Al-Balad (Die Stadt)
Al-Balad (The City)
Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
In the Name of God, the Lord of Grace, the Ever Merciful.
Ich schwöre bei dieser Stadt, (1)
I swear by this city, (1)
diese Stadt, in der du wohnst, (2)
this city in which you are a dweller, (2)
Eltern und Nachkommen: (3)
by parent and offspring: (3)
Wahrlich, Wir haben den Menschen in Mühsal erschaffen. (4)
indeed, We have created man in affliction. (4)
Denkt er, dass niemand Macht über ihn hat?
Does he think that no one has power over him?
(5)
(5)
„Er sagt: ‚Ich habe reichlich Vermögen ausgegeben.‘ (6)"
He says: ‘I have spent abundant wealth.’ (6)
Denkt er, dass ihn niemand beobachtet? (7)
Does he think that none observes him? (7)
Haben Wir ihm nicht zwei Augen gegeben, (8)
Have We not given him two eyes, (8)
Eine Zunge und zwei Lippen (9)
a tongue, and two lips, (9)
und hat ihm die beiden Wege gezeigt? (10)
and shown him the two paths? (10)
Doch er wollte die Steigung nicht erklimmen. (11)
Yet he would not scale the Ascent. (11)
Wüsstest du doch, was der Aufstieg ist. (12)
Would that you knew what the Ascent is. (12)
Es ist die Befreiung eines Sklaven, (13)
It is the freeing of a slave, (13)
oder die Speisung an einem Tag der Hungersnot (14)
or the feeding, on a day of famine, (14)
eines verwaisten Verwandten (15)
of an orphaned near of kin, (15)
oder einem bedürftigen Mann in Not, (16)
or a needy man in distress, (16)
und dazu gehören, die glauben und einander zur Geduld in Widrigkeiten ermahnen und einander zur Barmherzigkeit ermahnen. (17)
and to be of those who believe and enjoin on one another to be patient in adversity, and enjoin mercy on one another. (17)
Diejenigen, die das tun, werden zur rechten Hand stehen.
Those who do this shall be on the right hand.
(18)
(18)
Und diejenigen, die Unsere Offenbarungen leugnen, sind diejenigen zur Linken.
And those who deny Our revelations shall bon the left hand, (19)
mit dem Feuer, das sich um sie schloss. (20)
with fire closing in upon them. (20)
Überblick
Overview
Diese kurze Sure berührt eine Vielzahl von Tatsachen, die für das menschliche Leben von zentraler Bedeutung sind. Ihr Stil ist durch kraftvolle Andeutungen geprägt. Zahlreiche Tatsachen dieser Art lassen sich in keiner Form knapper Darstellung so zusammenfassen, außer in der des Qur'ān, mit seiner einzigartigen Fähigkeit, mit so schnellen und durchdringenden Anschlägen genau die richtigen Saiten zum Klingen zu bringen.
This short sūrah touches on a great many facts which are of central importance to human life. Its style is characterized by powerful allusions. Numerous facts of this nature are not easily combined in any form of concise writing except that of the Qur’ān, with its unique ability to hit the right chords with such swift and penetrating strokes.
Prüfung im menschlichen Leben
Affliction In Human Life
Die Sure beginnt mit einem nachdrücklichen Schwur, der eine grundlegende Tatsache des menschlichen Lebens bekräftigt: „Ich schwöre bei dieser Stadt – du bist ein Bewohner dieser Stadt –, bei dem Erzeuger und dem Erzeugten: Wahrlich, Wir haben den Menschen in Mühsal erschaffen.“ (Verse 1–4) Die Stadt ist Makkah, in der sich die Ka'bah befindet, das heilige Haus Gottes, das der erste Tempel war, der jemals auf dieser Erde als Ort des Friedens errichtet wurde, an dem die Menschen ihre Waffen niederlegen und ihre Streitigkeiten vergessen. Dort kommen sie in Frieden zusammen; jeder ist dem anderen heilig. Selbst die Pflanzen, die Vögel und alle Lebewesen, die sich in dieser Stadt befinden, genießen volle und vollkommene Sicherheit. Es ist das Haus, das Abraham erbaut hat, der Vater Ismaels, der der Großvater aller Araber und Muslime ist.
The sūrah opens with an emphatic oath asserting an inherent fact of human life: “I swear by this city, this city in which you are a dweller, by parent and offspring: indeed, We have created man in affliction.” (Verses 1-4) The city is Makkah, which houses the Ka`bah, the sacred house of God that was the first temple ever to be erected on this earth as a place of peace where people put down their weapons and forget their quarrels. They meet there in peace; each is sacred to all. Even the plants, the birds and all creatures that happen to be in this city enjoy full and complete security. It is the House built by Abraham, the father of Ishmael, who is the grandfather of all Arabs and Muslims.
Gott ehrt daraufhin Seinen Propheten Muĥammad, indem Er ihn und seinen Wohnsitz in Makkah erwähnt, eine Tatsache, die die Heiligkeit der Stadt, ihre Ehre und ihren Ruhm erhöht. Dies ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung; denn die Ungläubigen verletzten die Heiligkeit des Hauses, indem sie den Propheten ﷺ und die Muslime darin belästigten. Doch das Haus ist heilig, und der Wohnsitz des Propheten ﷺ in seiner Nachbarschaft macht es noch heiliger.
God then honours His Prophet, Muĥammad, by mentioning him and his residence in Makkah, a fact which adds to the sanctity of the city, its honour and glory. This is a point of great significance in this context; for the unbelievers were violating the sanctity of the House by harassing the Prophet and the Muslims in it. But the House is sacred and the Prophet’s dwelling in its neighbourhood makes it even more so.
Der Schwur Gottes bei dieser Stadt und bei dem Wohnsitz des Propheten ﷺ in ihr verleiht ihrer Heiligkeit und Herrlichkeit noch mehr Gewicht, weshalb die Haltung der Ungläubigen umso anmaßender und verwerflicher wird. Ihre Haltung erscheint noch ungewöhnlicher, wenn man ihre Ansprüche bedenkt, die Hüter des Hauses zu sein, Nachkommen Ismaels und Anhänger Abrahams.
God’s oath by this city and by the Prophet’s residence in it adds even more to its sacredness and glory, which consequently makes the unbelievers’ attitude grossly impertinent and objectionable. Their attitude becomes even more singular, considering their claims to be the custodians of the House, Ishmael’s descendants and Abraham’s followers.
Große Segnungen
Great Blessings
Nachdem die Sure diese Tatsache über die menschliche Natur und das menschliche Leben festgestellt hat, geht sie auf einige Behauptungen ein, die der Mensch aufstellt, und auf einige Vorstellungen, die seinem Verhalten zugrunde liegen. „Glaubt er, dass niemand Macht über ihn hat? Er sagt: ‚Ich habe unermesslich viel Vermögen aufgewendet.‘ Glaubt er, dass ihn niemand sieht?“ (Verse 5–7)
Having established this fact concerning human nature and human life, the sūrah goes on to discuss some of the claims that man makes and some of the concepts underlying his behaviour. “Does he think that no one has power over him? He says: ‘I have spent abundant wealth.’ Does he think that none observes him?” (Verses 5-7)
Dieses Geschöpf, der Mensch, dessen Leiden und Ringen niemals ein Ende nimmt, vergisst seine wahre Natur und wird so überheblich ob dessen, was Gott ihm an Macht, Fähigkeit, Geschick und Wohlstand gegeben hat, dass er sich verhält, als sei er für sein Tun nicht zur Rechenschaft zu ziehen. Er frönt Unterdrückung, Tyrannei, Benachteiligung und Ausbeutung und trachtet danach, gewaltigen Reichtum anzuhäufen. Er verdirbt sich selbst und andere in völliger Missachtung alles dessen, was von Wert ist. So ist der Charakter eines Menschen, dessen Herz des Glaubens beraubt ist.
This creature, man, whose suffering and struggling never come to an end, forgets his real nature and becomes so conceited with what God has given him of power, ability, skill and prosperity that he behaves as if he is not accountable for what he does. He indulges in oppression, tyranny, victimization and exploitation, trying to acquire enormous wealth. He corrupts himself and others in total disregard of anything of value. Such is the character of a man whose heart is stripped of faith.
Wenn er dazu aufgerufen wird, für gute Zwecke zu spenden, sagt er: „Ich habe unermesslich viel Vermögen ausgegeben“, und hat mehr als genug gegeben. „Meint er etwa, niemand sehe ihn?“ (Vers 7)
When he is called upon to spend for good causes, he says, “I have spent abundant wealth,” and given more than enough. “Does he think that none observes him?” (Verse 7)
Hat er vergessen, dass Gott über ihn wacht? Er sieht, was er ausgegeben hat und zu welchen Zwecken. Doch der Mensch missachtet dies immer noch und denkt, Gott sei sich nicht bewusst, was er getan hat.
Has he forgotten that God is watching over him? He sees what he has spent and for what purposes. But man still ignores this, thinking that God is unaware of what he has done.
Angesichts der Überheblichkeit des Menschen, die ihn glauben lässt, er sei unbezwingbar, und angesichts seines Geizes und seiner Behauptung, reichlich gespendet zu haben, stellt der Koran ihm die Gaben vor Augen, die Gott ihm geschenkt hat und die sich in seinen angeborenen Fähigkeiten zeigen, obwohl er sie geringschätzt: „Haben Wir ihm nicht zwei Augen gegeben, eine Zunge und zwei Lippen, und ihm die beiden Wege gezeigt?“ (Verse 8-10)
Scaling The Ascent
Scaling The Ascent
Dies sind die Gaben, die dem Menschen zuteilwurden, damit er zur rechten Leitung findet: seine Augen, mit denen er die Zeichen der Macht Gottes und die Zeichen im ganzen Universum erkennt, die ihn dazu bewegen sollten, den Glauben anzunehmen, sowie seine Zunge und seine Lippen, die ihm als Mittel der Rede und des Ausdrucks dienen. Ein einziges Wort kann mitunter die Aufgabe eines Schwertes oder einer Schrotflinte erfüllen und sogar wirksamer sein als beides. Es kann einen Menschen andererseits aber auch ins Feuer der Hölle stürzen. Mu'ādh ibn Jabal berichtete: „Ich war mit dem Propheten ﷺ auf einer Reise. Eines Tages ging ich neben ihm, als ich sagte: ‚Gesandter Gottes! Weise mich auf etwas hin, das ich tun kann, das mich ins Paradies bringt und mich vom Höllenfeuer fernhält.' Er sagte: ‚Du hast wahrlich nach etwas Großem gefragt, und doch ist es für jene leicht zu erreichen, denen Gott es leicht gemacht hat. Verehre Gott allein und stelle ihm keinen Partner zur Seite, verrichte regelmäßig dein Gebet, entrichte deine Zakāt [d. h. das, was den Armen von deinem Vermögen zusteht], faste im Monat Ramadan und vollziehe die Pilgerfahrt.' Dann sagte der Prophet ﷺ: ‚Soll ich dich auf die Tore des Guten hinweisen?' Ich sagte: ‚Ja, Gesandter Gottes, bitte tu es.' Er sagte: ‚Das Fasten ist ein Schutz und ein Mittel, dich selbst zu bewahren; Almosen tilgen deine Fehler, so wie Wasser ein brennendes Feuer löscht; und dein Beten in den späten Stunden der Nacht ist das Zeichen der Frömmigkeit.' Dann rezitierte er den Vers: {Sie verlassen ihre Lager, um ihren Herrn in Furcht und in Hoffnung anzurufen, und sie geben von dem, was Wir ihnen gewährt haben. Keine Seele weiß, welche Wonne und Freude für sie als Lohn für ihre Mühen bereitgehalten wird.} (32:16-17) Dann fügte der Prophet ﷺ hinzu: ‚Soll ich dir sagen, was der Kern der Sache ist, ihr Rückgrat und ihre höchste Stufe?' Ich sagte: ‚Ja, Gesandter Gottes, bitte tu es.' Er sagte: ‚Das Herz ist der Islam, d. h.
These are the favours bestowed on man to help him follow right guidance: his eyes with which he recognizes the evidence of God’s might and the signs throughout the universe which should prompt him to adopt the faith, and his tongue and lips which are his means of speech and expression. One word sometimes does the job of a sword or a shotgun and can be even more effective than either. It may, on the other hand, plunge a man into the fire of hell. Mu ‘ādh ibn Jabal said: “I was with the Prophet on a journey. One day I was walking beside him when I said, ‘Messenger of God! Point out to me something I may do to take me to paradise and keep me away from hell.’ He said, ‘You have indeed asked about something great, yet it is quite attainable by those for whom God has made it easy. Worship God alone, assigning to Him no partner, offer your prayers regularly, pay out your zakāt [i.e. what is due to the poor of one’s money], fast in the month of Ramadān and offer the pilgrimage.’ The Prophet then said, ‘Shall I point out to you the gates of goodness?’ I said, ‘Yes, Messenger of God, please do.’ He said, ‘Fasting is a safeguard and a means of protecting yourself; charity erases your errors just as water extinguishes a burning fire; and your praying in the late hours of the night is the sign of piety.’ He then recited the verse, “[those] who forsake their beds as they call on their Lord in fear and in hope; and who give in charity of what We have bestowed on them. No soul knows what bliss and comfort is in store for these as reward for their labours.” (32: 16-17) The Prophet then added: ‘Shall I tell you what the heart of the matter is, its backbone and its highest grade?’ I said, ‘Yes, Messenger of God, please do.’ He said, ‘The heart is Islam, i.e.
Praktische Beispiele setzen
Setting Practical Examples
Diese Sure wurde in Mekka offenbart, zu einer Zeit, als der Islam von mächtigen Feinden umzingelt war und es keinen Staat gab, der seine Gesetze hätte umsetzen können. Die Sklaverei war in Arabien und in der ganzen Welt weit verbreitet. Die Behandlung, die Sklaven zuteilwurde, war brutal. Als einige der Sklaven oder ehemaligen Sklaven, wie `Ammār ibn Yāsir und seine Familie, Bilāl ibn Rabāh und andere, den Islam annahmen, verschlimmerte sich ihre Lage, und ihre grausamen Herren unterwarfen sie unerträglicher Folter. Da wurde klar, dass der einzige Weg, sie zu retten, darin bestand, sie von ihren Herren freizukaufen. Abū Bakr, der Gefährte des Propheten ﷺ, war, wie üblich, der Erste, der sich dieser Aufgabe stellte, mit all der Kühnheit und dem Mut, die sie erforderte.
This sūrah sas revealed in Iakkah when IslaM was surrounded powerful enemies and the state that would implement its laws s non-existent. Slavery was widespread in Arabia and the world large. The treatment meted out to slaves was brutal. When some the slaves or former slaves, like `Ammār ibn Yāsir and his family, Bilāl ibn Rabah, and others, accepted Islam their plight became worse, and their cruel masters subjected them to unbearable torture. then became clear that the only way to save them was to buy them from their masters. Abū Bakr, the Prophet’s Companion, was, as usual, the first to rise to the occasion, with all the boldness and gallantry it required.
Ibn Isĥāq berichtet:
Ibn Isĥāq relates:
Bilāl, der Diener Abū Bakrs, gehörte als geborener Sklave einer Person aus dem Stamm der Dschumah. Er war jedoch ein aufrichtiger Muslim und reinen Herzens. Umayya ibn Chalaf, der Herr der Dschumah, pflegte Bilāl hinauszuführen, wenn es unerträglich heiß wurde, und ihn auf den Rücken in den heißen Sand von Makkah legen zu lassen, und er ließ einen gewaltigen Felsen auf seine Brust legen. Dann sagte er zu Bilāl, dass er so liegen bleiben müsse, bis er stürbe oder Muḥammad ﷺ abschwöre und die Götzen al-Lāt und al-ʿUzzā, die Göttinnen der heidnischen Araber, als Gottheiten annehme. Unter all diesem Druck sagte Bilāl einfach: „Einer, Einer“, was bedeutet, dass es nur einen Gott gibt.
Bilāl, Abū Bakr’s servant, was owned by some individual of the clan of Jumaĥ as he was born a slave. He was, however, a genuine Muslim and clean- hearted. Umayyah ibn Khalaf, the Jumaĥ master, used to take Bilāl out when it became unbearably hot and order him to be laid down on his back on the hot sand of Makkah and cause a massive rock to be placed on his chest. Then, he would say to Bilāl that he was to stay like that until he died or renounced Muĥammad and accepted as deities the idols called al-Lat and al-‘Uzzā, the goddesses of the pagan Arabs. Under all such pressure, Bilāl would simply say, ‘One, One,’ meaning that there is only one God.
27 Ibn Hishām, Al-Sīrah al-Nabawiyyah, Dār al-Qalam, Beirut, Bd. 1, o. J., S. 339–41.
27 Ibn Hishām, Al-Sīrah al-Nabawiyyah, Dār al-Qalam, Beirut, Vol. 1, n.d., pp. 339-41.