Ar-Rum (Die Byzantiner)
Al-Rum (The Byzantines)
Prolog
Prologue
Die ersten Verse dieser Sure wurden offenbart, als Persien das Byzantinische Reich in den arabischen Gebieten, die unter dessen Herrschaft standen, überwältigte. Dies war auch eine Zeit, in der in Makkah heftige Auseinandersetzungen zwischen den frühen Muslimen und den arabischen Götzendienern tobten.
The first few verses of this sūrah were revealed when Persia overpowered the Byzantine Empire in the Arab areas that were under its rule. This was also a time when arguments in Makkah raged between the early Muslims and Arab idolaters.
Da die Byzantiner zu jener Zeit Christen waren und die Perser Magier waren, nutzten die Ungläubigen in Makka das Ereignis aus, indem sie den Sieg des Polytheismus über den Monotheismus verkündeten und in diesem persischen Sieg ein Vorzeichen für ihren eigenen Sieg über die Gläubigen sahen.
Since the Byzantines at that time were Christians, and the Persians were Magians, the unbelievers in Makkah exploited the event, drumming up the victory of polytheism over monotheism, and seeing in this Persian victory an omen for their own victory over the believers.
Daher kündigt der Beginn dieser Sure einen Sieg der Schriftbesitzer, der Byzantiner, innerhalb weniger Jahre an. Er besagt, dass dieser Sieg den Gläubigen große Freude bereiten wird, denn sie wünschen sich, dass Anhänger irgendeiner offenbarten Religion die Oberhand gewinnen.
Therefore, the opening of this sūrah heralds a victory for the people of the Scriptures, the Byzantines, within a few years. It says that this victory will bring much rejoicing to the believers for they love for believers of any divine religion to gain the upper hand.
Der Koran beschränkt sich jedoch nicht darauf, dieses Versprechen zu geben, und er bleibt auch nicht bei dem genannten Ereignis stehen. Vielmehr nutzt er das Ereignis, um den Gläubigen und ihren Gegnern weitere Horizonte zu eröffnen; im Kern stellt er eine Verbindung zwischen ihnen und dem Universum her. Er setzt zudem Gottes Herrschaft, mit der er den göttlichen Glauben unterstützt, in Beziehung zu der großen Wahrheit, die die Himmel, die Erde und alles, was zwischen ihnen liegt, sowie die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschheit ordnet. Danach wendet er sich dem Jenseits und der Welt jenseits dieser Erde zu. In der Tat führt uns der Koran auf einer großen Runde, in der wir die Wunder des Universums, die menschliche Seele, die Lebenslagen der Menschen und die Wunder der Natur sehen. So sind wir in der Lage, auf die weiteren Horizonte des Wissens zu blicken, denn unser Leben ist erhöht und erweitert worden. Darüber hinaus werden wir aus den engen Grenzen von Zeit, Ort und Ereignis befreit und können das Universum, seine wirkenden Gesetze, die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft betrachten.
The Qur’ān does not, however, stop at making this promise, nor does it confine itself to the event mentioned. In fact, it uses the event to show the believers and their opponents wider horizons; in essence, it establishes a link between them and the universe. It also relates God’s rule to support divine faith to the great truth that regulates the heavens, the earth and all that is between them, as well as to the past, present and future of humanity. It then moves on to the life to come and the world beyond this earth. Indeed, the Qur’ān takes us on a great round in which we see the marvels of the universe, the human soul, people’s situations and the wonders of nature. We are, thus, able to look at the wider horizons of knowledge, for our lives have been elevated and broadened. Furthermore, we are released from the strict confines of time, place and event, and are able to look at the universe, its operative rules, history, present and future.
So wird die Vorstellung der Menschen vom wahren Wesen der Verbindungen und Beziehungen in diesem großartigen Universum auf eine höhere Ebene gehoben. Sie beginnen, die wahre Größe der Gesetze zu empfinden, die das Universum und die menschliche Natur regieren, und schätzen jene, die das menschliche Leben und seine Ereignisse ordnen. Auf diese Weise werden Positionen von Sieg und Niederlage bestimmt und gerechte Maßstäbe festgelegt, um die Handlungen und Tätigkeiten der Menschen in diesem Leben zu beurteilen, damit sie gerechte Belohnung sowohl im gegenwärtigen Leben als auch im Jenseits erhalten.
Thus, people’s concept of the true nature of the bonds and relations in this great universe is set on a higher platform. They begin to feel the real greatness of the laws that govern the universe and human nature, and appreciate those that regulate human life and its events. In this way, positions of victory and defeat are defined, and fair measures to judge people’s actions and activities in this life are set, so as to give them just reward both in the present life and in the life to come.
Im Lichte dieses umfassenden Konzepts wird die Universalität der islamischen Botschaft klar sichtbar. Ihre Wechselwirkung mit Ereignissen und Weltlagen erscheint sehr positiv, selbst als sie noch in den Anfängen steckte und auf Makkah und das umliegende Tal beschränkt war. Ihr Wirkungsbereich wird über diese Erde hinaus erweitert, sodass er mit der Natur des Universums und seinen großen Gesetzen, mit der menschlichen Natur und ihren tiefen Schichten sowie mit der Vergangenheit und Gegenwart des menschlichen Lebens sowohl in dieser Welt als auch in der Welt jenseits verbunden wird.
In the light of this broad concept, the universality of the Islamic message is clearly shown. Its interaction with events and world situations, even when it is still in its infancy and confined to Makkah and the surrounding valley, appears to be very positive. Its scope is broadened beyond this earth so as to link it to the nature of the universe and its major rules, human nature and its profound depths, as well as to the past and present of human life both in this world and in the world beyond.
So sind das Herz und der Verstand eines Muslims mit diesen Horizonten verbunden, sodass sie seine Gefühle sowie seine Sicht auf das Leben und seine Werte im Allgemeinen beeinflussen. Er blickt zum Himmel empor und auf das Leben im Jenseits und betrachtet die Wunder und Wunderbarkeiten des Universums. Er schätzt seine eigene Stellung sowie die seiner Gemeinschaft in diesem großen Weiten. Er erkennt seinen eigenen Wert und den Wert seines Glaubens, sowohl nach dem Maßstab der Menschen als auch nach dem Maßstab Gottes. So erfüllt er seine Rolle und verrichtet seine Pflichten mit klarem Verstand, mit Zuversicht und mit innerer Gewissheit.
Thus, a Muslim’s heart and mind are linked to these horizons, so as to influence his feelings and the way he looks at life and values generally. He looks up to heaven and the life to come and contemplates the wonders and marvels of the universe. He appreciates his own position, and that of his community, in this great expanse. He realizes his own value and the value of his faith both in people’s and God’s measures. He thus fulfils his role and does his duties with a clear mind and with confidence and reassurance.
In der Art und Weise, wie die Sure diese Zusammenhänge und ihre Bedeutung für das Gesamtsystem des Universums sowie ihre Wirkung auf die Herzen der Menschen darlegt, lässt sich die Sure als aus zwei miteinander verbundenen Abschnitten bestehend betrachten. Im ersten Abschnitt stellt sie eine Verbindung her zwischen dem Sieg, der den Gläubigen gewährt wird, und der Wahrheit, die die feste Grundlage bildet, auf der das Universum gegründet ist und mit der dieses Leben ebenso wie das Jenseits eng verbunden sind. Sie lenkt die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Gesetze Gottes, wie sie bei früheren Gemeinschaften und Generationen angewandt wurden, und bedient sich in diesem Zusammenhang eines Gleichnisses über die Auferstehung. Hier schildert die Sure eine Szene vom Tag des Gerichts und davon, was dann mit den Gläubigen und den Ungläubigen geschieht. Darauf folgen weitere Bilder des Universums und der Zeichen, die Gott darin angebracht hat, wobei die Wirkung dieser Bilder auf die Herzen hervorgehoben wird. Die Sure gibt sodann ein Beispiel, das den Menschen selbst und seinem Verhältnis zu seinen Sklaven entnommen ist, um die Torheit der Vorstellung von mehreren Gottheiten aufzuzeigen, und beweist, dass sie auf Launen und Wünschen beruht, denen Wahrheit und Wissen fehlen. Dieser Abschnitt schließt mit der Weisung an den Propheten ﷺ, dem klaren Weg der Wahrheit zu folgen, dem Weg einer aufrechten Natur, die sich weder nach Wünschen richtet noch in Sekten oder auseinanderstrebende Gruppen zerfällt.
In the method it follows in outlining these links and their significances in the overall system of the universe, as well as their effects on people’s hearts, the sūrah may be thought of as consisting of two interlinked sections. In the first, it establishes a link between the victory granted to the believers and the truth that provides the firm basis on which the universe is established and with which this life as well as the next are closely associated. It directs people’s attention to God’s laws as they applied to earlier communities and generations, and in this context makes use of an analogy about resurrection. Here the sūrah depicts a scene from the Day of Judgement and what happens then to believers and unbelievers. This is followed with further scenes of the universe and the signs God has placed in it, highlighting the effects these scenes have on people’s hearts. The sūrah then gives an example drawn from themselves and their relations with their slaves to show the stupidity of the idea of multiple deities, proving that it is based on whims and desires that are devoid of truth and knowledge. This section concludes with a directive to the Prophet to follow the clear path of truth, which is the path of an upright nature that neither alters to suit desires nor divides into sects or divergent groups.
Im zweiten Abschnitt zeigt die Sure die Unbeständigkeit der Sorgen und Interessen der Menschen und dass diese sich nicht als Grundlage für den Aufbau des menschlichen Lebens eignen. Stattdessen sollten die Menschen nach einem beständigen Maßstab streben, der sich nicht nach eigennützigen Interessen biegt. Sie beschreibt solche Menschen, wenn sie die Barmherzigkeit Gottes genießen und wenn sie von Not heimgesucht werden, ebenso in Situationen des Wohlstands und der Armut. Sodann geht sie darauf ein, wie die Versorgung genutzt und vermehrt werden sollte. Anschließend behandelt sie die Frage der angeblichen Teilhaber Gottes unter diesem Blickwinkel und zeigt, dass solche vermeintlichen Gottheiten niemals Versorgung gewähren, Leben hervorbringen oder beenden können. Sie verknüpft die Ausbreitung des Verderbens zu Lande und zu Wasser mit dem, was die Menschen tun, und weist sie an, auf der Erde umherzuziehen und über die Ende nachzudenken, die frühere Gemeinschaften von Ungläubigen fanden, die Gott Teilhaber beigesellten. Dann weist sie den Propheten ﷺ an, der Religion der reinen menschlichen Natur zu folgen, bevor ein Tag kommt, an dem jeder für sein Tun belohnt wird. Wie schon im ersten Abschnitt bietet die Sure anschließend einige Szenen aus dem Universum und bemerkt, dass die wahre Rechtleitung jene ist, die Gott gibt, während die Aufgabe des Propheten ﷺ allein darin besteht, seine Botschaft zu überbringen. Es liegt nicht in seiner Macht, die Blinden sehend oder die Tauben hörend zu machen. Die Sure unternimmt sodann einen neuen Gang durch die menschliche Verfassung und erinnert an die Stufen der Entwicklung des Menschen von Anfang bis Ende, beginnend mit völliger Schwäche in der Kindheit, bevor sie Tod, Auferstehung und Gericht erwähnt und uns eine neue Szene jenes Tages vor Augen führt. Dieser Abschnitt und die Sure selbst schließen mit der Weisung an den Propheten ﷺ, in Widrigkeiten geduldig zu bleiben und alle Schwierigkeiten zu ertragen, denen er begegnet. Er solle stets zuversichtlich bleiben, dass Gottes Versprechen erfüllt wird. Daher dürfe er sich nicht von denen beunruhigen lassen, denen der Glaube fehlt.
In the second section the sūrah depicts the fickleness of people’s cares and interests and how these are unsuitable as a basis for building human life. What people should look to instead is a constant measure that does not bend to suit nefarious interests. It describes such people when they enjoy God’s mercy and when they are afflicted by hardship, as well as in situations of affluence and poverty. It moves on to speak of how provisions should be used and increased. It then discusses the question of God’s alleged partners from this angle, showing how such alleged deities can never provide sustenance, initiate or terminate life. It links the spread of corruption on land and sea with what people do, and directs them to go about the earth reflecting on the ends met by past communities of unbelievers who associated partners with God. It then directs the Prophet to follow the religion of pure human nature before a day comes when everyone will be rewarded for what they do. Like it did in the first section, the sūrah then provides some scenes of the universe, commenting that true guidance is that given by God, while the Prophet’s task is only to deliver his message. It is not in his power to make the blind see or the deaf hear. The sūrah then takes us on a new round within the human constitution, reminding us of the stages of man’s development from beginning to end, starting with utter weakness in childhood, before it mentions death, resurrection and judgement, giving us a new scene of that day. This section and the sūrah itself conclude with a directive to the Prophet to remain patient in adversity and to bear whatever difficulties he meets. He should always remain confident that God’s promise will be fulfilled. Hence, he must not let himself be disturbed by those who lack faith.
Sowohl die Atmosphäre der Sure als auch ihr allgemeiner Verlauf tragen zu ihrem Hauptthema bei, nämlich der engen Beziehung zwischen den Lebensumständen der Menschen und den Ereignissen des Lebens; der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im menschlichen Leben und den universellen Gesetzen. Dies zeigt, dass jede noch so kleine Handlung, jedes Ereignis, jedes Wachstum, jede Folge, jeder Rückschlag und jeder Sieg eng miteinander verbunden sind und einem genauen Gesetz unterliegen. Bei all dem liegt die endgültige Entscheidung bei Gott: „Alle Entscheidungsgewalt gehört Gott, vorher und nachher.“ (Vers 4) Diese Wahrheit wird im Qur'ān immer wieder bestätigt, denn sie ist die grundlegende Wahrheit des islamischen Glaubens, aus der alle Konzepte, Werte und Maßstäbe hervorgehen.
Both the ambience of the sūrah and its general flow contribute to its main theme, namely the close relation between people’s situations and life’s events; the past, present and future in human life and universal laws. This shows that every little action, event, growth, consequence, setback and victory are all closely linked, and subject to an accurate law. In all these, the final decision rests with God: “All power of decision belongs to God before and after.” (Verse 4) This truth is confirmed time after time in the Qur’ān, because it is the basic truth in the Islamic faith which gives rise to all concepts, values and standards.