Nun beginnt die Sure mit ihren Betrachtungen zu den Berichten über die Geschichten von Moses und Noah mit ihren Völkern. Zu Beginn beruhigt sie den Propheten ﷺ, indem sie ihm mitteilt, was den Gesandten widerfahren ist, die Gott vor seiner Zeit gesandt hat. Sie erklärt ihm auch den wahren Grund für die Ablehnung der Wahrheit durch sein Volk. Ihm wird gesagt, dass diesen Menschen nicht mehr Zeichen und klare Beweise für diese Wahrheit fehlen. Es fehlt ihnen vielmehr die Erfüllung der menschlichen Natur mit all dem, was Gott in sie gelegt hat an der Anlage, der Rechtleitung oder dem Irrtum zu folgen, und an Gutem oder Bösem. Danach wird ein kurzer Bericht über die Geschichte des Propheten Jona hinzugefügt, der erwähnt, wie sein Volk im letzten Augenblick glaubte, als Gottes Strafe sie zu überwältigen drohte. Ihre Annahme des Glaubens bewirkte die Aufhebung dieser Strafe. Dies wird als Ermutigung für die Araber gegeben, die die Wahrheit leugneten, sie anzunehmen, bevor auch ihre Zeit abgelaufen ist. Der Abschnitt schließt mit einer Darlegung der grundlegenden Themen, die die im Qur'ān gegebenen Geschichten früherer Völker betonen sollen. Sie bestätigen, dass die Gesetze, die Gott in Kraft gesetzt hat, auf spätere Gemeinschaften ebenso angewandt werden, wie sie auf frühere angewandt wurden. Das bedeutet Verderben und Leid für die Ungläubigen, die Gott und Seine Botschaft leugnen, während die Gesandten und diejenigen, die ihnen folgen, gerettet werden. Dies ist eine Verpflichtung, die Gott eingegangen ist, und ein Gesetz, das Er festgelegt hat. Es wird sich stets erfüllen.
Now the sūrah begins its comments on the accounts it gives of the stories of Moses and Noah with their peoples. At the outset, it reassures the Prophet by telling him what happened to other messengers God sent before his time. It also explains to him the real reason for his people’s denial of the truth. He is told that what these people lack is not more signs and clear proofs of this truth. It is simply the fulfilment of human nature with all that God has placed in it of aptitude to follow guidance or error and to be good or evil. A brief account of the Prophet Jonah’s history is then added, mentioning how his people believed in the nick of time when God’s punishment was about to overwhelm them. Their acceptance of the faith ensured the lifting of that punishment. This is given by way of encouraging the Arabs who denied the truth to accept it before their time too was up. The passage concludes with outlining the basic issues which the stories of past nations given in the Qur’ān are meant to emphasize. They confirm that the laws God has set in operation will apply to later communities in as much as they applied to earlier ones. This spells doom and suffering to the unbelievers who deny God and His message, while the messengers and those who follow them shall be saved. This is a commitment God has made and a law He has set. It will always come true.
Wenn du über das im Zweifel bist, was Wir dir herabgesandt haben, dann frage diejenigen, die die Schrift lesen, die vor dir offenbart wurde. Es ist gewiss die Wahrheit, die von deinem Herrn zu dir gekommen ist. Sei also nicht unter den Zweiflern. Und sei nicht unter denen, die die Offenbarungen Gottes leugnen, sonst wirst du zu den Verlorenen gehören. Gewiss, diejenigen, über die das Wort deines Herrn [des Urteils] in Erfüllung gegangen ist, werden nicht glauben, selbst wenn ihnen jedes Zeichen vor Augen käme, bis sie die schmerzhafte Strafe erleben. Hätte doch eine Gemeinschaft geglaubt, so hätte ihr der Glaube genützt. Nur das Volk Jonas war so: Als es glaubte, nahmen Wir ihm die Strafe der Schmach im diesseitigen Leben hinweg und ließen es für eine Weile Genuss finden. Hätte dein Herr es gewollt, so wären alle Menschen auf der Erde insgesamt zum Glauben gekommen. Willst du etwa die Menschen zwingen, gläubig zu werden? Kein Mensch kann glauben, außer mit Gottes Erlaubnis. Er ist es, der Abscheu auf jene legt, die ihren Verstand nicht gebrauchen. Sprich: „Betrachtet, was in den Himmeln und auf der Erde ist.“ Doch welchen Nutzen könnten alle Zeichen und Warnungen für Menschen haben, die nicht glauben wollen? Worauf warten sie denn, außer auf eine Wiederholung der Tage [des Unheils], die jenen widerfuhren, die vor ihnen dahingegangen sind? Sprich: „So wartet nur, wenn ihr wollt. Auch ich warte.“ Daraufhin retten Wir Unsere Gesandten und diejenigen, die glauben. So haben Wir es Uns selbst zur Pflicht gemacht:
If you are in doubt concerning what We have bestowed on you from on high, ask those who read the Scriptures [revealed] before you. It is surely the truth that has come to you from your Lord. Do not, then, be among the doubters. And do not be among those who deny God’s revelations, for then you shall be among those who are lost. Surely, those against whom your Lord’s word [of judgement] has come true will not believe, even though every sign should come to their knowledge, until they are faced with the grievous suffering. Had it believed, every community would have profited by its faith. It was so only with Jonah’s people. When they believed, We lifted from them the suffering of disgrace in this life, and allowed them to enjoy things for a while. Had your Lord so willed, all people on earth, in their entirety, would have believed. Do you, then, try to compel people to believe? No human being can believe, except by God’s leave. It is He who lays abomination on those who will not use their reason. Say: ‘Consider all that there is in the heavens and the earth.’ But of what benefit could all signs and warnings be to people who will not believe? What are they waiting for except a repetition of the days [of calamity] experienced by those who have gone before them? Say: ‘Wait, then, if you will. I am also waiting.’ Thereupon, We save Our messengers and those who believe. Thus have We willed it upon Ourselves:
Wir retten jene, die glauben. (Verse 94–103)
We save those who believe. (Verses 94-103)
Der vorangegangene Abschnitt befasste sich mit der Haltung der Kinder Israels, denen Offenbarungen von Gott zuteilgeworden waren. Sie kannten die Geschichte von Noah und seinem Volk, und sie waren auch bestens vertraut mit Moses und seiner Auseinandersetzung mit dem Pharao, die in ihren Heiligen Schriften ausführlich dargelegt wird. Die Sure wendet sich nun an den Propheten ﷺ und sagt ihm, dass er, falls er an den Offenbarungen Gottes zweifelt, einschließlich der Berichte über frühere Gemeinschaften, diejenigen fragen solle, denen vor seiner Zeit Offenbarungen zuteilgeworden sind. Sie haben vollständige Kenntnis von dem, was sie in diesen Schriften lesen: „Wenn du im Zweifel bist über das, was Wir dir von oben herab offenbart haben, dann frage diejenigen, die vor dir die Schrift gelesen haben. Gewiss, die Wahrheit ist von deinem Herrn zu dir gekommen. Sei also nicht unter den Zweifelnden." (Vers 94)
The previous passage was concerned with the attitude of the Children of Israel who had received revelations from God. They were aware of Noah and his community’s story, and they were also fully aware of Moses and his experience with Pharaoh, which was given in detail in their Scriptures. The sūrah now addresses the Prophet telling him that if he is in doubt concerning God’s revelations, including the history of past communities, then he should ask those who received revelations before his time. They have full knowledge of what they read in those Scriptures: “If you are in doubt concerning what We have bestowed on you from on high, ask those who read the Scriptures [revealed] before you. It is surely the truth that has come to you from your Lord. Do not, then, be among the doubters.” (Verse 94)
Der Prophet ﷺ hegte keinerlei Zweifel an seinen Offenbarungen.
But the Prophet (peace be upon him) was not in doubt concerning his revelations.
Es wird überliefert, dass der Prophet ﷺ, als dieser Vers offenbart wurde, sagte: „Ich zweifle nicht, und ich werde nicht fragen.“ Warum wird ihm dann gesagt, er solle fragen, wenn er im Zweifel ist?
It is reported that when this verse was revealed, the Prophet said, “I do not doubt, and I am not going to ask.” Why is it, then, that he is told to ask if he is in doubt?
Und warum folgt dem die Aussage: „Es ist sicherlich die Wahrheit, die von deinem Herrn zu dir gekommen ist?" Es genügt sicherlich, dass er weiß, dass diese Aussage von Gott stammt.
And why is this followed by the statement that “it is surely the truth that has come to you from your Lord?” It is certainly more than enough for him to know that this statement is made by God.
Diese Anweisung vermittelt uns eine Vorstellung von der schwierigen Lage, die in Makkah herrschte, nachdem der Prophet ﷺ auf seine Nachtreise nach Jerusalem entführt worden war und von dort in den Himmel aufgestiegen war. Einige Menschen, die zuvor ihre Annahme des Islam erklärt hatten, leugneten ihn nun, da sie dies nicht glauben konnten. Was die Angelegenheit noch verschärfte, war die Tatsache, dass der Prophet ﷺ kurz zuvor seine Frau Khadījah und seinen Onkel Abū Ţālib verloren hatte, die ihm beide sehr notwendige Unterstützung gewährt hatten. Sie starben innerhalb kurzer Zeit voneinander. Darüber hinaus verstärkten die Ungläubigen in Makkah ihre körperliche Verfolgung des Propheten ﷺ und derjenigen, die an seine Botschaft glaubten. Der neue Glaube beschränkte sich praktisch auf Makkah, da die Quraysch, der vorherrschende Stamm Arabiens, hart darum kämpften, seine Ausbreitung auf andere Stämme zu verhindern. All diese Umstände lasteten schwer auf dem Herzen des Propheten ﷺ. Daher benötigte er die Zusicherung, die Gott ihm mit dieser Aussage gibt, indem er deutlich macht, dass seine Botschaft die Botschaft der Wahrheit ist.
This directive gives us an idea of the difficult situation that prevailed in Makkah after the Prophet was taken on his night journey to Jerusalem and ascended from there to heaven. Some people who had previously declared their acceptance of Islam now denied it, as they could not believe this. What aggravated the matter even more was the fact that shortly before this, the Prophet lost his wife, Khadījah, and his uncle, Abū Ţālib, who had both provided him with much- needed support. They died within a short period of each other. Moreover, the unbelievers in Makkah increased their physical persecution of the Prophet and those who believed in his message. The new faith was practically confined to Makkah, as the Quraysh, the predominant tribe in Arabia, fought hard to stop it from spreading to other tribes. All these circumstances weighed heavily on the Prophet’s heart. Hence, he needed the reassurance that God gives him with this assertion, making it clear that his message is the message of truth.
Außerdem werden den Zweiflern und denen, die Gottes Botschaft leugnen, ihre Plätze zugewiesen: „Und sei nicht unter denen, die die Offenbarungen Gottes leugnen, sonst gehörst du zu den Verlorenen.“ (Vers 95) Diese Bloßstellung der Zweifler dient dazu, ihnen eine weitere Chance zu geben, zur Wahrheit zurückzukehren. Zweifelt der Prophet ﷺ nicht und stellt er keine Fragen, obwohl ihm dies erlaubt wäre, so muss er völlig gewiss sein, dass das, was ihm gegeben wurde, die Wahrheit ist, die keinen Zweifel zulässt. Dies dient als Ermutigung für andere, nicht zu zweifeln oder ins Wanken zu geraten.
Moreover, the doubters and those who deny God’s message are assigned their place: “And do not be among those who deny God’s revelations, for then you shall be among those who are lost.” (Verse 95) This exposure of the doubters serves to give them another chance to return to the truth. If the Prophet neither doubts nor asks questions when he is permitted to do so, then he must be absolutely certain that what has been given to him is the truth which admits no doubt. This serves as encouragement to others not to doubt or waver.
Darüber hinaus gibt uns dies einen Einblick in die Methode, die Gott für die muslimische Gemeinschaft festgelegt hat. Sie muss sich über alles Gewisse vergewissern, was ungewiss bleibt. Sie kann dies tun, indem sie diejenigen befragt, die mit großem Wissen ausgestattet sind. Sie soll auch dann fragen, wenn die Angelegenheit einen der grundlegenden Glaubenssätze betrifft, denn ein Muslim ist verpflichtet, sich über seinen Glauben und das Gesetz, das er befolgt, zu vergewissern. Er darf keinem anderen folgen, es sei denn, er weiß mit Sicherheit, dass diese Person der Wahrheit folgt.
Moreover, this gives us an insight into the method God has laid down for the Muslim community. It must make sure of whatever remains uncertain. It can do so by asking those who have been endowed with great knowledge. It should ask even if the matter concerns something of the basic essentials of faith, because a Muslim is required to make sure of his faith and the law he implements. He must not follow anyone else unless he knows for certain that that person follows the truth.
Man könnte hier mit Recht fragen, ob zwischen der Erlaubnis, andere zu fragen, wenn man im Zweifel ist, und der anschließenden Weisung, nicht „einer der Zweifler“ zu sein, ein Widerspruch oder Konflikt besteht? Es besteht gewiss weder ein Konflikt noch ein Widerspruch. Zu vermeiden ist, im Zweifel zu verharren, sodass dieser zu einem dauerhaften Zustand wird, ohne dass der Zweifler sich bemüht, seine Zweifel zu beseitigen und zur Stufe der Gewissheit zu gelangen. Denn anhaltender Zweifel ist ein sehr schlechter Zustand, der weder zu Nutzen noch zu Erkenntnis führt.
One may well ask here whether there is any conflict or contradiction between the permission to ask others when one is in doubt and the subsequent directive not to be ‘one of the doubters’? There is certainly neither conflict nor contradiction. What is to be avoided is remaining in doubt so that it becomes a permanent condition, without any attempt by the doubter to remove his doubts and reach a stage of certitude. For prolonged doubt is a very bad situation which leads to neither benefit nor knowledge.
Da das, was dem Propheten gegeben wurde, die Wahrheit ist, an der kein Zweifel besteht, wie kommt es dann, dass manche Menschen sie weiterhin leugnen und eine unvernünftig starrsinnige Haltung einnehmen? Die Antwort lautet: Das Gesetz Gottes ist so beschaffen, dass derjenige, der nicht nach Rechtleitung sucht, sie auch nicht finden wird, und wer seine Augen und sein Herz nicht dem Licht öffnet, wird es nicht sehen. Ein Mensch, der seine Wahrnehmungsfähigkeiten verschwendet, wird keinen Nutzen aus dem ziehen, was er wahrnimmt, und wird schließlich in die Irre gehen. Welche Beweise und Zeichen auch immer vorhanden sind, sie werden ihm nichts nützen. Daher wirkt das Gesetz, das Gott in Kraft gesetzt hat, gegen ihn, und Gottes Strafwort wird ihn ereilen: „Gewiss, diejenigen, gegen die das Wort deines Herrn [der Strafe] wahr geworden ist, werden nicht glauben, selbst wenn ihnen jedes Zeichen zukäme, bis sie die schmerzliche Strafe sehen.“ (Verse 96-97)
Since what has been given to the Prophet is the truth that admits no doubt, how is it then that some people continue to deny it and adopt an unreasonably stubborn attitude? The answer is that God’s law is such that when one does not seek guidance, one will not find it, and one who does not open his eyes and heart to the light will not see it. A person who wastes his perceptions will not benefit by what he perceives, and will end up in error. Whatever proofs and signs are available will remain of no use to him. Hence, the law God has set in operation will work against him, and God’s word of punishment will overtake him: “Surely, those against whom your Lord’s word [of punishment] has come true will not believe, even though every sign should come to their knowledge, until they are faced with the grievous suffering.” (Verses 96-97)
An dieser Stelle nützt das Anerkennen der Wahrheit und das Annehmen des Glaubens ihnen nichts, weil es nicht aus ihrer eigenen freien Wahl hervorgeht. Es gibt keine Gelegenheit mehr, diesen Glauben im alltäglichen Leben zu erproben. Die Sure hat dies bereits zuvor bestätigt, als sie den Pharao schilderte, wie er im Augenblick des Ertrinkens ausrief: „Ich glaube, dass es keine Gottheit gibt außer Ihm, an den die Kinder Israels glauben, und ich ergebe mich Ihm.“ (Vers 90) Doch es wurde ihm gesagt: „‚Jetzt erst? Dabei hast du doch zuvor widersetzt und Unheil im Land gestiftet.‘“ (Vers 91)
At this point, acknowledgement of the truth and accepting the faith will not benefit them because it does not flow from their own choice. There is no longer any chance to test that faith in everyday life. The sūrah confirmed all this earlier when it depicted Pharaoh crying out at the point of drowning: “I have come to believe that there is no deity other than Him in whom the Children of Israel believe, and to Him I surrender myself” (Verse 90) But he was told: “‘Only now? But before this you were rebelling [against Us], and you spread corruption in the land.’” (Verse 91)
Da wir uns der Gewissheit sicher sein können, dass die Gesetze Gottes unweigerlich wirken und dass ihr Ergebnis nie ausbleibt, entsprechend dem, was Menschen in diesem Leben für sich selbst wählen, öffnet sich ein Fenster der Hoffnung. Rettung ist möglich, wenn die Frevler aufhören, die Wahrheit zu leugnen, und ihren Glauben bekennen, bevor sie von der Strafe Gottes ereilt werden.
As we are assured of the inevitability of the operation of God’s laws and that their outcome will never fail to apply in accordance with what people choose for themselves in this life, a window of hope is opened. Salvation is possible when the wrongdoers stop denying the truth and declare their belief before they are overtaken by God’s punishment.