Yusuf (Vom Gefängnis zum Palast) 35-57
Yusuf (From Prison To Palace) 35-57
Doch trotz all der Beweise, die sie gesehen hatten, hielten sie es für richtig, ihn für eine Zeit ins Gefängnis zu werfen.
Yet for all the evidence they had seen, they felt it right to put him in jail for a time.
(35)
(35)
Zwei junge Männer kamen mit ihm ins Gefängnis.
Two young men went to prison with him.
Einer von ihnen sagte: „Ich sah mich im Traum, wie ich Wein auspresste.“ Der andere sagte:
One of them said: ‘I saw myself [in a dream] pressing wine.’ The other said:
„Und ich sah mich selbst [im Traum], wie ich Brot auf meinem Kopf trug, und Vögel fraßen davon.“ „Deute uns die Bedeutung dieser Träume, denn wir sehen, dass du ein Mann der Tugend bist.“ (36)
And I saw myself [in a dream] carrying bread on my head, and birds were eating of it.’ ‘Tell us the meaning of these dreams, for we can see that you are a man of virtue.’ (36)
„Joseph" antwortete: „Bevor euch die Speise, die euch zugeteilt wird, erreicht, werde ich euch ihre wahre Deutung schon mitteilen. Das gehört zu dem Wissen, das mein Herr mir gegeben hat. Ich habe den Glauben der Menschen verlassen, die nicht an Gott glauben und die Wahrheit des Jenseits leugnen. (37)
[Joseph] answered: ‘Your food which is provided for you will not have come to you before I have informed you of the real meaning of [your dreams]. That is part of the knowledge which my Lord has imparted to me. I have left the faith of people who do not believe in God, and who deny the truth of the life to come. (37)
Ich folge dem Glauben meiner Vorväter Abraham, Isaak und Jakob. Es steht uns nicht zu, Gott irgendwelche Teilhaber beizuordnen. Dies ist ein Teil der Gnade Gottes, die Er uns und allen Menschen erwiesen hat, doch die meisten Menschen danken nicht. (38)
I follow the faith of my forefathers, Abraham, Isaac and Jacob. It is not for us to associate any partners with God. This is part of God’s grace which He has bestowed on us and on all mankind, but most people do not give thanks. (38)
Meine beiden Gefährten im Gefängnis! Ist es besser, an verschiedene Herren zu glauben, oder an Gott, den Einen, der über alles herrscht, was existiert? (39)
My two prison companions! Which is better: [to believe] in diverse lords, or to believe in God, the One who holds sway over all that exists? (39)
Diejenigen, die ihr statt Ihm anbetet, sind nichts als Namen, die ihr und eure Väter erfunden habt, und für die Gott keine Vollmacht von oben herab gegeben hat. Das Urteil liegt allein bei Gott. Er hat geboten, dass ihr niemanden außer Ihm anbetet. Das ist der wahre Glaube, doch die meisten Menschen wissen es nicht. (40)
Those you worship instead of Him are nothing but names you and your fathers have invented, and for which God has given no sanction from on high. All judgement rests with God alone. He has ordained that you should worship none but Him. This is the true faith, but most people do not know it. (40)
„Meine beiden Gefährten im Gefängnis! Der eine von euch wird seinem Herrn Wein zu trinken geben. Der andere wird gekreuzigt werden, und die Vögel werden von seinem Kopf fressen. Die Angelegenheit, über die ihr Aufklärung gesucht habt, ist somit entschieden.‘ (41)"
My two prison companions! One of you will give his lord wine to drink. The other will be crucified, and the birds will eat from his head. The matter on which you have sought to be enlightened has thus been decided.’ (41)
Und er sprach zu dem, von dem er glaubte, dass er freigelassen würde: „Erwähne mich bei deinem Herrn.“ Doch der Satan ließ ihn vergessen, seinem Herrn von Joseph zu berichten, und so blieb er mehrere Jahre im Gefängnis. (42)
And [Joseph] said to the one whom he believed would be released: ‘Remember me in the presence of your lord.’ But Satan caused him to forget to mention Joseph to his lord, and so he remained in prison for several years. (42)
Der König sprach: „Ich sah [im Traum] sieben fette Kühe, die von sieben mageren verschlungen wurden, und sieben grüne Ähren Weizen neben sieben anderen, dürren und verdorrten. Deutet mir meinen Traum, ihr Edlen, wenn ihr Träume zu deuten vermögt.“ (43)
And the King said: ‘I saw [in a dream] seven fat cows being devoured by seven emaciated ones, and seven green ears of wheat next to seven others dry and withered. Tell me the meaning of my vision, my nobles, if you are able to interpret dreams.’ (43)
Sie antworteten: „Das sind nur wirre Traumbilder, und wir kennen uns mit der Deutung von Träumen nicht aus.“ (44)
They replied: ‘This is but a medley of dreams, and we have no deep knowledge of the real meaning of dreams.’ (44)
Zu jener Zeit erinnerte sich der Mann, der aus dem Gefängnis entlassen worden war, plötzlich nach so langer Zeit an [Josef] und sagte: „Ich werde euch die wahre Deutung dieses Traumes mitteilen, also lasst mich gehen.“ {(45)}
At that point, the man who had been released from prison suddenly remembered [Joseph] after all that time and said: ‘I will tell you the real meaning of this dream, so give me leave to go.’ (45)
„Joseph, du wahrhaftiger Mann, lege uns aus, [was es mit] sieben fetten Kühen [auf sich hat], die von sieben mageren verschlungen werden, und sieben grünen Ähren [Getreide] neben sieben anderen, dürren und verdorrten, damit ich zu den Leuten [des Hofes] zurückkehren kann und sie es erfahren mögen.“ (46)
‘Joseph, man of truth, tell us of the seven fat cows being devoured by seven emaciated ones, and seven green ears of wheat next to seven others dry and withered, so that I may return to the people [of the court], and that they would come to know.’ (46)
Er antwortete: „Ihr sollt sieben aufeinanderfolgende Jahre säen, aber das Getreide, das ihr erntet, in seiner Ähre lassen, außer dem wenigen, das ihr essen dürft. (47)
He replied: ‘You shall sow for seven consecutive years, but let the grain you harvest remain in its ear, except for the little which you may eat. (47)
Danach werden sieben harte Jahre kommen, die all das aufzehren werden, was ihr für sie aufbewahrt habt, außer einem kleinen Teil dessen, was ihr zurückgelegt habt. (48)
Then after that there will come seven hard years which will devour all that you have laid up for them, except a little of what you have kept in store. (48)
Danach wird ein Jahr kommen, in dem reichlich Regen fällt, und in dem die Menschen [Öl und Wein] keltern können. (49)
Then after that there will come a year of abundant rain, in which the people will be able to press [oil and wine]. (49)
Der König sagte: „Bringt diesen Mann zu mir.“ Doch als der Gesandte des Königs zu ihm kam, sagte Joseph: „Kehre zu deinem Herrn zurück und frage ihn nach den Frauen, die sich die Hände schnitten.
The King said: ‘Bring this man before me.’ But when the [King’s] envoy came to him, Joseph said: ‘Go back to your lord and ask him about the women who cut their hands.
„Mein Herr hat volle Kenntnis von ihrer List.“ (50)
My Lord has full knowledge of their guile.’ (50)
Der König fragte [die Frauen]: „Was war mit euch los, als ihr versuchtet, Josef zu verführen?“ Die Frauen sagten: „Gott behüte uns! Wir haben nicht das Geringste an Bösem an ihm bemerkt.“ Die Frau des Ministerpräsidenten sagte: „Jetzt ist die Wahrheit ans Licht gekommen. Ich war es, die versuchte, ihn zu verführen. Er hat tatsächlich die Wahrheit gesagt.“ {(51)}
The King asked [the women]: ‘What was the matter with you when you tried to seduce Joseph?’ The women said: ‘God save us! We did not perceive the least evil on his part.’ The Chief Minister’s wife said: Now has the truth come to light. It was I who tried to seduce him. He has indeed told the truth. (51)
Daran wird er erkennen, dass ich ihn nicht hinter seinem Rücken verraten habe, und dass Gott die List derer nicht zum Gelingen führt, die Verrat an dem ihnen anvertrauten Vertrauen üben.
From this he will know that I did not betray him behind his back, and that God does not bless with His guidance the schemes of those who betray their trust.
(52)
(52)
Und doch will ich nicht behaupten, frei von Sünde zu sein. Gewiss, die menschliche Seele gebietet ständig zum Bösen, außer denen, deren Herr Sich erbarmt hat. Mein Herr ist Allvergebend, Barmherzig.' (53)
And yet, I am not trying to claim to be free of sin. Indeed man’s soul does incite him to evil, except for those upon whom God has bestowed His mercy. My Lord is Much- Forgiving, Merciful.’ (53)
Und der König sprach: „Bringt ihn vor mich.
And the King said: ‘Bring him before me.
„Ich werde ihn für mich selbst auswählen.“ Und als er zu ihm gesprochen hatte, sagte der König: „Von nun an sollst du bei uns in hoher Stellung sein und mit allem Vertrauen ausgestattet werden.“ (54)
I will choose him for my own.’ And when he had spoken to him, the King said: ‘You shall henceforth be in a position of high standing with us, invested with all trust.’ (54)
Joseph antwortete: „Setze mich über die Schatzkammern des Landes. Ich bin gewiss, sie mit Weisheit zu verwalten.“ (55)
Joseph replied: ‘Give me charge of the store- houses of the land. I am able to look after them with wisdom.’ (55)
So machten Wir Josef im Land fest, damit er dort frei handeln konnte, wie er wollte. Wir gewähren Unsere Barmherzigkeit, wem Wir wollen, und Wir lassen den Lohn derer, die Gutes tun, niemals verloren gehen.
Thus did We establish Joseph in the land, free to do what he willed. We bestow Our mercy on whom We will, and We never fail to give their reward to those who do good.
(56)
(56)
Doch für jene, die glauben und gottesfürchtig sind, ist der Lohn im Jenseits weit besser. (57)
But as for those who believe in God and keep away from evil, the reward of the life to come is much better indeed. (57)
Überblick
Overview
Diese dritte Episode der Geschichte Josefs bringt eine weitere Prüfung mit sich, die er ertragen muss. Es ist die dritte und letzte Prüfung der Not in seinem Leben. Was danach folgt, ist Glück, das jedoch ebenfalls eine Prüfung seiner Standhaftigkeit darstellt. Die gegenwärtige Prüfung besteht darin, dass er ins Gefängnis geworfen wird, nachdem seine Unschuld festgestellt wurde. Wenn ein Unschuldiger ins Gefängnis gesperrt wird, fällt ihm dies besonders schwer, obwohl er sich damit trösten kann, dass er kein Verbrechen begangen hat.
This third episode of Joseph’s story witnesses yet another trial he has to endure. It is the third and final test of hardship in his life. What comes after this is good fortune which also constitutes a test of his perseverance. The present trial sees him thrown in jail after his innocence has been established. When an innocent person is put in prison, he finds it especially difficult, although he can console himself that he has committed no crime.
Während des Prozesses gegen Joseph zeigt sich ein Aspekt der Gnade, die Gott ihm erweist, indem Er ihm Wissen gibt, mit dem er Träume und Visionen deuten kann, und ihm die Fähigkeit verleiht, kommende Ereignisse aus Hinweisen zu erklären, die er wahrnimmt.
During Joseph’s trial we see an aspect of the grace God bestows on him as He gives him knowledge which enables him to interpret dreams and visions, and gives him the ability to explain forthcoming events on the basis of indications he may see.
Dann wird Gottes Gnade ihm weiter zuteil, indem er in Gegenwart des Königs für unschuldig erklärt wird. Auch seine Fähigkeiten werden anerkannt, wodurch ihm die Möglichkeit gegeben wird, eine hohe Stellung einzunehmen, verbunden mit dem Vertrauen des Königs und weitreichenden Befugnissen.
Then God’s grace is further bestowed on him when he is declared innocent in the presence of the King. His abilities are also recognized, giving him the chance to assume high position, coupled with the King’s trust and wide powers.
Ein unschuldiger Mann kommt ins Gefängnis
An Innocent Man Goes To Prison
„Dennoch hielten sie es, obwohl sie all die Zeichen gesehen hatten, für richtig, ihn eine Zeit lang ins Gefängnis zu werfen.“ (Vers 35) So handelt man in Palästen. Es ist das typische Vorgehen der Aristokratie, despotischer Regime und gesellschaftlicher Verhältnisse, die einen Zustand der Unwissenheit oder Dschahiliyya widerspiegeln. Obwohl alle Zeichen auf Josephs Unschuld hindeuten, wird beschlossen, ihn ins Gefängnis zu werfen. Welch eine Travestie der Gerechtigkeit! Die Frau des Oberministers verhält sich ohne jegliches Schamgefühl: Sie veranstaltet eine Feier und lädt Frauen ihres Standes ein, um ihnen den jungen Mann Joseph zu zeigen. Danach erklärt sie öffentlich ihre Verliebtheit in ihn. Die anderen Frauen empfinden dasselbe und versuchen ebenfalls, ihn zu verführen. Josephs einziger Rückhalt angesichts solch verlockender Annäherungen besteht darin, sich seinem Herrn zum Schutz zuzuwenden. Seine Herrin erklärt vor den anderen Frauen ohne jede Scham, dass er tun müsse, was ihm gesagt werde, andernfalls werde er ins Gefängnis geworfen, wo er sicherlich gedemütigt werde. Er wählt das Gefängnis, und letztlich geschieht genau dies.
“Yet for all the evidence they had seen, they felt it right to put him in jail for a time.” (Verse 35) Such is the type of action taken in palaces. It is the action typical of the aristocracy, despotic regimes and social conditions reflecting a state of ignorance or jāhiliyyah. When all the signs point to Joseph’s innocence, the decision is taken to put him in prison. What a travesty of justice. The Chief Minister’s wife behaves with no sense of shame, throwing a party and inviting women of her class to show them the young man, Joseph. She then declares in public her infatuation with him. They experience the same feelings and so too try to tempt him. Joseph’s only recourse in the face of such tantalizing appeals is to turn to his Lord for protection. His mistress declares, shamelessly, before the other women that he will have to do as he is told or else be thrown in prison where he is sure to be humiliated. His choice is prison, and ultimately this is what occurs.
Trotz all dem wird die Entscheidung getroffen, ihn ins Gefängnis zu werfen. Höchstwahrscheinlich hat die Frau zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung aufgegeben, dass er auf ihre Versuche eingeht. Zudem muss es zum Gesprächsthema in der Öffentlichkeit geworden sein und nicht nur auf den Adel beschränkt geblieben sein. Es war daher notwendig, den Ruf der vornehmen Familien zu schützen. Da die Männer dieser Familien weder ihren eigenen Ruf noch den ihrer Frauen zu wahren vermochten, sind sie gewiss in der Lage, einen jungen Mann ins Gefängnis zu werfen, obwohl sie wissen, dass er kein anderes Vergehen begangen hat, als der Versuchung einer adligen Frau nicht nachzugeben. Schließlich ist es gerade sein Widerstand gegen die Versuchung, der sie zum Gesprächsthema aller Gesellschaftsschichten gemacht hat.
Despite all this, the decision is made to imprison him. Most probably by this time the woman has despaired of him responding to her attempts. Moreover, it must have become the subject of conversation among the public, and not confined to the aristocracy. It was, therefore, necessary to protect the reputation of high class families. Since the men in these families have been unable to safeguard their own reputation and that of their women, they are certainly able to throw a young man in prison, knowing that he has committed no offence other than not responding to the temptation of an aristocratic woman. After all, it is his resistance of temptation that made her the talk of all classes.
Eine Plattform zur Verbreitung des wahren Glaubens
A Platform To Advocate True Faith
„Zusammen mit ihm kamen zwei junge Männer ins Gefängnis.“ (Vers 36) Wir werden bald erfahren, dass sie zum persönlichen Gefolge des Königs gehörten.
“Two young men went to prison with him.” (Verse 36) We will presently know that they belonged to the King’s private staff.
Die Sure verweilt nicht bei dem, was Joseph im Gefängnis widerfuhr, und wie er als Mann von Rechtschaffenheit und Güte erkannt wurde und bald das Vertrauen aller um ihn her gewann. Unter ihnen waren gewiss auch nicht wenige, die das Unglück gehabt hatten, im Palast oder für Hofleute zu arbeiten, aber aus dem einen oder anderen Grund den Zorn ihrer Herren auf sich gezogen hatten und nun deshalb im Gefängnis saßen. All dies wird ausgelassen. Denn die Sure geht sogleich dazu über, eine Szene zu zeichnen, in der Joseph im Gefängnis zu zwei jungen Männern spricht, die ihn als einen Mann der Weisheit erkannt hatten. Sie erzählten ihm ihre Träume und baten ihn, sie zu deuten.
The sūrah does not dwell on what happened to Joseph in prison, and how he was recognized as a man of integrity and kindness, and that he soon won the trust of all those around him. There must also have been quite a few among them who had had the misfortune to work in the palace or for courtiers, yet had incurred the anger of their masters for one reason or another, and, as a result, were now in jail. All this is omitted. For the sūrah immediately moves on to portray a scene of Joseph, in prison, speaking to two young men who had found him to be a man of wisdom. They related their dreams to him, requesting that he interpret them.
Einer von ihnen sagte: „Ich sah mich [im Traum] Wein auspressen.“ Der andere sagte: „Und ich sah mich [im Traum] Brot auf meinem Kopf tragen, und Vögel fraßen davon.“ „Sag uns die Deutung dieser Träume, denn wir sehen, dass du ein Mann von Tugend bist.“ (Vers 36)
One of them said: I saw myself [in a dream] pressing wine.’ The other said: And I saw myself [in a dream] carrying bread on my head, and birds were eating of it.’ ‘Tell us the meaning of these dreams, for we can see that you are a man of virtue.’ (Verse 36)
Joseph nutzt die Gelegenheit, um mit den Gefangenen über seinen Glauben zu sprechen, der der wahre Glaube ist. Dass er im Gefängnis sitzt, befreit ihn nicht von seiner Pflicht, den wahren Glauben zu verkünden und jede Situation zu kritisieren, in der Herrschaft Menschen zugeschrieben wird. Denn die Unterwerfung unter solche Herrscher bedeutet, dass sie sich die Rechte der Herrschaft anmaßen und zu Pharaonen werden.
Joseph seizes the opportunity to speak to the prisoners about his faith, which is the true faith. The fact that he is in prison does not exempt him from his duty to preach the true faith and to criticize any situation that assigns lordship to human rulers. For submission to such rulers means that they usurp the rights of lordship and become pharaohs.
Ein Vergleich der Glaubensvorstellungen
A Comparison Of Beliefs
Josephs Vorgehen ist subtil: Er führt sie behutsam Schritt für Schritt, bevor er tief in ihre Herzen vordringt, um seinen Glauben klar und vollständig offenzulegen. Dabei verbindet er dies mit der Erklärung, dass das Elend, das sie im Leben erleiden, auf die falschen Vorstellungen zurückzuführen ist, die sie und ihr Volk im Allgemeinen vertreten. „Meine beiden Gefährten im Gefängnis! Ist es besser, an vielerlei Herren zu glauben, oder an Gott, den Einen, der über alles herrscht, was existiert? Jene, die ihr statt Ihm verehrt, sind nichts als Namen, die ihr und eure Väter erfunden habt, und für die Gott keine Vollmacht von oben herabgesandt hat. Das Urteil liegt allein bei Gott. Er hat geboten, dass ihr niemand außer Ihm verehren sollt. Dies ist der wahre Glaube, doch die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Verse 39–40)
Joseph’s approach is subtle, taking them carefully step by step before going deep into their hearts to reveal his faith plainly and completely. He couples this with an explanation that the misery they suffer in life is due to the false beliefs which they and their people generally hold. “My two prison companions! Which is better: [to believe] in diverse lords, or to believe in God, the One who holds sway over all that exists? Those you worship instead of Him are nothing but names you and your fathers have invented, and for which God has given no sanction from on high. All judgement rests with God alone. He has ordained that you should worship none but Him. This is the true faith, but most people do not know it.” (Verses 39-40)
Mit wenigen klaren, verständlichen und erhellenden Worten legt Joseph die Hauptmerkmale des wahren Glaubens dar, der auf der Einheit Gottes gründet. Er erschüttert heftig das gesamte Gebäude des Polytheismus und den Begriff selbst, Gott Teilhaber beizugesellen.
In a few clear, lucid and enlightening words, Joseph outlines the main features of the true faith based on the oneness of God. He shakes violently the whole structure of polytheism and the very concept of associating partners with God.
„Meine beiden Gefährten im Gefängnis! Ist es besser, an verschiedene Herren zu glauben, oder an Gott, den Einen, der über alles herrscht, was existiert?“ (Vers 39) Josef macht sie zu seinen Gefährten und gewinnt sie durch seine freundliche Art für sich. Das ebnet ihm den Weg zum eigentlichen Thema, nämlich dem Wesen des Glaubens. Er fordert sie nicht direkt auf, ihn anzunehmen, sondern stellt ihn als Gegenstand einer sachlichen Auseinandersetzung dar:
“My two prison companions! Which is better: [to believe] in diverse lords, or to believe in God, the One who holds sway over all that exists?” (Verse 39) Joseph makes them his companions, drawing them close with his affable approach. This facilitates an easy way into the main subject, namely the essence of faith. He does not call on them directly to adopt it, but instead presents it as a subject for objective discussion:
Wem das Urteil gehört
To Whom Judgement Belongs
An dieser Stelle macht Joseph seinen letzten und entscheidenden Punkt deutlich und zeigt seinen Gesprächspartnern, wo alle Macht und das Urteil liegen, wem Gehorsam geschuldet ist und wie er anerkannt werden muss. Kurz gesagt: wem die Anbetung dargebracht werden soll.
At this point Joseph makes his final and decisive point, making it clear to his interlocutors where all power and judgement lie, and to whom obedience is owed and how it must be acknowledged. Or, in short, to whom worship should be offered:
„Das Urteil liegt allein bei Gott. Er hat geboten, dass ihr niemandem außer Ihm dient. Das ist der wahre Glaube, doch die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Vers 40)
“All judgement rests with God alone. He has ordained that you should worship none but Him. This is the true faith, but most people do not know it.” (Verse 40)
Urteil und Autorität gebühren niemandem außer Gott. Er ist die Gottheit, und Ihm allein steht es zu, Gesetze zu erlassen und zu richten. In der Tat gehört die Souveränität Ihm, denn Souveränität ist eines der grundlegenden Attribute Gottes. Wer irgendein Recht darauf beansprucht, bestreitet tatsächlich die Macht Gottes, sei es ein Einzelner, eine Klasse, eine Partei, eine Organisation, eine Gemeinschaft oder eine internationale Organisation, die die Menschheit repräsentiert. Wer dieses sehr grundlegende Attribut Gottes für sich selbst beansprucht, leugnet Gott. Sein Unglaube besteht in der Verweigerung eines Teils des Glaubens, der im Wesentlichen und allgemein als Tatsache bekannt ist.
Judgement and authority belong to no one other than God. It is He who is the Godhead, with authority to legislate and judge. Indeed, sovereignty, belongs to Him, for sovereignty is one of God’s basic attributes. Whoever claims any right to it is indeed disputing God’s power, whether the claimant be an individual, a class, a party, an organization, a community or an international organization representing mankind. Anyone who claims this very basic attribute of God’s for himself disbelieves in God. His disbelief is in the form of denying a part of faith which is essentially and universally known as a fact.
Die Anmaßung der Herrschaftsrechte, die allein Gott zustehen, nimmt nicht nur eine einzige Form an. Damit ein Mensch die grundlegende Eigenschaft der Gottheit, nämlich die Souveränität, für sich beansprucht, muss er nicht so plump sein, zu sagen: „Ich kenne keinen Gott, den ihr außer mir anbeten dürft“, oder: „Ich bin euer Herr, der Allerhöchste“, wie es der Pharao tat. Er beansprucht diese Rechte tatsächlich und bestreitet damit Gottes Autorität, wenn er beginnt, Gesetze aus einer anderen Quelle als dem Gesetz Gottes abzuleiten, und erklärt, dass die Quelle der Macht und Autorität bei einer Institution oder einem Wesen außer Gott liege. Auch wenn es sich bei dieser Institution um die gesamte Nation oder die gesamte Menschheit handelt, bleibt das Ergebnis dasselbe. Im islamischen System wählt die Nation den Herrscher und gibt ihm die Befugnis, im Einklang mit dem Gesetz Gottes zu regieren. Die Nation oder die Gemeinschaft ist nicht die Quelle der Souveränität, die das Gesetz erlässt und ihm seine Kraft verleiht. Die Quelle der Souveränität ist Gott. Viele verwechseln die Ausübung der Macht mit ihrer Quelle. Diese Verwechslung findet sich sogar unter muslimischen Gelehrten. Was wir sagen, ist, dass der Mensch in seiner Gesamtheit kein Recht auf Souveränität besitzt. Er setzt lediglich um, was Gott gesetzgeberisch festgelegt hat.
Der Traum des Königs
The King’s Dream
Nun gehen wir an den Hof des Königs, wo der König seine Berater und Priester bittet, einen beunruhigenden Traum zu deuten, den er gehabt hatte: „Und der König sprach: Ich sah [im Traum] sieben fette Kühe, die von sieben mageren verschlungen wurden, und sieben grüne Ähren Weizen neben sieben anderen, dürren und verwelkten. Sagt mir die Bedeutung meiner Vision, ihr Edlen, wenn ihr imstande seid, Träume zu deuten.‘ Sie antworteten: ‚Dies ist nur ein Gemisch aus Träumen, und wir haben keine tiefe Kenntnis von der wahren Bedeutung der Träume.‘“ (Verse 43–44)
Now we move into the court with the King asking his courtiers and priests to interpret a disturbing dream he had had: “And the King said: I saw [in a dream] seven fat cows being devoured by seven emaciated ones, and seven green ears of wheat next to seven others dry and withered. Tell me the meaning of my vision, my nobles, if you are able to interpret dreams.’ They replied: ‘This is but a medley of dreams, and we have no deep knowledge of the real meaning of dreams.’” (Verses 43-44)
Keiner konnte eine plausible Deutung des Traumes des Königs anbieten. Oder sie empfanden, dass er etwas Unerfreuliches ankündigte, und wollten ihn deshalb dem König nicht vortragen. Dies ist oft die Haltung von Höflingen und Ratgebern, die ihrem Herrscher nur das überbringen, was angenehm ist. Daher sagten sie, es sei nichts weiter als „ein Gemisch aus Träumen“. Sie beschrieben es als wirre Visionen, die keinen richtigen Traum darstellten. Darauf folgten sie mit den Worten: „Wir haben keine tiefe Kenntnis von der wahren Bedeutung der Träume“, d. h. wenn sie so verschwommen und verworren sind.
None could offer a plausible interpretation of the King’s dream. Or they might have felt that it signalled something unpleasant and hence did not wish to put it to the King. This is often the attitude of courtiers and advisors who prefer to deliver to their masters only that which is pleasant. Hence they said that it is all ‘but a medley of dreams.’ They described it as disturbed visions that did not constitute a proper dream. They followed this by saying, “We have no deep knowledge of the real meaning of dreams,” i.e. when they are so blurred and confused.
Bisher haben wir drei Traumbegebenheiten erwähnt: die erste war die Josephs, die zweite die der beiden jungen Männer im Gefängnis, und nun folgt der Traum des Königs. Jedes Mal wurde um eine Deutung gebeten. Dass Träumen so große Bedeutung beigemessen wurde, sagt uns etwas über die Atmosphäre, die in Ägypten und auch anderswo herrschte.
So far we have mentioned three dream incidents: the first was Joseph’s, the second was those of the two young men in prison and now we have the King’s dream. Each time interpretation was requested. That so much emphasis was placed on dreams tells us something about the atmosphere that prevailed in Egypt and elsewhere.
Der Traum des Königs gedeutet
The King’s Dream Interpreted
Er bittet darum, zu gehen und den Mann aufzusuchen, der mit Sicherheit eine wahrheitsgemäße Deutung des Traums geben könne, den sich sonst niemand zu deuten traute. Der Vorhang fällt hier, und wenn er wieder hochgeht, befinden wir uns im Gefängnis, wo Joseph und sein früherer Gefährte zu sehen sind, wie er ihn bittet, den Traum des Königs zu deuten: „‚Joseph, Mann der Wahrheit, sag uns von den sieben fetten Kühen, die von sieben mageren verschlungen werden, und von sieben grünen Ähren Weizen neben sieben anderen, dürren und verdorrten, damit ich zu den Leuten [des Hofes] zurückkehren kann und sie es erfahren mögen.‘“ (Vers 46)
He requests leave to go and see the man who was certain to give a true interpretation of the dream no one else dared interpret. The curtains drop here, and when they are raised again we are in the prison looking at Joseph and his former companion asking him to interpret the King’s dream: “‘Joseph, man of truth, tell us of the seven fat cows being devoured by seven emaciated ones, and seven green ears of wheat next to seven others dry and withered, so that I may return to the people [of the court], and that they would come to know.’” (Verse 46)
Der Mann, der der Mundschenk des Königs ist, nennt Joseph einen „Mann der Wahrheit“, was ein Zeugnis dafür ist, dass Joseph nach der eigenen Erfahrung des Mannes mit ihm stets die Wahrheit sagt. „Sag uns von den sieben fetten Kühen …“ Hier zitiert der Mann die eigenen Worte des Königs beim Schildern des Traums. Da er um die Deutung des Traums bat, musste er die Beschreibung genau wiedergeben. Die Sure verwendet dieselben Worte erneut, um die Genauigkeit der Wiedergabe anzuzeigen und um zu ermöglichen, dass die Deutung unmittelbar auf die Aussage folgt.
The man, who is the drink master of the King, calls Joseph a ‘man of truth,’ which is testimony that Joseph always tells the truth according to the man’s own experience with him. “Tell us of the seven fat cows...” Here the man quotes the King’s own words in relating the dream. Since he was asking for an interpretation of the dream, he had to quote the description accurately. The sūrah uses the same words again to indicate the accuracy of the reporting, and to enable the interpretation to immediately follow the statement.
Doch was Josef gibt, ist keine bloße Deutung des Traums. Vielmehr verbindet er sie mit einem Rat, wie man am besten mit den Folgen dessen umgeht, was geschehen wird. „Er sprach: ‚Sieben Jahre lang sollt ihr säen.‘“ (Vers 47) Dies sind sieben Jahre ohne Unterbrechung, in denen es eine reiche Ernte gibt. Deshalb werden sie im Traum als sieben fette Kühe dargestellt. „Doch das Getreide, das ihr erntet, lasst in seiner Ähre“ (Vers 47)
However, what Joseph gives is not a passive interpretation of the dream. Instead it is coupled with advice on how best to cope with the consequences of what is going to happen. “He replied: ‘You shall sow for seven consecutive years.” (Verse 47) These are seven years without a gap when there is a rich harvest. Hence they are depicted in the dream as seven fat cows. “But let the grain you harvest remain in its ear,” (Verse 47)
Vorladung vor Gericht
Court Summons
An dieser Stelle wechselt die Sure erneut zur nächsten Szene und lässt zwischen der gerade endenden und der bevorstehenden Szene eine Lücke. Was in dieser Lücke geschieht, bleibt unserer Vorstellung überlassen. Dann wird der Vorhang im Palast des Königs wieder hochgezogen. Die Sure lässt aus, was der Mann von der Deutung des Traums des Königs erzählt und was er über Joseph, seine Inhaftierung und deren Ursache sowie seine gegenwärtige Lage sagt. Stattdessen erhalten wir die Wirkung all dessen, verkörpert im ausgesprochenen Wunsch des Königs, ihn zu sehen, und in seinem Befehl, dass er vor ihn gebracht werden solle.
At this point the sūrah again moves to the next scene, leaving a gap between the one just ending and the one about to begin. What happens during this gap is left for us to imagine. The curtains are then once again raised in the King’s palace. The sūrah leaves out what the man tells of the interpretation of the King’s dream, and what he says about Joseph, his imprisonment and its cause, and his present situation. What we have instead is the effect of all this, embodied in the King’s expressed desire to see him and his order that he should be brought before him.
„Der König sagte: ‚Bringt diesen Mann zu mir.‟“ (Vers 50) Auch hier lässt die Sure die Einzelheiten der Ausführung des königlichen Befehls aus. Wir finden nur, wie Joseph dem Gesandten des Königs antwortet. Er hat so lange im Gefängnis gesessen, dass er es nicht eilig hat, es zu verlassen, bevor sein Fall gründlich untersucht worden ist. Er möchte, dass die Wahrheit klar bekannt wird und seine Unschuld vor allen Menschen erklärt wird. Alle falschen Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben wurden, müssen als das erkannt werden, was sie waren: bloße Lügen. Er ist von seinem Herrn behütet worden, und die Art, wie er erzogen wurde, gibt ihm Zuversicht und seelischen Frieden. Er hat keine Eile, bis die Wahrheit bekannt ist.
“The King said: ‘Bring this man before me.’” (Verse 50) Again the sūrah leaves out the details of carrying out the King’s order. We simply find Joseph replying to the King’s emissary. He has spent so long in prison that he is in no hurry to leave until his case has been properly investigated. He wants the truth to be clearly known and his innocence to be declared to all people. All the false accusations hurled at him must be known for what they were: mere lies. He has been looked after by his Lord, and the way he has been brought up gives him reassurance and peace of mind. He is in no hurry until the truth is known.
Die Wirkung der Fürsorge, die Gott bei Josephs Erziehung für ihn getroffen hat, zeigt sich deutlich im Unterschied zwischen seiner jetzigen und seiner früheren Haltung. Früher hatte er seinen Mitgefangenen gebeten, ihn bei seinem Herrn in Erinnerung zu bringen. Nun aber möchte er zuerst, dass seine Unschuld festgestellt wird. Deshalb sagt er zum Gesandten des Königs: „Kehre zu deinem Herrn zurück und frage ihn nach den Frauen, die sich die Hände geschnitten haben.“ (Vers 50) Der Abstand zwischen diesen beiden Situationen ist in der Tat groß.
Gerechtigkeit muss sichtbar geschehen
Justice Must Be Seen To Be Done
Der Qur'an-Text verwendet einen Begriff, der weit stärker ist als der Ausdruck „Was war mit euch los?“. Er entspricht eher „Welches Unheil hat euch heimgesucht?“. Es scheint, dass der König vollständige Informationen über die Angelegenheit verlangte, bevor er sie zu sich rief. Dies tat der König, damit er über die Umstände unterrichtet war, bevor er mit ihnen sprach. Wenn sie vor ihn gebracht werden, zeigt seine Frage mit anklagendem Finger darauf, dass etwas wirklich Schwerwiegendes geschehen sein muss: „Was war mit euch los, als ihr versuchtet, Joseph zu verführen?“ (Vers 51)
The Qur’ānic text uses a term much stronger than that expressed by the phrase, ‘What was the matter with you.’ It is much more like ‘what calamity came over you.’ It appears that the King asked for full information about the matter before he called them in. This the King did so that he would be appraised of the circumstances before he spoke to them. When they are brought before him, his question points an accusing finger, saying that something really serious must have happened: “What was the matter with you when you tried to seduce Joseph?” (Verse 51)
Die Frage des Königs selbst verrät uns etwas darüber, was sich an jenem Tag im Haus des Obersten Ministers zugetragen hat. Wir erfahren daraus etwas von dem, was die Frauen zu Joseph sagten oder andeuteten, um ihn zur Verführung zu verleiten.
The King’s very question tells us something about what happened on that day at the Chief Minister’s house. We gather something of what the women said to Joseph, or hinted at, trying to tempt him into seduction.
Als die Frauen angesichts einer solchen Anschuldigung in Gegenwart des Königs erkannten, dass sie die Tatsachen nicht länger leugnen konnten, sagten sie: „Gott bewahre! Wir haben nicht das Geringste an Bösem an ihm wahrgenommen.“ (Vers 51) Das ist die Wahrheit, die nicht einmal sie leugnen konnten. Josef war so unschuldig, dass ihm niemand realistischerweise eine Verfehlung vorwerfen konnte.
When faced with such an accusation in the presence of the King, the women felt that they could no longer deny the facts: “The women said. God save us! We did not perceive the least evil on his part.” (Verse 51) That is the truth that could not be denied, even by them. Joseph was so innocent that no one could realistically accuse him of any misdeed.
An dieser Stelle tritt die Frau, die Joseph liebte und ihre Liebe nicht abzulegen vermochte, obwohl sie die Hoffnung aufgegeben hatte, dass er ihren Ränken jemals nachgeben würde, mit einem offenen Geständnis hervor: „Die Frau des Ministers sagte: Nun ist die Wahrheit ans Licht gekommen.“
At this point, the woman who loved Joseph and could not rid herself of such love, despite her despair of him ever succumbing to her guile, comes forward to confess all in a very frank statement: “The Chief Minister’s wife said: Now has the truth come to light.
1 Bei der Übersetzung dieses Verses und des folgenden sind wir der Auslegung des Verfassers gefolgt, die sie als Aussagen der Frau des Ministers deutet. Diese Auslegung ist gewiss vertretbar. Viele Gelehrte vertreten jedoch die Ansicht, dass diese beiden Verse eine Aussage Josephs wiedergeben, in der er seine Unschuld hinsichtlich eines Vertrauensbruchs gegenüber seinem Herrn erklärt, seine menschlichen Schwächen anerkennt und einige Grundsätze seines göttlichen Glaubens darlegt. — Anmerkung des Herausgebers.
1 In translating this verse and the one that follows we have conformed to the author's interpretation which attributes them as statements made by the Chief Minister's wife. This is certainly a valid interpretation. However, many scholars express the view that these two verses quote a statement made by Joseph, declaring his innocence of any betrayal of his master's trust, acknowledging his human susceptibilities and stating some of the principles of his divine faith. — Editor's note.
Ein großer Wendepunkt in Josephs Schicksal
A Great Turn In Joseph’s Fortunes
Und der König sprach: „Bringt ihn zu mir. Ich werde ihn für mich selbst auserwählen.“ Und als er mit ihm gesprochen hatte, sagte der König: „Du sollst von nun an bei uns in einer hohen Stellung sein und mit vollem Vertrauen ausgestattet.“ Joseph antwortete: „Gib mir die Verwaltung der Vorratshäuser des Landes. Ich bin imstande, sie mit Weisheit zu verwalten.“ So setzten Wir Joseph im Land ein, sodass er dort tun konnte, was er wollte. Wir gewähren Unsere Barmherzigkeit, wem Wir wollen, und Wir lassen den Lohn derer, die Gutes tun, niemals verloren gehen. Doch derjenige Lohn im Jenseits ist weitaus besser für jene, die glauben und sich vor dem Bösen hüten.
And the King said: ‘Bring him before me. I will choose him for my own.’ And when he had spoken to him, the King said: ‘You shall henceforth be in a position of high standing with us, invested with all trust.’ Joseph replied: ‘Give me charge of the store- houses of the land. I am able to look after them with wisdom.’ Thus did We establish Joseph in the land, free to do what he willed. We bestow Our mercy on whom We will, and We never fail to give their reward to those who do good. But as for those who believe in God and keep away from evil, the reward of the life to come is much better indeed. (Verses 54-57)
Der König stellte Josephs Unschuld fest. Er erfuhr außerdem, wie geschickt Joseph im Deuten von Träumen war und wie weise er handelte, als er eine Untersuchung des Verhaltens der Frauen verlangte. Der König erfuhr auch, dass Joseph ein Mann von Würde war. Er eilte nicht, das Gefängnis zu verlassen und den König von Ägypten zu treffen. Er nahm die Haltung eines ehrenhaften Mannes ein, der zu Unrecht eingekerkert worden war. Er wollte die Falschheit der Anschuldigung bereits vor seiner Freilassung beweisen. Er wollte seine Integrität und die Wahrheit seines Glaubens wiederherstellen, bevor er irgendeine Stellung der Gunst beim König anstrebte.
The King established Joseph’s innocence. He also learnt how adept Joseph was in the interpretation of dreams, and how wise he was when he requested an investigation of the women’s behaviour. The King also learnt that Joseph was a man of dignity. He did not rush to leave the prison and meet the King of Egypt. He took the stand of an honourable man who had been wrongfully imprisoned. He wanted to prove the falsehood of the accusation even before his release. He wanted to re- establish his integrity and the truth of his faith before seeking any position of favour with the King.
Seine würdevolle Haltung als ein Mann von Integrität und Weisheit erwarb ihm die Liebe und Achtung des Königs. Daher befahl der König: „Bringt ihn vor mich. Ich will ihn für mich selbst erwählen.“ (Vers 54) Er wünscht nicht, dass man ihn vor ihn bringt, damit er ihn freilasse, oder nur um diesen gelehrten Traumdeuter kennenzulernen, oder um ihm eine Audienz zu gewähren und ihm zu sagen, dass er mit ihm zufrieden sei. Er will, dass man ihn zu ihm bringt, damit er ihn für sich selbst erwählen und zu einem vertrauten Berater und sogar zu einem Freund machen kann.
Nach einer Position streben
Soliciting A High Position
Dennoch scheint Josephs Bitte gegen zwei Grundsätze des islamischen Rechts zu verstoßen.
Nonetheless Joseph’s request appears to violate two principles of the Islamic code.
Die erste ist eine Bitte um eine Stelle (Amt), was im Islam nicht erlaubt ist, wie der Prophet ﷺ sagt:
The first is a request of position, which is not allowed in Islam, as the Prophet says:
„Wir übertragen das Amt [der Regierung] niemandem, der darum bittet.“ [Überliefert von al-Buchārī und Muslim.] Das Zweite ist die Selbstlobpreisung, die dem Gebot des Qur’ān zuwiderläuft: „Haltet euch nicht selbst für rein.“ (53: 32) Solche Regeln wurden jedoch durch die islamische Ordnung festgelegt, die zur Zeit des Propheten Muĥammad ﷺ eingeführt wurde. Daher galten sie zur Zeit Josefs nicht. Außerdem handelt es sich hierbei nur um eine Frage der Organisation und Verwaltung, und solche Fragen sind in allen von Gott gesandten Botschaften nicht unbedingt gleich, und sie gelten auch nicht in gleicher Weise für alle Gemeinschaften, die die göttliche Rechtleitung annehmen.
“We do not give a position [of government] to anyone who asks for it.” [Related by al-Bukhārī and Muslim.] The second is praising oneself, which runs contrary to the Qur’ānic instruction: “Do not pretend to purity.” (53: 32) However, such rules were established by the Islamic system laid down at the time of the Prophet Muĥammad (peace be upon him). Hence they did not apply during Joseph’s time. Besides, this is only a matter of organization and administration, and such matters are not necessarily the same in all messages sent by God, and they do not apply equally to all communities that accept divine guidance.
Obwohl diese Verteidigung von Josephs Bitte gültig ist, wollen wir uns nicht darauf stützen. Die Angelegenheit ist viel zu ernst, als dass sie auf einem solchen Argument ruhen dürfte. Tatsächlich beruht sie auf anderen Überlegungen, die sorgfältig dargelegt werden müssen, damit wir die Methode der Schlussfolgerung und des Aufbaus auf der Grundlage gesicherter Aussagen im Qur'ān und Ḥadīth vollständig verstehen. Dann werden wir die dynamische Natur der islamischen Rechtswissenschaft würdigen können, die sich völlig von der erstarrten Lage unterscheidet, die bei den Gelehrten über Generationen der Untätigkeit fortzubestehen scheint.
Valid as this defence of Joseph’s request is, we do not wish to rely on it. The matter is far too serious to rest on such an argument. In fact it is based on different considerations which need to be properly outlined so that we can fully understand the method of deduction and construction on the basis of established statements in the Qur’ān and Ĥadīth. We will be able then to appreciate the dynamic nature of Islamic jurisprudence, which is totally different from the stale situation which appears to have remained with scholars upheld over generations of inactivity.
Die Entstehung einer muslimischen Gemeinschaft
The Birth Of A Muslim Community
Die Bewegung ist das konstituierende Element der islamischen Gesellschaft, und sie ist es, die diese hervorbringt. Zunächst stammt der Glaube aus seiner göttlichen Quelle, überliefert durch den Gesandten Gottes ﷺ in Wort und Tat. In späteren Generationen wird er durch die Fürsprecher des göttlichen Glaubens vertreten. Manche Menschen werden auf dieses Eintreten antworten, und sie treffen auf Widerstand und werden von tyrannischen Regimen verfolgt, die verschiedene Formen der Jāhiliyyah umsetzen. Einige mögen der Verfolgung erliegen und sich vom Glauben und der ihn verkündenden Bewegung abwenden, während andere standhaft bleiben. Einige dieser Standhaften mögen zu Märtyrern werden, und andere setzen den Kampf fort, bis Gott zwischen ihnen und ihren Gegnern gerichtet hat. Diese letztere Gruppe wird von Gott mit dem Sieg belohnt, der sie zum Mittel macht, Seinen Willen zu erfüllen. Er löst Sein Versprechen an sie ein, ihnen Sieg und Macht zu geben, damit sie die Herrschaft des göttlichen Glaubens errichten können. Der Sieg ist nicht ihr persönlicher Gewinn oder Lohn. Es ist der Sieg ihrer Botschaft, damit sie die Herrschaft Gottes über die Menschheit errichten.
Movement is the constituent element of Islamic society, and this is what gives birth to it. Initially, the faith comes from its divine source, conveyed by God’s Messenger in word and deed. In later generations, it is represented by advocates of the divine faith. Some people will respond to this advocacy, and they are met with resistance, and subjected to persecution by tyrannical regimes implementing different forms of Jāhiliyyah. Some may succumb to persecution and turn away from the faith and its advocating movement, while others remain steadfast. Some of the latter may become martyrs, and others continue the struggle until God has judged between them and their opponents. This latter group will be granted victory by God, who makes them a means of fulfilling His will. He fulfils His promise to them of victory and power, so that they can establish the rule of divine faith. The victory is not theirs as a personal gain or reward. It is a victory of their message, so that they establish God’s Lordship of mankind.
Diese Gruppe von Menschen beschränkt ihren Glauben nicht auf ein bestimmtes Stück Land oder auf eine bestimmte Rasse, Nation, Hautfarbe, Sprache oder ein ähnlich hohles Band. Ihre Mission ist es, die Menschheit auf der ganzen Welt aus der Unterwerfung unter irgendjemand anderen als Gott zu befreien und die Menschheit weit über das Niveau der Knechtschaft gegenüber Tyrannen zu erheben, unabhängig von deren Art der Tyrannei.
This group of people do not limit their faith to a certain piece of land, or to a certain race, nation, colour, language or similarly hollow tie. Their mission is to liberate mankind, the world over, from submission to anyone other than God, and to elevate mankind far above the level of subservience to tyrants, regardless of their type of tyranny.
Eignung und Verantwortung
Suitability And Responsibility
Manche könnten meinen, diese Eigenschaft sei aufgrund der damaligen geschichtlichen Umstände allein der ersten muslimischen Gemeinschaft eigen. Sie vergessen jedoch, dass eine wahrhaft islamische Gesellschaft keine andere Grundlage und keine andere Methode ihres Bestehens haben wird. Sie wird nicht entstehen, solange nicht eine Bewegung für die Rückkehr zum Islam eintritt und den Menschen hilft, die Dschahiliyya zu verlassen, in die sie versunken sind. Das ist der Ausgangspunkt. Ihm wird unweigerlich eine Zeit der Not und Prüfung folgen, genau wie beim ersten Mal. Einige ihrer Mitglieder werden dem Druck erliegen, andere werden standhaft bleiben. Unter ihnen wird es Märtyrer geben, und diejenigen, die überleben, werden fest entschlossen sein, den Kampf fortzusetzen. Sie werden es ebenso verabscheuen, in die Dschahiliyya zurückzusinken, wie sie es verabscheuen, ins Feuer geworfen zu werden. Sie setzen den Kampf fort, bis Gott zwischen ihnen und ihren Gegnern entschieden hat und ihnen den Sieg gibt, so wie Er es bei der ersten muslimischen Gemeinschaft getan hat.
Some people may suggest that this quality belongs uniquely to the first Muslim community on the basis of its historical circumstances. They forget, however, that a true Islamic society will have no other foundation or method of existence. It will not come about unless a movement advocates a return to Islam and helps people abandon the jāhiliyyah into which they have sunk. That is the starting point. It will inevitably be followed by a period of hardship and trial, just like the first time. Some of its members will succumb to pressure, while others will remain steadfast. There will be martyrs among them while those who survive will be determined to continue the struggle. They will hate sinking back into jāhiliyyah as much as they hate being thrown into fire. They keep up the struggle until God has judged between them and their opponents, and gives them victory as He did with the first Muslim community.
Dies bedeutet die Entstehung eines neuen islamischen Systems in einem Teil des Landes Gottes. An diesem Punkt wird die Bewegung den Weg vom Ausgangspunkt bis zur Errichtung einer islamischen Gesellschaft zurückgelegt haben, und inzwischen wird sie ihre Anhänger nach Glauben sowie nach den Maßstäben und Werten, die sie verwirklichen, in verschiedene Stufen eingeteilt haben. Diese werden sich nicht selbst für Machtpositionen vorschlagen müssen, denn ihre Gemeinschaft, die mit ihnen den Kampf des Dschihād geführt hat, wird ihre Fähigkeiten anerkannt und sie empfohlen haben.
This means the birth of a new Islamic system in some part of God’s land. At this point, the movement will have travelled from the point of beginning to the point of establishing an Islamic society, and in the meantime it will have sorted out its advocates into different grades based on faith and the standards and values they put into effect. These will not need to nominate themselves for positions of power, because their community, which fought the campaign of jihād with them, will have recognized their abilities and recommended them.
Ein Labyrinth, das wir selbst geschaffen haben
A Maze Of Our Own Making
Diejenigen, die heute über das islamische System und seine Struktur nachdenken oder schreiben, begeben sich in ein Labyrinth, weil sie versuchen, das islamische System und seine Regeln und Werte in ihre gegenwärtige gesellschaftliche Ordnung einzufügen. Verglichen mit dem islamischen System gleicht eine solche Ordnung einem Vakuum, das keinen Raum für die Umsetzung islamischer Regeln bietet. Zwischen beiden Gesellschaftstypen besteht ein grundlegender Unterschied in ihrer Beschaffenheit. Im islamischen System werden Menschen und Gruppen durch das unterschieden, was sie tun, wenn sie den islamischen Glauben in der Praxis verwirklichen und gegen die Werte und Systeme der jāhiliyyah ankämpfen. Es ist ihre Beharrlichkeit, die sie befähigt, Druck, Verfolgung und andere Widrigkeiten zu ertragen, die andauern, bis eine islamische Gesellschaft im Land errichtet ist. Andere Gesellschaften gehören zur jāhiliyyah; sie stagnieren und halten an Prinzipien und Werten fest, die nichts mit dem Islam zu tun haben. Als solche gleichen sie einem Vakuum, das das Funktionieren islamischer Prinzipien und Werte nicht tragen kann.
Those who think or write about the Islamic system and its structure today place themselves in a maze, because they try to implement the Islamic system and its rules and values in their present social set-up. Compared with the Islamic system, such a set-up is like a vacuum which provides no room for the implementation of any Islamic rules. There is a fundamental difference in the very make-up of the two types of society. In the Islamic system, people and groups are distinguished through what they do in the process of establishing the Islamic faith in practice and in the struggle against the values and systems of jāhiliyyah. It is their perseverance which enables them to endure pressure, persecution and other hardships that continue until the establishment of an Islamic society in the land. Other societies belong to jāhiliyyah, and they are stagnating, upholding principles and values that have nothing to do with Islam. As such, they are like a vacuum that cannot support the functioning of Islamic principles and values.
Diese Schriftsteller und Forscher suchen nach einer Lösung, die es ihnen ermöglicht, das islamische System und seine Institutionen zu befürworten und seine Werte und Gesetze in Kraft zu setzen. Das Erste, was sie beunruhigt, ist, wie die Mitglieder des Beratenden Rates ausgewählt werden sollen, wenn sie ihre Namen nicht selbst vorschlagen oder über ihre eigenen Eigenschaften sprechen dürfen.
Those writers and researchers look for a solution which enables them to advocate the Islamic system and its institutions, and to operate its values and laws. The first thing to trouble them is how the members of the Consultative Council are to be selected if they cannot put their names forward or speak about their own qualities.
Zwischen Theorie und Praxis
Between Theory And Practice
Die intellektuelle Forschung in der islamischen Rechtswissenschaft mag bequem sein, weil sie keine Risiken birgt, doch sie gehört nicht zur islamischen Verkündigung. Tatsächlich gehört sie auch nicht zur islamischen Strategie. Wer Risiken meiden will, täte besser daran, sich mit Literatur, Kunst oder Handel zu beschäftigen. Das akademische Studium der islamischen Rechtswissenschaft in der beschriebenen Weise ist meiner persönlichen Ansicht nach – und Gott weiß es am besten – eine Verschwendung von Mühe und Lohn. Der göttliche Glaube akzeptiert keine Haltung der Unterwerfung unter die Jāhiliyyah, die sich gegen seine Herrschaft auflehnt und die ihn zuweilen verspottet, indem sie islamische Lösungen für ihre eigenen Probleme verlangt, während sie sich weigert, sich Gott und dem islamischen Glauben zu unterwerfen.
Intellectual research in Islamic jurisprudence may be comfortable, because it involves no risks, but it is not part of Islamic advocacy. In fact it is not a part of Islamic strategy. Those who want to steer away from risk will be better off occupying themselves with literature, art or commerce. Academic study of Islamic jurisprudence on the lines described is in my personal view — and God knows best — a waste of effort and reward. The divine faith does not accept a position of subservience to jāhiliyyah which rebels against its rule and which, at times, ridicules it by requesting Islamic solutions for its own problems when it refuses to submit to God and the Islamic faith.
Die Entstehungsweise der islamischen Gesellschaft ist dieselbe, und sie durchläuft dieselben Stufen.
The method of birth of Islamic society is the same, and it follows the same stages.
Der Übergang von der Dschahiliyya zum Islam wird niemals eine leichte Aufgabe sein, und er wird niemals damit beginnen, islamische Prinzipien zu kodifizieren, um sich auf eine islamische Gesellschaft vorzubereiten, wann immer diese entstehen mag. Diese Kodizes sind auch nicht die Zutat, die nicht-islamische Gesellschaften benötigen, um islamisch zu werden. Die Schwierigkeit bei einem solchen Übergang liegt nicht darin, dass die islamischen Gesetze unzureichend wären, um den anspruchsvollen Bedürfnissen fortgeschrittener und zivilisierter Gesellschaften gerecht zu werden. Das ist alles Selbsttäuschung. Was verhindert, dass solche Gesellschaften islamisch werden, ist die Tyrannei, die sich weigert anzuerkennen, dass alle Souveränität allein Gott gehört. Deshalb verweigern sie die Anerkennung der Herrschaft Gottes über das menschliche Leben und über die ganze Welt. So scheiden sie sich selbst vollständig aus dem Islam aus. Dies ist ein Teil des Islam, der im Wesentlichen allen bekannt ist. Darüber hinaus machen die Massen, wenn sie sich der Tyrannei unterwerfen, die Tyrannen zu Herren neben Gott, und sie gehorchen ihnen. So entfernen sich die Massen vom Glauben an die Einheit Gottes hin zum Polytheismus, denn wer die Herrschaft irgendeinem anderen Wesen als Gott zuschreibt, stellt dieses Wesen auf dieselbe Stufe wie Gott. Auf diese Weise wird die Dschahiliyya als menschliches System etabliert. Sie gründet sich ebenso auf Fehlvorstellungen wie auf materieller Macht.
Hohe Stellung und Freiheit für Joseph
High Position And Freedom For Joseph
Nachdem wir den Punkt über Josephs Bitte, mit der Verwaltung der Vorratshäuser des Königreiches betraut zu werden, und die Frage des Strebens nach staatlichen Ämtern in der islamischen Gesellschaft erläutert haben, kehren wir nun zum Faden der Geschichte zurück. Betrachtet man den Wortlaut der Sure, so zeigt sich, dass sie die Zustimmung des Königs zu Josephs Bitte nicht erwähnt. Es scheint, als habe die Bitte selbst die Zustimmung des Königs bereits impliziert. Dies ist eine noch größere Ehre für Joseph und zeigt seine hohe Stellung beim König. Er brauchte seine Bitte nur auszusprechen, um sie erfüllt zu sehen. Dies wird durch die folgenden Verse bestätigt:
Having elaborated the point about Joseph’s request to be in charge of the Kingdom’s store houses, and the issue of seeking government posts in Islamic society, we pick up the thread of the story again. When we consider the text of the sūrah we find that it does not mention the King’s agreement to Joseph’s request. It is as if the request itself implied the King’s approval. This is an even higher honour given to Joseph, and it shows his high standing with the King. He only needed to state his request for it to be answered. This is confirmed by the following verses:
„So verschafften Wir Joseph Macht im Land, sodass er darin wohnen konnte, wo immer er wollte. Wir lassen Unsere Barmherzigkeit zuteilwerden, wem Wir wollen, und Wir lassen den Lohn derer, die Gutes tun, niemals verloren gehen. Doch der Lohn des Jenseits ist weit besser für jene, die glauben und gottesfürchtig sind.“ (Verse 56-57)
“Thus did We establish Joseph in the land, free to do what he willed. We bestow Our mercy on whom We will, and We never fail to give their reward to those who do good. But as for those who believe in God and keep away from evil, the reward of the life to come is much better indeed.” (Verses 56-57)
So trugen der Beweis von Josefs Unschuld auf die Art und Weise, wie er erbracht wurde, die Bewunderung, die der König bereits für ihn empfand, und die Erfüllung seiner Bitte alle dazu bei, Josef im Land zu festigen und ihm eine sichere und angesehene Stellung zu verschaffen.
Thus the proof of Joseph’s innocence in the way that it was done, and the King’s admiration that he has already won, and the granting of his request, all helped to establish Joseph in the land, giving him a firm and distinguished position.
„So machten Wir Josef im Land fest, damit er sich darin aufhalten konnte, wo immer er wollte.“ (Vers 56) Er war frei, das Haus zu nehmen, das er wollte, an dem Ort seiner Wahl und die Stellung einzunehmen, die er sich wünschte. Diese Freiheit steht in vollem Gegensatz zu dem Brunnen, in den ihn seine Brüder warfen, und zu der Haftstrafe, die er ertragen musste, mit all den Ängsten und Einschränkungen beider Lagen. „Wir schenken Unsere Barmherzigkeit, wem Wir wollen.“ (Vers 56)