„Auch das Volk Nuhs hat die Gesandten Gottes für lügnerisch erklärt.“ (Vers 105) Dies ist das Ende der Geschichte, doch wird es am Anfang genannt, um ihr zusätzlichen Nachdruck zu verleihen, bevor zu den Einzelheiten der Geschichte übergegangen wird.
“The people of Noah, too, denied God’s messengers.” (Verse 105) This is the end of the story, but it is given at the beginning so as to add extra emphasis, before moving on to give the details of the story.
Tatsache ist, dass Noahs Volk nur Noah verleugnete, doch wird hier gesagt, sie hätten die Gesandten Gottes verleugnet, denn die Botschaft ist eine einzige. Sie fasst sich im Aufruf zusammen, die Einheit Gottes anzuerkennen und Ihn allein anzubeten, ohne Ihm Teilhaber beizugesellen. Wer sie zurückweist, verleugnet daher alle Gesandten Gottes, da sie alle ein und dieselbe Botschaft verkündeten. Der Qur'ān betont diese Tatsache an mehreren Stellen und in unterschiedlicher Form, denn sie ist ein grundlegendes Prinzip des islamischen Glaubens. So fasst er den göttlichen Glauben in der gesamten Menschheitsgeschichte unter einem Dach zusammen und teilt die Menschheit über alle Generationen hinweg in zwei Gruppen ein: Gläubige und Ungläubige. Ein Muslim betrachtet die Gemeinschaft der Gläubigen in jeder göttlichen Religion, vom Beginn des menschlichen Lebens bis zum Erscheinen der letzten göttlichen Botschaft des Islam, als seine eigene Gemeinschaft. Ein Gläubiger nimmt alle Gesandten Gottes an, glaubt an ihre Botschaften und begegnet ihnen allen mit höchster Achtung, denn sie alle predigten dieselbe Botschaft von der Einheit Gottes.
The fact is that Noah’s people denied him only, but they are described here as denying God’s messengers, because the message is one, summed up in the call to acknowledge God’s oneness and to worship Him alone, associating no partners with Him. Therefore, whoever rejects it denies all God’s messengers as they advocated one and the same message. The Qur’ān stresses this fact in several places and in different forms, because it is a basic principle of the Islamic faith. It, thus, brings the divine faith throughout human history under one umbrella, dividing mankind throughout all generations into two groups: believers and unbelievers. A Muslim considers that the community of believers in every divine religion, from the beginning of human life to the advent of the final divine message of Islam, as his own community. A believer accepts all God’s messengers, believes in their messages and looks upon them all with the highest respect, because they all preached the same message of God’s oneness.
Aus muslimischer Sicht sind die Menschen nicht in Rassen, Hautfarben und Nationalitäten eingeteilt. Sie sind eingeteilt in die Leute der Wahrheit und die Leute der Falschheit. Der Standpunkt des Muslims steht auf der Seite der Leute der Wahrheit. Dadurch hat der Muslim ein Kriterium, das für die gesamte Geschichte gilt. Seine Werte stehen weit über den Banden von Rasse, Hautfarbe, Sprache, Land sowie gegenwärtiger oder vergangener Verwandtschaft. Seine Werte sind in das Band des Glaubens verkörpert, das die Grundlage der Verantwortlichkeit der Menschheit bildet.
From a Muslim’s perspective, mankind are not divided into races, colours and nationalities. They are divided into the people of the truth and the people of falsehood. His own stand is with the people of the truth. This gives Muslims one criterion that applies to all history. His values are much higher than bonds of race, colour, language, country and present or past kinship. His values are embodied into the bond of faith which is the basis of mankind’s accountability:
Auch das Volk Nuhs bezichtigte die Gesandten Gottes der Lüge. Ihr Bruder Nuh sprach zu ihnen:
The people of Noah, too, denied God’s messengers. Their brother Noah said to them:
„Wollt ihr denn Gott nicht fürchten? Ich bin ein Gesandter für euch, dem man vertrauen kann. So fürchtet Gott und gehorcht mir. Ich verlange dafür keinen Lohn von euch; mein Lohn kommt allein vom Herrn der Welten. So fürchtet Gott und gehorcht mir.“ (Verse 105–110)
‘Will you have no fear of God? I am a Messenger [sent by Him] to you, worthy of all trust. So, fear God and pay heed to me. No reward whatever do I ask of you for it: my reward is only from the Lord of all the worlds. So, fear God and pay heed to me.’ (Verses 105-110)
So war die Botschaft Noahs, die sein Volk zurückwies, obwohl er einer von ihnen war, ihr Bruder. Diese Bruderschaft hätte ein friedliches Verhältnis sicherstellen sollen, das zu ihrem Glauben an ihn und seine Botschaft geführt hätte. Doch sein Volk hatte für dieses Band der Brüderlichkeit keine Zeit, und sie ließen sich nicht von dem Ruf ihres Bruders erweichen, als er zu ihnen sprach:
Such was Noah’s message which his people denied, despite his being their brother. Such brotherhood should have ensured a peaceful relationship, leading to their belief in him and his message. But his people had no time for this bond of brotherhood, and they did not soften to their brother’s call when he said to them:
„Wollt ihr nicht gottesfürchtig sein?“ (Vers 106) Werdet ihr euch nicht Sorgen machen über das Ende, zu dem euch eure Haltungen und Taten führen?
“Will you have no fear of God?” (Verse 106) Will you not worry about the end to which your attitudes and actions lead you?
Diese Mahnung und Aufforderung, Gott zu fürchten, zieht sich durch diese Sure. Wir haben sie schon bei Pharao und seinem Volk gesehen, als Gott Moses seinen Auftrag mitteilte. Dann sagte jeder Prophet, der auf Noah folgte, dasselbe zu seinem Volk: „Ich bin ein Gesandter [von Ihm] zu euch, dem man vertrauen kann.“ (Vers 107) Er würde nicht betrügen, übervorteilen oder unehrlich handeln. Er würde weder etwas zu dem hinzufügen noch etwas davon zurückhalten, was er seinem Volk überbringen sollte: „So fürchtet Gott und gehorcht mir.“ (Vers 108) In diesem Fall erinnert Noah sein Volk erneut daran, Gott zu fürchten, und gibt dieser Furcht diesmal eine deutlichere Bestimmung. Er appelliert an ihr Gewissen, ihm zu gehorchen, während er sie aufruft, sich Gott hinzugeben.
This directive and reminder to fear God is consistent in this sūrah. We saw it with Pharaoh and his people as God informed Moses of his assignment. Then every prophet that succeeded Noah said the same thing to his community: “I am a Messenger [sent by Him] to you, worthy of all trust.” (Verse 107) He would not cheat, defraud or act dishonestly. He would not add to, or withhold anything from what he was required to deliver to his people: “So, fear God and pay heed to me.” (Verse 108) In this case, Noah again reminds his people to fear God, giving it a more express definition this time. He appeals to their consciences to obey him as he calls on them to surrender themselves to God.
Er versichert ihnen daraufhin, dass er weder nach irgendeinem weltlichen Gewinn strebe noch einen Lohn dafür verlange, dass er die göttliche Botschaft verkündet und sie zu ihrem Herrn führt. Er sucht allein den Lohn Gottes, denn Er ist es, der ihm seine Botschaft gegeben hat. Diese Versicherung, keinen Gewinn und keinen Lohn zu suchen, scheint für die aufrichtige Verkündigung des Glaubens stets notwendig gewesen zu sein. Sie unterscheidet sich somit von dem bekannten Muster, in dem Religion von Geistlichen und religiösen Orden zur persönlichen Bereicherung ausgenutzt wird.
He then reassures them that he was neither looking for any worldly gain nor seeking any wage in return for advocating the divine message and guiding them to their Lord. He seeks only God’s reward, because it was He who gave him his message. This assurance of seeking no gain or wage seems to have always been necessary for sincere advocacy of faith. It is, thus, distinguished from the familiar pattern of religion as exploited by clerics and religious orders for personal gain and enrichment.
Nachdem er ihnen versichert hat, keinen persönlichen Ehrgeiz zu haben, fordert Noah sie erneut auf, Gott zu fürchten, und erinnert sie daran, dass sie ihm gehorchen sollen: „So fürchtet Gott und gehorcht mir.“ (Vers 110) Ihre Antwort, ein einziger Einwand, war dieselbe, die allen Gesandten gegeben wurde: „Sie sprachen: Sollen wir an dich glauben, obwohl dir nur die Niedrigsten der Niedrigen folgen?“ (Vers 111)
Now that he has reassured them of having no personal ambition, Noah again tells them to fear God, reminding them that they should obey him: “So, fear God and pay heed to me.” (Verse 110) Their response, a singular objection, was the same given to all messengers: “They said: Are we to believe in you, even though only the lowest of the low follow you?” (Verse 111)
Gemeint war damit, dass nur die Armen ihm folgten, denn die Armen sind gewöhnlich die Ersten, die göttliche Botschaften und Gesandte annehmen. Sie glauben schnell an Gott und unterwerfen sich Ihm, weil sie weder von einem hohlen Status abgeschreckt werden noch aus Furcht, dadurch Interessen oder Stellung zu verlieren. Die Häupter und Edlen der Gesellschaft fürchten häufig um ihre Interessen, die auf falschen Erwägungen beruhen, ebenso um Mythen und Legenden, denen ein religiöser Rang zugeschrieben wird. Zudem sind sie nicht bereit, als Folge des Glaubens an die Einheit Gottes völlige Gleichheit mit den Massen anzuerkennen. Unter einem solchen Glaubenssystem wird allein Glaube und gute Tat ein angemessen hoher Wert beigemessen, mit dem Ergebnis, dass einige Menschen nach dem einen Maßstab des Glaubens, der durch gute Taten ergänzt wird, aufsteigen und andere fallen.
What they meant was that it was only the poor who followed him, because the poor are normally the first to accept divine messages and messengers. They are quick to believe in God and submit themselves to Him, because they are not deterred by any hollow status or fear of losing any interest or position as a result. The chiefs and nobles of society often fear for their interests that are based on false considerations, as also myths and legends that are given religious status. Moreover, they are unwilling to accept complete equality with the masses as a result of believing in God’s oneness. Under such a belief system only faith and good action are given an appropriately high value, with the net result that some people rise and others fall by the single standard of faith that is complemented by good action.
Die Antwort Noahs legt daher wahre Maßstäbe fest, bestimmt den Auftrag des Gesandten Gottes und überlässt das Urteil über die Menschen Gott, der ihre Absichten, Gedanken und Taten am besten kennt:
Noah’s reply, therefore, establishes true values, defining the mission of God’s messenger and leaves judgement on people to God who knows best their intentions, thoughts and actions:
Er sprach: Was weiß ich davon, was sie früher getan haben?
Ihre Abrechnung obliegt nur meinem Herrn – wenn ihr es nur begreifen würdet.
Ich bin nicht derjenige, der die Gläubigen fortjagt.
Ich bin nur ein deutlicher Warner.
Said he: What knowledge do I have as to what they used to do in the past? Their reckoning rests with none other than my Lord, if you could but understand. I am not one to drive away the believers. I am only a plain warner. (Verses 112-115)
Der Adel spricht stets abwertend über die Armen. Sie sagen, deren Gewohnheiten und Wertvorstellungen seien für diejenigen in den höheren Schichten der Gesellschaft nicht annehmbar. Sie besäßen nichts von deren Verfeinerung. Noah sagt ihnen, dass er von den Menschen nichts anderes verlange, als dass sie an Gott glauben. Ihre Taten seien Gott überlassen, damit Er sie beurteile und ihnen den angemessenen Lohn bestimme. Sein, Gottes, ist die richtige Beurteilung. Dann bestimmt Noah seine eigene Aufgabe: „Ich bin nur ein deutlicher Warner.“ (Vers 115)
The nobility always speak in a derogative manner about the poor. They say that their habits and values are not acceptable to those who are in the higher echelons of society. They have nothing of their refinements. Noah tells them that he does not ask of people anything other than that they believe in God. Their actions are left to God to evaluate and to determine their appropriate reward. His, God’s, is the right evaluation. Noah then defines his own mission: “I am only a plain warner.” (Verse 115)
Mit so klarer Argumentation und schlichter Logik waren die Leute Noahs zum Schweigen gebracht. Sie hatten keine stichhaltige Erwiderung anzubieten. Daher griffen sie zu derselben Methode, zu der die Tyrannei jedes Mal greift, wenn sie sich in die Enge gedrängt sieht: Sie drohten ihm mit roher Gewalt: „Sie sprachen: O Noah, wenn du nicht ablässt, wirst du gewiss gesteinigt werden.“ (Vers 116) So zeigt die Tyrannei ihr grauenhaftes und grausames Antlitz.
With such clear argument and plain logic, Noah’s people were silenced. They had no meaningful reply to offer. Hence, they resorted to the same method to which tyranny resorts every time it finds itself cornered; they threatened him with brute force: “Said they: Noah! If you will not desist, you will surely be stoned to death.” (Verse 116) Thus tyranny reveals its ghastly and cruel face.
Noah erkannte, dass ihre verhärteten Herzen nicht weich werden würden. Daher wandte er sich an die eine Quelle des Beistands, die den Gläubigen stets zur Verfügung steht und sie niemals im Stich lässt:
Noah realized that their hardened hearts would not soften. Therefore, he turned to the One source of support that is always available to believers, never failing them:
Er betete: „Mein Herr! Mein Volk hat mich verleugnet. Entscheide daher klar zwischen mir und ihnen und rette mich und diejenigen der Gläubigen, die bei mir sind.“ (Verse 117-118) Sein Herr wusste sicherlich, dass sein Volk ihn verleugnet und der Lüge bezichtigt hatte, doch Noah musste seine Klage an Gott richten und Ihn um Gerechtigkeit bitten. So legt er die Angelegenheit in Seine Hände: „Entscheide daher klar zwischen mir und ihnen.“ (Vers 118) Ein solch klares Urteil wird Tyrannei und Ungerechtigkeit ein Ende setzen: „Und rette mich und diejenigen der Gläubigen, die bei mir sind.“ (Vers 118)
“He prayed: My Lord! My people have denied me. So, judge decisively between me and them, and save me and those of the believers who are with me.” (Verses 117-118) His Lord certainly knew that his people had denied him and accused him of lying, but Noah needed to address his complaint to God, appealing to Him for justice. Thus, he puts the matter in His hands: “Judge decisively between me and them.” (Verse 118) Such decisive judgement will put an end to tyranny and injustice: “And save me and those of the believers who are with me.” (Verse 118)
Gott erhörte gewiss das Flehen Seines Gesandten um Hilfe: „Da retteten Wir ihn und diejenigen, die mit ihm waren, in der beladenen Arche, und Wir ließen die anderen, die zurückgeblieben waren, ertrinken.“ (Verse 119-120) So wird das Ende dieser sehr frühen Schlacht in der Menschheitsgeschichte zwischen Glaube und Unglaube in einer sehr knappen Abfolge von Worten beschrieben, die zugleich vom Ausgang jeder späteren Auseinandersetzung zwischen beiden Seiten in der Menschheitsgeschichte berichten.
God certainly responded to His messenger’s plea for help: “So We saved him, and those with him, in the laden ark, and We caused the others who stayed behind to drown.” (Verses 119-120) Thus, the end of this very early battle in human history between faith and unfaith is described in a very quick sequence of words, which also tell of the outcome of every subsequent battle between the two sides in human history.
Dann folgt der Kommentar der Sure, der nun schon vertraut ist und auf jedes der Zeichen Gottes des Allmächtigen folgt: „Gewiss liegt darin ein deutliches Zeichen; doch die meisten von ihnen glauben nicht. Und gewiss, dein Herr ist der Mächtige, der Barmherzige.“ (Verse 121-122)
We then have the sūrah’s now familiar comment that follows every one of God Almighty’s signs: “Indeed, there is in this a sure sign; yet most of them will not believe. And indeed it is your Lord who is the Mighty One, the Merciful.” (Verses 121-122)