Al-Mursalat (Die Entsandten)
Al-Mursalat (Sent Forth)
Prolog
Prologue
Diese Sure trägt scharfe Züge, kraftvolle Bilder und eindringliche Töne.
This surah bears sharp features, powerful images and strong notes.
Ja, es klingt wie ein feuriges Brüllen. Es stellt die Herzen auf die Probe, indem es Fragen und Drohungen vorbringt, die wie scharfe Pfeile durchdringen. Wir sehen eine Fülle von Bildern aus diesem Leben und dem Jenseits, aus dem Universum und der menschlichen Seele, ebenso Szenen des Leidens, das die Ungläubigen erdulden werden. Nach jeder Hauptszene versetzt die Sure jenen Herzen, die die Wahrheit leugnen, einen feurigen Schlag und spricht: „Wehe an jenem Tag denen, die die Wahrheit leugnen.“ Dieser Kommentar wiederholt sich zehnmal allein in dieser Sure, da er der abschließende Ton ist, der in jedem ihrer Abschnitte eingesetzt wird. Er ist besonders treffend angesichts seiner scharfen Züge und seines starken Rhythmus. In dieser Hinsicht erinnert er uns an Sure 55, Der Barmherzige, wo derselbe Vers nach der Erwähnung jedes Aspekts der Segnungen wiederholt wird: „Welche der Gaben deines Herrn leugnet ihr beide denn?“ Ebenso wird in Sure 54, Der Mond, derselbe Kommentar nach jedem Bild der Bestrafung verwendet.
Indeed, it sounds like a spitting fire. It puts hearts to trial, presenting questions and threats that pierce like sharp arrows. We see a host of images from both this life and the life to come, the universe and the human soul, as well as scenes of the suffering that unbelievers will endure. After each main scene, the surah levels a fire-like strike at those hearts who deny the truth, saying: “Woe on that day betide those who deny the truth.” This comment is repeated ten times in this surah alone, as it is the final note deployed in each of its sections. It is an especially apt comment, given its sharp features and strong beat. In this respect, it reminds us of Surah 55, The Lord of Grace, where the same verse is repeated after the mention of every aspect of blessing: “Which, then, of your Lord*s blessings do you both deny? ” Likewise, in Surah 54, The Moon, the same comment is used after every image of punishment is drawn:
„Wie schwer war Meine Strafe und wie wahr waren Meine Warnungen.“ Der Vers, der in dieser Sure wie auch in anderen Suren wiederholt wird, verleiht ihr ihren unverkennbar scharfen Ton.
“How grievous was My punishment and how true were My warnings.” The verse repeated in this surah, as in other surahs, serves to give its distinctively sharp tone.
Die Sure besteht aus Abschnitten mit kurzen, schnellen Versen. Sie wechselt mit jedem Abschnitt den Reim, wobei einige Reimlaute nach ihrem Wechsel wieder aufgegriffen werden. All diese Abschnitte, Reime und kurzen Verse werden scharf empfunden, einer nach dem anderen. Kaum hat man sich von einem scharfen Klang erholt, setzt schon ein neuer ein. Von Anfang an ist die allgemeine Atmosphäre stürmisch, beginnend mit einer Szene starker Winde oder Engel: „Bei denen, die in rascher Folge ausgesandt werden; und bei denen, die stürmisch dahinfegen; und bei denen, die weit und breit verstreuen; und bei denen, die mit aller Klarheit [Recht und Unrecht] scheiden; und bei denen, die eine Ermahnung überbringen, als Entschuldigung und als Warnung?“ (Verse 1–6) Dieser Anfang passt vollkommen zur Stimmung der Sure.
The surah is composed of sections with short, quick verses. It changes its rhyme with each section, although some rhyming sounds are picked up again after they have been changed. All these sections, rhymes and short verses are sharply felt, one after the other. One hardly recovers after one sharp note when a new one begins. Right from the outset, the general atmosphere is tempestuous, starting with a scene of strong winds, or angels: “By those sent forth in swift succession; and those tempestuously storming on; and those scattering far and wide; and those separating [right and wrong] with all clarity; and those giving a reminder, with an excuse and a warning? (Verses 1-6) This opening is perfectly consistent with the ambience of the surah.
Der Koran ist außergewöhnlich in der Art, wie er bestimmte Rahmenbilder einsetzt, um die Atmosphäre einzelner Suren zu verstärken. In Sure 93, Ad-Duha (Die Morgenhelle), die von der Fürsorge und Güte Gottes spricht, ist das Rahmenbild den hellen Morgenstunden und den stillen Nächten entnommen. In Sure 100, Al-Adiyat (Die Rennenden), die das Verstreuen des Inhalts der Gräber und das Sammeln dessen, was in den Brüsten der Menschen ist, schildert, haben wir ein Rahmenbild, das den schnaubenden Pferden entnommen ist, die Funken aus Feuer schlagen. Weitere Beispiele ließen sich in großer Zahl anführen.
The Quran is extraordinary in the way in which it uses particular frameworks to enhance the atmosphere of certain surahs. In Surah 93, The Morning Hours, which speaks about God’s care and kindness, the framework is drawn from the bright morning hours and still nights. In Surah 100, The Coursers, which depicts the scattering of grave contents and the gathering of what is in peoples breasts, we have a framework drawn from snorting horses striking sparks of fire. Further examples could be given in plenty.
Jeder der zehn Abschnitte, die auf den Beginn der Sure folgen, stellt eine besondere Runde dar oder eine Reise in eine andere Welt. Dadurch bietet die Sure großen Raum für Nachdenken, Empfinden, Gedanken und Antworten. Dieser Raum ist zudem weit größer, als es die Worte und Sätze vermuten lassen.
Each of the ten sections that follow the opening of the surah represents a special round or a journey into a different world. This gives the surah great scope for reflection, feeling, ideas and responses. This scope is also much wider than the words and sentences imply.
Die erste Runde zeigt Bilder vom Tag der Unterscheidung und schildert den großen Aufruhr, der im Universum stattfinden wird. Dies ist der Termin, den Gottes Gesandte den Menschen angekündigt haben: { Wenn die Sterne verdunkelt werden, und der Himmel gespalten wird, und die Berge wie Staub zerstreut werden, und die Gesandten zu ihrer bestimmten Zeit gebracht werden ... Für welchen Tag ist all dies festgesetzt? Für den Tag der Unterscheidung. Und was lässt dich wissen, was der Tag der Unterscheidung ist? Wehe an jenem Tag denen, die die Wahrheit leugnen. } (Verse 8-15)
The first round paints scenes from the day of distinction, showing the great upheaval that will take place in the universe. This is the appointment defined by God’s messengers to mankind: “ When the stars are dimmed, and the sky is rent asunder, and the mountains are scattered like dust, and the messengers are given their appointed time... For what day has all this been set? For the day of distinction. Would that you knew what the day of distinction is! Woe on that day betide those who deny the truth? (Verses 8-15)
Die zweite Runde bezieht sich auf die Schicksale, die Gemeinschaften vergangener Zeiten widerfuhren, und hebt das göttliche Gesetz hervor, das für jene gilt, die die göttliche Botschaft leugnen: „Haben Wir nicht jene Früheren vernichtet? Dann lassen Wir ihnen andere folgen. So verfahren Wir mit den Schuldigen. Wehe an jenem Tag denen, die die Wahrheit leugnen.“ (Verse 16–19)
The second round refers to the fates suffered by communities of olden times, highlighting the divine law that applies to those who deny the divine message: “Did We not destroy those people of old? We shall certainly cause later ones to follow them. Thus do We deal with the guilty. Woe on that day betide those who deny the truth? (Verses 16—19)
Runde drei führt uns zu den Ursprüngen des Menschen und dem Eindruck, den sie von Gottes gesamter Planung vermitteln: „Haben Wir euch nicht aus einer geringen Flüssigkeit erschaffen, die Wir in einer sicheren Aufbewahrung niederlegten für eine vorherbestimmte Frist? So haben Wir es bestimmt; und trefflich sind Wir im Bestimmen. Wehe an jenem Tag denen, die die Wahrheit leugnen.“ (Verse 20–24)
Round three takes us to the origins of man and the impression they give of God’s overall planning: “Have We not created you from a humble fluid, placing it in a safe lodging for a pre-determined term? Thus have We determined; excellent indeed is how We determine. Woe on that day betide those who deny the truth” (Verses 20-24)
In der vierten Runde sehen wir, wie die Erde, die ihre Kinder, lebend oder tot, in ihren Schoß aufnimmt, mit der Möglichkeit eines beständigen Lebens und mit dem Wasser ausgestattet worden ist, das zum Leben notwendig ist: „Haben Wir nicht die Erde zu einem Ort für die Lebenden und die Toten gemacht? Wir haben auf ihr feste, hohe Berge errichtet und euch süßes Wasser zu trinken gegeben. Wehe an jenem Tag denen, die die Wahrheit leugnen.“ (Verse 25-28)
In the fourth round we see how the earth, which takes its children, living or dead, to its bosom, has been equipped with the facility of stable life and with water that is necessary for life: “Have We not made the earth an abode for the living and the dead? We have placed on it firm, lofty mountains and provided you with fresh water to drink. Woe on that day betide those who deny the truth.” (Verses 25-28)
Die fünfte Runde handelt von denjenigen, die die göttliche Botschaft zurückweisen, und davon, wie sie mit scharfem Tadel empfangen werden, sowie von ihrer bevorstehenden Strafe am Tag der Unterscheidung: „Geht zu dem, was ihr zu leugnen pflegtet! Geht zu einem Schatten, der sich in drei Säulen erhebt; er spendet weder Schatten noch Linderung vor der Flamme. Er wirft Funken aus, so groß wie Burgen, so hell wie gelbe Kamele. Wehe an jenem Tag denen, die die Wahrheit leugnen.“ (Verse 29–34)
The fifth round speaks of those who reject the divine message and how they are received with strong rebuke, as well as their impending punishment, on the day of distinction: “Go to that which you used to deny! Go to a shadow rising in three columns; giving no shade, nor relief from the flame. It throws up sparks as huge as forts, as bright as yellow camels. Woe on that day betide those who deny the truth.” (Verses 29-34)
Die nächsten beiden Runden fahren mit den Ungläubigen fort und fügen weitere Zurechtweisung hinzu: „ An diesem Tag werden sie kein Wort hervorbringen, und es wird ihnen nicht erlaubt sein, irgendeine Entschuldigung vorzubringen. Wehe an diesem Tag denen, die die Wahrheit leugnen. Dies ist der Tag der Unterscheidung: Wir haben euch versammelt zusammen mit all jenen Menschen von einst. Wenn ihr noch irgendeine List habt, dann wendet sie jetzt gegen Mich an. Wehe an diesem Tag denen, die die Wahrheit leugnen.“ (Verse 35-40)
The next two rounds continue with the unbelievers, adding further rebuke: “ On that day they will not utter a word, and they will not be allowed to offer any excuse. Woe on that day betide those who deny the truth. This is the day of distinction: We have gathered you with all those people of old. If you have a scheme left, then use it against Me now. Woe on that day betide those who deny the truth.” (Verses 35-40)
Runde acht spricht von den Gottesfürchtigen und den Segnungen, die für sie bereitet sind: „Die Gottesfürchtigen werden inmitten kühler Schatten und Quellen wohnen, und Früchten, nach ihrem Verlangen. Esst und trinkt nach Herzenslust als Lohn für das, was ihr getan habt. So belohnen Wir jene, die Gutes tun. Wehe an jenem Tag denen, die die Wahrheit leugnen.“ (Verse 41–45)
Round eight speaks of the God-fearing and the blessings prepared for them: “ The God fearing shall dwell amid cool shades and springs, and fruits as they may desire. Eat and drink to your hearts' content in return for what you did. Thus do We reward those who do good. Woe on that day betide those who deny the truth.” (Verses 41—45)
Die letzten beiden Abschnitte geben einen kurzen Einblick in jene Menschen, die entschlossen sind, Gottes Botschaft zu leugnen. Der erste tadelt sie, und der zweite zeigt sie in hartnäckiger Ablehnung: „Esst und genießt euer Leben noch eine kleine Weile, denn ihr seid gewiss Sünder. Wehe an jenem Tag denen, die die Wahrheit leugnen. Wenn ihnen gesagt wird, sie sollen sich vor Gott niederwerfen, so werfen sie sich nicht nieder.“
The last two rounds provide quick glimpses of the people who are bent on denying Gods message. The first reproaches them and the second shows them in obstinate rejection: “Eat and enjoy your life for a little while, for you are certainly guilty. Woe on that day betide those who deny the truth. When they are told to bow down before God, they do not bow down.
Wehe an jenem Tag den Leugnern der Wahrheit. (Verse 46-49)
Woe on that day betide those who deny the truth. ” (Verses 46-49)
Diese Runden, ihre Bilder und scharfen Hinweise schließen mit einem einzigen Vers, der fragt: „An welche Botschaft nach dieser werden sie dann glauben?“ (Vers 50)
These rounds, their images and sharp notes conclude with a single verse asking: “In what message, after this, will they believe?” (Verse 50)
Der Zuhörer folgt dem raschen Rhythmus der Sure und fühlt sich bei ihrer Abfolge von Bildern beinahe atemlos. Der Gegenstand der Sure wird in mehreren anderen Suren behandelt, besonders in mekkanischen. Doch der Koran behandelt die Wahrheit, die er darlegt, aus verschiedenen Blickwinkeln, in unterschiedlichem Licht und mit wechselnden Schwerpunkten entsprechend den Situationen, denen sie begegnen.
The listener follows the quick rhythm of the surah feeling almost out of breath at its succession of images. The subject matter of the surah is covered in several other surahs, particularly Makkan ones. However, the Qur’an tackles the truth it presents from different angles, in different lights, and with different emphases according to the situations they face.
Solche Ansätze sprechen Herzen und Seelen so an, wie es ihnen am besten entspricht, gemäß ihren Zuständen, die dem bekannt sind, der den Qur'an zu Seinem Gesandten herabgesandt hat ﷺ. Sie erscheinen so bei jeder neuen Lage stets aufs Neue, weil sie stets neue Antworten hervorbringen.
Such approaches address hearts and souls as best suits them, according to their conditions known to the One who has revealed the Qur’an to His Messenger. They thus appear new with every new situation, because they produce new responses.
Wir sehen, dass diese Sure neue Bilder der Hölle zeichnet und einen neuen Ansatz verfolgt, wenn sie diese Bilder den Ungläubigen vor Augen führt; mit anderen Worten, sie bedient sich eines neuen Stils der Ansprache. Damit gewinnt die Sure einen eigenständigen Charakter, der sich durch intensive Züge, scharfe Bilder und einen raschen Rhythmus auszeichnet.
We see that this surah draws new images of hell, and takes a new approach in showing these images to unbelievers; in other words, it employs a new style of address. Thus, the surah acquires a distinctive character with intense features, sharp images and a rapid rhythm.