Yusuf (Die Wiedervereinigung der Brüder) 58-79
Yusuf (Brothers’ Reunion) 58-79
Die Brüder Josephs kamen und traten vor ihn. Er erkannte sie sofort, sie aber erkannten ihn nicht.
Joseph’s brothers arrived and presented themselves before him. He immediately knew them, but they did not recognize him.
(58)
(58)
Und als er sie mit ihrer Versorgung ausgestattet hatte, sagte er: „Bringt mir euren Bruder von eurem Vater her. Seht ihr nicht, dass ich das volle Maß gebe und dass ich der beste Gastgeber bin? (59)
And when he had given them their provisions, he said: ‘Bring me that brother of yours from your father’s side. Do you not see that I give just measure and that I am the best of hosts? (59)
„Wenn ihr ihn aber nicht bringt, sollt ihr von mir nie wieder auch nur ein Maß [an Vorräten] erhalten, und ihr sollt auch nicht in meine Nähe kommen.“ (60)
But if you do not bring him, you shall never again receive from me a single measure [of provisions], nor shall you come near me.’ (60)
Sie sagten: „Wir werden uns bemühen, seinen Vater dazu zu bewegen, ihn mitkommen zu lassen. Wir werden dafür sorgen, dass wir das tun.“ (61)
They said: ‘We shall endeavour to persuade his father to let him come. We will make sure to do so.’ (61)
Joseph sprach zu seinen Dienern: „Legt ihre Ware in ihre Kamelsäcke, damit sie sie entdecken, wenn sie zu ihren Leuten zurückkehren. Vielleicht kommen sie wieder.“ (62)
Joseph said to his servants: ‘Place their merchandise in their camel- packs, so that they may discover it when they return to their people. Perchance they will come back.’ (62)
Als sie zu ihrem Vater zurückkehrten, sagten sie: „Vater, uns wird von nun an weiteres Getreide verwehrt. Darum schicke unseren Bruder mit uns, damit wir unser volles Maß [an Getreide] erhalten. Wir werden gut auf ihn achtgeben.“ (63)
When they returned to their father, they said: ‘Father, any [further] grain is henceforth denied us. Therefore, send our brother with us so that we may obtain our full measure [of grain]. We will take good care of him.’ (63)
Er antwortete: „Soll ich euch ihn anvertrauen, so wie ich euch früher seinen Bruder anvertraut habe? Doch Gott ist der beste Beschützer, und Er ist der Barmherzigste aller Barmherzigen.“ (64)
He replied: ‘Am I to trust you with him in the same way as I trusted you with his brother in the past? But God is the best of guardians; and of all those who show mercy He is the Most Merciful.’ (64)
Als sie ihre Kamelsäcke öffneten, entdeckten sie, dass ihre Waren ihnen zurückgegeben worden waren. „Vater“, sagten sie, „was könnten wir uns mehr wünschen? Hier ist unsere Ware: Sie ist uns zurückgegeben worden.
When they opened their camel- packs, they discovered that their merchandise had been returned to them. ‘Father,’ they said, ‘what more could we desire? Here is our merchandise: it has been returned to us.
„Wir werden Vorräte für unsere Leute besorgen, und wir werden gut auf unseren Bruder achtgeben. Wir werden eine zusätzliche Kamelladung erhalten: Das wird eine leichte Last sein.“ (65)
We will buy provisions for our people, and we will take good care of our brother. We will receive an extra camel-load: that should be an easy load.’ (65)
Er sagte: „Ich werde ihn nicht mit euch schicken, bevor ihr mir vor Gott ein feierliches Versprechen gebt, dass ihr ihn mir gewiss zurückbringen werdet, es sei denn, euch widerfährt das Schlimmste.“ Als sie ihm ihr feierliches Versprechen gegeben hatten, sagte er: „Gott ist Zeuge über alles, was wir sagen.“ (66)
He said: ‘I will not send him with you until you give me a solemn pledge before God that you will indeed bring him back to me, unless the worst befalls you.’ When they had given him their solemn pledge, [Jacob] said: ‘God is witness to all that we say.’ (66)
Und er fügte hinzu: „Meine Söhne, tretet nicht durch ein einziges Tor ein, sondern tretet durch verschiedene Tore ein. Ich kann euch gegenüber Gott in keiner Weise helfen. Das Urteil steht allein Gott zu. Auf Ihn habe ich mein Vertrauen gesetzt, und auf Ihn sollen alle, die vertrauen, ihr Vertrauen setzen.“ (67)
And he added: ‘My sons, do not enter [the city] by one gate, but enter by different gates. In no way can I be of help to you against God. Judgement rests with none but God. In Him have I placed my trust, and in Him alone let all those who trust place their trust.’ (67)
Und als sie hineingingen, so wie ihr Vater es ihnen geboten hatte, da nützte es ihnen nichts gegenüber Gott im Geringsten. Es war nur ein Wunsch in Jakobs Seele, den er damit erfüllt hatte. Er besaß das Wissen, das Wir ihm gegeben hatten. Doch die meisten Menschen wissen es nicht. (68)
And when they entered as their father had bidden them, it did not profit them in the least against God. It was but a wish in Jacob’s soul which he had thus fulfilled. He was endowed with knowledge which We had given him. But most people do not know it. (68)
Und als sie sich vor Joseph präsentierten, zog er seinen Bruder zu sich und sprach: „Ich bin dein Bruder. Sei nicht betrübt über das, was sie früher getan haben.“ (69)
And when they presented themselves before Joseph, he drew his brother to himself, and said: ‘I am your brother. Do not grieve over their past deeds.’ (69)
Und als er sie mit ihrer Wegzehrung versorgt hatte, legte er den Trinkbecher des Königs in den Reisesack seines Bruders. Dann rief ein Ausrufer: „Ihr Leute der Karawane! Ihr seid gewiss Diebe.“ (70)
And when he had given them their provisions, he placed the [King’s] drinking- cup in his brother’s camel-pack. Then an announcer called out: ‘You people of the caravan! You are surely thieves.’ (70)
Zu ihnen zurückgewandt, sagten sie:
Turning back towards them, they said:
„Was ist es, das du verloren hast?" (71)
‘What is it that you have lost?’ (71)
„Wir haben den Trinkbecher des Königs verloren“, antworteten sie. „Wer ihn bringt, dem steht eine Kamelladung [Getreide als Belohnung] zu. Dafür bürge ich.“ (72)
‘We have lost the King’s goblet,’ they answered. ‘Whoever brings it shall have a camel-load [of grain as a reward]. I pledge my word for it.’ (72)
Sie sagten: „Bei Gott, ihr wisst, dass wir nicht gekommen sind, um in diesem Land irgendein böses Werk zu begehen, und dass wir keine Diebe sind.“ (73)
They said: ‘By God, you know that we have not come to commit any evil deed in this land, and that we are no thieves.’ (73)
„Die Ägypter sagten: ‚Doch welche Strafe soll auf diese Tat stehen, wenn ihr euch als Lügner erweist?‘“ (74)
[The Egyptians] said: ‘But what shall be the punishment for this deed, if you are proved to be lying?’ (74)
Sie antworteten: „Derjenige, in dessen Reisesack er gefunden wird, soll selbst dafür als Strafe versklavt werden. So bestrafen wir die Frevler.“ (75)
They replied: ‘He in whose camel-pack it is found shall be enslaved in punishment for it. Thus do we punish the wrongdoers.’ (75)
Daraufhin begann er, vor dem Gepäck seines Bruders mit der Suche in ihren Säcken anzufangen, und holte dann den Trinkbecher aus dem Gepäck seines Bruders hervor. So bereiteten Wir es für Joseph vor. Er hatte nach dem Gesetz des Königs keinen Anspruch, seinen Bruder zurückzubehalten, hätte Gott es nicht so gewollt. Wir erheben in Erkenntnis, wen Wir wollen; doch über jedem, der mit Wissen begabt ist, steht Einer, der alles weiß. (76)
Thereupon, [Joseph] began to search their bags before the bag of his brother, and then took out the drinking-cup from his brother’s bag. Thus did We contrive for Joseph. He had no right under the King’s law to detain his brother, had God not so willed. We do exalt [in knowledge] whom We will, but above everyone who is endowed with knowledge there is One who knows all. (76)
[Die Brüder Josephs] sagten: „Wenn er gestohlen hat, dann hat zuvor schon ein Bruder von ihm gestohlen.“ Joseph behielt sein Geheimnis für sich und offenbarte es ihnen nicht, indem er [in seinem Innern] sprach: „Ihr seid in einer weitaus schlechteren Lage, und Gott weiß am besten, wovon ihr redet.“ (77)
[Joseph’s brothers] said: ‘If he has stolen — well, a brother of his had stolen previously.’ Joseph kept his secret to himself and revealed nothing to them, saying [within himself]: ‘You are in a far worse position, and God knows best what you are speaking of.’ (77)
Sie sagten: „O Herr des Landes, dieser Junge hat einen Vater, der sehr alt ist. Nimm an seiner Stelle einen von uns. Wir sehen, dass du wahrlich ein großzügiger Mann bist.“ (78)
They said: ‘Chief Minister, this lad has a father who is very old. Take one of us instead of him. We see that you are indeed generous man.’ (78)
Er antwortete: „Gott bewahre, dass wir jemand anderen nehmen als den, bei dem wir unser Eigentum gefunden haben; sonst wären wir Frevler.“ (79)
He answered: ‘God forbid that we should take any other than the man with whom we found our property; for then we would be wrongdoers.’ (79)
Eine Begegnung mit verlorenen Brüdern
An Encounter With Lost Brothers
Eine Begegnung mit den verlorenen Brüdern Die Jahre vergingen, doch die Sure lässt aus, was in ihnen geschah. Sie spricht nicht von den Jahren reicher Ernte und davon, wie die Menschen sie in ihrer Landwirtschaft bestmöglich nutzten. Ebenso wenig spricht sie davon, wie Joseph das System verwaltete und wie er die ungenutzte Ernte einlagerte. All dies scheint in Josephs eigener Aussage enthalten zu sein, als er um seine Ernennung bat: „Ich bin fähig, mit Weisheit für sie zu sorgen.“ (Vers 55) Die Sure erwähnt auch nicht das Eintreffen der schlechten Jahre mit geringer Ernte, wie die Menschen sie aufnahmen oder wie sie in dieser Zeit praktisch ihre Lebensgrundlage verloren. All dies scheint in der Deutung des Traumes des Königs enthalten zu sein, als Joseph über diese Jahre sagte: „Danach werden sieben harte Jahre kommen, die alles verzehren werden, was ihr für sie aufbewahrt habt, außer dem wenigen, was ihr eingelagert habt.“ (Vers 48)
An Encounter with Lost Brothers Years went by, but the sūrah leaves out what happened during them. It does not speak about the years of rich harvest, and how the people went about making the best use of them in their agriculture. Nor does it speak about how Joseph managed the system, and how he stocked the unused harvest. All these seem to be implied in Joseph’s own statement when he requested his appointment: “I am able to look after them with wisdom.” (Verse 55) Nor does the sūrah mention the arrival of the hard years with poor harvest, or how the people received them, or how they practically lost their livelihood during them. It all seems to be implied in the interpretation of the King’s dream, when Joseph said of these years: “Then after that there will come seven hard years which will devour all that you have laid up for them, except a little of what you have kept in store.” (Verse 48)
Die Sure erwähnt den König oder einen seiner Minister oder Berater bei keinem künftigen Ereignis. Dadurch entsteht der Eindruck, dass alle wichtigen Angelegenheiten in Josephs Hände gelegt wurden. Er war es, der die ganze Krise bewältigte. Joseph steht im Mittelpunkt des Geschehens, und die Sure nutzt diese historische Tatsache wirkungsvoll aus.
The sūrah does not mention the King or any of his ministers or advisors at any future event. It thus gives us the impression that all matters of importance were left in Joseph’s hands. It was he who managed the whole crisis. Joseph is the one given all the limelight, and the sūrah makes effective use of this historical fact.
Was die Auswirkungen der Jahre der Knappheit betrifft, so lenkt die Sure die Aufmerksamkeit darauf, indem sie Josephs Brüder als diejenigen erwähnt, die aus der Wüste, aus einem fernen Land, nach Ägypten kamen, um dort Nahrung zu suchen. Dies vermittelt uns eine Vorstellung davon, wie weit verbreitet die Hungersnot war.
Die Brüder reisen wieder
The Brothers Travel Again
Die Sure führt uns sogleich in das Land Kanaan, wo die Brüder mit ihrem Vater sprechen. Die Sure sagt überhaupt nichts über die Rückreise und darüber, ob dabei etwas Wichtiges geschah. Hier berichten die Brüder ihrem Vater den wichtigsten Punkt, den sie am Ende ihrer Reise erfahren haben: „Als sie zu ihrem Vater zurückkehrten, sagten sie: ‚Vater, uns wird künftig jegliches [weitere] Getreide verwehrt.
The sūrah takes us immediately to the land of Kanaan, where the brothers are talking to their father. The sūrah says nothing whatsoever about the return journey, and whether anything of importance happened. Here the brothers are telling their father the most important point that they learnt at the end of their trip: “When they returned to their father, they said: ‘Father, any [further] grain is henceforth denied us.
„Schicke deshalb unseren Bruder mit uns, damit wir unser volles Maß [an Getreide] erhalten. Wir werden gut auf ihn achten.“ (Vers 63) Sie wollten, dass ihr Vater dies unverzüglich erfährt, denn sie sagen dies, noch bevor sie ihr Gepäck öffnen. Sie teilen ihm mit, dass der Oberste Minister Ägyptens beschlossen hat, ihnen keine weiteren Vorräte zu geben, es sei denn, sie nehmen ihren jüngeren Bruder mit. Daher bitten sie ihren Vater, ihn mit ihnen ziehen zu lassen, damit sie solche Vorräte kaufen können. Sie versprechen, gut auf ihn zu achten.
Therefore, send our brother with us so that we may obtain our full measure [of grain]. We will take good care of him.’“ (Verse 63) They wanted their father to know this urgently, because they say this even before they open their luggage. They tell him that the Chief Minister of Egypt has decided not to give them any further provisions unless they take their younger brother with them. Hence they request their father to let him go with them so that they can buy such provisions. They promise to take good care of him.
Dieses Versprechen muss in Jakobs Gedächtnis alte Erinnerungen geweckt haben. Es ist eine genaue Wiederholung ihres Versprechens, gut auf Joseph aufzupassen. Daher spricht er von seinem Kummer, den das neue Versprechen wieder aufleben ließ: „Er sagte: ‚Soll ich ihn euch anvertrauen, so wie ich euch seinen Bruder früher anvertraut habe?‘“ (Vers 64) Damit sagt er ihnen im Grunde, dass er mit ihren Versprechen nichts zu tun haben will. Er hat die Fürsorge, die sie seinem jüngeren Sohn angedeihen lassen mögen, nicht nötig. Sollte er für ihn einen Beschützer brauchen, wird er ihn anderswo suchen: „Doch Gott ist der beste Beschützer, und Er ist der Barmherzigste aller Barmherzigen.“ (Vers 64)
This promise must have awakened old memories in Jacob’s mind. It is an exact repeat of their promise to take good care of Joseph. Hence, he speaks of his sorrows that the new promise has revived: “He replied: ‘Am I to trust you with him in the same way as I trusted you with his brother in the past?”‘ (Verse 64) He is in effect telling them he will have nothing to do with their promises. He has no need of the care they may take of his younger son. Should he need any guardianship for him, he will seek it elsewhere: “But God is the best of guardians; and of all those who show mercy He is the Most Merciful.” (Verse 64)
Auf der Suche nach unnötigen Details
Looking For Unnecessary Details
Die Reisegruppe zieht weiter, und Jakobs Söhne führen die Anweisungen ihres Vaters aus.
The party moves along and Jacob’s children carry out their father’s instructions:
„Und als sie eintraten, wie ihr Vater es ihnen geboten hatte, nützte es ihnen nichts gegen Gott im Geringsten. Es war nur ein Wunsch in Jakobs Seele, den er damit erfüllte. Er war im Besitz von Wissen, das Wir ihm gegeben hatten. Doch die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Vers 68) Welchen Zweck hatte Jakobs Anweisung? Warum wollte er, dass sie die Stadt durch verschiedene Tore betreten?
“And when they entered as their father had bidden them, it did not profit them in the least against God. It was but a wish in Jacob’s soul which he had thus fulfilled. He was endowed with knowledge which We had given him. But most people do not know it.” (Verse 68) What was the purpose of Jacob’s instruction? Why does he want them to enter the city from different gates?
Berichte und Kommentare bieten verschiedene Erklärungen an, für die es keinen Bedarf gibt. Tatsächlich stehen diese Erklärungen im Widerspruch zu dem, was der Text des Qur'ān vermitteln will.
Reports and commentaries provide different explanations for which there is no need. In fact these explanations are against what the Qur’ānic text wants to impart.
Hätte der Qur'an uns über den Grund für diese Anweisungen aufklären wollen, so hätte er es angegeben; doch er erwähnt nichts weiter, als zu sagen: „Es war nur ein Wunsch in Jakobs Seele, den er damit erfüllte.“ (Vers 68) Kommentatoren sollten daher ebenso an dieser Stelle innehalten, um die Atmosphäre zu bewahren, die der Qur'an vermitteln will. Diese Atmosphäre legt nahe, dass Jakob etwas für seine Kinder fürchtete, wovon er glaubte, es könne dadurch verhindert werden, dass sie die Stadt durch verschiedene Tore betreten. Zugleich erkennt er, dass er ihnen gegen Gottes Willen nichts nützen könnte.
Had the Qur’ān wanted to enlighten us about the reason for these instructions, it would have stated it, but it does not mention anything other than saying, “It was but a wish in Jacob’s soul which he had thus fulfilled.” (Verse 68) Commentators should likewise stop at this juncture in order to retain the atmosphere the Qur’ān wants to impart. That atmosphere suggests that Jacob feared something for his children, which he felt could be prevented by their entering the city from different gates. At the same time he realizes that he could not avail them anything against God’s will.
Alles Urteil gehört Gott, und alles Vertrauen muss in Ihn gesetzt werden. Es war nur in einem intuitiven Sinn, dass er diese Anweisung seinen Kindern gab. Gott hatte es ihn gelehrt, und er hatte gelernt, dass Gottes Wille gewiss erfüllt wird: „Doch die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Vers 68)
Ein Diebstahl wird angekündigt
A Theft Is Announced
„Als sie sich vor Joseph einfanden, zog er seinen Bruder zu sich und sprach: ‚Ich bin dein Bruder. Gräme dich nicht über das, was sie früher getan haben.‘“ (Vers 69) Wir bemerken, wie die Sure uns nicht im Ungewissen lässt, sondern uns sehr rasch mitteilt, dass Joseph seinen Bruder beiseitenahm, um mit ihm unter vier Augen zu sprechen, und ihm sagte, dass er sein eigener Bruder sei. Außerdem sagt er ihm, dass er sich nicht um das kümmern solle, was seine Brüder ihm angetan haben. Die Sure berichtet uns das sofort, obwohl es natürlich irgendwann nach ihrer Ankunft geschehen sein muss, als Joseph Gelegenheit hatte, ungestört mit seinem Bruder zu sprechen.
“And when they presented themselves before Joseph, he drew his brother to himself and said: ‘I am your brother. Do not grieve over their past deeds.’“ (Verse 69) We note how the sūrah does not keep us in suspense but tells us very quickly that Joseph took his brother aside for a private talk telling him that he was his own brother. He also tells him not to bother himself with what his brothers did to him. The sūrah tells us straightaway about that, although naturally it must have happened sometime after their arrival, when Joseph has had a chance to speak to his brother in private.
Dennoch war dies der erste Gedanke in Josephs Sinn, als seine Brüder seinen Ort betraten und als er seinen leiblichen Bruder nach so langer Zeit sah. Daher erwähnt die Sure es als erste Handlung, weil es der erste Gedanke ist. Dies ist einer der feineren Aspekte des Stils dieses bemerkenswerten Buches.
Nevertheless, this was the first thought in Joseph’s mind when his brothers entered his place and when he saw his full brother after such a long time. Hence, the sūrah mentions it as the first action because it is the first thought. This is one of the finer aspects of the style of this remarkable book.
Die Sure lässt dann alle Einzelheiten der Gastfreundschaft aus, die Joseph seinen Brüdern möglicherweise erwiesen hat. Sie geht geradewegs zur letzten Szene über, als die Brüder im Begriff sind aufzubrechen. Uns wird Josephs Plan bewusst gemacht, seinen Bruder bei sich zu behalten, damit seine Halbbrüder einige notwendige Lektionen lernen, die auch für alle Menschen und alle Generationen nützlich sind: „Und als er ihnen ihre Versorgung gegeben hatte, legte er den [Trink-]Becher des Königs in den Reisesack seines Bruders. Dann rief ein Ausrufer: ‚Ihr Leute der Karawane! Ihr seid gewiss Diebe.‘ Sie wandten sich ihnen zu und sagten: ‚Was ist es, das ihr vermisst?‘ ‚Wir vermissen den Becher des Königs‘, antworteten sie. ‚Wer ihn bringt, soll eine Kamelladung [Getreide als Belohnung] erhalten. Ich verbürge mich dafür.‘ Sie sagten: ‚Bei Gott, ihr wisst, dass wir nicht gekommen sind, um in diesem Land eine böse Tat zu begehen, und dass wir keine Diebe sind.‘ [Die Ägypter] sagten: ‚Doch welche Strafe soll auf diese Tat stehen, wenn ihr als Lügner erwiesen werdet?‘ Sie antworteten: ‚Der, in dessen Reisesack er gefunden wird, soll zur Strafe dafür versklavt werden. So bestrafen wir die Frevler.‘ Daraufhin begann [Joseph], ihre Säcke vor dem Sack seines Bruders zu durchsuchen, und holte dann den Trinkbecher aus dem Sack seines Bruders hervor. So planten Wir für Joseph. Er hätte nach dem Gesetz des Königs seinen Bruder nicht zurückbehalten dürfen, hätte Gott es nicht so gewollt. Wir erheben [an Wissen], wen Wir wollen, doch über jedem, der Wissen besitzt, steht Einer, der alles weiß.‘ [Josephs Brüder] sagten: ‚Wenn er gestohlen hat – nun, ein Bruder von ihm hat früher auch schon gestohlen.‘ Joseph bewahrte sein Geheimnis für sich und offenbarte ihnen nichts, indem er [bei sich] sprach: ‚Ihr seid in einer weit schlechteren Lage, und Gott weiß am besten, wovon ihr sprecht.‘ Sie sagten: ‚Oh Herr des Amtes, dieser Junge hat einen Vater, der sehr alt ist. Nimm einen von uns an seiner Stelle. Wir sehen, dass du wahrlich ein großzügiger Mann bist.‘ Er antwortete: „Gott bewahre, dass wir jemand anderen nehmen als den, bei dem wir unser Eigentum gefunden haben; sonst wären wir Unrechttäter.“ (Verse 70–79)
Joseph nimmt seinen Bruder fest
Joseph Arrests His Brother
An dieser Stelle stellten die Wächter bzw. das Personal ihnen die Herausforderung: „Doch welche Strafe soll auf diese Tat stehen, falls ihr der Lüge überführt werdet?“ (Vers 74)
At this point, a challenge was put to them by the guards or staff: “But what shall be the punishment for this deed, if you are proved to be lying?” (Verse 74)
Hier wird ein Teil des Plans offenbart, den Gott Joseph eingegeben hat. In Jakobs Glauben war es üblich, dass ein Dieb als Geisel oder Gefangener genommen wurde oder dass er als Ausgleich für das Gestohlene versklavt wurde. Da Josephs Brüder sich ihrer Unschuld gewiss waren, erklärten sie sich damit einverstanden, dass ihr Recht gegen denjenigen angewandt werde, bei dem sich herausstellen sollte, dass er den Becher gestohlen hatte. Ihre Antwort legte die Strafe nach ihrem eigenen Rechtssystem fest: „Derjenige, in dessen Satteltasche er gefunden wird, soll dafür als Sklave behalten werden. So bestrafen wir die Frevler.“ (Vers 75) Ein Dieb ist ein Frevler, und Frevler müssen gemäß dem Recht behandelt werden.
Here a part of the design which God has inspired Joseph to employ is revealed. It was customary in Jacob’s faith that a thief be taken as a hostage or captive or that he be enslaved in compensation for what he had stolen. Since Joseph’s brothers were certain of their innocence, they accepted that their law should be enforced against the one who might be proved to have stolen the goblet. Their reply defined the punishment in their own legal system: “He in whose camel pack it is found shall be enslaved in punishment for it. Thus do we punish the wrongdoers.” (Verse 75) A thief is a wrongdoer and wrongdoers must be treated according to the law.
Dieses Gespräch fand in Anwesenheit Josephs statt, der daraufhin anordnete, dass ihre Kamelpacktaschen durchsucht würden. Weise, wie er war, begann er mit der Durchsuchung der Kamelpacktaschen seiner Halbbrüder, bevor er die seines jüngeren Bruders durchsuchte, damit er in dieser Angelegenheit keinen Verdacht erregte: „Da begann [Joseph], ihre Packtaschen zu durchsuchen, bevor er die Packtasche seines Bruders durchsuchte, und holte dann den Trinkbecher aus der Packtasche seines Bruders hervor.“ (Vers 76) Die Erzählung überlässt es uns, uns die große Erschütterung vorzustellen, die die Söhne Jakobs erlebten, als sie sich ihrer Unschuld völlig sicher waren und einstimmig darauf schworen. Sie erwähnt nichts von all dem und überlässt es uns stattdessen, darüber nachzudenken.
This conversation took place in front of Joseph who then ordered that their camel- packs be searched. Wise as he was, he started by searching the camel-packs of his half brothers before that of his younger brother’s, so that he did not raise any doubt about the matter: “Thereupon, [Joseph] began to search their bags before the bag of his brother, and then took out the drinking-cup from his brother’s bag.” (Verse 76) The narrative leaves us to imagine the great shock Jacob’s sons experienced when they were absolutely certain of their innocence, swearing to it in one voice. It mentions nothing of all this, leaving us instead to contemplate it.
Erfolglose Berufung
Unsuccessful Appeal
Wenn wir zu Josephs Brüdern zurückkehren, deren Groll gegen Joseph und seinen Bruder neu entfacht wurde, sehen wir, wie sie sich nach Kräften bemühen, jeglichen Zusammenhang mit dem Diebstahl abzustreiten, und die Schuld dabei dem anderen Zweig der Kinder ihres Vaters zuschieben: „Sie sagten: ‚Wenn er gestohlen hat – nun, ein Bruder von ihm hat früher auch gestohlen.‘“ (Vers 77) Es gibt zahllose Berichte, die ihre Aussage zu bekräftigen suchen, indem sie verschiedene Ausreden und Legenden anführen. Dabei wird vergessen, dass diese Männer selbst zuvor ihren Vater über Joseph belogen hatten. Diese Versuche übersehen, dass sie auch dem Ministerpräsidenten Ägyptens erneut hätten Lügen auftischen können, um sich der Verantwortung für eine peinliche Tat zu entziehen. So versuchen sie, sich von allem loszusagen, was mit Joseph und seinem jüngeren Bruder zu tun hat. Ihr Verhalten zeigt, dass sie nach wie vor Groll gegen beide, Joseph und seinen Bruder, hegten.
Turning back to Joseph’s brothers whose grudge against Joseph and his brother has been aroused, we find them trying their best to deny having anything to do with theft, while they attach it to the other branch of their father’s children: “They said: ‘If he has stolen — well, a brother of his had stolen previously.’“ (Verse 77) There are countless reports which try to endorse their statement, quoting various excuses and legends, forgetting that these people had themselves previously lied to their father about Joseph. These attempts forget that they could lie again to Egypt’s Chief Minister in order to deny their responsibility for an embarrassing act. They thus try to absolve themselves of anything to do with Joseph and his younger brother. Their action shows that they still harboured a grudge against both Joseph and his brother.
Daher legten sie die Schuld genau diesen beiden zur Last.
Hence they put the blame squarely on these two.
„Joseph behielt sein Geheimnis für sich und offenbarte ihnen nichts.“ (Vers 77) Er ertrug ihre Anschuldigung einfach, ohne zu zeigen, dass ihn diese berührte, denn er wusste, dass er und sein Bruder völlig unschuldig waren. Er sagte nur zu ihnen: „Ihr seid in einer weit schlechteren Lage.“ (Vers 77) Damit ist gemeint, dass ihre falsche Anschuldigung sie in den Augen Gottes in eine weit schlechtere Lage gebracht hat als den Angeklagten. Dies ist eine Feststellung von Tatsachen und keine Beleidigung. „Gott weiß am besten, wovon ihr sprecht.“ (Vers 77) Dies sagt er, um sich auf keine Diskussion über ihre Anschuldigung einzulassen, mit der er vermutlich nichts zu tun hatte.
“Joseph kept his secret to himself revealed nothing to them.” (Verse 77) He simply bore their accusation without showing that he was affected by it, knowing that both he and his brother were totally innocent. He only said to them: “You are in a far worse position.” (Verse 77) What this means is that their false accusation put them in a far worse position in God’s sight than that of the accused. His is a statement of fact, not an insult. “God knows best what you are speaking of” (Verse 77) This he says so as not to enter into any argument about their accusation, which he presumably had nothing to do with.