Erzähle im Buch [die Geschichte von] Maria, wie sie sich von ihrer Familie zu einem Ort im Osten zurückzog, wo sie sich vor ihnen abgeschieden hielt. Wir sandten dann Unseren Engel zu ihr, der ihr in der Gestalt eines wohlgestalteten Menschen erschien. Sie sprach: Möge der Allerbarmer mich vor dir schützen. [Komm mir nicht nahe,] wenn du Gott fürchtest. Er sagte: Ich bin nur ein Gesandter deines Herrn, um dir einen Sohn zu schenken, der rein ist. Sie sagte: Wie soll ich einen Sohn bekommen, wo mich doch kein Mann berührt hat und ich keine Unzüchtige gewesen bin? Er antwortete: So hat dein Herr gesprochen: Das ist Mir ein Leichtes. Wir werden ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen. Es ist eine beschlossene Sache. (Verse 16-21)
Relate in the book [the story of] Mary and how she withdrew from her family to a place in the east, where she kept herself in seclusion from them. We, then, sent to her Our angel, who appeared to her in the shape of a well-made human being. She said: May the Most Merciful protect me from you. [Do not come near me] if you fear God.’ ‘I am but an emissary of your Lord,’ he said, [and have come] to give you a son endowed with purity. ‘She said: ‘How shall I have a child when no man has ever touched me and I have never been a loose woman?’ He answered: ‘Thus did your Lord speak: This is easy for Me. We will make him a sign for mankind and an act of grace from Us. It is a matter [We have] decreed.’ (Verses 16-21)
Mária ist eine junge, jungfräuliche Frau, eine Heilige, deren Mutter gelobt hatte, als sie noch ein ungeborenes Kind war, dass sie im Tempel dienen werde. Niemand hatte jemals an ihr etwas anderes wahrgenommen als vollkommene Reinheit und Keuschheit. Tatsächlich brachte man sie mit Aaron in Verbindung, dem ersten der frommen Diener des Tempels. Über Generationen hinweg war ihre Familie für ihre Gottesfurcht und als Vorbild der Frömmigkeit bekannt.
This is the first scene: Mary is a young, virgin woman, a saint whose mother vowed, when she was still an unborn baby, that she would serve in the temple. No one had ever witnessed from her anything other than perfect purity and chastity. In fact people associated her with Aaron, the first of the temple’s devout servants. For generations, her family were renowned for being God-fearing and a model of piety.
Wir sehen diese junge Frau, wie sie sich zurückzieht, um allein zu sein. Die Sure nennt nicht den Grund, weshalb sie allein sein wollte, doch muss es etwas gegeben haben, das es ihr notwendig machte, für sich zu sein und von niemand anderem gesehen zu werden. Es könnte eine sehr persönliche Angelegenheit gewesen sein, wie sie Mädchen gewöhnlich erleben.
We see this young woman going off to be alone. The sūrah does not specify why she wanted to be alone, but there must have been something to so require her to be by herself, unseen by anyone else. It may have been a very private matter that girls normally experience.
Sobald sie allein ist, abgeschirmt vor allen und im Vertrauen auf völlige Abgeschiedenheit, erleidet sie einen gewaltigen Schock. Vor sich findet sie einen Mann in der Blüte seines Lebens: „Da sandten Wir zu ihr Unseren Engel, der ihr in der Gestalt eines wohlgestalteten Menschen erschien.“ (Vers 17)
Once she is alone, screened from everyone and assured of complete privacy, she receives a great shock. She finds in front of her a man in his prime: “We, then, sent to her Our angel, who appeared to her in the shape of a well-made human being.” (Verse 17)
Sie ist sowohl schockiert als auch erschüttert, was nur die normale Reaktion einer keuschen Jungfrau ist.
She is both shocked and shaken, which is only the normal reaction of a chaste virgin.
Ihre unmittelbare Reaktion ist, den Schutz Gottes zu suchen und Ihn um Beistand zu bitten.
Her immediate reaction is to seek God’s protection and to appeal to Him for support.
Sie appelliert an das Gottesfürchtige im Mann. Sie erinnert ihn an Gott, damit er davon abgehalten wird, irgendetwas Böses zu versuchen. Und so sagt sie zu ihm: „Der Barmherzigste möge mich vor dir schützen. [Komm nicht näher an mich heran,] wenn du Gott fürchtest.“ (Vers 18) Wäre er ein gottesfürchtiger Mensch, würde er schon auf die bloße Erwähnung des Namens Gottes und Seines Attributs der Barmherzigkeit reagieren. Er würde dann jedem bösen Beweggrund widerstehen und sein Verlangen zügeln.
She appeals to the man’s sense of fearing God. She reminds him of God so that he may be restrained from attempting anything evil. So she says to him: “May the Most Merciful protect me from you. [Do not come near me] if you fear God.” (Verse 18) Should he be a God-fearing person, he would respond to the mere mention of God’s name and His attribute of mercy. He would then resist any evil motive and restrain his desire.
Wir können uns diese junge Frau vorstellen, eine reine, fromme Jungfrau, und was sie in jenem Augenblick durchgemacht haben mag, als sie von einem jungen Mann überrascht wurde, der an ihrem Rückzugsort vor ihr erschien. Dies war ihr erster Schock.
We can visualize this young woman, a pure devout virgin, and what she might have gone through in that moment when she was surprised by a young man appearing before her in her place of privacy. This was her first shock.
Doch welche Antwort erhält sie? Der Mann sagt ihr etwas, das sie sich nie hätte vorstellen können: „‚Ich bin nur ein Gesandter deines Herrn‘, sagte er, ‚[und bin gekommen], um dir einen Sohn zu schenken, der rein ist.‘“ (Vers 19) Man kann sich die Panik und den Schrecken vorstellen, die Maryam überwältigt haben müssen, als jener vollkommene Mann zu ihr sprach, den sie noch nicht als Gesandten ihres Herrn erkannte. Soweit sie wusste, konnte er ein Angreifer sein, der sich über ihre Unschuld hermachen und sie mit einem Trick täuschen wollte. Doch was er ihr an diesem abgelegenen Ort, fernab von anderen, mitteilt, ist, dass er ihr ein Kind schenken möchte.
Yet what answer does she receive? The man tells her something she could never have imagined: “‘I am but an emissary of your Lord,’ he said, ‘[and have come] to give you a son endowed with purity.’” (Verse 19) We can imagine the panic and shock that must have overwhelmed Mary when that perfect man, whom she did not yet know to be an emissary from her Lord, spoke to her. For all she knew, he might have been an assailant playing a trick on her, exploiting her innocence. Yet what he tells her, in the privacy of that place, well away from others, is that he wants to give her a child.
Wie schockiert muss Maria gewesen sein? Wir können es uns nicht einmal ansatzweise vorstellen. Das ist der zweite große Schock für Maria.
How shocked must Mary have been? We cannot even begin to imagine. That is the second great shock for Mary.
„Sie sagte: Wie soll ich ein Kind bekommen, wo mich doch kein Mann berührt hat und ich keine Unzüchtige gewesen bin?“ (Vers 20) Nun spricht sie offen und unumwunden zu ihm. Sie ist ganz allein mit ihm, und der Grund, weshalb er sie erschreckt hat, ist nun klar. Sie weiß noch nicht, wie er ihr ein Kind schenken wird. Es macht die Lage für sie auch nicht leichter oder weniger beunruhigend, dass er sich als Gesandter Gottes ausgegeben hat. Nichts, was er über dieses Kind sagt, nämlich dass es rein sein werde und dass seiner Geburt und seinem sittlichen Verhalten nichts Böses anhaften werde, reicht aus, um sie zu beruhigen. Es ist eine Situation, in der Schamhaftigkeit völlig fehl am Platz ist. Sie muss die Angelegenheit sofort klären. Wie also soll sie ein Kind haben, wo sie doch Jungfrau ist und kein Mann sie berührt hat? Sie ist keine Unzüchtige, die einem Geschlechtsakt zustimmen würde, aus dem ein Kind hervorgehen könnte.
“She said: How shall I have a child when no man has ever touched me and I have never been a loose woman?” (Verse 20) Now she speaks frankly and plainly to him. She is all alone with him, and the reason why he surprised her is now clear. She does not know yet how he will give her a child. Nor does it make matters any easier or less worrying for her that he has declared himself to be God’s emissary. Nothing that he says about that child, stating that he will be pure and that nothing evil will be attached to his birth or moral conduct, is sufficient to reassure her. It is a situation where modesty is completely out of place. She must have the matter out and clear at once. How, then, could she have a child when she is a virgin, untouched by any man? She is not a loose woman about to agree to a sexual act that could produce a child.
Ihre Fragestellung auf diese Weise legt nahe, dass sie sich bis zu diesem Moment keine andere Möglichkeit vorstellen konnte, durch die jene Person ihr ein Kind schenken könnte, außer dem vertrauten Weg des Geschlechtsverkehrs zwischen einem Mann und einer Frau. Dies ist nach menschlichem Empfinden der natürliche Weg.
Her questioning in this fashion suggests that up to that moment she could not conceive of any way by which that person could give her a child except the familiar way of sexual contact between a male and a female. This is the natural way, according to human perception.
„Er antwortete: So hat dein Herr gesprochen. Das ist für Mich leicht. Wir werden ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Gnade von Uns machen.“ (Vers 21) Dieses wundersame Ereignis, das Maria sich nicht einmal vorstellen kann, ist für Gott leicht zu vollbringen. Sein ist die Macht, die zu jeder Sache sagt: „Sei!“, und sie ist sogleich. Daher ist alles für Ihn leicht, ob es nun nach den dem Menschen vertrauten Naturgesetzen geschieht oder auf andere Weise. Der Engel, der hier als „der Geist“ bezeichnet wird, sagt ihr, dass Gott es ist, der spricht, dass es für Ihn leicht ist und dass Er wünscht, dass dieses einzigartige und bemerkenswerte Ereignis ein Zeichen für alle Menschen sei, das ihnen Seine Macht und Seinen freien, ungebundenen Willen deutlich macht. Ebenso will Er, dass dieses Kind zuallererst den Kindern Israels und danach der gesamten Menschheit eine Barmherzigkeit und ein Segen sei. Indem sie dieses wundersame Ereignis sehen, erkennen sie Ihn, glauben an Ihn und verehren Ihn und suchen so, Sein Wohlgefallen zu erlangen.
“He answered: Thus did your Lord speak. That is easy for Me. We will make him a sign for mankind and an act of grace from Us.” (Verse 21) This miraculous event that Mary cannot even begin to imagine is easy for God to accomplish. His is the power that says to anything, ‘Be,’ and it immediately exists. Hence, everything is easy for Him, whether it is accomplished according to natural laws that are familiar to man or in some other fashion. The angel, who is referred to in this instance as ‘the Spirit’ tells her that it is God who says that it is easy for Him, and that He wants this unique and remarkable event to be a sign for all mankind, making clear to them His power and free, unshackled will. He also wants this child to be a mercy and a blessing to the Israelites in the first place and to all humanity thereafter. It is by showing them this miraculous event that they know Him, believe in Him and worship Him, seeking to earn His pleasure.
So endet der Dialog zwischen dem vertrauenswürdigen Engel und der Jungfrau Maria. Die Sure erwähnt nicht, was nach diesem Gespräch geschah, und lässt so eine Lücke in der Erzählung, was im Qur'an häufig vorkommt. Sie erwähnt aber, dass das, was der Engel Maria über die Geburt ihres Sohnes sagte, eine beschlossene und feststehende Angelegenheit ist. „Es ist eine Angelegenheit, [die Wir] beschlossen haben.“ (Vers 21) Doch wie? Hierzu wird keine Erklärung gegeben.
Thus ends the dialogue between the trusted angel and the Virgin Mary. The sūrah does not mention what happened after that exchange, leaving a gap in the story, which frequently happens in the Qur’ān. But it does mention that what the angel said to Mary about the birth of her son is a matter that has been settled and finalized. “It is a matter [We have] decreed.” (Verse 21) But how? Nothing is mentioned here by way of explanation.
Hier können wir auf die Verwendung der Wendung „Unser Geist“ verweisen, die an dieser Stelle und in einer anderen Sure erwähnt wird. Hier kommt sie im Vers vor: „Da sandten Wir Unseren Geist zu ihr, und er erschien ihr in der Gestalt eines wohlgeformten Menschen.“ (Vers 17) Im anderen Zusammenhang kommt die Wendung wie folgt vor: „Und Maria, die Tochter ʿImrāns, die ihre Keuschheit bewahrte, da hauchten Wir von Unserem Geist in sie.“ (66:12)
However, we can refer here to the use of the phrase, Our Spirit, which is mentioned in this instance and in another sūrah. Here it occurs in the verse: “We, then, sent to her Our Spirit, who appeared to her in the shape of a well-made human being.” (Verse 17) In the other context, the phrase occurs as follows: “And Mary, daughter of `Imrān, who guarded her chastity, whereupon We breathed of Our Spirit into her.” (66: 12)
Nun stellt sich die Frage, ob sich der Verweis in diesen beiden Suren auf dasselbe bezieht oder nicht. Aus unserer Sicht scheinen sich die Verweise jedes Mal zu unterscheiden. In der vorliegenden Sure, Maryam, ist Gabriel gemeint, der Heilige Geist, der Gottes Gesandter zu Maria war. In Sure 66, At-Tahrim, ist vom Geist die Rede, den Gott dem Adam einhauchte, als Er ihn erschuf, um aus ihm einen Menschen zu machen. Er hauchte ihm davon erneut bei Maria ein, um ihre Empfängnis zu bewirken. Dieses göttliche Einhauchen des Geistes ist es, das das Leben mit all seinen menschlichen Eigenschaften schenkt. Dazu gehören die Qualitäten und Fähigkeiten, die den Menschen befähigen, mit der höchsten Gemeinschaft in Verbindung zu treten, und ihm zugleich seine menschlichen Gefühle, seinen Verstand, sein Denken, seine Emotionen und seine Inspiration verleihen. Im Falle Marias trug Gabriel diesen Hauch des Geistes von Gott heran, um ihn in sie zu legen. Wir müssen jedoch auch hinzufügen, dass wir nichts über das Wesen des Geistes wissen, weder wenn er sich auf Gabriel selbst bezieht, noch wenn er eine andere Bedeutung hat. Beides gehört dem Bereich an, der jenseits unserer Wahrnehmung liegt. Wir versuchen lediglich, den betreffenden Text in den beiden Suren zu verstehen, und gehen davon aus, dass der Gebrauch in jedem Fall verschieden ist.
Now the question arises as to whether the reference in these two sūrahs is to the same thing or not. From our point of view, the references would appear to be different on each occasion. In the present sūrah, Mary, it refers to Gabriel, the Holy Spirit, who was God’s emissary to Mary. In Sūrah 66, The Prohibition, it refers to the spirit that God breathed into Adam when He created him to make of him a human being. He again breathed of it into Mary to bring about her conception. It is this divine breathing of the spirit that gives life with all its human characteristics. These include the qualities and faculties that enable man to be in contact with the Supreme Society, while also giving him his human feelings, intellect, thought, emotions and inspiration. In Mary’s case, Gabriel carried this breath of the spirit from God to place it into her. We must also add however that we do not know anything about the nature of the spirit, neither when it refers to Gabriel himself, nor when it has a different connotation. Both belong to the realm which is beyond our perception. We simply try to understand the relevant text in the two sūrahs and consider that the usage differs in each case.
Die Geschichte geht dann weiter, und wir sehen das Ergebnis all dessen. Wir sehen diese verwirrte Jungfrau, wie sie etwas weit Schwereres durchmacht: „So empfing sie ihn und zog sich an einen entfernten Ort zurück. Und die Wehen trieben sie zum Stamm einer Dattelpalme.“
The story then continues, and we are shown the outcome of all this. We see this baffled virgin going through something much harder for her: “So she conceived him, and retired to a far-off place. And the throes of childbirth drove her to the trunk of a palm-tree.
„[In ihrem Kummer] rief sie: ‚Wäre ich doch vorher gestorben und längst in völliger Vergessenheit!‘“ (Verse 22–23) Dies war der dritte große Schock, den Maria erlitt.
[In her anguish] she cried: ‘Would that I had died before this and passed into complete oblivion!’” (Verses 22-23) This was the third great shock Mary received.