Gott – erhaben ist Er in Seiner Herrlichkeit – bezeichnet sich in dieser Sure als der Herr der Morgenröte. Das arabische Wort falaq bedeutet schlicht „Morgenröte“, könnte aber auch so verstanden werden, dass es die gesamte Erscheinung der Schöpfung meint, mit Bezug darauf, dass alles ins Leben hervorbricht. Diese Deutung wird durch Gottes Wort in Sure 6, Das Vieh, gestützt: „Gott ist es, der das Korn und den Dattelkern spaltet. Er bringt das Lebendige aus dem Toten hervor … Er ist es, der den Tag anbrechen lässt (fāliq). Er hat die Nacht zur Ruhe gemacht, und die Sonne und den Mond zur Berechnung.“ (6: 95–96) Wird die Bedeutung „Morgenröte“ übernommen, so wird Zuflucht beim Herrn der Morgenröte gesucht, der Sicherheit gewährt, indem Er das Licht des Tages entzündet. Wird fāliq hingegen als „Schöpfung“ verstanden, so wird Zuflucht vor dem Übel irgendeines Geschöpfes beim Herrn der gesamten Schöpfung gesucht. In beiden Fällen bleibt die Harmonie mit dem Thema der Sure gewahrt.
God — limitless is He in His glory — refers to Himself in this sūrah as the Lord of the daybreak. The Arabic term, falaq, simply means ‘daybreak’, but it could be taken to mean ‘the whole phenomenon of creation,’ with reference to everything springing forth into life. This interpretation is supported by God’s saying in Sūrah 6, Cattle: “It is God who splits (fāliq) the grain and the fruit- stone. He brings forth the living out of that which is dead ... He is the One who causes the day to break (fāliq). He has made the night to be [a source of] stillness, and the sun and the moon for reckoning.” (6: 95-96) If the meaning ‘daybreak’ is adopted, refuge is being sought from the unseen and the mysterious with the Lord of the daybreak, who bestows safety as He kindles the light of day. If, however, fāliq is taken to mean ‘creation’, then refuge from the evil of some creature is being sought with the Lord of all creation. In both cases, harmony with the theme of the sūrah is maintained.
„Vor dem Bösen von allem, was Er erschaffen hat.“ (Vers 2) Der Satz enthält keine Ausnahmen und keine Einschränkungen. Der gegenseitige Kontakt zwischen verschiedenen Geschöpfen bringt zwar zweifellos Nutzen, doch führt er auch zu etwas Bösem. Vor diesem Bösen suchen die Gläubigen bei Gott Zuflucht, um das Gute zu fördern, das ein solcher Kontakt hervorbringt. Denn Er, der jene Geschöpfe erschaffen hat, ist gewiss in der Lage, die richtigen Umstände zu schaffen, die sie auf einen Weg führen, auf dem nur die helle Seite ihres Kontakts die Oberhand behält.
“From the evil of anything that He has created.” (Verse 2) The phrase contains no exceptions or specifications. Mutual contact between various creatures, though no doubt advantageous, brings about some evil. Refuge from it is sought with God by the believers in order to encourage the goodness such a contact produces. For He who created those creatures is surely able to provide the right circumstances that lead them on a course where only the bright side of their contact prevails.
„Vor dem Bösen der Finsternis [d. h. ghāsiq], wenn sie sich ausbreitet [d. h. waqab].“ (Vers 3) Sprachlich betrachtet bedeutet ghāsiq „sich stark ergießend“, und waqb ist die Bezeichnung für ein kleines Loch in einem Berg, durch das Wasser hervorbricht, während waqab das Verb ist, das ein solches Geschehen bezeichnet. Gemeint ist hier wahrscheinlich die Nacht mit allem, was sie begleitet, wenn sie die Welt rasch umhüllt. Das allein ist schon erschreckend. Außerdem erfüllt sie unsere Herzen mit der Möglichkeit eines unbekannten, unerwarteten Unheils, verursacht durch ein wildes Tier, einen skrupellosen Schurken, einen angreifenden Feind oder ein zischendes giftiges Kriechtier, ebenso mit Ängsten und Sorgen [die zu Niedergeschlagenheit und Unruhe führen können], bösen Gedanken und Leidenschaften, die in der Dunkelheit, im Zustand der Einsamkeit während der Nacht, wieder aufleben können. Dies ist das Böse, vor dem der Gläubige den Schutz Gottes braucht.
“From the evil of darkness [i.e. ghāsiq] when it gathers [i.e. waqab].” (Verse 3) From a linguistic point of view, ghāsiq, means ‘substantially pouring out’ and waqb is the name given to a little hole in a mountain through which water issues forth, while waqab is the verb denoting such an action. What is probably meant here is the night, with all that accompanies it when it rapidly engulfs the world. This is terrifying in itself. In addition it fills our hearts with the possibility of an unknown, unexpected discomfort caused by a savage beast, an unscrupulous villain, a striking enemy or a hissing poisonous creature, as well as anxieties and worries [which may lead to depression and uneasiness], evil thoughts and passions that are liable to revive in the dark, during one’s state of solitude at night. This is the evil against which the believer needs God’s protection.
„Vor dem Bösen der Zauberinnen, die Knoten knüpfen,“ (Vers 4) bezieht sich auf verschiedene Arten der Magie, sei es durch die Täuschung der physischen Sinne der Menschen oder durch die Beeinflussung ihrer Willenskraft und das Übertragen von Vorstellungen auf ihre Gefühle und Gedanken. Der Vers bezieht sich insbesondere auf eine Form der Hexerei, die damals in Arabien von Frauen praktiziert wurde: Sie knüpften Knoten in Schnüre und bliesen mit einer Verwünschung darauf.
“From the evil of conjuring witches,” (Verse 4) refers to various types of magic, whether by deceiving people’s physical senses or by influencing their will-power and projecting ideas onto their emotions and minds. The verse specially refers to a form of witchcraft carried out by women in Arabia at the time who tied knots in cords and blew upon them with an imprecation.
Magie ist die Hervorbringung von Trugbildern, die dem Entwurf des Zauberers unterliegt, und sie bietet keinerlei neue Tatsachen und verändert nicht das Wesen der Dinge. So beschreibt der Qur'ān die Magie, wenn er in Sure 20, Ṭā Hā, die Geschichte von Mose erzählt: „Sie [die Zauberer des Pharao] sagten: ‚Mose, willst du zuerst werfen, oder sollen wir die Ersten sein, die werfen?‘ Er sprach: ‚Werft ihr zuerst.‘ Und durch die Macht ihrer Zauberei erschien ihm ihr Seil und ihr Stab, als würden sie laufen. Da verspürte Mose in seinem Innern eine heimliche Furcht. Doch Wir sprachen: Fürchte dich nicht! Du wirst die Oberhand haben. Wirf das, was in deiner rechten Hand ist! Es wird verschlingen, was sie angefertigt haben. Was sie angefertigt haben, ist nur die trügerische Vorführung von Hexerei. Wo auch immer der Zauberer hinkommt, er wird niemals Erfolg haben.“ (20: 65-69).
Magic is the production of illusions, subject to a magician’s designs, and it does not offer any kind of new facts or alter the nature of things. This is how the Qur’ān describes magic when relating the story of Moses in Sūrah 20, Ţā Hā: “They [Pharaoh’s magicians] said, Moses, Will you throw down your gear first or shall we be the first to throw?’ He said: ‘Throw down yours.’ And by the power of their magic, their cords and staffs appeared to him as though they were running. Moses conceived a secret fear within him. But We said: Fear not! You shall have the upper hand. Throw that which is in your right hand! It will swallow up that which they have made. That which they have made is but the deceitful show of witchcraft. Come where he may, a magician shall never be successful.’“ (20: 65-69).
So sind ihre Seile und Stäbe in Wirklichkeit nicht zu Schlangen geworden, sondern es erschien den Zuschauern so, auch Moses, sodass ihm innerlich unbehaglich wurde. Er wurde beruhigt durch die Verwandlung seines eigenen Stabes in eine echte Schlange, durch das Wirken Gottes, um die falschen zu vernichten.
Thus, their cords and staffs did not actually turn into snakes but it seemed so to the onlookers, Moses included, to the point where he felt uneasy inside. He was restrained by the transformation of his own stick into a real snake, by God’s doing, to destroy the phoney ones.
So sollten wir uns das Wesen der Magie vorstellen. Durch sie ist ein Magier imstande, den Geist anderer Menschen zu beeinflussen und sie dazu zu bringen, gemäß seinen eigenen Eingebungen zu denken und zu handeln. Wir verzichten darauf, weiter darauf einzugehen. Es ist in der Tat ein Übel, vor dem man den Schutz Gottes erbitten muss.
This is the nature of magic as we ought to conceive it. Through it a magician is capable of influencing other people’s minds, causing them to think and act according to his own suggestions. We refrain from going any further with this. It is indeed an evil from which God’s protection needs to be sought.
Einige nicht belegte Berichte, von denen manche von glaubwürdigen Quellen überliefert wurden, besagen, dass nach der Niederlassung des Propheten in Madinah Labīd ibn al-A`şam, ein Jude, einen Zauber auf ihn wirkte, der den Propheten ﷺ über mehrere Tage oder Monate beeinflusste, sodass er nach manchen Überlieferungen glaubte, mit seinen Frauen Geschlechtsverkehr zu haben, obwohl er dies nicht hatte; oder nach anderen glaubte, etwas getan zu haben, obwohl er es nicht getan hatte. Nach diesen Berichten wurde er aus einem solchen Zustand befreit, indem er diese Sure und die folgende Sure, Die Menschen, rezitierte.
A few unsupported reports, some of which have been quoted by authentic sources, allege that after the Prophet had settled in Madinah, Labīd ibn al-A`şam, a Jew, put a magic spell on him that affected the Prophet for several days or months so that, according to some versions, he felt he was having marital relations with his wives when he was not; or, according to others, thought of having done something when he had not. According to these reports, by reciting this sūrah and the next one, Mankind, he was released from such a state.
Aber diese Berichte stehen doch im Widerspruch zu der Vorstellung von der Unfehlbarkeit des Propheten in Wort und Tat und passen nicht zu der Überzeugung, dass alle seine Handlungen beispielhaft für die islamische Lebensweise aller Muslime sind. Vor allem widersprechen sie den Aussagen des Qur’ān, die nachdrücklich bestreiten, dass er durch irgendeine Art von Magie beeinflusst worden sei, wie es einige Gegner des Islam behaupten. Daher verwerfen wir solche Berichte mit der Begründung, dass der Qur’ān die letzte Instanz sei und dass Überlieferungen, die nur von einer einzigen Person weitergegeben wurden, in Glaubensfragen unberücksichtigt bleiben. Diese Berichte haben keine ausreichende Bestätigung erfahren, was aber eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass eine Überlieferung als authentisch anerkannt wird.
But surely these stories contradict the very idea of the Prophet’s infallibility in word and deed and do not agree with the belief that all his actions are indicative of the Islamic way of life for all Muslims. Above all, they conflict with the Qur’ānic statements emphatically denying his being influenced by any kind of magic whatsoever, as claimed by some opponents of Islam. Hence, we dismiss such stories, on the grounds that the Qur’ān is the ultimate arbiter, and that singularly narrated traditions are left out in matters concerning faith. These stories have not had proper backing, which is an essential qualification for a tradition to be accepted as authentic.
Was diese Geschichten noch weiter schwächt, ist die Tatsache, dass die beiden Sūren in Makka offenbart wurden, während diese Erzählungen den Vorfall als etwa Jahre später in Madīna geschehen darstellen! „Und vor dem Übel des Neiders, wenn er neidet." (Vers 5) Neid ist das böse, missgünstige Gefühl, das man gegenüber jemandem empfindet, dem Gott eine Gunst erwiesen hat. Er geht auch mit einem sehr starken Verlangen einher, dass solche Gunst ein Ende finden möge. Es ist auch möglich, dass daraus, aus einem unbegründeten Groll, dem Beneideten ein Schaden entsteht.
What weakens such stories even further is that the two sūrahs were revealed in Makkah while these stories relate the incident as having occurred some years later, in Madinah! “And from the evil of the envious when he envies.” (Verse 5) Envy is the evil, begrudging reaction one feels towards another who has received some favour from God. It is also accompanied by a very strong desire for the end to such favours. It is also possible that some harm to the envied may result from such a baseless grudge.
Dies kann entweder das Ergebnis einer direkten körperlichen Handlung des Neidischen sein oder allein aus unterdrückten Gefühlen entstehen.
This may either be the outcome of direct physical action by the envier, or from suppressed feelings alone.
Wir sollten nicht beunruhigt sein, wenn wir erfahren, dass es im Leben unzählige unerklärliche Geheimnisse gibt. Es gibt etliche Phänomene, für die bis heute keine Erklärung gefunden wurde.
We should not be uneasy to learn that there are countless inexplicable mysteries in life. There are several phenomena for which no account has been offered up till now.
Telepathie und Hypnose sind zwei solche Beispiele.
Telepathy and hypnosis are two such examples.
Wir sollten nicht versuchen, die psychologischen Auswirkungen des Neides auf den Beneideten zu leugnen, nur weil wir nicht mit wissenschaftlichen Mitteln und Methoden feststellen können, wie sich dies vollzieht. Über die Geheimnisse des Neides ist nur sehr wenig bekannt, und das Wenige, das bekannt ist, wurde oft durch Zufall und Fügung aufgedeckt. Wie dem auch sei, im Neid liegt ein Übel, vor dem man den Schutz und die Zuflucht Gottes suchen muss. Denn Er, der Großzügigste, Barmherzigste, der alle Dinge weiß, hat den Propheten ﷺ und seine Anhänger angewiesen, bei Ihm Zuflucht vor einem solchen Übel zu suchen. Alle islamischen Rechtsschulen stimmen einmütig darin überein, dass Gott Seine Diener stets vor solchen Übeln bewahren wird, wenn sie Seinen Schutz suchen, wie Er es ihnen aufgetragen hat.
We should not try to deny the psychological effects of envy on the envied person just because we cannot ascertain how this takes place by scientific means and methods. Very little is known about the mysteries of envy and the little that is known has often been uncovered by chance and coincidence. In any case, there is in envy an evil from which the refuge and protection of God must be sought. For He, the Most Generous, Most Merciful, who knows all things, has directed the Prophet and his followers to seek His refuge from such evil. It is unanimously agreed by all Islamic schools of thought that God will always protect His servants from such evils, should they seek His protection as He has directed them to do.
Al-Buchārī überliefert, dass ʿĀʾischa sagte: „Der Prophet ﷺ blies, wenn er sich zum Schlafen niederlegte, in seine beiden Hände, rezitierte darin: ‚Sprich: Er ist Gott, der Einzige …‘ und ‚Sprich: Ich suche Zuflucht beim Herrn der Morgenröte …‘ und ‚Sprich: Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschen‘, und dann fuhr er mit seinen Handflächen über sein Gesicht und den vorderen Teil seines Körpers, angefangen bei seinem Kopf. Dies tat er dreimal.“ [Also related by Abū Dāwūd, al-Tirmidhī and al-Nasā’ī.]
Al-Bukhārī relates that `Ā’ishah said: “The Prophet would blow into both hands when getting into bed to sleep, and recite: ‘Say: He is God, the One...’ and, ‘Say: I seek refuge in the Lord of the Daybreak...’ and, ‘Say: I seek refuge in the Lord of mankind,’ and, starting with his head, he would run his palms over his face and the front part of his body, before running them over the rest of his body. He did this three times.” [Also related by Abū Dāwūd, al-Tirmidhī and al-Nasā’ī.]