Al-Maidah (Der erste Mord) 27 – 40
Al -Maidah ( The First Murder ) 27 - 40
Trag ihnen in aller Wahrheit die Geschichte der beiden Söhne Adams vor: Wie jeder von ihnen ein Opfer darbrachte und es von dem einen angenommen wurde, während es vom anderen nicht angenommen wurde. Dieser sagte: „Ich werde dich gewiss töten.“ Jener erwiderte: „Gott nimmt nur von denen an, die gottesfürchtig sind.“ (27)
Relate to them in all truth the story of the two sons of Adam: how each offered a sacrifice, and it was accepted from one of them while it was not accepted from the other. [The latter] said: “I will surely kill you.” [The other] replied: “God accepts only from those who are God-fearing. (27)
Auch wenn du deine Hand gegen mich ausstreckst, um mich zu töten, werde ich meine Hand nicht gegen dich ausstrecken, um dich zu töten; denn ich fürchte Gott, den Herrn der Welten. (28)
Even if you lay your hand on me to kill me, I shall not lay my hand on you to kill you; for I fear God, the Lord of all the worlds. (28)
„Ich wünschte, du würdest deine Sünde gegen mich zu deinen anderen Sünden hinzufügen, und so wärst du dem Feuer bestimmt; denn das ist die gerechte Vergeltung für Übeltäter.“ (29)
I would rather you should add your sin against me to your other sins, and thus you will be destined for the Fire; since that is the just retribution of wrongdoers.” (29)
Seine böse Seele verleitete ihn dazu, seinen Bruder zu töten; und so tötete er ihn, und er wurde einer der Verlorenen. (30)
His evil soul drove him to kill his brother; and he murdered him, and thus he became one of the lost. (30)
Da sandte Gott einen Raben aus, der in der Erde scharrte, um ihm zu zeigen, wie er die Blöße des Leibes seines Bruders bedecken könne. Er rief aus: „Weh mir! Bin ich denn zu schwach, um das zu tun, was dieser Rabe getan hat, und die Blöße des Leibes meines Bruders zu bedecken?“ Daraufhin wurde er von Reue überwältigt. (31)
God then sent forth a raven which scratched the earth, to show him how he might conceal the nakedness of his brother’s body. He cried out: “Woe to me! Am I then too weak to do what this raven has done, and to conceal the nakedness of my brother’s body?” He was then overwhelmed by remorse. (31)
Deshalb haben Wir den Kindern Israels vorgeschrieben: Wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil auf der Erde gestiftet hat, der ist so, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und wer einen Menschen am Leben erhält, der ist so, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten. Unsere Gesandten kamen zu ihnen mit klaren Beweisen, doch danach begehen viele von ihnen weiterhin allerlei Ausschreitungen auf der Erde.
Because of this did We ordain to the Children of Israel that if anyone slays a human being, for anything other than in punishment of murder or for spreading corruption on earth, it shall be as though he had slain all mankind; and that if anyone saves a human life, it shall be as though he had saved all mankind. Our messengers brought them clear evidence of the truth, but despite all this, many of them continue to commit all manner of excesses on earth.
(32)
(32)
Dies ist nur eine gerechte Strafe für diejenigen, die gegen Gott und Seinen Gesandten Krieg führen und sich bemühen, Unheil auf Erden zu verbreiten: dass sie getötet oder gekreuzigt werden oder dass ihnen Hände und Füße auf wechselseitigen Seiten abgeschnitten werden oder dass sie aus dem Land verbannt werden. Eine solche Schmach erwartet sie in dieser Welt, und im Leben im Jenseits wartet auf sie eine noch schwerere Qual; (33)
It is but a just punishment of those who make war on God and His Messenger, and endeavour to spread corruption on earth, that they should be put to death, or be crucified, or have their hands and feet cut off on alternate sides or that they should be banished from the land. Such is their disgrace in this world, and more grievous suffering awaits them in the life to come; (33)
Ausgenommen sind jene, die bereut haben, bevor ihr Gewalt über sie erlangt. Wisst, dass Gott Allvergebend und Barmherzig ist. (34)
Except those who repent before you overpower them. For you must know that God is Much- Forgiving, Merciful. (34)
O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Gott und sucht nach dem Mittel, Ihm näherzukommen, und strebt eifrig auf Seinem Weg, damit ihr erfolgreich seid. (35)
Believers, fear God and seek the means to come closer to Him, and strive hard in His cause, so that you may be successful. (35)
Wenn diejenigen, die ungläubig sind, all das besäßen, was auf der Erde ist, und noch einmal so viel dazu, um es als Lösegeld von der Qual des Tages der Auferstehung anzubieten, so würde es von ihnen nicht angenommen. Ihnen wird eine schmerzhafte Qual zuteil.
If those who disbelieve had all that is on earth and as much besides to offer as ransom from the suffering of the Day of Resurrection, it would not be accepted from them. Theirs shall be a painful suffering.
(36)
(36)
Sie werden die Hölle verlassen wollen, doch sie werden nicht aus ihr herauskommen. Ihnen wird eine dauerhafte Pein zuteil sein. (37)
They will wish to come out of the Fire, but they shall not come out of it. Theirs shall be a long- lasting suffering. (37)
Was den Mann oder die Frau betrifft, die des Diebstahls schuldig sind: Schneidet ihnen die Hände ab als Vergeltung für das, was sie begangen haben, als abschreckende Strafe von Gott.
As for the man or the woman who is guilty of stealing, cut off their hands in requital for what they have wrought, as an exemplary punishment ordained by God.
Gott ist der Allmächtige, der Allweise. (38)
God is Almighty, Wise. (38)
Wer jedoch nach seinem Unrecht bereut und sich bessert, dessen Reue wird Gott annehmen. Gott ist Allvergebend, Barmherzig. (39)
But whoever repents after having thus done wrong, and makes amends, shall have his repentance accepted by God. God is Much- Forgiving, Merciful. (39)
Weißt du nicht, dass Gott die Herrschaft über die Himmel und die Erde gehört? Er bestraft, wen Er will, und vergibt, wem Er will. Gott hat Macht über alles.
Do you not know that to God belongs the kingdom of the heavens and the earth? He punishes whom He wills and forgives whom He wills. God has power over all things.
(40)
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Überblick
Overview
Dieser Abschnitt leitet einige grundlegende Gesetzgebungen über das menschliche Leben ein. Manche davon betreffen den Schutz des Lebens in einer muslimischen Gemeinschaft, die das göttliche Recht anwendet. Andere beziehen sich auf den Schutz des Systems vor jeder Rebellion, die die Autorität untergraben könnte, welche das göttliche Recht in einer solchen Gesellschaft ausübt.
This passage begins to outline some fundamental legislation concerning human life. Some of these are concerned with life protection in a Muslim community that applies Divine law. Others relate to the protection of the system against any rebellion that may seek to undermine the authority administering Divine law in such a society.
Alles in allem zielen diese Maßnahmen darauf ab, der muslimischen Gemeinschaft sowie dem Vermögen und dem Privateigentum einen angemessenen Schutz zu bieten, in einer gesellschaftlichen Ordnung, die auf göttlicher Leitung beruht und von göttlichem Recht regiert wird.
All in all, these measures aim to provide proper protection for the Muslim community, as well as wealth and private property in a social set-up based on Divine guidance and ruled by Divine law.
Die Gesetzgebung, die diese wichtigen Aspekte des gesellschaftlichen Lebens regelt, nimmt diesen ganzen Abschnitt ein, nach einer Einleitung, die die Geschichte der beiden Söhne Adams erzählt. Diese Geschichte enthüllt das Wesen des Verbrechens und seine Beweggründe, zeigt sein hässliches Gesicht und macht deutlich, dass man sich dem Verbrechen entgegenstellen und es vollständig aus dem Leben der islamischen Gesellschaft tilgen muss.
The legislation covering these important aspects of social life take up this whole passage, after an introduction relating the story of Adam’s two sons. This story exposes the nature of crime and its motives, and reveals its ugly face, showing the need to stand up to crime and to stamp it out of the life of Islamic society altogether.
Es betont die Notwendigkeit, den Straftäter zu bestrafen und den Beweggründen für Verbrechen entgegenzuwirken.
It stresses the need to punish the criminal and to counter the motives for crime.
Die Geschichte scheint eng mit den Rechtsbestimmungen und Gesetzen verknüpft zu sein, die in dieser Sure anschließend dargelegt werden. Ein nachdenklicher Leser wird unweigerlich den Eindruck gewinnen, dass die Geschichte an der richtigen Stelle steht, um eine wichtige Funktion zu erfüllen, und ein tiefgründiges Argument vorbringt, das bis in das Bewusstsein des Lesers vordringt. Sie bereitet damit Herzen und Verstand darauf vor, die strengen Strafen aufzunehmen, die der Islam für Verbrechen gegen das Leben, die öffentliche Ordnung und das Eigentum vorschreibt. Diese müssen in einer islamischen Gesellschaft, die das göttliche Gesetz umsetzt, vollstreckt werden.
Ein Mord wird begangen
A Murder Is Committed
Erzähle ihnen in aller Wahrheit die Geschichte von den beiden Söhnen Adams: wie jeder von beiden ein Opfer darbrachte, und es wurde von einem von ihnen angenommen, während es vom anderen nicht angenommen wurde. Der Letztere sagte: „Ich werde dich gewiss töten.“ Der Erste erwiderte: „Gott nimmt nur von denen an, die gottesfürchtig sind. Selbst wenn du deine Hand gegen mich erhebst, um mich zu töten, werde ich meine Hand nicht gegen dich erheben, um dich zu töten; denn ich fürchte Gott, den Herrn der Welten. Ich möchte lieber, dass du deine Sünde gegen mich zu deinen anderen Sünden hinzufügst, und so wirst du dem Feuer bestimmt sein; denn das ist die gerechte Vergeltung für die Frevler.“ Seine böse Seele trieb ihn dazu, seinen Bruder zu töten; und er ermordete ihn, und so wurde er einer der Verlorenen. Dann sandte Gott einen Raben, der die Erde scharrte, um ihm zu zeigen, wie er die Blöße seines Bruders verbergen könne. Er rief aus: „Wehe mir! Bin ich etwa zu schwach, das zu tun, was dieser Rabe getan hat, und die Blöße meines Bruders zu verbergen?“ Dann wurde er von Reue überwältigt. (Verse 27-31)
Relate to them in all truth the story of the two sons of Adam: how each offered a sacrifice, and it was accepted from one of them while it was not accepted from the other. [The latter] said: ‘I will surely kill you.” [The other] replied: “God accepts only from those who are God-fearing. Even if lay your hand on me to kill me, I shall not lay my hand on you to kill you; for I fear God, the Lord of all the worlds. I would rather you should add your sin against me to your other sins, and thus you will be destined for the Fire; since that is the just retribution of wrongdoers.” His evil soul drove him to kill his brother; and he murdered him, and thus he became one of the lost. God then sent forth a raven which scratched the earth, to show him how he might conceal the nakedness of his brother’s body. He cried out: “Woe to me! Am I then too weak to do what this raven has done, and to conceal the nakedness of my brother’s body?” He was then overwhelmed by remorse. (Verses 27-31)
Diese Geschichte liefert uns ein eindeutiges Beispiel für das Wesen des Bösen und für völlig ungerechtfertigte Aggression. Sie zeigt zugleich das Wesen der Güte und eine friedfertige Haltung gegenüber allen Menschen. Die beiden Beispiele stehen in klarem Gegensatz zueinander. Das Ergebnis ist ein schändliches Verbrechen, das uns die Notwendigkeit eines Rechtskodex bewusst macht, der gerechte Vergeltung verhängt und Angreifer schon vor der Begehung ihrer Verbrechen aufhält. Begehen sie dennoch Verbrechen, so ist ihnen eine Strafe gewiss, die ihren Taten angemessen ist. Der Rechtskodex wird so diejenigen schützen können, die gut sind, und ihr Recht auf Leben sichern. Genau solche Menschen sollen sich unter dem Schutz des Gesetzes sicher und geborgen fühlen, eines Gesetzes, das Verbrechen abschreckt und Gerechtigkeit verwaltet.
This story gives us a clear example of the nature of evil and totally unjustified aggression. It also gives us an example showing the nature of goodness and a peaceful attitude towards everyone. The two examples are set in clear contrast. The result is a sordid crime, which makes us feel the need for a legal code to impose just retribution and to stop aggressors even before they commit their crimes. If they, nevertheless, do commit crimes, they are certain to receive a punishment commensurate to their crimes. The legal code will thus be able to protect those who are good and ensure their right to live. It is indeed such people that should feel secure and safe under the protection of the law that deters crime and administers justice.
Eine Lehre, die ein Rabe erteilte
A Lesson Provided By A Raven
Nach all dieser Ermahnung und Überredung, in einer durchaus friedlichen und sanften Weise, setzte sich die böse Seele durch, und das Verbrechen wurde begangen. Seine böse Seele war in der Lage, jedes Hindernis zu überwinden, und machte ihn weniger widerstandsfähig gegenüber dem Gedanken, zu töten. So tötete er seinen eigenen Bruder, nur um sich selbst zu verdammen: „So wurde er einer der Verlorenen." (Vers 30) Er verlor alles, da er sich selbst ins Verderben stürzte, und er verlor seinen Bruder, der sein Freund und Rückhalt hätte sein sollen. Er verlor auch seine Welt, denn ein Mörder kann im Leben niemals glücklich sein. Gewiss verlor er auch sein zukünftiges Leben, da er seine neue Sünde zu seinen früheren hinzufügte.
After all this admonition and persuasion, in a perfectly peaceful and gentle approach, the evil soul prevailed and the crime was committed. His evil soul was able to override every hindrance and made him less resistant to the thought of killing. Thus, he killed his own brother, only to be doomed: “Thus he became one of the lost.” (Verse 30) He lost all as he brought himself into ruin, and lost his brother who should have been his friend and support. He also lost his world, since a murderer can never be happy in life. Most certainly, he lost his future life as he added his new sin to his earlier ones.
Die Abscheulichkeit seines Verbrechens wurde ihm in seiner greifbarsten Gestalt vor Augen geführt.
The ghastliness of his crime was made to appear to him in its most physical shape.
Der Leichnam seines Bruders begann zu verwesen, und seine Blöße wurde unerträglich.
The dead corpse of his brother started to rot and its nakedness became intolerable.
Mörder, der er war, musste er bald seine Ohnmacht erkennen, denn er wusste nicht, wie er die Blöße des Leichnams seines Bruders bedecken sollte. Er war schwächer als ein Rabe unter den Vögeln: „Da sandte Gott einen Raben aus, der in der Erde scharrte, um ihm zu zeigen, wie er die Blöße des Leichnams seines Bruders bedecken könne. Er rief: ‚Weh mir! Bin ich denn zu schwach, um das zu tun, was dieser Rabe getan hat, und die Blöße des Leichnams meines Bruders zu bedecken?‘ Da wurde er von Reue übermannt.“ (Vers 31)
Murderer as he was, he was soon made to realise his powerlessness, as he did not know how to conceal the nakedness of his brother’s corpse. He was weaker than a raven among birds: “God then sent forth a raven which scratched the earth, to show him how he might conceal the nakedness of his brother’s body. He cried out: ‘Woe to me! Am I then too weak to do what this raven has done, and to conceal the nakedness of my brother’s body?’ He was then overwhelmed by remorse.” (Verse 31)
Die Tötung der gesamten Menschheit
The Killing Of All Humanity
Die Sure nutzt dann die Tiefe der Erzählung dieser Geschichte, indem sie eine positive Reaktion auf die Gesetzgebung fördert, die zur Ahndung eines solchen Verbrechens erlassen wurde. Die Gesetzgebung erfüllt den doppelten Zweck, das Motiv für einen Mord zu schwächen und die gerechte Strafe für ein solches Verbrechen festzulegen, wann immer es geschieht: „Deswegen haben Wir den Kindern Israels vorgeschrieben: Wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hat oder Unheil auf der Erde verbreitet hat, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wer einen Menschen am Leben erhält, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten. Unsere Gesandten kamen zu ihnen mit klaren Beweisen, doch trotz alledem setzen viele von ihnen ihre Übertretungen auf der Erde fort.“ (Vers 32)
The sūrah then makes use of the profundity of relating this story by enhancing a positive response to the legislation enacted to deal with such a crime. The legislation achieves the dual purpose of weakening the motive to commit a murder and establishing the just punishment for such a crime whenever it takes place: “Because of this did We ordain to the Children of Israel that if anyone slays a human being, for anything other than in punishment of murder or for spreading corruption on earth, it shall be as though he had slain all mankind; and that if anyone saves a human life, it shall be as though he had saved all mankind. Our messengers brought them clear evidence of the truth, but despite all this, many of them continue to commit all manner of excesses on earth.” (Verse 32)
Diese Art von Menschen existiert, und es werden Übergriffe gegen friedliebende und gutmütige Menschen begangen, die weder Groll noch böse Gefühle gegenüber anderen hegen. Eine Ermahnung und eine Warnung mögen bei Menschen mit einer bösen Natur nichts bewirken.
This type of person exists and aggression is committed against peaceful and good- natured people who harbour neither grudges nor ill-feelings towards others. A reminder and a warning may achieve nothing with those who have an evil nature.
Die Annahme einer friedfertigen Haltung reicht möglicherweise nicht aus, um Aggression zu verhindern. Trotz allem gilt der abscheuliche Mord an einem einzelnen Menschen als so schweres und so niederträchtiges Verbrechen, dass er dem Verbrechen gleichgesetzt wird, die gesamte Menschheit zu töten. Andererseits gelten Bemühungen, Tötungen zu verhindern und das Leben eines einzelnen Menschen zu verschonen, als eine große Tat, die der Rettung der gesamten Menschheit gleichkommt. Das Gesetz, das den Kindern Israels gegeben wurde, enthielt dieses Prinzip, das das Leben jedes Menschen dem Leben aller gleichsetzt. Das Recht auf Leben gilt für alle. Daher ist die Tötung eines einzelnen Menschen eine Verletzung des Rechts auf Leben, in dem alle Menschen gleich stehen. Ebenso bedeutet es, Mord zu verhindern und das Leben eines einzelnen Menschen zu verschonen, sei es durch die Verteidigung des potenziellen Opfers oder durch die Verhängung der Todesstrafe gegen den Mörder, um den Mord an einem anderen zu verhindern, das grundlegende, für alle geltende Recht auf Leben zu wahren.
Die gerechte Strafe für Aufruhr
The Just Punishment For Rebellion
Die Sure legt die Strafe für das Verbrechen fest, das solche bösartigen Elemente begehen. Im islamischen Rechtskodex ist dies als die Strafe für den Krieg gegen den Islam bekannt: „Die Strafe für diejenigen, die gegen Gott und Seinen Gesandten Krieg führen und sich bemühen, Unheil auf der Erde zu stiften, ist nur, dass sie getötet oder gekreuzigt werden oder dass ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden oder dass sie aus dem Land verbannt werden. Das ist ihre Schmach in dieser Welt, und im Jenseits erwartet sie eine noch schwerere Strafe; ausgenommen sind jene, die bereut haben, bevor ihr sie überwältigt. Ihr müsst wissen, dass Gott Allvergebend, Barmherzig ist.“ (Verse 33-34)
The sūrah lays down the punishment for the crime that such wicked elements commit. This is known in the Islamic legal code as the punishment for waging war against Islam: “It is but a just punishment of those who make war on God and His Messenger, and endeavour to spread corruption on earth, that they should be put to death, or be crucified, or have their hands and feet cut off on alternate sides or that they should be banished from the land. Such is their disgrace in this world, and more grievous suffering awaits them in the life to come; except those who repent before you overpower them. For you must know that God is Much-Forgiving, Merciful.” (Verses 33-34)
Das Verbrechen, auf das sich diese gesetzgeberische Bestimmung bezieht, umfasst die Auflehnung gegen einen muslimischen Herrscher, der die Gesetze des Islam anwendet. Die Aufständischen versammeln sich in einer Gruppe, die die Autorität des Herrschers verwirft. Sie verbreiten Furcht unter der muslimischen Gemeinschaft, die im muslimischen Land lebt, und begehen Übergriffe gegen deren Leben und Eigentum. Einige Gelehrte machen zudem zur Bedingung, dass dies außerhalb der Gebiete geschieht, in denen die Autorität des Herrschers durchgesetzt wird. Andere sind der Ansicht, dass bereits die Tatsache, dass solche Aufständischen sich zu versammeln beginnen und mit Gewalt gegen die Menschen des islamischen Landes vorgehen, diese gesetzliche Bestimmung auf sie anwendbar macht, wo auch immer sie sich befinden.
The crime to which this legislative statement refers involves rebellion against a Muslim ruler who implements the laws of Islam. The rebels gather in a group renouncing the ruler’s authority. They cause fear among the Muslim community living in the Muslim land and they commit aggression against their lives and property. Some scholars also make it a condition that this should take place away from the areas where the ruler’s authority is enforced. Others suggest that the very fact that such rebels begin to gather and use force in aggression against the people of the land of Islam, makes this legal provision applicable to them wherever they are.
Das ist wahrscheinlich praktischer, denn der Islam verfolgt einen pragmatischen Ansatz.
Unterschiedliche Auffassungen zur Umsetzung
Differing Views On Implementation
Die Gelehrten sind sich sehr uneins darüber, ob ein muslimischer Herrscher eine dieser Strafen frei wählen darf oder ob jede Strafe in einem bestimmten Fall festgelegt ist. Nach den Rechtsschulen der Ḥanafiten, Schafiiten und Hanbaliten werden diese Strafen entsprechend dem begangenen Verbrechen verhängt. Ein Aufrührer, der tötet, ohne Eigentum zu nehmen, wird mit dem Tod bestraft, während ein anderer, der Eigentum genommen, aber nicht getötet hat, die Abtrennung seiner Glieder erleidet. Wer beide Verbrechen begangen hat, wird getötet und gekreuzigt. Ein Aufrührer, der zur Verbreitung von Furcht beiträgt, aber weder jemanden getötet noch Eigentum genommen hat, wird verbannt.
Scholars have widely different views on whether a Muslim ruler may choose any of these punishments or whether each punishment is implemented in a particular case. According to the Ĥanafī, Shāfi`ī and Ĥanbalī schools of Islam law, these punishments are ordered according to the crime committed. A rebel who kills without taking any property is put to death, while another who has taken property without killing has his limbs cut off. A person who has committed both crimes is put to death and crucified. A rebel who helps spread fear but has neither killed anyone nor taken any property, is banished.
Laut Imam Mālik muss ein Aufständischer, der getötet hat, getötet werden. Der muslimische Herrscher hat nicht die Wahl, die milderen Strafen des Abschneidens seiner Glieder oder der Verbannung zu verhängen. Seine einzige Wahl besteht darin, ihn entweder durch eine vom Staat gewählte Methode hinzurichten oder ihn zu kreuzigen. Hat er Muslimen Eigentum genommen, ohne jemanden zu töten, kann er nicht verbannt werden. Die Möglichkeiten des Herrschers sind dann, ihn zu töten, zu kreuzigen oder ihm die Glieder abzuschneiden. Hat er Furcht verbreitet, stehen dem Herrscher alle vier Möglichkeiten offen, und er kann nach eigenem Ermessen entscheiden. Ist der Täter einer der Anführer des Aufstands, dann reicht das Abschneiden der Glieder möglicherweise nicht als ausreichende Strafe aus. Er sollte entweder getötet oder gekreuzigt werden. Ist er jemand, der den Aufstand mit seiner körperlichen Kraft unterstützt, dann ist das Abschneiden der Glieder die angemessene Strafe. Gehört er zu keiner dieser Gruppen, so soll die mildere Strafe der Verbannung verhängt werden.
According to Imām Mālik, a rebel who has killed must be killed. The Muslim ruler does not have a choice to enforce the lesser punishments of cutting off his limbs or banishing him. The only choice he has is either to put him to death by a method chosen by the state or to crucify him. If he has taken the property of Muslims but without killing anyone, he cannot be banished. The choices open to the ruler are to kill or crucify him or to cut off his limbs. If he has helped to spread fear, the ruler has all four choices and he may use his discretion. If the culprit is one of the organisers of rebellion, then cutting off his limbs may not be an adequate enough punishment. He should be either killed or crucified. If he is one who helps the rebellion with his physical strength, then cutting off his limbs is the appropriate punishment. If he is of neither type, then the lesser punishment of sending him into exile should be implemented.
Die Taten des Menschen bestimmen seine Zukunft
Man’s Actions Determine His Future
Ein wichtiges Merkmal der göttlichen Methode, die menschliche Gesellschaft zu formen, besteht darin, dass sie sich nicht allein auf gesetzgeberisches Handeln stützt. Sie rüstet sich gewiss mit gesetzlichen Bestimmungen aus, um jene abzuschrecken, die nur die Macht des Gesetzes fürchten. Vor allem aber setzt sie auf erzieherisches Handeln, das die rauen Kanten im Charakter der Menschen glättet. Sie gibt dem menschlichen Geist Führung, während sie eine Gesellschaft errichtet, die das Wachsen der Keime des Guten fördert und dem schädlichen Unkraut keinen fruchtbaren Boden gibt. Die vorangehenden Verse sprachen von sehr strengen Strafen für schwere Verbrechen. Nachdem die Strafen jedoch dargelegt sind, um ihre abschreckende Wirkung sicherzustellen, wendet sich die Sure an das Gewissen und den Geist der Menschen und zielt darauf ab, den Glauben und das Bewusstsein für die eigenen Pflichten gegenüber Gott zu stärken. Sie ruft die Menschen dazu auf, rechte Wege zu suchen, um sich dem zu nähern, was Gott gefällt, und sich eifrig auf dem Weg Gottes zu bemühen, damit sie erfolgreich sein mögen.
An important feature of the Divine method of moulding human society is that it does not rely solely on legislative action. It certainly arms itself with legal provisions in order to deter those who only fear the force of the law. Indeed, it relies primarily on educative action which smoothes over the rough edges of people’s characters. It provides guidance to the human spirit as it establishes a society that helps the seeds of goodness to grow and gives harmful weeds no fertile soil. The previous verses spoke of very stern punishments for serious crimes. However, once the punishments are outlined, so as to ensure their deterrent effect, the sūrah addresses people’s consciences and spirits, aiming to strengthen faith and consciousness of one’s obligations towards God. It urges people to seek proper ways of moving nearer to what pleases God and to strive hard in His cause, so that they may be successful.
Dies geht einher mit einer Warnung vor dem Unglauben und einer anschaulichen Beschreibung dessen, was die Ungläubigen im Jenseits erwartet.
This is coupled with a warning against disbelief and a vivid description of what awaits disbelievers in the Hereafter.
Gläubige, fürchtet Gott und sucht die Mittel, um Ihm näherzukommen, und strebt eifrig in Seiner Sache, damit ihr erfolgreich seid. Wenn jene, die ungläubig sind, alles besäßen, was auf der Erde ist, und noch einmal so viel dazu, um es als Lösegeld von der Qual des Tages der Auferstehung zu geben, würde es von ihnen nicht angenommen. Ihnen wird eine schmerzhafte Qual zuteil. Sie werden wünschen, aus dem Feuer herauszukommen, doch sie werden nicht daraus herauskommen. Ihnen wird eine andauernde Qual zuteil. (Verse 35-37)
Believers, fear God and seek the means to come closer to Him, and strive hard in His cause, so that you may be successful. If those who disbelieve had all that is on earth and as much besides to offer as ransom from the suffering of the Day of Resurrection, it would not be accepted from them. Theirs shall be a painful suffering. They will wish to come out of the Fire, but they shall not come out of it. Theirs shall be a long-lasting suffering. (Verses 35-37)
Eine schwere Strafe für Diebstahl
A Severe Punishment For Theft
Darauf folgt eine Gesetzgebung, die die Strafe für Diebstahl festlegt: „Was den Dieb und die Diebin betrifft, so schneidet ihnen die Hände ab als Vergeltung für das, was sie begangen haben, als abschreckende Strafe, von Gott verordnet. Gott ist allmächtig und weise. Wer aber nach seinem Unrecht bereut und Wiedergutmachung leistet, dessen Reue wird Gott annehmen. Gott ist allvergebend und barmherzig. Weißt du nicht, dass Gott die Herrschaft über die Himmel und die Erde gehört? Er bestraft, wen Er will, und vergibt, wem Er will. Gott hat Macht über alle Dinge.“ (Verse 38-40)
This is followed by a legislation outlining the punishment for theft: “As for the man or the woman who is guilty of stealing, cut off their hands in requital for what they have wrought, as an exemplary punishment ordained by God. God is Almighty, Wise. But whoever repents after having thus done wrong, and makes amends, shall have his repentance accepted by God. God is Much-Forgiving, Merciful. Do you not know that to God belongs the kingdom of the heavens and the earth? He punishes whom He wills and forgives whom He wills. God has power over all things.” (Verses 38-40)
Die muslimische Gesellschaft sorgt für alle Bewohner des Landes des Islam, welcher Religion sie auch angehören mögen, in einem Maße, dass jeder Gedanke an Diebstahl einem gesunden Verstand fernliegt. Sie garantiert ein gutes Auskommen, eine angemessene Bildung und ein System gerechter Verteilung. Zugleich macht sie das Privateigentum nur von rechtmäßigen Mitteln abhängig und weist ihm eine nützliche gesellschaftliche Rolle zu. Warum also sollte ein guter Mensch überhaupt an Diebstahl denken? Da die muslimische Gesellschaft all dies bereitstellt, ist es nur recht und billig, dass sie für Diebstahl eine sehr strenge Strafe vorschreibt, denn er stellt einen Angriff auf das Privateigentum und die Sicherheit der Gemeinschaft dar. Dieser strenge Ansatz wird jedoch dadurch eingeschränkt, dass die Vollstreckung der Strafe ausgesetzt wird, wenn Zweifel an der Tat oder an dem Täter bestehen. Dem Beschuldigten werden alle Rechte eingeräumt, seine Unschuld zu beweisen, so dass niemand bestraft wird, es sei denn, seine Schuld ist zweifelsfrei erwiesen.
Muslim society provides for all inhabitants of the land of Islam, whatever faith they may have, enough to keep any thought of stealing far from any healthy mind. It guarantees good living, proper education and a system of fair distribution. At the same time, it makes private ownership the result of only legitimate means, and assigns to it a beneficial social role. Why, then, should any good person entertain any thought of stealing? When Muslim society has provided all this, it is only fair that it should prescribe a very stern punishment for theft, which represents an aggression on private ownership and the security of the community. This strong approach, however, is qualified by the fact that the enforcement of punishment is blocked when there is doubt as to the crime or its perpetrator. It provides all rights to the accused to prove his innocence so that no one is punished unless proven guilty beyond doubt.
Der Autor verfasste diesen Kommentar Anfang der 1960er Jahre. Fünfundzwanzig Piaster waren damals mindestens das Hundertfache ihres heutigen Wertes. Eine solche Schätzung ist daher als allgemeine Vorstellung zu verstehen und nicht als genauer Preis gemeint. Sie zeigt uns, dass es für Diebstahl eine Untergrenze gibt, unterhalb derer die Strafe nicht vollstreckt wird. —Anmerkung des Übersetzers.
4 The author wrote this commentary in the early 1960s. Twenty-five piastres then were worth at least 100 times their value at present. Such an estimate should, therefore, be taken as giving a general idea and is not meant to be an exact price. It tells us that there is a minimum limit for theft, below which the punishment is not enforced —Translator's note.
Eine Strafe, die zum Verbrechen passt
A Punishment To Fit The Crime
Nachdem wir die Gründe dafür dargelegt haben, warum im Land, in dem das islamische Recht angewendet wird, eine so strenge Strafe für Diebstahl verhängt wird – bei gleichzeitiger Gewährleistung aller Garantien für Gerechtigkeit und gerechte Verteilung sowie der Mittel zum Schutz aller –, müssen wir ein Wort darüber sagen, inwieweit diese Strafe dem Verbrechen des Diebstahls in einer muslimischen Gemeinschaft angemessen ist.
Having explained the reasons for imposing such a stern punishment for theft in the land where Islamic law is implemented, providing all guarantees of justice and fair distribution as well as the means of protection for all, we need to say a word about the suitability of this punishment to the crime of theft in a Muslim community.
Wenn jemand an Diebstahl denkt, denkt er in Wahrheit daran, seinen Besitz auf Kosten eines anderen zu vergrößern. Er empfindet das, was er auf rechtmäßigem Wege verdient, als zu wenig für sich und möchte deshalb auf unrechtmäßige Weise etwas hinzugewinnen. Die Früchte seiner eigenen Arbeit stillen seine Gier nicht, und er möchte wohlhabend erscheinen oder sich in eine Lage bringen, in der er nicht mehr arbeiten muss oder in der ihm ein komfortables Leben in der Zukunft gesichert ist. Kurz gesagt: Das Motiv für Diebstahl ist die Steigerung des eigenen Einkommens oder Vermögens. Der Islam begegnet diesem Motiv, indem er die Strafe des Abschneidens der Hand oder des Fußes des Diebes vorschreibt, denn eine solche Strafe mindert die Fähigkeit des Diebes zu arbeiten erheblich und verringert sein Einkommen und sein Vermögen. Wird ein Dieb nach islamischem Recht bestraft, so wird seine Möglichkeit, sich zur Schau zu stellen, stark eingeschränkt, und seine Notwendigkeit, hart zu arbeiten, wird weitaus größer. Außerdem wächst seine Sorge um seine Zukunft unermesslich.
When someone thinks of stealing, he actually thinks of increasing what he owns at the expense of someone else. He feels that what he earns legitimately is too little for him and, therefore, he wishes to add to it in an illegitimate way. The fruits of his own labour do not satisfy his greed and he wants to appear to be wealthy or to get himself in a position where he does not need to work or where he is assured of a comfortable life in future. In short, the motive for stealing is to increase one’s income or one’s wealth. Islam counters this motive by prescribing the punishment of cutting off the thief’s hand or leg, since such a punishment will markedly decrease the thief’s ability to work and reduce his income and wealth. When a thief is punished according to Islam, his ability to show off is greatly curtailed and his need to work hard is much greater. Moreover, his worry about his future is infinitely greater.
Wir sehen also: Indem das islamische Recht die Strafe des Abschneidens der Hand für einen Dieb vorschreibt, begegnet es den psychologischen Beweggründen des Diebstahls mit noch stärkeren psychologischen Faktoren, die der Versuchung zu stehlen widerstehen. Sollte eine Person dennoch der Versuchung nachgeben und sich des Diebstahls schuldig machen, werden die Härte der Strafe nachhaltige Wirkungen auf sie haben, die sie auch davon abhalten werden, die Tat zu wiederholen.
5 `Abd al-Qādir `Awdah, al-Tashrī` al-Jinā'ī al-Islāmī, Bd. I., S. 652-4 (Arabisch).
5 `Abd al-Qādir `Awdah, al-Tashrī`al Jinā’ī al-Islāmī, Vol. I., pp. 652-4 (Arabic).