ertragen, die Unscheinbarkeit der Wegweiser und den langen Weg, der zum Ziel führt.
Endurance is also necessary when adapting oneself to the Islamic way of life, confronting others, and when afflicted with ill-treatment and hardship. Perseverance is necessary when evil and falsehood triumph. It is necessary for traversing the length of the route, putting up with the slowness of the process of reform, the obscurity of the road- posts and the lengthy road leading to the destination.
Die Ermahnung, Not zu ertragen und trotz widriger Umstände standhaft zu bleiben, erweitert die Fähigkeiten des Menschen, indem sie Einheit des Ziels und der Richtung sowie das Gefühl der Zusammengehörigkeit bei allen weckt und sie mit Liebe, Standhaftigkeit und Entschlossenheit ausstattet.
Exhortation to endure hardship and persevere against adverse conditions broadens man’s capacities by inspiring unity of aim and direction as well as feelings of togetherness in everyone, equipping them with love, fortitude and determination.
Es erzeugt Lebendigkeit in der Gemeinschaft, in der die Wahrheit des Islam fortbestehen kann und durch die er umgesetzt wird.
It generates vitality in the community where the truth of Islam can survive and through which it is implemented.
Ausgehend von der Lehre, die der Qur’ān für das Leben der erfolgreichen Gemeinschaft darlegt, die das Heil erlangt, sind wir zutiefst erschüttert, wenn wir sehen, in welchem Verlust und Verderben sich die Menschheit heute überall befindet. Wir sind erstaunt über die Frustrationen, die die Menschheit in dieser gegenwärtigen Welt erleidet, und darüber, wie sich die Menschheit von dem Guten abwendet, das Gott ihr geschenkt hat. Umso mehr betrübt uns das Fehlen einer rechtschaffenen und gläubigen Autorität, die für die Wahrheit eintritt. Mehr noch: Die Muslime, oder vielmehr Menschen, die sich als Muslime bezeichnen, sind von allem Guten am weitesten entfernt und der Weltanschauung, die Gott für ihre Gemeinschaft bestimmt hat, und dem einen Weg, den Er ihnen zu ihrer Rettung aus Verlust und Verderben gewiesen hat, am meisten abgeneigt. Menschen, gerade in dem Bereich, in dem diese Rechtschaffenheit ihre Wurzeln schlug, haben das Banner verlassen, das Gott für sie erhoben hat, nämlich das Banner des Glaubens. Stattdessen haben sie Banner der Rasse erhoben, die ihnen im Laufe ihrer Geschichte nie etwas Gutes gebracht und ihnen weder auf Erden noch im Himmel eine achtbare Stellung verschafft haben. Denn es war der Islam, der für sie das Banner erhob, das vollkommen dem Willen Gottes entspricht, allein in Seinem Namen gehisst und allein mit Ihm verbunden. Unter diesem Banner siegten die Araber, waren vorherrschend und gaben der Menschheit zum ersten Mal in der Geschichte eine rechtschaffene, starke, aufgeklärte und erfolgreiche Führung. Shaikh Abū’l al-Ĥasan `Alī Nadwī legt die Merkmale dieser einzigartigen Führung dar.
Judging by the doctrine which the Qur’ān outlines for the life of the successful group which attains salvation, we are gravely shocked to see the loss and the ruin in which humanity today finds itself everywhere. We are amazed at the frustrations humanity suffers in this present world and at how humanity turns away from the goodness God has bestowed upon it. We are the more distressed by the absence a righteous and faithful authority to stand up for the truth. Moreover, the Muslims, or rather people claiming to be Muslims, are the farthest of all from what is good and the most averse to the ideology God ordained for their community and the one route He pointed out for their deliverance from loss and ruin. People, in the very realm where this righteousness took its roots, have deserted the banner God raised for them, that is the banner of faith. They have raised instead banners of race which have never done them any good throughout their history or given them a respectable position either on earth or in the heavens. For it was Islam that raised for them the banner totally conforming to God’s will, hoisted in His name only and identified with Him alone. Under this banner the Arabs triumphed, were predominant and gave humanity a righteous, strong, enlightened and successful leadership for the first time in human history. Shaikh Abū’l al-Ĥasan `Alī Nadwī outlines the characteristics of this unique leadership:
Als die Muslime einmal erweckt waren, durchbrachen sie rasch die Grenzen Arabiens und stürzten sich mit Eifer in die Aufgabe, die Bestimmung des Menschen vollständiger zu verwirklichen. Ihre Führung trug die Verheißung von Licht und Glück für die Welt in sich; sie gab die Hoffnung, die Menschheit in eine einzige, göttlich geleitete Gesellschaft zu verwandeln. Einige der Merkmale muslimischer Führung waren:
Once the Muslims were aroused, they quickly burst the bounds of Arabia and threw themselves zealously into the task of the fuller working out of human destiny. Their leadership held the guarantee of light and happiness for the world; it gave the promise of turning humanity into a single divinely-guided society. Some of the characteristics of Muslim leadership were:
Die Muslime hatten den einzigartigen Vorteil, im Besitz des göttlichen Buches (des Qur’ān) und des heiligen Gesetzes (der Scharia) zu sein. Bei den grundlegenden Fragen des Lebens mussten sie sich nicht auf ihr eigenes Urteil stützen und blieben so den vielfältigen Schwierigkeiten und Gefahren erspart, die mit einem solchen Weg einhergehen. Das göttliche Wort hatte für sie alle Wege des Lebens erhellt und ihnen ermöglicht, auf ein Ziel zuzugehen, das sie klar vor Augen hatten. Für sie sollte es nicht ein Vorgehen durch Versuch und Irrtum sein. Der Heilige Qur’ān sagt: „Ist denn, wer tot war und dem Wir Leben gegeben und ein Licht gesetzt haben, mit dem er unter den Menschen wandelt, gleich jemandem, der in den Finsternissen ist und daraus nicht herauskommen kann?“ (6:122)
The Muslims had the unique advantage of being in possession of the divine book (the Qur’ān) and the sacred law (the Shariah). They did not have to fall back on their own judgement on the vital questions of life, and were thus saved from the manifold difficulties and perils that are attendant upon such a course. The divine word had illumined all the avenues of life for them and had enabled them to progress towards a destination which they clearly envisaged. With them it was not to be a case of trial and error. Says the Holy Qur’ān: “Can he who is dead, to whom We give life and a light whereby he can walk amongst men, be like him who is in the depths of darkness from which he can never come out?” (6: 122)
Sie sollten unter den Menschen auf der Grundlage des offenbarten Wortes richten; sie sollten nicht von den Geboten der Gerechtigkeit und Billigkeit abweichen; ihr Urteil sollte nicht durch Feindschaft, Hass oder den Wunsch nach Rache getrübt werden. „O ihr, die ihr glaubt, seid standhaft für Gott als Zeugen der Gerechtigkeit im Umgang miteinander, und lasst nicht den Hass gegen andere euch dazu verleiten, Unrecht zu tun und von der Gerechtigkeit abzuweichen. Seid gerecht; das ist der Frömmigkeit näher. Und fürchtet Gott, denn Gott ist wohl unterrichtet über alles, was ihr tut.“ (5:8)
They were to judge among men on the basis of the revealed word; they were not to diverge from the dictates of justice and equity; their view was not to be blurred by enmity, hatred or desire for revenge. “O you who believe, stand out firmly for God as witnesses to fair dealing, and let not the hatred of others to you make you swerve to wrong and depart from justice. Be just; that is nearer to piety; and fear God, for God is well acquainted with all that ye do.” (5: 8)
Sie waren nicht aus dem abgründigen Tiefpunkt der Erniedrigung plötzlich von selbst zur Macht emporgestiegen. Der Qur’ān hatte sie bereits geformt. Durch lange Jahre unermüdlicher Fürsorge hatte der Prophet ﷺ sie zu einem hohen Maß an Edelmut und Reinheit geführt. Der Prophet ﷺ hatte sie an ein Leben der Entsagung und Rechtschaffenheit gewöhnt; er hatte ihren Herzen die Tugenden der Demut und des mutigen Verzichts eingepflanzt; er hatte sie von Habgier und dem Streben nach Macht, Ruhm oder Reichtum gründlich gereinigt. Von ihm wurde als Grundprinzip der islamischen Staatsordnung festgelegt: „Wir werden niemandem, der darum bittet oder sein Verlangen danach auf irgendeine andere Weise zeigt, ein Amt in der Regierung übertragen.“ [Überliefert von al-Bukhārī und Muslim.] Die Muslime waren vom Falschen, von Hochmut und Unheil so weit entfernt, wie Weiß von Schwarz. Die folgenden Worte des Qur’ān waren ihnen nicht umsonst Tag und Nacht eingeprägt worden: { Jene Wohnstätte des Jenseits geben Wir denen, die auf der Erde weder Überheblichkeit noch Unheil beabsichtigen; und das Ende gehört den Gottesfürchtigen. } (28: 37)
They had not by themselves leapt into power all of a sudden from the abysmal depth of degradation. The Qur’ān had already beaten them into shape. They had been brought to a high level of nobility and purity by the Prophet through long years of unremitting care. The Prophet had conditioned them to a life of austerity and righteousness; he had instilled into their hearts the virtues of humility and courageous self-denial; he had purged them clean of greed and of striving after power, renown or wealth. It was laid down by him as a fundamental principle of Islamic polity that “We shall not assign an office under the government to anyone who makes a request for it, or shows his longing for it in any other way.” [Related by al-Bukhārī and Muslim.] The Muslims were as far removed from falsehood, haughtiness and mischief as white is from black. The following words of the Qur’ān had not in vain been grounded into them night and day: “That home of the hereafter We shall give to those who intend not high-handedness or mischief on earth; and the end is (best) for the righteous.” (28: 37)
Anstatt nach Positionen der Autorität und des Vertrauens zu streben, nahmen sie diese nur mit großem Widerstreben an, und wenn sie ein öffentliches Amt annahmen, nahmen sie es als Vertrauen von Gott an, dem sie am Tag des Gerichts volle Rechenschaft über ihre Unterlassungs- und Begehungssünden ablegen müssten.
Instead of aspiring for positions of authority and trust, they accepted them with great reluctance and when they did accept an official position they accepted it as a trust from God, to whom they would have to render full account of their sins of omission and commission on the Day of Judgement.
Der Heilige Qur'ān sagt: „Gott befiehlt euch, die Treuhandschaften denen zurückzugeben, denen sie gebühren; und wenn ihr zwischen Menschen richtet, dann richtet mit Gerechtigkeit." (4:58) „Er ist es, Der euch zu Nachfolgern auf der Erde gemacht hat. Er hat euch in Rängen erhöht, die einen über die anderen, damit Er euch prüfe in den Gaben, die ihr empfangt; denn dein Herr ist schnell im Strafen, und doch ist Er wahrlich Allverzeihend, Barmherzig." (6:165)
Says the Holy Qur’ān: “God commands you to render back your trusts to those to whom they are due; and when you judge between man and man, that you judge with justice.” (4: 58) “It is He Who has made you (His) vicegerents on the earth. He has raised you in ranks, some above others, that He might try you in the gifts you receive; for your Lord is quick in punishment, yet He is indeed Oft-Forgiving, Most Merciful.” (6: 165)
Ferner waren die Muslime nicht die Vertreter einer bestimmten Rasse oder eines bestimmten Landes; sie strebten auch nicht nach arabischem Imperialismus. Ihre Sendung war eine universale Sendung des Glaubens und der Freiheit. Sie waren frei von all den krankhaften Besessenheiten von Hautfarbe und territorialem Nationalismus. Vor ihnen waren alle Menschen gleich. Der Qur'an hatte ausdrücklich gesagt: {„O ihr Menschen, Wir haben euch aus einem männlichen und einem weiblichen (Wesen) erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander erkennt [nicht, damit ihr einander verachtet]. Wahrlich, der Angesehenste unter euch vor Gott ist der Gottesfürchtigste unter euch. Gott ist wahrlich allwissend und allkundig.“} (49:13)
Further, the Muslims were not the agents of any particular race or country; nor were they out to establish Arab imperialism. Their mission was a universal mission of faith and freedom. They were happily free from all the sickly obsessions of colour and territorial nationality. All men were equal before them. The Qur’ān had pointedly said: “O mankind, We created you from (a single pair of) a male and a female; and made you into nations and tribes, that you may know each other [not that you may despise each other]. Verily the most honoured of you in the sight of God is [he who is] the most righteous of you. And God has full knowledge and is well acquainted [with all things].” (49: 13)
Einst schlug der Sohn von ʿAmr ibn al-ʿĀṣ, dem Statthalter von Ägypten, einen ägyptischen Bürgerlichen mit einer Peitsche. Die Angelegenheit kam zur Kenntnis des Kalifen ʿUmar. Der Kalif zeigte nicht die geringste Rücksicht auf den hohen Rang des Vaters des Täters und ordnete sofort an, dass der Ägypter sich für das ihm zugefügte Unrecht rächen solle. Dem Vater des Täters erteilte er diesen eindringlichen Tadel: „Warum habt ihr sie zu Sklaven gemacht, obwohl sie als Freie geboren wurden?“
Die Araber waren nicht geizig, wenn es darum ging, die Vorzüge des Glaubens, der Kultur und der Wissenschaft den Nicht-Arabern zugänglich zu machen. Sie achteten bei der Verleihung hoher Ehren und Ämter im Staat nicht auf die Nationalität oder die familiären Verbindungen der Empfänger. Sie waren gleichsam eine Wolke des Segens, die großzügig über die ganze Welt regnete, und aus der alle Völker überall nach ihrer jeweiligen Fähigkeit frei Nutzen zogen.
Once the son of `Amr ibn al-`Āş, the Governor of Egypt, struck an Egyptian commoner with a whip. The matter was brought to the notice of Caliph `Umar. The Caliph did not show the least regard for the high status of the offender’s father, and ordered the Egyptian straightaway to avenge himself for harm done to him. To the offender’s father he administered this telling rebuke, “Why have you made them slaves when they were born free?” The Arabs were not stingy in making the benefits of faith, culture and learning available to the non-Arabs. They did not care for the nationality or the family connections of the recipients when it came to the conferment of high honours and positions in the State. They were, as it were, a cloud of bliss that rained ungrudgingly over the entire world, and from which all peoples, everywhere freely profited according to their own capacity.
Die Araber gewährten allen Nationen eine freie und gleichberechtigte Teilhabe an der Errichtung einer neuen gesellschaftspolitischen Ordnung und am Fortschritt der Menschheit hin zu einem vollkommeneren und reicheren sittlichen Ideal. Im Islamischen Gemeinwesen gab es keine nationalen Trennlinien, keine Rassenschranken, keine Sonderinteressen, keine Priesterschaft und keinen erblichen Adel. Niemandem waren besondere Vorteile vorbehalten. Nichts hinderte die Nicht-Araber daran, die Araber auf den verschiedenen Lebensgebieten zu übertreffen. Auch als Gelehrte der Fiqh- und Ḥadīth-Wissenschaften erreichten zahlreiche Nicht-Araber eine Auszeichnung, auf die die Muslime im Allgemeinen und die Araber im Besonderen stolz sind. Ibn Khaldūn schreibt: „Es ist eine erstaunliche Tatsache der Geschichte, dass, obwohl ihre Religion arabischen Ursprungs ist und das Gesetz, das der Prophet gebracht hatte, einen arabischen Charakter trug, mit wenigen Ausnahmen alle bedeutenden Gelehrten in der muslimischen Millat [d. h. dem Glaubensbekenntnis] auf dem Gebiet sowohl der theologischen als auch der weltlichen Wissenschaften Nicht-Araber sind. Selbst diejenigen, die von Geburt Araber sind, sind durch Erziehung, Sprache und Gelehrsamkeit Nicht-Araber.“
The Arabs allowed a free and equal partnership to all nations in the establishment of a new socio-political structure and in the advancement of mankind towards a fuller and richer moral ideal. There were no national divisions, no colour bars, no vested interests, no priesthood and no hereditary nobility in the Islamic Commonwealth. No special benefits were reserved for anyone. There was nothing to prevent the non-Arabs from surpassing the Arabs in the various fields of life. Even as Doctors of Fiqh and Ĥadīth a number of non-Arabs attained to distinction for which the Muslims in general and the Arabs in particular feel proud. Ibn Khaldūn writes: “It is an amazing fact of history that though their religion is of Arabian origin and the Law that the Prophet had brought had an Arab complexion, with a few exceptions, all eminent men of learning in the Muslim Millat [i.e. faith], in the field of theological as well as secular sciences, are non-Arabs. Even those who are Arabs by birth are non-Arabs by education, language and scholarship.
Auch in den späteren Jahrhunderten brachten die nichtarabischen Muslime weiterhin Führungspersönlichkeiten, Staatsmänner, Heilige und Gelehrte von außergewöhnlichem Rang hervor. Das wäre offensichtlich nicht möglich gewesen, wenn die Araber in der islamischen Welt geizig oder voreingenommen gewesen wären, wenn es darum ging, ihre Chancen mit Menschen anderer Nationalitäten zu teilen.
Der Mensch hat viele Seiten: die körperliche, emotionale, soziale, moralische, geistige und spirituelle. Keine von ihnen können wir zugunsten einer anderen vernachlässigen. Die Menschheit kann nicht zu ihrem höchsten Niveau aufsteigen, solange nicht jeder menschliche Trieb in angemessener Weise zur Geltung gebracht wird. Es wäre vergeblich, auf die Errichtung einer gesunden menschlichen Gesellschaft zu hoffen, solange nicht ein intellektuelles, materielles, moralisches und spirituelles Umfeld geschaffen wird, in dem der Mensch seine verborgenen Möglichkeiten im Einklang mit Gottes Schöpfungsplan entfalten kann. Die Erfahrung lehrt uns, dass dieses Ziel ein Traum bleiben muss, solange die Zügel der Zivilisation nicht in den Händen derer liegen, die sowohl den materiellen als auch den spirituellen Sehnsüchten des Lebens gebührende Bedeutung beimessen und die, neben einem hohen moralischen und spirituellen Empfinden, die Ansprüche von Fleisch und Blut an den Menschen sowie die Wechselbeziehung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft angemessen zu würdigen wissen.44
During the later centuries, too, the non-Arab Muslims continued to produce leaders, statesmen, saints and savants of exceptional merit. This would obviously not have been possible, had the Arabs been mean or prejudiced in sharing their opportunities with the people of other nationalities in the Islamic world. Humanity has many sides — physical, emotional, social, moral, mental and spiritual. We cannot neglect any one of them for the benefit of another. Humanity cannot progress to its highest level unless every human instinct is brought into proper play. It would be futile to hope for the establishment of a healthy human society till an intellectual, material, moral and spiritual environment is created in which a man is enabled to develop his latent potentialities in harmony with God’s plan of creation. We learn from experience that this goal must remain a dream so long as the reins of civilization are not held by those who attach due importance to both the material and the spiritual yearnings of life, and can, together with having a high moral and spiritual sense, fitly appreciate the claims of flesh and blood upon man and the interrelationship between the individual and the society.44
Scheich Nadwī spricht danach von der Herrschaft der ersten vier Kalifen, die nach dem Propheten ﷺ regierten.
Shaikh Nadwī then speaks of the reign of the first four Caliphs who ruled after the Prophet:
Wir stellen daher fest, dass keine Epoche in der aufgezeichneten Geschichte der Menschheit im wahren Sinne des Wortes glückverheißender für sie war als jene, die unter den Muslimen als Khilāfat-i-Rāshidah bekannt ist. In dieser Epoche wurden alle materiellen, moralischen und geistigen Ressourcen des Menschen eingesetzt, um ihn zu einem idealen Bürger eines idealen Staates zu machen. Die Regierung wurde am Maßstab der Moral gemessen, und die Moral wurde danach beurteilt, inwieweit sie dazu diente, die Menschheit zu dauerhaften Werten zu erheben und Gerechtigkeit in der menschlichen Gesellschaft zu verwirklichen.
We, consequently, find that no period in the recorded history of the human race has been more auspicious for it in the true sense of the term than what is known among the Muslims as Khilāfat-i-Rāshidah. During this epoch, all the material, moral and spiritual resources of man were brought into use to make him an ideal citizen of an ideal State. The Government was judged by the yard-stick of morality, and the morals were judged by their utility to lift humanity in permanent values and establishing justice in human society.
Obwohl das Islamische Gemeinwesen zu seiner Zeit der reichste und mächtigste Staat war, wurden die beliebten Helden und Idealgestalten darin nicht unter denen gewählt, die irdischen Ruhm besaßen, sondern unter denen, die Reinheit und Edelmut des Charakters besaßen. Zwischen Macht und Moral bestand kein Missverhältnis.
Though the Islamic Commonwealth was the richest and the most powerful State of its time, the popular heroes and ideal personalities in it used to be drawn from among those who possessed, not earthly glory, but purity and nobleness of character. There was no disparity between power and morality.
Der materielle Fortschritt wurde nicht gestattet, dem moralischen Fortschritt davonzulaufen. Deshalb war in der islamischen Welt die Kriminalitätsrate trotz des Reichtums und der großen Heterogenität ihrer Bevölkerung sehr niedrig. Kurz gesagt war diese Epoche der schönste Frühling, den die Menschheit bis heute erlebt hat. 45
Material advancement was not allowed to outrun moral progress. That is why in the Islamic world the incidence of crime was very low in spite of the abundance of wealth and the great heterogeneity of its population. To put it in a nutshell, this epoch was the most beautiful springtime mankind has to this day experienced. 45
Wir kennen einige Merkmale jener glorreichen Epoche der Menschheitsgeschichte, deren Generation unter der islamischen Verfassung lebte, deren Grundpfeiler diese bestimmte Sure errichtet. Jene glückliche Epoche der Geschichte wurde unter dem Banner des Glaubens ermöglicht, das eine Gruppe von Gläubigen trug, die gute Taten vollbrachten und einander ermahnten, der Wahrheit zu folgen und in Bedrängnis standhaft zu bleiben.
We know some features of that glorious period of human history whose generation lived under the Islamic constitution, the pillars of which this particular sūrah erects. That happy period of history was made possible under the banner of faith carried by a group of believers who performed righteous deeds and encouraged each other to follow the truth and to persevere in adversity.