Sie fragen dich, was sie spenden sollen. Sprich: Was immer an Gutem ihr von eurem Besitz spendet, soll den Eltern, den nahen Verwandten, den Waisen, den Bedürftigen und den Reisenden in Not zukommen. Gott weiß wohl um alles Gute, das ihr tut. (Vers 215)
They ask you what they should spend [in charity]. Say, Anything good you spend of your wealth should go to parents and the near of kin, to orphans and the needy, and to travellers in need. God is well aware of whatever good you do. (Verse 215)
Das Thema der Wohltätigkeit war bereits in mehreren Koranversen behandelt worden, die der Offenbarung des vorliegenden Verses vorausgingen. Die Umstände, unter denen der Islam entstand, machten freiwillige finanzielle Beiträge der Muslime absolut notwendig, damit sich die Gemeinschaft herausbilden und ihre Stellung festigen konnte, angesichts der großen Schwierigkeiten und der Kriegsgefahr, der sie ausgesetzt war. Sie war außerdem unverzichtbar als Ausdruck von Solidarität und Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft, um Ungleichheit zu beseitigen sowie Loyalität und Selbstgenügsamkeit zu stärken. All dies sind unentbehrliche Eigenschaften für den Aufbau eines wahren und praktischen Gemeinschaftsgefühls unter den Muslimen.
The subject of charity had already been dealt with in several Qur’ānic passages that preceded the revelation of the present verse. The circumstances that witnessed the birth of Islam made voluntary financial contributions by Muslims absolutely essential in order for the community to emerge and consolidate its position, considering the great difficulties and threat of war it was facing. It was also essential as an expression of solidarity and cohesion within the community, and to eliminate inequality and reinforce loyalty and self-sufficiency. All these are indispensable qualities for building up a true and practical sense of community among the Muslims.
An dieser Stelle wird berichtet, dass einige Muslime fragten, „was sie [an Wohltätigkeit] ausgeben sollten“ (Vers 215). Die Frage betrifft die Art von Geld, das Muslime als Almosen geben dürfen. Die Antwort spricht über das Wesen wohltätiger Ausgaben und benennt die wichtigsten Empfänger. Die Formulierung der Antwort, „Sprich: ‚Was immer Gutes ihr von eurem Vermögen ausgebt‘“, weist zunächst darauf hin, dass alles, was als Wohltätigkeit gegeben wird, gut ist für den Spender, für den Empfänger und für die Gemeinschaft als Ganze. Es ist an sich gut und wird aus guten Gründen getan. Außerdem wird impliziert, dass Menschen von dem Besten geben sollten, was sie haben, und es mit anderen teilen sollten. Neben dem Nutzen für die Bedürftigen würde dies das Herz und die Seele des Spenders reinigen und Wohltätigkeit und Uneigennützigkeit wahre Bedeutung verleihen.
At this point we are told that some Muslims asked “what they should spend [in charily].” (Verse 215) The question is about the type of money Muslims may give in charity. The reply speaks of the nature of charitable spending and defines the most important beneficiaries. The phraseology of the answer, “Say, ‘Anything good you spend of your wealth,’“ indicates, first of all, that whatever is given in charity is good for the donor, the recipient and the community as a whole. It is good in itself and it is done for good reasons. It also implies that people should give from the best of what they have and share it with others. As well as benefitting the needy, this would purify the donor’s heart and soul and give charity and altruism real meaning.
Allerdings ist das Geben des Besten dessen, was man besitzt, keine Bedingung der Großzügigkeit, denn der Qur'an mahnt an anderer Stelle, dass die Menschen weder das Beste noch das Schlechteste, sondern das Mittlere von dem geben sollen, was sie besitzen. Im Stil, der ihm eigen und unnachahmlich ist, bemüht sich der Qur'an in der vorliegenden Stelle, die Menschen dazu zu bewegen, sich zu einer höheren Stufe der Vortrefflichkeit und Freigebigkeit zu erheben, indem sie das geben, was ihrem Herzen näher und teurer ist.
However, giving from the best of what one has is not a condition of generosity, as the Qur’ān urges elsewhere that people should give from neither the best nor the worst, but from the average, of what they have. In its inimitable style, the Qur’ān in the present passage is aiming to persuade people to rise to a higher level of excellence and generosity by giving what is closer and dearer to their hearts.
Was die Frage betrifft, an wen Wohltätigkeit gerichtet werden sollte, erklärt der Vers: „den Eltern und den nahen Verwandten, den Waisen und den Bedürftigen und dem Reisenden in Not“. Der Vers nennt eine Reihe von Personengruppen, die durch Bande der Familie, der Verwandtschaft und des Mitgefühls miteinander verbunden sind, und bildet ein festes Gerüst menschlicher sozialer Fürsorge, das durch den religiösen Glauben genährt und gefördert wird.
As to whom charity should be directed, the verse explains: “to parents and the near of kin, to orphans and the needy, and to travellers in need” The verse gives a list of categories of people brought together through ties of family, kinship, compassion, and an integral strong framework of human social welfare, nurtured and promoted by religious faith.
Diese Beziehung wurde durch den Propheten ﷺ weiter bestimmt, von dem überliefert ist, dass er sagte: „Beginne damit, dir selbst Gutes zu tun. Wenn dir etwas übrig bleibt, dann deiner unmittelbaren Familie. Wenn dir nach der Fürsorge für deine Familie noch etwas übrig bleibt, dann gib deinen Verwandten. Wenn du noch mehr hast, dann allen anderen.“ [Überliefert von Muslim] Dieses Beispiel zeigt den islamischen, äußerst wirksamen und gesunden Menschenverstand im Umgang mit der Anleitung des Menschen. Er geht von den natürlichen Anlagen und Neigungen des Menschen aus und führt ihn allmählich und behutsam nach oben, dorthin, wo er ihn haben möchte. Während er seine menschliche Lage verbessert und voranschreitet, findet er sich weder überfordert noch gewaltsam gezwungen, seine Pflichten zu erfüllen, noch wird er feststellen, dass seine natürlichen Bedürfnisse und Talente unterdrückt oder vereitelt werden. Während seine Augen und Bestrebungen so hoch wie möglich gerichtet sind und sein Herz und seine Seele sich Gott dem Allmächtigen zuwenden, stehen die Füße des Menschen fest auf dem Boden.
This relationship was further defined by the Prophet who was reported to have said: “Start by being charitable to yourself. If you have something left, then to your immediate family. When you have something left after having looked after your family, then give to your relatives. If you have more, then to all others.” [Related by Muslim] This example reveals the Islamic highly effective and common sense approach in guiding human individuals. It begins from man’s natural aptitudes and inclinations and takes him gradually and gently upwards to where it wants him to be. As he progresses and improves his human condition, he would not find himself over- strained or being forcibly dragged to fulfil his duties, or find that his natural needs and talents are being suppressed or thwarted. While his eyes and aspirations are cast as high as possible, and his heart and soul reach out towards God Almighty, man’s feet would be set firmly on the ground.
Gott weiß, dass der Mensch dazu neigt, selbstsüchtig zu sein, und deshalb weist Er ihn an, zuerst für seine eigenen Bedürfnisse zu sorgen, bevor er an die anderer denkt. Gott erlaubt dem Menschen, die guten Dinge des Lebens in Maßen zu genießen, und erst wenn der Mensch für sich selbst angemessen gesorgt hat, weist Gott ihn an, gegenüber anderen wohltätig zu sein. Der Prophet Muhammad ﷺ wird mit den Worten zitiert: „Die edelste Wohltätigkeit ist die, die gegeben wird, nachdem die eigenen Bedürfnisse erfüllt sind; die obere (gebende) Hand ist besser als die untere (empfangende) Hand. Beginne bei denen, für die du sorgen musst.“ [Überliefert von Muslim] Jābir ibn `Abdullāh, ein Gefährte des Propheten ﷺ, berichtet: „Ein Mann bot dem Propheten ﷺ einmal einen Goldklumpen von der Größe eines Eies an und sagte, er gebe ihn als Almosen, und es sei alles, was er besitze. Doch der Prophet ﷺ wandte sich von ihm ab. Der Mann kam erneut zum Propheten ﷺ, von rechts, dann von links, dann von hinten, und sagte dasselbe. Jedes Mal wandte sich der Prophet ﷺ von ihm ab.
God knows that human beings tend to be selfish, and so He directs them to see to their own needs before those of others. God allows man to enjoy the good things of life, in moderation, and only when man has looked properly after himself does God direct him to be charitable towards others. The Prophet Muĥammad is quoted as saying: “The most noble charity is that made once one’s own needs are fulfilled; the upper (giving) hand is better than the lower (receiving) hand. Start with your dependants.” [Related by Muslim] Jābir ibn `Abdullāh, a Companion of the Prophet, reports: “A man once offered a lump of gold, the size of an egg, to the Prophet saying that he is giving it for charity and that it was all he had, but the Prophet turned away from him. The man came to the Prophet again from the right, then from the left, then from the back, saying the same thing. Every time the Prophet turned away from him.
Schließlich nahm der Prophet ﷺ den Goldklumpen und warf ihn nach ihm. Hätte er ihn getroffen, hätte er ihn verletzt. Dann sagte der Prophet ﷺ: „Ein Mensch käme mit allem, was er besitzt, und sagte, er wolle es als Almosen weggeben. Dann geht er hin, um andere um Almosen zu bitten. Das beste Almosen ist jenes, das gegeben wird, wenn die eigenen Bedürfnisse gestillt sind.“ [Überliefert von Abū Dāwūd]
Gott weiß auch, dass Menschen ihre engste Familie und Verwandten bevorzugen, ihre Eltern und Kinder. Deshalb ruft Er sie dazu auf, diesen Verwandten bereitwillig zu geben, und befriedigt damit eine natürliche menschliche Neigung, die sowohl berechtigt als auch vernünftig ist, und nützt zugleich einem Teil der Gemeinschaft. Denn wenn diesen Verwandten nicht geholfen wird, blieben sie weiterhin eine Last für den Rest der Gesellschaft, und es ist weit würdevoller für sie, von Angehörigen ihrer eigenen Familie versorgt zu werden. Dies wird die Menschen zwangsläufig einander näherbringen und Liebe und Eintracht innerhalb der engeren und weiteren Familien verbreiten, dem lebenswichtigen Kern der größeren menschlichen Gesellschaft.
At last the Prophet took the lump of gold and threw it at him. Had it hit him, he would have been hurt. The Prophet then said, ‘A person would come with all he possesses and say he wants to give it away to charity. He then goes to beg from others. The best charity is that made when one’s own needs have been fulfilled.” [Related by Abū Dāwūd] God also knows that human beings favour their immediate family and relatives, their parents and children, and so He urges them to give willingly to these relatives, thereby satisfying a natural human tendency, which is both legitimate and sensible, while benefitting a section of the community. For, unless these relatives are helped they would continue to be a burden on the rest of society, and it is far more dignified for them to be cared for by members of their own family. This is bound to bring people closer together and spread love and harmony within immediate and extended families, the vital nucleus of the larger human society.
Darüber hinaus ist der Mensch verpflichtet, gegenüber einer ganzen Reihe anderer Gruppen von Menschen Großzügigkeit zu zeigen, etwa gegenüber jungen Waisen und jenen Mitgliedern der Gesellschaft, die hilflos sind, aber zu zartfühlend, um um Hilfe zu bitten. Eine weitere Gruppe sind die gestrandeten Reisenden oder Einwanderer, von denen manche wohlhabend sein mögen, aber aus Gründen, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen, keinen Zugang zu ihrem Geld haben. Die erste muslimische Gemeinschaft in Madinah umfasste einen beträchtlichen Teil solcher Menschen, von denen die meisten Auswanderer aus Makkah waren, die all ihre Habe zurückgelassen hatten.
Beyond that, man is required to show generosity towards a whole range of other human groups such as young orphans and those members of society who are helpless but are too sensitive to ask for help. Another group are those stranded travellers or immigrants, some of whom may be well-off but for reasons beyond their control are unable to have access to their money. The first Muslim community in Madinah had a sizeable section of such people, most of whom were migrants from Makkah who had left all their belongings behind.
Alle diese sind Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft, und der Islam ruft die Wohlhabenden dazu auf, ihnen gegenüber wohltätig zu handeln. Er fördert die natürliche Güte und das Wohlwollen der Menschen, um die Herzen und Seelen der Spender zu reinigen, die großzügig und aus freiem Willen geben, und um das Wohlergehen der Bedürftigen sicherzustellen. Auf diese Weise wird ein größerer Zusammenhalt und eine stärkere Solidarität innerhalb der Gemeinschaft erreicht, und zwar auf reibungslose, gerechte und ausgewogene Weise.
All these are members of the Muslim community and Islam urges the well-off to act charitably towards them. It encourages people’s natural kindness and good-will to purify the hearts and souls of the donors, who give generously and willingly, and to ensure the welfare of those in need, thereby achieving greater cohesion and solidarity among the community in a smooth, fair and equitable manner.
Der Vers verbindet diese lobenswerte Wohltätigkeit weiterhin mit Gott, dem Allmächtigen, und sagt:
The verse goes on to link such commendable charity with God Almighty, saying:
„Gott weiß wohl um das Gute, das ihr tut.“ (Vers 215) Gott kennt sowohl die Tat als auch die Absicht, die hinter ihr steht. Daher wird sie nicht verloren gehen. Er hat sie zur Kenntnis genommen, und da Er gerecht ist, wird Er dafür eine angemessene Belohnung geben.
“God is well aware of whatever good you do.” (Verse 215) God is aware of the deed as well as of the intention behind it. Thus, it will not go to waste. He has taken note of it and, being just, He will give a suitable reward for it.
Dieser erzieherische Ansatz lenkt das Herz und die Seele des Menschen mit Leichtigkeit und Bedacht hin zu Gott, dem Allmächtigen. Er holt den Menschen dort ab, wo er steht, und führt ihn zu weit größeren Horizonten von Zivilisiertheit und Menschlichkeit, die er ohne die Führung und Gnade Gottes niemals erreichen würde.
This educational approach directs man’s heart and soul towards God Almighty with ease and deliberation. It picks man up from wherever he is and takes him to far wider horizons of civility and humanity which he would never reach without God’s guidance and grace.