Al-Isra (Ein Gesetzeskodex, der auf Gerechtigkeit gründet) 22-39
Al-Isra ( A Code Based on Justice) 22-39
Setze keinen anderen Gott neben Gott, sonst wirst du getadelt und verlassen dastehen. (22)
Do not set up any deity side by side with God, lest you find yourself disgraced, forsaken. (22)
Dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur Ihn allein anbeten sollt und dass ihr gütig zu euren Eltern sein sollt. Sollte einer von ihnen oder beide in deiner Obhut das Greisenalter erreichen, so sag zu ihnen niemals „Pfui“ und fahre sie nicht an, sondern sprich stets sanft und liebevoll mit ihnen, (23)
Your Lord has ordained that you shall worship none but Him, and that you must be kind to your parents. Should one of them, or both, attain to old age in your care, never say ‘Ugh’ to them or chide them, but always speak gently and kindly to them, (23)
Und breite über sie in Demut die Flügel deiner Zärtlichkeit aus und sprich: „Mein Herr, erbarme dich ihrer, so wie sie mich aufgezogen und großgezogen haben, als ich klein war.“ (24)
and spread over them humbly the wings of your tenderness, and say, ‘My Lord, bestow on them Your grace, even as they reared and nurtured me when I was a child.’ (24)
„Euer Herr weiß am besten, was in euren Herzen ist. Wenn ihr rechtschaffen seid, ist Er gewiss der Allvergebende gegenüber jenen, die sich immer wieder reumütig zu Ihm wenden [und Seine Barmherzigkeit suchen]. (25)"
Your Lord knows best what is in your hearts. If you are righteous, He is certainly most forgiving to those who turn repeatedly to Him [seeking His mercy]. (25)
Gib den Verwandten, was ihnen zusteht, ebenso dem Armen und dem Reisenden, und verschwende nicht verschwenderisch dein Vermögen. (26)
Give to the near of kin their due, and also to the needy and the traveller in need. Do not squander your substance wastefully, (26)
Denn die Verschwender sind Brüder der Satane, und Satan war seinem Herrn stets undankbar. (27)
for the wasteful squanderers are Satan’s brothers, and Satan has always been ungrateful to his Lord. (27)
Doch wenn du dich von ihnen abwenden musst, weil du auf eine Barmherzigkeit von deinem Herrn hoffst, die du erwartest, dann sprich wenigstens freundlich mit ihnen. (28)
But if you must turn aside from them in pursuit of an act of kindness you hope to receive from your Lord, then at least speak to them kindly. (28)
Geize nicht, sodass deine Hand an deinen Hals gefesselt bleibt, und strecke sie auch nicht gänzlich bis zum äußersten Maß aus, damit du nicht getadelt wirst und mittellos dastehst. (29)
Do not be miserly, allowing your hand to remain shackled to your neck, nor stretch it out fully to the utmost limit, lest you find yourself being blamed or reduced to destitution. (29)
Dein Herr gibt reichlich oder bemessen, wem Er will. Er ist wahrlich über Seine Diener wohlunterrichtet und sieht sie alle.
Your Lord gives in abundance, or in scant measure, to whom He wills. He is indeed fully aware of all His servants, and sees them all. (30)
Tötet eure Kinder nicht aus Furcht vor Armut. Wir sind es, die sie versorgen werden, und auch euch. Sie zu töten ist wahrlich eine große Sünde. {31}
Do not kill your children for fear of want. It is We who shall provide for them and for you. To kill them is indeed a great sin. (31)
Kommt dem Ehebruch nicht nahe. Er ist wahrlich eine Abscheulichkeit und ein böser Weg. (32)
Do not come near adultery. It is indeed an abomination and an evil way. (32)
Tötet niemanden, denn Gott hat das Töten verboten, außer in [dem Streben nach] Gerechtigkeit. Wenn jemand widerrechtlich erschlagen wird, haben Wir seinem Erben die Befugnis gegeben [Vergeltung zu fordern]. Er darf jedoch im [vergeltenden] Töten nicht über die Grenzen der Billigkeit hinausgehen. Ihm wird Hilfe gewährt. (33)
Do not kill anyone, for God has forbidden killing, except in [the pursuit of] justice. If anyone is slain wrongfully, We have given his heir authority [to seek just retribution]. He [i.e. the heir] must not exceed the bounds of equity in [retributive] killing. He is given help. (33)
Nähert euch nicht dem Vermögen einer Waise, außer in der besten Absicht, bis sie das Erwachsenenalter erreicht. Und haltet eure Versprechen, denn für jedes Versprechen wird man zur Rechenschaft gezogen werden.
Do not come near the property of an orphan before he comes of age, except with the best of intentions. Be true to all your promises, for you will be called to account for all that you promise.
(34)
(34)
Und gebt volles Maß, wenn ihr messt, und wägt mit richtiger Waage. Das ist gerecht und am besten im Ergebnis.
And give full measure whenever you measure, and weigh with accurate scales. That is fair, and best in the end. (35)
Verfolge nicht, wovon du kein Wissen hast. Über das Gehör, das Gesicht und das Herz des Menschen wird Rechenschaft verlangt werden. (36)
Do not pursue that of which you have no knowledge. Man’s ears, eyes and heart shall all he called to account. (36)
Wandle nicht überheblich auf der Erde umher; denn du kannst die Erde nicht spalten, noch kannst du die Berge an Höhe erreichen. (37)
Do not walk on earth with an air of self-conceit; for you cannot rend the earth asunder, nor can you rival the mountains in height. (37)
All dies ist böse; bei deinem Herrn ist es verabscheuungswürdig. (38)
All this is evil; odious in your Lord’s sight. (38)
Dies sind [Gebote], die nur ein Teil der Weisheit sind, mit der dein Herr dir offenbart hat. Setze neben Gott keine andere Gottheit, sonst wirst du in die Hölle geworfen werden, getadelt und verstoßen. (39)
These [injunctions] are but a part of the wisdom with which your Lord has inspired you. Do not set up any deity alongside God, lest you should be cast into hell, blamed and rejected. (39)
Übersicht
Overview
Im vorangehenden Abschnitt, der die ersten 21 Verse der Sure umfasst, werden die Regeln für Handeln und Lohn, Rechtleitung und Irrtum, Verdienst und Abrechnung mit dem großen universellen Gesetz verknüpft, das die Abfolge von Nacht und Tag bestimmt. Im vorliegenden Abschnitt werden die Regeln für das Verhalten, die Umgangsformen sowie die individuellen und gesellschaftlichen Pflichten mit dem Glauben an die Einheit Gottes verknüpft. Tatsächlich bildet dieser Glaube das wesentliche Band, an das alle anderen Bindungen geknüpft sind, innerhalb der Familie, der Gemeinschaft und der Menschheit als Ganzer.
In the preceding passage, which comprises the first 21 verses of the sūrah, the rules of action and reward, guidance and error, earnings and reckoning are linked to the great universal law that governs the succession of night and day. In the current passage, the rules for behaviour, manners, individual and social duties are linked to belief in God’s oneness. Indeed this belief provides the essential tie to which all other ties are linked, within the family, community and humanity as a whole.
Im vorigen Abschnitt haben wir erfahren, dass der Qur'ān „den Weg zu dem weist, was am geradesten ist“. Uns wurde außerdem gesagt, dass Gott „alles deutlich dargelegt“ hat. In diesem neuen Abschnitt gibt uns die Sure einen Überblick über die Gebote und Verbote, die den Weg zu den geradesten Maßstäben abgrenzen. Sie legen im Einzelnen einige Verhaltensregeln fest und teilen uns mit, welche Praktiken erlaubt und welche verboten sind.
In the previous passage we learnt that the Qur’ān “shows the way to that which is most upright.” We have also been told that God has most clearly ‘spelled out everything.’ In this new passage, the sūrah gives us an outline of the commandments and prohibitions which demarcate the way to the most upright standards. They spell out in detail some rules of behaviour, telling us of permissible or prohibited practices.
Dieser neue Abschnitt beginnt mit einem Gebot, das die Beigesellung von Partnern zu Gott untersagt. Er verkündet Gottes klare Anordnung, dass der Gottesdienst allein an Ihn gerichtet werden muss. Darauf folgt eine Darlegung von Pflichten und Verpflichtungen, etwa die Bewahrung der Güte gegenüber den Eltern, Großzügigkeit ohne Verschwendung gegenüber Verwandten, Bedürftigen und Reisenden in Not. Er verbietet außerdem, die eigenen Kinder zu töten, Ehebruch zu begehen und unter keinen Umständen einen Mord zu verüben. Weitere Gebote machen deutlich, dass die Gläubigen sich gut um die Waisen kümmern sollen, indem sie dafür sorgen, dass deren Besitz gut verwaltet wird, und dass sie ihre Versprechen und Zusagen einhalten müssen. Sie sollen ihre Geschäfte gerecht abwickeln, Maß und Gewicht richtig geben und sich bemühen, die Wahrheit zu etablieren und zu bewahren. Ihnen wird geboten, sich unter keinen Umständen überheblich zu verhalten. Der Abschnitt schließt mit einer Warnung vor der Beigesellung von Partnern zu Gott. So sind alle Gebote und Verbote zwischen Anfang und Ende des Abschnitts gegeben, eng verknüpft mit dem Grundglauben an die Einheit Gottes, der das feste Fundament des menschlichen Lebens bildet, wie überhaupt alles Leben.
Freundlichkeit gegenüber den Eltern
Kindness To Parents
„Setze neben Gott keine andere Gottheit, damit du nicht getadelt und verlassen dasitzt.“ (Vers 22) Dies ist ein Gebot, das die Beigesellung von Teilhabern zu Gott verbietet, sowie eine Warnung vor den Folgen, die sie nach sich zieht. Obwohl es sich um einen allgemeinen Befehl handelt, richtet er sich dennoch an jeden Einzelnen, sodass sich jeder persönlich angesprochen fühlt. Der Glaube ist eine persönliche Angelegenheit, für die jeder Einzelne selbst verantwortlich ist. Das Ergebnis, das den erwartet, der vom Weg des Glaubens an die Einheit Gottes abweicht, ist, dass er sich durch die schändliche Tat „getadelt“ und „verlassen“ wiederfindet, ohne Unterstützung. Wem die Unterstützung Gottes entzogen ist, der ist verlassen, gleichgültig wie zahlreich seine Helfer sind. Die arabische Beschreibung fataq`uda madhmūman makhdhūlā ist besonders anschaulich: Anstelle von „damit du nicht“ ist zu lesen „damit du nicht sitzt“. Dies beschreibt treffend den Menschen, der eine solche Schande als so beschämend empfindet, dass sie schwer auf ihm lastet, und er verlassen, schwach, unfähig aufzustehen und machtlos niedersitzt. Die Beschreibung legt zudem nahe, dass dieser Zustand dauerhaft ist, denn „in Schande dasitzen“ deutet darauf hin, dass keine Handlung unternommen wird, um die Lage zu ändern.
“Do not set up any deity side by side with God, lest you find yourself disgraced, forsaken.” (Verse 22) This is a commandment forbidding the association of partners with God and a warning against the results it brings about. Although it is a general order, it is nonetheless addressed to each individual so that everyone feels it is personally issued to them. Believing is a personal matter for which every individual is responsible for themselves. The outcome that awaits anyone who deviates from the path of believing in God’s oneness is such that they find themselves ‘disgraced’ by the foul deed, ‘forsaken’, without support. Whoever is deprived of God’s support is forsaken, no matter how numerous his supporters are. The Arabic description, fataq`uda madhmūman makhdhūlā, is especially graphic: in place of lest you find yourself, read, ‘lest you sit’. This aptly describes the person who finds such disgrace too shameful that it weighs heavily on him and he sits down forsaken, weak, unable to stand and powerless. The description also suggests that this state is permanent because ‘sitting down in disgrace’ suggests there is no action to change the situation.
„Dein Herr hat bestimmt, dass du niemanden außer Ihn anbeten sollst.“ (Vers 23) Dieser Befehl, allen Gottesdienst allein Gott zu erweisen, folgt auf das Verbot, Gott Teilhaber beizugesellen. Er hat die Form eines entschiedenen Urteils, das ausnahmslos von der gesamten Menschheit umgesetzt werden muss. Das im arabischen Text verwendete Wort qadā, das mit „bestimmt“ übersetzt wird, bezeichnet einen endgültigen Richterspruch und verleiht einem ohnehin nachdrücklichen Gebot zusätzliches Gewicht. Dieses wird zudem in der Form einer Verneinung mit Ausnahme ausgedrückt: „Du sollst niemanden außer Ihn anbeten.“ Die Ausdrucksweise ist von umfassendem Nachdruck und großer Entschiedenheit. Wenn diese grundlegende Festlegung feststeht, werden die Pflichten des Einzelnen und der Gemeinschaft dargelegt. Sie beruhen auf dem festen Glauben an den einen Gott. Daher wirken Beweggründe und Ziele hinter Handlungen und Praktiken auf dasselbe Ende hin.
Freundlichkeit gegenüber allen
Kindness To All
Die Sure fährt fort, alle Verwandten einzubeziehen und die Notwendigkeit, ihnen gegenüber freundlich zu sein, ebenso die Bedürftigen und Reisenden, die sich in Not befinden mögen. Sie erweitert die Familienbeziehungen, sodass sie alle menschlichen Bindungen im weitesten Sinne umfassen:
The sūrah proceeds to include all relatives and the need to be kindly to them, adding also the needy and travellers who may find themselves in difficulty. It expands on family relations so as to include all human bonds in their broadest sense:
Gib den Verwandten, was ihnen zusteht, ebenso dem Armen und dem Reisenden in Not. Und verschwende nicht verschwenderisch, denn die Verschwender sind Brüder der Satane, und der Satan war seinem Herrn gegenüber stets undankbar. Wenn du aber von ihnen absehen musst, um auf eine Barmherzigkeit von deinem Herrn zu warten, die du erhoffst, dann sprich wenigstens freundlich mit ihnen. (Verse 26-28)
Give to the near of kin their due, and also to the needy and the traveller in need. Do not squander your substance wastefully, for the wasteful squanderers are Satan’s brothers, and Satan has always been ungrateful to his Lord. But if you must turn aside from them in pursuit of an act of kindness you hope to receive from your Lord, then at least speak to them kindly. (Verses 26-28)
Der Koran macht deutlich, dass die nahen Verwandten, die Bedürftigen und die gestrandeten Reisenden ein Recht gegen uns haben, das nur durch finanzielle Unterstützung eingelöst werden kann. Dies geschieht nicht als Gefälligkeit, die eine Person einer anderen erweist; es ist vielmehr eine Pflicht, die Gott auferlegt hat und die mit der Anbetung allein Ihm verbunden ist. Wenn wir diese Pflicht erfüllen, kommen wir lediglich unserer Verantwortung nach und pflegen zugleich eine enge Beziehung zwischen uns und denjenigen, denen wir geben. Der Gebende hat gegenüber dem Empfänger keine Gunst, denn er erfüllt nur eine Pflicht gegenüber Gott.
The Qur’ān makes it clear that the near of kin, the needy and stranded travellers have a right against us which may only be discharged by financial assistance. This does not come as a favour which one person does to another; it is rather a duty imposed by God and associated with worshipping Him alone. When we fulfil this duty we are only discharging our responsibility, and cultivating a close relationship between ourselves and those to whom we give. The giver has no favour against the recipient, because he is only fulfilling a duty towards God.
Der Koran spricht sich mit Nachdruck gegen Verschwendung aus, die als das Ausgeben des eigenen Geldes auf falsche Weise definiert wird. Mudschāhid sagt, dass derjenige, der sein ganzes Geld für rechtmäßige Zwecke ausgibt, kein Verschwender ist, wohl aber derjenige, der einen kleinen Betrag auf falsche Weise ausgibt. Somit kommt es nicht auf die Menge an, die man ausgibt, sondern auf den Zweck, für den man sie ausgibt. Daher sind Verschwender tatsächlich Brüder des Satans, denn sie geben ihr Geld für böse Zwecke aus und finanzieren damit ihren Ungehorsam gegenüber Gott. Das macht sie zu Gefährten des Satans. Man muss sich daran erinnern, dass „der Satan seinem Herrn stets undankbar war“ (Vers 27). Sowohl der Satan als auch diejenigen, die verschwenden, erfüllen ihre Pflicht nicht, die Gunst Gottes zu würdigen, was bedeutet, dass sie es nur für Zwecke verwenden sollten, die Gottes Wohlgefallen finden, Seinen Geboten folgen und sich von allem fernhalten, was Er verboten hat.
Die richtige Festlegung der Werte
Setting Values Right
Wie der Koran an dieser Stelle deutlich macht, verweist er im Anschluss darauf, dass manche Menschen in der Zeit vor dem Islam ihre Töchter aus Angst vor Mangel und Armut töteten. Danach folgt ein klares Gebot, das die Tötung von Kindern aus irgendeinem solchen Grund untersagt. Da Gott derjenige ist, der die Mittel bestimmt, über die die Menschen verfügen, besteht demnach kein Zusammenhang zwischen Armut und der Anzahl oder dem Geschlecht der Kinder, die sie haben.
As the Qur’ān makes this statement clear, it follows it with reference to the fact that some people in pre-Islamic days used to kill their daughters for fear of want and poverty. It then adds a clear order prohibiting the killing of children for any such reason. Since God is the One who determines the means people have, there is no connection, then, between poverty and the number or sex of the children they have.
Die Angelegenheit liegt ganz in Gottes Händen. Wenn Menschen ihre Gedanken von der falschen Vorstellung eines direkten Zusammenhangs zwischen Armut und Kinderhaben befreien und in dieser Hinsicht das richtige Verständnis annehmen, gibt es keinen Grund für jenes abscheuliche Verbrechen, das der menschlichen Natur und dem Recht auf Leben widerspricht: „Tötet eure Kinder nicht aus Furcht vor Armut. Wir sind es, die sie versorgen werden, und auch euch. Sie zu töten ist wahrlich eine große Sünde.“ (Vers 31)
The matter is fully in God’s hands. When people purge their thoughts of the false notion of any direct relationship between poverty and having children, and when they adopt the correct concept in this regard, there is no reason for that ghastly crime which flies in the face of human nature and the right to life: “Do not kill your children for fear of want. It is We who shall provide for them and for you. To kill them is indeed a great sin.” (Verse 31)
Wenn Menschen falsche Überzeugungen annehmen, wirken sich diese Überzeugungen auf ihr alltägliches Leben aus. Die Auswirkung beschränkt sich nicht auf die Übernahme falscher Vorstellungen oder die Verrichtung von Gottesdienst-Ritualen.
When people adopt false beliefs, these beliefs affect their everyday lives. The effect is not confined to the adoption of wrong notions or the offering of worship rituals.
Andererseits wirkt sich die Reinigung des Glaubens von jeglichen falschen Vorstellungen durchaus positiv auf Gefühle, Verhalten und das gesellschaftliche Leben insgesamt aus. Dass die Menschen im vorislamischen Arabien ihre Töchter lebendig begruben, zeigt deutlich, wie weit religiöse Überzeugungen das menschliche Leben beeinflussen können, sodass ein solch grauenhaftes Verbrechen zu einer akzeptierten gesellschaftlichen Norm werden konnte. Es bezeugt, dass das Leben von der Art der Überzeugungen geprägt wird, die Menschen annehmen. Tatsächlich kann der Glaube vom menschlichen Leben nicht isoliert bleiben.
Ehebruch verboten
Adultery Outlawed
Das Verbot, Kinder zu töten, wird vom Verbot des Ehebruchs gefolgt: 3
The prohibition of killing children is followed by a prohibition against adultery: 3
„Und nähert euch nicht der Unzucht. Sie ist wahrlich eine Abscheulichkeit und ein böser Weg.“ (Vers 32) Zwischen dem Töten der eigenen Kinder und dem Unzuchtverbot besteht ein eindeutiger Zusammenhang. Wir stellen fest, dass das Verbot der Unzucht hier zwischen dem Verbot, die eigenen Kinder zu töten, und dem Verbot, sich selbst zu töten, steht. Dies berücksichtigt den Zusammenhang, auf den wir hier hinweisen.
“Do not come near adultery. It is indeed an abomination and an evil way.” (Verse 32) There is a definite link between the killing of children and adultery. We find that the prohibition of adultery here intervenes between the prohibition of killing one’s children and that of killing oneself. This takes into account the link to which we are here referring.
Ehebruch stellt auf verschiedene Weise eine Tötung dar. Er ist eine Tötung, weil er Lebenssubstanz verschwendet, indem er sie an den falschen Ort bringt. Oft folgt darauf der Wunsch, die natürlichen Folgen durch Abtreibung oder Kindstötung zu beseitigen. Wird das Kind verschont und darf es leben, wird es einem Leben voller Elend und Entbehrung preisgegeben, was eine Tötung in anderer Form ist. Darüber hinaus ist er eine Tötung der Gemeinschaft, denn dadurch gehen familiäre Beziehungen verloren und die Blutsverwandtschaften werden verwirrt. Die Menschen werden wenig Vertrauen haben, dass die Kinder, die sie großziehen, tatsächlich die ihren sind. So werden die Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft geschwächt und der Geist der Gemeinschaft stirbt mehr oder weniger ab.
Adultery represents killing in various ways. It is a killing because it wastes life matter as it puts it in the wrong place. It is often followed by a desire to get rid of its natural consequences through abortion or infanticide. If the child is spared and allowed to live, it is abandoned to a life of misery and deprivation, which is a killing in a different form. Moreover, it is a killing of the community because family relations are thus lost, and blood ties are confused. People will have little trust that the children they bring up are their own. Thus community relations become weakened and the spirit of the community more or less dies.
Ehebruch kann auch aus einem anderen Grund als eine Tötung der Gemeinschaft beschrieben werden. Die Leichtigkeit, die er für die Befriedigung sexueller Begierden bietet, macht die Ehe zu einer überflüssigen Einrichtung und die Familie zu einer unnötigen Verantwortung. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Familie das geeignete Zuhause bietet, in dem die Jugend aufgezogen werden sollte und in dem die gesunde menschliche Natur gefestigt wird. Es ist das Zuhause, in dem eine gesunde Erziehung für Jungen und Mädchen gleichermaßen gewährleistet werden kann.
3 Das arabische Wort zinā, hier mit „Ehebruch“ übersetzt, bezeichnet den Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe, unabhängig davon, ob der Mann oder die Frau verheiratet ist. Es umfasst somit auch die Unzucht. — Anmerkung des Herausgebers.
3 The Arabic word zinā, translated here as ‘adultery’, refers to sexual intercourse outside wedlock, regardless of whether the man or the woman is married. Thus, it includes fornication. — Editor’s note.
Eine friedliche Gemeinschaft
A Peaceful Community
Die Sure lässt darauf ein Verbot folgen, irgendjemanden zu töten, außer aus einem berechtigten Grund: „Tötet niemanden, denn Gott hat das Töten verboten, außer im Namen der Gerechtigkeit.
The sūrah follows this with a prohibition of killing anyone, except for a valid reason: “Do not kill anyone, for God has forbidden killing, except in [the pursuit of] justice.
„Und wer ungerechterweise getötet wird, dem haben Wir seinem Erben Vollmacht gegeben [Vergeltung zu fordern]. Doch er darf im Töten nicht das Maß der Billigkeit überschreiten. Ihm wird geholfen.“ (Vers 33)
If anyone is slain wrongfully, We have given his heir authority [to seek just retribution]. He [i.e. the heir] must not exceed the bounds of equity in [retributive] killing. He is given help.” (Verse 33)
Der Islam ist eine Religion, die das Leben bewahrt und Frieden gewährleistet. Daher betrachtet er die Tötung eines jeden Menschen als Verbrechen höchsten Ranges, gleich nach dem Beigesellen von Partnern zu Gott. Es ist Gott, der das Leben gibt. Deshalb kann niemand das Leben nehmen, außer mit der Erlaubnis Gottes und innerhalb der Grenzen, die Er gestattet hat. Jedes menschliche Leben besitzt eine Unantastbarkeit, die nicht verletzt werden darf. Die Grenzen, die Gott für die Verhängung der Todesstrafe gestattet hat, sind sehr klar. Sie unterliegen keinerlei Einfluss durch Vorurteile oder persönliche Meinungen. Ein hochgradig authentisches Ḥadīth, überliefert von al-Buḫārī und Muslim, berichtet, dass der Prophet ﷺ gesagt hat: „Kein Muslim, der bezeugt, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Muḥammad ﷺ der Gesandte Gottes ist, darf getötet werden, außer aus einem von drei Gründen: ein Leben für ein Leben, ein verheirateter Ehebrecher und ein Rebell, der seinen Glauben abschwört und seine Gemeinschaft verlässt.“ Die erste dieser drei rechtmäßigen Arten, die Todesstrafe zu vollziehen, gewährleistet gerechte Vergeltung. Sie erlaubt die Tötung einer Person, um das Leben vieler anderer zu sichern. Gott sagt: „Im Gesetz der gerechten Vergeltung liegt für euch Leben, ihr Verständigen, damit ihr gottesfürchtig bleibt.“ (2:179) Menschliches Leben wird somit bewahrt, indem man jene aufhält, die es ohne Grund auf den Angriff und die Tötung anderer abgesehen haben.
Islam is a religion which preserves life and ensures peace. Hence it considers the killing of any human being to be a crime of the highest order, ranking next to associating partners with God. It is God who gives life. Hence, no one can take life away except by God’s permission and within the limits which He has allowed. Every human life has a sanctity which cannot be violated. The limits which God has allowed for the infliction of capital punishment are very clear. They are not subject to any influence by prejudice or personal view. A highly authentic ĥadīth related by al- Bukhārī and Muslim quotes the Prophet as saying: “No Muslim person who bears witness that there is no deity other than God and that Muĥammad is God’s Messenger may be killed except for one of three reasons: a life for a life, a married adulterer and a rebel who renounces his faith and abandons his community.” The first of these three legitimate ways to inflict capital punishment ensures fair retribution. It allows the killing of one person in order to guarantee life for many others. God tells us that “There is life for you, men of understanding, in this law of just retribution, so that you may remain God-fearing.” (2: 179) Human life is thus preserved by stopping those who are intent on assaulting and killing others for no reason.
Vollkommene Aufrichtigkeit
Perfect Honesty
Nachdem die Sure ihre Anweisungen zur Heiligkeit der Ehre und des Lebens der Menschen abgeschlossen hat, wendet sie sich der Frage des Vermögens der Waisen und der Pflicht zu, die Versprechen und Verpflichtungen ihnen gegenüber einzuhalten:
Having completed its instructions concerning the sanctity of people’s honour and life, the sūrah tackles the question of orphans’ property and the requirement of fulfilling one’s promises and pledges towards them:
Nähert euch nicht dem Vermögen einer Waise, bevor sie das volle Alter erreicht hat, außer mit den besten Absichten. Haltet alle eure Versprechen, denn für alle Versprechen werdet ihr zur Rechenschaft gezogen werden. (Vers 34)
Do not come near the property of an orphan before he comes of age, except with the best of intentions. Be true to all your promises, for you will be called to account for all that you promise. (Verse 34)
Der Islam stellt klar, dass das Leben, die Ehre und das Eigentum eines Muslims geschützt und bewahrt werden müssen. Der Prophet ﷺ sagt: „Alles, was einem Muslim gehört, darf von einem anderen nicht weggenommen werden: sein Blut, seine Ehre und sein Eigentum.“ [Überliefert von al-Bukhārī, Muslim, Mālik, Abū Dāwūd und at-Tirmidhī] Die Sure macht jedoch einen besonderen Fall beim Eigentum einer Waise und sichert ihm vollständigen Schutz. Sie verbietet sogar, sich ihm zu nähern, außer um das zu tun, was für die Waise das Beste ist.
Islam makes it clear that a Muslim’s life, honour and property are to be protected and preserved. The Prophet says: “Everything that belongs to a Muslim is forbidden to be taken away by another: his blood, honour and property.” [Related by al- Bukhārī, Muslim, Mālik and Abū Dāwūd and al-Tirmidhī] The sūrah, however, makes a special case concerning the property of an orphan, ensuring its full protection. It forbids the mere coming near it except for what is best for the orphan.
Das liegt daran, dass ein Waisenkind zu schwach ist, um sein Vermögen zu verwalten oder es gegen Übergriffe zu verteidigen. Daher ist die muslimische Gemeinschaft verpflichtet, für das Waisenkind und sein Vermögen angemessen zu sorgen, bis es volljährig wird und in der Lage ist, seine eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln.
That is because an orphan is too weak to manage his property or defend it against assault. Hence, the Muslim community is required to take proper care of the orphan and his property until he comes of age and is able to take care of his own affairs.
Ein wichtiger Punkt, der im Zusammenhang mit all diesen Anweisungen zu beachten ist, besteht darin, dass Dinge, die ein Einzelner persönlich, als Individuum, umsetzen muss, in der Einzahl formuliert werden. Dagegen werden die Anweisungen, die an die muslimische Gemeinschaft gerichtet sind, in der Mehrzahl gegeben. So sehen wir, dass die Gebote, freundlich zu den Eltern zu sein, den Verwandten, Bedürftigen und gestrandeten Reisenden wohltätig zu sein, Verschwendung zu meiden, einen Mittelweg zwischen Geiz und Verschwendungssucht zu halten, in jeder Situation die Wahrheit zu erforschen und Hochmut und Eitelkeit zu unterlassen, alle in der Einzahl gegeben werden. Dies liegt daran, dass die Verantwortung in diesen Bereichen vom Einzelnen getragen wird. Die Mehrzahl hingegen wird für die Anweisungen verwendet, die das Töten von Kindern, Ehebruch und Mord verbieten, sowie für jene, die den Schutz des Eigentums einer Waise betreffen, die Einhaltung von Versprechen und Verpflichtungen sowie gerechtes Maß und Gewicht, weil diese die Gemeinschaft als Ganze betreffen.
Nur Gewicht und Maß
Just Weight And Measure
Der Verhaltenskodex, den die Sure darlegt, spricht auch über Fairness im Geschäftsverkehr.
The code of conduct the sūrah outlines also speaks about fairness in commercial dealings:
Und gebt volles Maß, wenn ihr messt, und wägt mit richtiger Waage. Das ist gerecht und am besten im Ergebnis.
And give full measure whenever you measure, and weigh with accurate scales. That is fair, and best in the end. (Verse 35)
Die Bedeutung der Einhaltung von Versprechen sowie des gerechten und vollen Maßes und Gewichts liegt auf der Hand, sowohl inhaltlich als auch im Ausdruck. Dadurch gelingt der Übergang von dem einen zum anderen leicht und fließend. Fairness in Geschäften sowie volles Maß und volles Gewicht zu geben sind Handlungen, die ehrliches Handeln und guten Glauben kennzeichnen. So wird das interne Miteinander innerhalb der Gemeinschaft auf eine rechte Grundlage gestellt, was Vertrauen und Ehrlichkeit fördert und allseitigen Segen sichert: „Das ist gerecht und am Ende das Beste.“ (Vers 35) Es ist gut für dieses Leben, da es Gerechtigkeit bewahrt, und besser für das Jenseits, da es eine gute Belohnung sicherstellt.
The relevance of fulfilling promises and giving fair and full measure and weight is readily apparent, both in meaning and expression. This makes the progress from one to the other easy and smooth. To be fair in transactions and to give full weight and measure are actions which mark honest dealing and good faith. Thus internal dealings within the community are set on the right footing which promotes trust and honesty, and ensures blessings all round: “That is fair, and best in the end.” (Verse 35) It is good in this life as it maintains fairness, and better in the hereafter as it ensures good reward.
Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Wer in der Lage ist, sich einen unrechtmäßigen Gewinn zu sichern, ihn aber aus keinem anderen Grund aufgibt als aus Furcht vor Gott, dem wird Gott gewiss etwas Besseres als diesen Gewinn schenken, noch in diesem Leben, bevor er seinen Lohn im Jenseits empfängt.“ ﷺ Habgier und Geiz beim Abwiegen und Messen zeugen von Niedertracht und Unehrlichkeit, die das Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft zerstören. Sie führen zu schlechtem Handel sowie zum Mangel an Segen und Vertrauen in der Gemeinschaft. Dies muss zwangsläufig Folgen für Einzelne haben, die sich am Ende als Verlierer wiederfinden, nachdem sie geglaubt hatten, durch das Übervorteilen anderer zu gewinnen. Welchen Gewinn sie auch immer erzielen mögen, er ist oberflächlich und von kurzer Dauer.
The Prophet (peace be upon him) said: ‘Anyone who is able to secure unlawful gain yet abandons this for no reason other than fearing God will certainly receive from God what is better than such gain here in this life, before they receive their reward in the life to come.” Giving in to greed and stinginess in weight and measure betrays meanness and dishonesty which destroys trust within the community. It leads to poor trading, and a lack of blessings and trust in the community. This is bound to have repercussions on individuals who find themselves losers after they had thought to gain through selling people short. Whatever gain they may make is superficial and short- lived.
Rechenschaft für alle Handlungen
Accountability For All Actions
Ein grundlegendes Merkmal des islamischen Glaubens ist, dass er geradlinig, klar und durchschaubar ist. Nichts wird auf der Grundlage von Verdacht, Mythos oder unbelegtem Eindruck erlaubt:
A basic characteristic of the Islamic faith is that it is straightforward, clear and transparent. Nothing is permitted on the basis of suspicion, myth or unsubstantiated impression:
Verfolge nicht, wovon du kein Wissen hast. Gehör, Augen und Herz werden alle zur Rechenschaft gezogen. (Vers 36)
Do not pursue that of which you have no knowledge. Man’s ears, eyes and heart shall all be called to account. (Verse 36)
Diese wenigen Worte legen eine vollständige Methode für den menschlichen Verstand und das menschliche Herz dar, die den wissenschaftlichen Ansatz einschließt, den die Menschheit erst vor kurzem zu verwenden begonnen hat. Sie fügt jedoch Ehrlichkeit und die Furcht vor Gott hinzu. Dies ist ein Vorteil, den der Islam gegenüber kühlen, rationalen Ansätzen bietet, die ohne Spiritualität auskommen.
These few words establish a complete method for the human mind and heart, incorporating the scientific approach that humanity has begun to apply only recently. It adds, however, honesty and fear of God. This is an advantage Islam adds over cold rational approaches that are devoid of spirituality.
Die Überprüfung jeder Nachricht, jeder Handlung und jeder Lage, bevor über sie ein Urteil gefällt wird, ist das Wesen des qur'ānischen Ansatzes. Wenn Herzen und Verstand diesem Ansatz treu folgen, bleibt weder Raum für Aberglauben in Glaubensangelegenheiten noch für Argwohn in rechtlichen Angelegenheiten. Darüber hinaus bleibt in Wissenschaft und Forschung kein Raum für theoretische Annahmen oder oberflächliche Schlussfolgerungen.
Making certain of every report, action or situation before passing a judgement concerning it is the essence of the Qur’ānic approach. When hearts and minds faithfully follow this approach, there remains no room for superstition in matters of faith, or for suspicion in legal affairs. What is more is that there is no room for theoretical assumptions or superficial conclusions in science and research.
Die wissenschaftliche Integrität, die man in der Neuzeit uneingeschränkt lobt, ist nichts anderes als die gewissenhafte Integrität, die der Koran als eine Pflicht festlegt, für die man Rechenschaft abzulegen hat. Der Koran macht jeden verantwortlich und rechenschaftspflichtig für sein Hören, sein Sehen und seine Gefühle vor Gott, der ihm Ohren, Augen und Herzen gegeben hat. Dies ist die Integrität und Ehrlichkeit von Sinnen, Herz und Verstand. Der Mensch ist für all dies verantwortlich, und die Organe selbst werden am Tag des Gerichts über ihr Tun befragt. Wenn wir die Größe dieser Verantwortung bedenken, sind wir überwältigt, denn sie gilt für jedes Wort, das wir sagen, und jedes Urteil, das wir fällen.
4 Dieser Ḥadīth wird von Ibn Kathīr in seinem Korankommentar angeführt.
4 This ĥadīth is cited by Ibn Kathīr in his commentary on the Qur’ān.