Ich brauche nicht bei dem Tag der Auferstehung zu schwören, und ich brauche nicht bei der sich selbst anklagenden Seele zu schwören! Glaubt der Mensch, Wir würden seine Gebeine nicht wieder zusammenfügen? Doch, gewiss! Wir sind imstande, selbst seine Fingerspitzen in vollkommener Ordnung herzustellen! Dennoch will der Mensch leugnen, was vor ihm liegt.
I need not swear by the Day of Resurrection and I need not swear by the self reproaching soul! Does man think that We will not put his bones together again! Yes, indeed! We are able to put in perfect order his very fingertips! Yet man wants to deny what lies ahead of him.
Er fragt: „Wann wird dieser Tag der Auferstehung sein?" Wenn der Blick geblendet wird und der Mond sich verfinstert, wenn Sonne und Mond zusammengebracht werden, dann wird der Mensch an jenem Tag sagen: „Wohin kann ich fliehen?"
Doch nein! Es gibt keine Zuflucht. An jenem Tag wird alles zu deinem Herrn zurückkehren. Dem Menschen wird an jenem Tag mitgeteilt werden, was er vorausgeschickt und was er zurückgelassen hat. Der Mensch wird ein Zeuge gegen sich selbst sein, auch wenn er seine Entschuldigungen vorbringt.
He asks: 'When will this Day of Resurrection be!' When the sight is dazzled and the moon eclipsed, when the sun and the moon are brought together, on that day man will say: 'Where to flee!'But no! There is no refuge. On that day, to your Lord all shall return. Man will be told on that day all that he put forward and all that he put back. Man will be a witness against himself, even though he may put up his excuses.
(Verse 1-15)
(Verses 1-15)
Die Sure beginnt mit einem Hinweis auf das Schwören, entscheidet sich dann aber, nicht zu schwören. Dies hat eine tiefere Wirkung als ein gewöhnlicher Schwur, und genau das ist beabsichtigt. Wörtlicher übersetzt lautet es: „Ich schwöre nicht bei ...“. Nachdem dies gesagt wurde, treten die Wahrheiten der Auferstehung und der sich selbst anklagenden Seele deutlich in den Blick.
The surah starts with a reference to making an oath, but then decides not to make it. This has a deeper effect than a straightforward oath, and this is what is intended. Indeed, a more literal rendering would be: ‘I do not swear by...’ When this has been stated, the truths of the resurrection and self-reproaching soul appear in view.
Im Kapitel finden sich viele Erörterungen über die Auferstehung. Was die anklagende Seele betrifft, so erklären verschiedene Überlieferungen dies. Al-Hasan al-Basri sagt:
There is much discussion of resurrection in the surah. As for the self reproaching soul, various reports explain this. Al-Hasan al-Basri says:
„Du wirst immer einen Gläubigen finden, der sich selbst hinterfragt: ‚Was habe ich mit diesem Wort gemeint? Wofür habe ich dieses Essen gegessen? Was meine ich damit, wenn ich so zu mir selbst spreche?‘ Ein Übertreter dagegen wird sich niemals selbst tadeln.“ Al-Hasan sagt: „Jede einzelne Seele in den Himmeln und auf der Erde wird sich am Tag des Gerichts selbst tadeln.“ Ikrima sagt: „Es ist die Seele, die sich selbst tadelt, sowohl für gute als auch für schlechte Dinge, indem sie sagt: Hätte ich doch dies oder jenes getan.“ Sa‘id ibn Jubair sagte dasselbe. Ibn ‘Abbas sagt: „Sie ist immer tadelnd.“ Er sagt auch: „Sie ist oft tadelnd und sehr kritisiert.“ Mudschahid sagt: „Sie bereut das Vergangene und tadelt dafür.“ Qatada sagt: „Sie ist diejenige, die zum Bösen neigt.“ Dscharir sagt: „Alle diese Definitionen liegen praktisch auf derselben Linie. Näher am offensichtlichen Sinn der Koranaussage ist jedoch zu sagen, dass es die Seele ist, die einen Menschen für alles tadelt, was er tut, ob gut oder schlecht, und das Vergangene bereut.“ Für unser Selbst bevorzugen wir die erste Definition, die al-Hasan al-Basri angeführt hat.
“You will always find a believer questioning himself: ‘What did I mean by this word? What did I eat this food for? What do I mean by speaking to myself thus?’ A transgressor will go on never blaming himself.” Al- Hasan says: “Every single soul in the heavens and earth will be blaming himself on the Day of Judgement.” Tkrimah says: “It is the soul that blames itself for good and bad things, saying: if only I did this or that.” Sa‘id ibn Jubayr said the same. Ibn ‘Abbas says: “It is always blaming.” He also says: “It is often blaming, much criticized.” Mujahid says: “It regrets what has passed and blames for it.” Qatadah says: “It is the one tending towards evil.” Jarir says: “All these definitions are in practically the same vein. However, what is closer to the apparent meaning of the Quranic statement is to say that it is the soul that blames a person for whatever he does, good or bad, and regrets what has passed.” For our self, we prefer the first definition stated by al-Hasan al-Basri.
Eine so fromme, sich selbst anklagende Seele, die Gottes Strafe fürchtet und stets wachsam ist, sich umschaut, ihre Taten überprüft, erkennt, was sie begehrt, und darauf achtet, sich nicht selbst zu betrügen, wird gewiss von Gott so sehr geehrt, dass sie zusammen mit dem Tag der Auferstehung erwähnt zu werden verdient. Sie ist das Gegenteil der Seele eines Menschen, der ungehindert in die Sünde verfallen will; der lügt, sich von der Wahrheit abwendet und dann voller Hochmut zu seinen Leuten zurückkehrt, niemals seine Taten überprüft und der Wahrheit keine Beachtung schenkt.
Such a pious, self-reproaching soul, one that fears God’s punishment, and is always cautious, looking around, reviewing its actions, identifying what it desires, making sure not to cheat itself, is certainly so honoured by God as to warrant mention alongside the Day of Resurrection. It is the opposite of the soul of one who wants to indulge in sin undeterred; who lies, turns away from the truth and then returns to his people full of arrogance, never taking stock of his actions and paying no heed to the truth.
„Ich brauche nicht bei dem Tag der Auferstehung zu schwören, und ich brauche nicht bei der sich selbst anklagenden Seele zu schwören!“ (Verse 1-2) Im Mittelpunkt dieses Anfangs steht das Kommen des Tages der Auferstehung. Doch nachdem der Schwur beiseitegelassen wurde, erwähnt die Sure den Gegenstand dieses Schwurs nicht weiter. Stattdessen greift sie ihn in anderer Form auf, gleichsam als wolle sie eine Abhandlung beginnen, nachdem sie unsere Gedanken mit diesem klaren Anfang darauf gelenkt hat: „Meint der Mensch, Wir würden seine Gebeine nicht wieder zusammenfügen? Doch, gewiss! Wir vermögen sogar, seine Fingerspitzen in vollkommene Ordnung zu bringen!“ (Verse 3-4)
“I need not swear by the Day of Resurrection and I need not swear by the self reproaching soul!” (Verses 1-2) What is at the centre of this opening is the arrival of the Day of Resurrection, but when the oath is left aside, the surah does not mention the subject of that oath further. Instead, it picks it up in another form, as if to start a discourse having alerted our minds to it with this clear opening: “Does man think that We will not put his bones together again? Yes, indeed! We are able to put in perfect order his very fingertips!” (Verses 3-4)
Die wesentliche Schwierigkeit für die Ungläubigen bestand darin, dass sie sich nicht vorstellen konnten, dass Knochen, die zu Staub werden und von der Erde verschluckt werden, danach wieder zusammengefügt werden könnten, um einen Menschen wieder zum Leben zu erwecken. Das ist wohl auch bei manchen Menschen heute höchstwahrscheinlich noch so! Die Sure begegnet dieser Denkweise, indem sie bestätigt, dass das Zusammenfügen der Knochen aller Menschen mit Sicherheit stattfinden wird: „Doch ja! Wir sind imstande, ihm sogar seine Fingerspitzen in vollkommener Ordnung wiederherzustellen!“ (Vers 4) Die Sure bekräftigt diesen Vorgang des Wiederzusammenfügens der Knochen, indem sie etwas Komplexeres hinzufügt, nämlich das Einsetzen der Fingerspitzen an ihre jeweiligen Stellen, genau so, wie sie zu Lebzeiten waren. Daraus folgt, dass der Mensch wieder zum Leben erweckt wird, wobei jedes kleine Detail und jeder noch so geringe Aspekt seiner Gestalt in vollkommener Ordnung wiederhergestellt wird. Nichts geht verloren, und sei es noch so klein! Diese erneute Bestätigung genügt hier. Gegen Ende der Sure folgt ein weiterer Beweis, der sich aus der Tatsache der ersten Erschaffung des Menschen ergibt.
The essential difficulty for the unbelievers was that they could not imagine that bones becoming dust and being swallowed by the earth could then be gathered together again to bring a human being back to life. This is also most probably true of some people today! The surah responds to this sort of thinking, confirming that putting everyone's bones back together will assuredly take place: “ Yes, indeed! We are able to put in perfect order his very fingertips!” (Verse 4) The surah reasserts this process of putting bones back together by stating something more complex, which is to put fingertips in their respective positions, just as they were in life. This implies that man will be brought back to life, with every little detail or small aspect of his physique put back in perfect order. Nothing is lost, however small! This reconfirmation is enough here. Towards the end of the surah, we have another proof derived from the fact of mans first creation.
Hier jedoch legt die Sure den seelischen Mangel offen, der zu dieser Denkweise führt, die sich nicht vorstellen kann, dass Knochen wieder zusammengefügt werden. Der Mensch will schlicht an seiner Leugnung festhalten, damit er zügellos dahinleben kann, ohne dass ihn etwas hemmt oder zurückhält auf seinem Weg. Er will keine Abrechnung und keine Vergeltung auf sich nehmen. Deshalb erwartet er weder eine Auferstehung noch eine Rechenschaftspflicht: „Doch der Mensch will leugnen, was vor ihm liegt. Er fragt:
Here, however, the surah exposes the mental flaw leading to this sort of thinking that cannot conceive of bones being put back together. Man simply wants to persist in his denial so that he goes on the loose, with nothing to check or restrain his march. He does not want to face any reckoning or requital. Therefore, he expects no resurrection and no answerability: “ Yet man wants to deny what lies ahead of him. He asks:
„Wann wird denn dieser Tag der Auferstehung sein?“ (Verse 5-6) Diese Frage wird im Arabischen mit dem Fragepronomen ayyana gestellt, das zum üblichen Äquivalent von „wann“, nämlich ayna, die Verdopplung des y-Lauts und ein langes a hinzufügt; eine Form, die die Unwahrscheinlichkeit des Eintretens nahelegt. Dies entspricht dem Wunsch des Fragenden, zügellos zu leben und ungehindert von jedem Gedanken an das Jenseits mit seinen sündhaften Gewohnheiten fortzufahren. In der Tat wirkt das Jenseits oft als Schranke, die den Drang zur Sünde im Zaum hält. Dieser Mensch versucht nun, diese Schranke zu beseitigen, damit er ungehindert mit sündhaften Praktiken fortfahren kann.
'When will this Day of Resurrection be?*” (Verses 5-6) This question is stated in the Arabic with the interrogative pronoun ayyana, which adds to the normal equivalent of when, which is ayna, the doubling of the y sound and a long 'a; a form that suggests the improbability of happening. This is in line with the desire of the questioner to run loose and continue with his sinful ways, undeterred by any thought of the hereafter. Indeed, the hereafter often acts as a restraint checking the desire to indulge in sin. Now this person tries to remove this restraint so that he can go ahead with sinful practices undeterred.
Die Antwort kommt schnell und entschieden, hält ein schnelles Tempo und verwendet kraftvolle Worte. Sie zeichnet ein Bild vom Tag der Auferstehung, in dem menschliche Sinne und Gefühle mit himmlischen Bildern verschmelzen und so eine gewaltige Wirkung erzeugen: * „Wenn der Blick geblendet wird und der Mond verfinstert ist, wenn Sonne und Mond zusammengebracht werden, wird der Mensch an jenem Tag sagen: ‚Wohin soll ich fliehen?'" (Verse 7-10)
Der Blick wird hier sehr schnell hierhin und dorthin abgelenkt, wie ein Blitz, und der Mond ist verfinstert und strahlt kein Licht mehr zurück, während Sonne und Mond zusammengebracht werden, nachdem sie lange getrennt waren. Ihr gewohntes Wirken wird gestört, da das gesamte Himmelssystem, bekannt für die Genauigkeit seiner Bewegung, nicht mehr funktioniert. Inmitten all dieses Aufruhrs steht der Mensch verängstigt da und fragt: „Wohin soll ich fliehen?" Schon diese Frage vermittelt ein Gefühl von Furcht und völliger Panik. Der Mensch wirkt verloren; wohin er auch seine Augen wendet, sieht er nichts als einen versperrten Weg.
The answer that comes is swift, decisive, maintains a fast beat and uses hard-hitting words. It draws a scene of the Day of Resurrection in which human senses and feelings combine with celestial images to produce an awesome effect: * When the sight is dazzled and the moon eclipsed, when the sun and the moon are brought together, on that day man will say: "Where to flee?'" (Verses 7-10) The sight is very swiftly distracted here and there, like lightning, and the moon is eclipsed and no longer reflects any light, while the sun and the moon are brought together after they have long been parted. Their familiar operation is disrupted since the entire celestial system, known for its accuracy of movement, is no longer operating. In the midst of all this upheaval, man stands terrified, asking, ‘Where to flee?’ The very question imparts a feeling of fear and utter panic. Man looks lost, wherever he turns his eyes he sees nothing but a blocked way.
Es gibt keine Zuflucht und keinen Schutz. Niemand kann der Macht und Strafe Gottes entgehen, denn alle kehren zu Ihm zurück, und es gibt keinen Zufluchtsort außer dem einen, den Er bestimmt: „Aber nein! Es gibt keine Zuflucht. An jenem Tag wird alles zu deinem Herrn zurückkehren.“ (Verse 11–12)
Was der Mensch sich wünscht, in der Hoffnung, auf seinen irrigen Wegen weitermachen zu können, ohne Rechenschaft oder Vergeltung zu fürchten, wird also nicht eintreten. Im Gegenteil: Alles wird abgerechnet werden, und er wird an alles erinnert werden, was er vielleicht vergessen hat. Alles wird ihm vor Augen geführt werden, damit er seiner gerechten Vergeltung begegnet: „An jenem Tag wird dem Menschen mitgeteilt werden, was er vorausgeschickt und was er zurückgelassen hat.“ (Vers 13)
Ihm wird mitgeteilt werden, was er vor seinem Tod getan hat, ebenso welche Wirkungen seine Taten nach seinem Tod hervorgebracht haben, ob gute oder böse. Manche Taten haben lang anhaltende Wirkungen, und diese Wirkungen werden dem Konto dessen hinzugefügt, der sie vollbracht hat.
There is no refuge or protection. No one can avert Gods power and punishment, since all return to Him and there is no hiding place to seek other than the one He determines: “But no! There is no refuge. On that day, to your Lord all shall return" (Verses 11-12) So what man has desired, hoping to be able to continue with his erring ways, fearing neither reckoning nor requital, is not what happens. On the contrary, everything will be reckoned, and he will be reminded of anything he may have forgotten. It will all be brought before him so that he faces his fair requital: “Man will be told on that day all that he put forward and all that he put back" (Verse 13) He will be told of what he did before his death, as also what effects his actions produced after his death, whether good or evil. Some actions produce long-lasting effects, and these effects are added to the account of the person who performed them.
Was auch immer der Mensch an Entschuldigungen vorbringen mag, keine wird angenommen werden.
Whatever excuses man may try to put forward, none will be accepted.
Er ist für sich selbst verantwortlich, und es ist seine Pflicht, sich selbst zur göttlichen Rechtleitung zu führen. Wenn er sich dem Bösen überlässt, kann allein er selbst dafür zur Rechenschaft gezogen werden: „Der Mensch wird gegen sich selbst ein Zeuge sein, auch wenn er seine Entschuldigungen vorbringt." (Verse 14-15)
He is responsible for himself, and it is his duty to bring himself to divine guidance. When he let himself sink into evil, only he himself can be answerable for this: “Man will be a witness against himself, even though he may put up his excuses." (Verses 14-15)
Es ist hier erwähnenswert, dass jeder Ausdruck in der Sure bis hierher kurz und zügig ist: die Verse, die Schlüsse, der Rhythmus, die Bilder und der Ablauf der Abrechnung. Dies scheint eine Antwort auf den Versuch des Menschen zu sein, die ganze Vorstellung vom Tag der Abrechnung zu ignorieren und zu denken, er liege noch in weiter Ferne.
It is worth noting here that every expression in the surah thus far is short and quick: the verses, the endings, the rhythm, the images and the reckoning process. This appears to be a response to man’s attempt to disregard the whole idea of the Day of Reckoning and to think that it is too far off.