Adh-Dhariyat (Die zerstreuenden Winde)
Al-Dhariyat (The Scattering Winds)
Prolog
Prologue
Diese Sure hat einen besonderen Charakter. Sie beginnt damit, vier Kräfte zu erwähnen, die auf Gottes Befehl wirken, und verwendet dabei mehrdeutige Begriffe, die uns zunächst den Eindruck vermitteln, wir würden in Dinge eingeführt, die in Geheimnis gehüllt sind. Gott, der Allmächtige, schwört bei diesen vier Kräften, um eine bestimmte Sache zu betonen: „Bei denen, die weit verstreuen; bei denen, die schwer beladen sind; bei denen, die mit sanfter Leichtigkeit dahineilen; bei denen, die auf Befehl verteilen: Was euch versprochen wird, ist gewiss wahr, und das Gericht wird sicherlich kommen.“ (Verse 1–6)
This surah has a special character. It begins by mentioning four forces that work by God’s command, using ambiguous terms which give us an initial impression that we are being introduced to things wrapped in secrecy. God Almighty makes an oath by these four forces to emphasize a certain matter: “By those that scatter far and wide; by those that are heavily laden; by those that speed along with gentle ease; by those that distribute by command; that which you are promised is true indeed, and, for certain, judgement is bound to come? (Verses 1-6)
Die Wörter, die in diesem Eingang für jene vier Kräfte verwendet werden, die im Schwur genannt sind, nämlich al-dhariyat, al-hdmilat, al-fariyat und al-muqassimat, werden gewöhnlich nicht für unmittelbar erkennbare Gegenstände gebraucht. Sie wecken Fragen und Bitten um Erklärung. Schon ihr Klang vermittelt dieses Gefühl der Mehrdeutigkeit, was vielleicht beabsichtigt ist, um der Sure ihre besondere Ausstrahlung zu verleihen.
The words used in this opening for those four forces mentioned in the oath, i.e. al-dhariyat, al-hdmilat, alfariydt and al-muqassimdt, are not usually used to refer to immediately recognized objects. They invite questions and requests for explanation. Indeed, their very sounds impart this feeling of ambiguity, which is perhaps intended so as to give the surah its particular aura.
Kaum ist der erste Schwur ausgesprochen, folgt schon ein zweiter. Gott spricht diesen Schwur: „Beim Himmel mit seinen Sternenbahnen, ihr seid in dem, was ihr sagt, uneins?“ (Verse 7-8). Was ihr sagt, ist widersprüchlich, auf Vermutung gegründet und nicht auf Tatsachen.
The first oath is hardly stated when it is followed by a second. God states this oath “By the sky and its starry pathways you people are at vari ance in what you say? (Verses 7-8) What you say is inconsistent, based on conjecture, not fact.
Mit diesem besonderen Anfang und seiner allgemeinen Tendenz verfolgt die Sure ein bestimmtes Ziel, nämlich die Herstellung einer Verbindung zwischen dem menschlichen Herzen und dem Himmel, oder vielmehr dem, was jenseits der menschlichen Wahrnehmung liegt und allein Gott bekannt ist. Das menschliche Herz wird dadurch von den Fesseln dieser Welt befreit, losgelöst von allem, was es daran hindert, sich dem Dienst an Gott zu widmen. Es wird dann bereit sein, sich ungehindert auf Ihn zuzubewegen: „So flieht zu Gott“ (\fase 50). Damit würde der Zweck der Schöpfung Gottes erfüllt: „Ich habe die Dschinn und die Menschen nur erschaffen, damit sie Mich anbeten“ (Vers 56).
With this particular opening and by its general drift, the surah sets itself a particular objective, which is the establishment of a bond between the human heart and the sky, or rather what lies beyond the reach of human perception and known only to God. The human heart will thus become free of the constraints of this world, unchained by anything that prevents it from being dedicated to God’s service. It will then be ready to move unhindered towards Him: “Flee, then, to God” (\fase 50) This would fulfil God’s purpose of creation: “I have not created the jinn and mankind for any end other than they may worship Me” (Verse 56)
Da die Sorge um den eigenen Lebensunterhalt und darum, was die Zukunft in dieser Hinsicht bringen mag, eines der schwersten dieser Hindernisse ist, bemüht sich die Sure besonders darum, den Menschen davon zu befreien und ihn zu beruhigen, damit sein Herz sich Gott zuwendet, frei von irdischen Fesseln. Hinweise darauf finden sich an mehreren Stellen der Sure. Ausdrückliche Hinweise sind zum Beispiel: „Und im Himmel ist euer Unterhalt und alles, was euch versprochen wird.“ (Vers 22) und „Gott ist wahrlich der Versorger aller Lebensunterhalte, der Herr der Macht, der Allmächtige.“ (Vers 58) Andere Hinweise sind implizit, wie der Vers, der die Haltung der Rechtschaffenen gegenüber dem Besitz beschreibt. Sie „gaben einen gebührenden Anteil ihres Besitzes dem, der [um Hilfe] bittet, und dem, der ausgeschlossen ist.“ (Vers 19) Ebenso beschreibt die Sure die Gastfreundschaft Abrahams und den Empfang, den er seinen Gästen bereitete, besser gesagt den Engeln, die er für seine Gäste hielt. Als sie ihn grüßten, ging er geradewegs zu seiner Familie und brachte ein fettes Kalb, obwohl sie vor ihrem Erscheinen an seiner Tür völlig Fremde für ihn waren.
Since preoccupation with one’s livelihood and what the future may bring with regard to it is one of the hardest of these hindrances, the surah takes particular care to free man of it, and to reassure him so that his heart turns to God, free of earthly chains. References to this point are found in several places in the surah. For example, explicit references include: “And in the sky is your sustenance and all that you are promised. ” (Verse 22) and “God is indeed the Provider of all sustenance, the Lord of Power, the Ever Mighty.” (Verse 58) Other references are implicit, as in the verse describing the attitude of the righteous towards money. They “ would give a rightful share of their possessions to the one who asks [for help] and the one who is deprived.” (Verse 19) Likewise, the surah describes Abraham’s hospitality and the welcome he gave to his guests, or rather the angels he thought to be his guests. When they greeted him, he went straight to his household and brought a fat calf, yet prior to their arrival at his doorstep, they were total strangers to him.
Es geht also im Ganzen darum, den Geist von den Fesseln des irdischen Lebens und vom Broterwerb zu befreien, damit man zum Himmel aufblickt, sich nach seiner Glückseligkeit sehnt, eifrig danach strebt, Gottes Wohlgefallen zu erlangen, und Seine Annahme sucht.
It is all, then, about freeing one’s mind from the shackles of life on earth and earning one’s living, so that one looks up to heaven, yearning for its bliss, eager to earn God’s pleasure and seeking His acceptance.
Dies ist der Kern aller Fragen, die die Sure aufwirft. Es erklärt den Grund für ihren eher mehrdeutigen Anfang, dem ein Schwur bei dem Himmel folgt, und die darauffolgenden Bezugnahmen auf ihn.
This is the focus of all the issues the surah raises. This explains the reason for its rather ambiguous start followed by an oath by the sky and the subsequent references made to it.
So sehen wir in dem Bild, das die Sure früh zeichnet, die Hauptmerkmale derer, die gottesfürchtig sind: Hingabe an Gott, Gottesdienst in der Nacht, Opferbereitschaft mit Geld und die Zuweisung eines Anteils davon an die Armen und Bedürftigen: „Die Gottesfürchtigen werden inmitten von Gärten und Quellen sein. Sie werden freudig empfangen, was ihr Herr ihnen gewähren wird; denn sie waren eifrig darin, Gutes zu tun. Sie schliefen nachts nur wenig, und sie baten um Vergebung zur Zeit der Morgendämmerung, und sie gaben einen gebührenden Anteil ihres Besitzes dem, der [um Hilfe] bittet, und dem, der Mangel leidet.“ (Verse 15–19)
Thus we see in the picture the surah draws early on the main charac teristics of those who are God-fearing: dedication to God, worship at night, sacrifice of money, assigning a portion of it to the poor and the deprived: “The God-fearing will be amid gardens and springs. They will happily receive what their Lord will grant them; for they were keen to do good. They would sleep but little at night, and would pray for forgiveness at the time of dawn, and would give a rightful share of their possessions to the one who asks [for help] and the one who is deprived.” (Verses 15-19)
Um dasselbe Ziel zu erreichen, lenkt die Sure unsere Aufmerksamkeit auf Gottes Zeichen auf der Erde und in uns selbst, und betont zugleich, dass die Versorgung vom Himmel kommt. Wir dürfen daher den unmittelbaren Mitteln auf der Erde nicht übermäßige Bedeutung beimessen: „Auf der Erde gibt es Zeichen für jene mit festem Glauben, und auch in euch selbst: Wollt ihr denn nicht sehen? Und im Himmel ist euer Unterhalt und alles, was euch versprochen wird.“ (Verse 20-22)
To achieve the same purpose, the surah directs our attentions to Gods signs on earth and within ourselves, while also emphasizing that provisions are given by heaven. We must not, therefore, give undue importance to its immediate means on earth: “On earth there are signs for those with sure faith, and in yourselves too: can you not see? And in the sky is your sustenance and all that you are promised.” (Verses 20-22)
Dasselbe lässt sich über den Hinweis auf den Bau des Himmels mit weitem Raum sagen, während die Erde den Menschen zum Durchschreiten leicht gemacht wurde, und über die Tatsache, dass alle Geschöpfe paarweise erschaffen sind. All dies führt zu dem überaus wichtigen Rat, dass wir uns alle Gott zuwenden und den Warnungen seines Gesandten volle Beachtung schenken sollten: „Und den Himmel haben Wir mit Kraft gebaut, und Wir sind es, die ihn ausdehnen. Und die Erde haben Wir ausgebreitet;
The same may be said about the reference to the building of the skies with ample space, while the earth has been made easy for people to traverse, and to the fact that all creatures are created in pairs. All this leads to the all-important advice that we should all turn to God paying full heed to the warnings given by His Messenger: “We built the skies with power; and We gave it a vast expanse; and We spread out the earth:
Wie trefflich haben Wir es bereitet! {Und von allem haben Wir Paare geschaffen, auf dass ihr nachdenken möget. So flieht zu Gott! Ich bin von Ihm gesandt, euch eine deutliche Warnung zu bringen.} (Verse 47-50)
how well have We prepared it! All things We have created in pairs, so that you may take thought. Flee, then, to God! I am sent by Him to give you clear warning” (Verses 47-50)
Die Sure schließt mit einer Aussage, die dieselbe Botschaft noch einmal bekräftigt und den Zweck der Erschaffung von Mensch und Dschinn sowie ihre zentralen Aufgaben im Leben verdeutlicht: „Ich habe die Dschinn und die Menschen nur erschaffen, damit sie Mich anbeten. Ich verlange keinerlei Versorgung von ihnen, noch verlange Ich, dass sie Mich speisen. Gott ist wahrlich der Versorger aller Versorgung, der Herr der Macht, der Allmächtige“ (Verse 56-58).
The surah concludes with a statement reiterating the same message, making clear the purpose of creating humans andjzwn, and their major roles in life: “I have not created the jinn and mankind to any end other than they may worship Me. No sustenance do I require of them, nor do I require that they should feed Me. God is indeed the Provider of all sustenance, the Lord of Power, the Ever Mighty ” (Verses 56-58)
So interpretiert die Sure dasselbe Thema durchgehend, in wechselnden Melodien, aber mit demselben Rhythmus, und lenkt das Herz des Menschen dazu, zum Himmel emporzublicken.
Thus the surah plays on the same theme throughout, using different tunes but maintaining the same beat, directing mans heart to look to the sky.
Die Sure enthält kurze Hinweise auf die Geschichten von Abraham, Lot, Moses, den ‘Ad, den Thamud und das Volk Noahs. In ihrer Erzählung über Abraham verweist die Sure kurz auf Geld sowie auf die Sphäre jenseits unserer Wahrnehmung, als ihm die frohe Botschaft von der Geburt eines Sohnes überbracht wird, der mit Wissen ausgestattet sein soll. Er und seine Frau erhalten dieses Kind, obwohl sie es niemals hätten erwarten können. In den übrigen Geschichten liegt der Hinweis hauptsächlich darin, dass Gottes Versprechen stets wahr wird, wie es zu Beginn nachdrücklich festgestellt wird: „Gewiss, das, was euch versprochen wird, ist wahr.“ (Vers 5) Ein weiterer Verweis darauf findet sich am Schluss, wo den Ungläubigen eine klare Warnung erteilt wird: „Die Frevler sollen ihren Anteil [an Strafe] haben wie ihre Vorgänger. Sie sollen Mich nicht bitten, es zu beschleunigen.“ (Vers 59) Dem geht die Aussage voraus, die nahelegt, dass Generationen von Ungläubigen einander geraten zu haben scheinen, die Gesandten Gottes zurückzuweisen: „So kam, wenn zu jenen, die vor ihnen lebten, ein Gesandter kam, sagten sie ebenfalls: ‚Er ist nur ein Zauberer oder vielleicht ein Verrückter.‘ Haben sie dieses Vermächtnis etwa einander überliefert? Nein! Sie sind ein Volk, das über alle Grenzen hinausgeht.“ (Verse 52–53)
The surah includes quick references to the stories of Abraham, Lot, Moses, the ‘Ad, the Thamud and Noahs people. In its account of Abraham, the surah makes a quick reference to money, as well as the realm beyond our perception when he is given the happy news of the birth of a son to be endowed with knowledge. He and his wife are given this child when they could have never expected it. In the other stories, the reference is mainly to the fact that Gods promise always comes true, just as it is emphatically stated at the beginning: “That which you are promised is true indeed.” (Verse 5) Another reference to this is made at the conclusion, where the unbelievers are issued with a clear warning: “ The wrongdoers shall have their share [of evil] like their predecessors. Let them not ask Me to hasten it.” (Verse 59) This comes after the statement that implies that generations of unbelievers seem to have recommended to each other that they reject Gods messengers: “ Thus whenever a messenger came to those that lived before them, they also said: 'He is but a sorcerer, or maybe a madman. ’ Have they, perchance, handed down this legacy to one another? No! They are people who transgress all bounds.” (Verses 52-53)
So sind die geschichtlichen Berichte in der Sure eng mit ihrem Hauptthema verbunden, nämlich der reinen und vollkommenen Herzenshingabe an Gott, die das Herz von allen Hindernissen befreit, seine Bindung an den Himmel stärkt – zuerst durch den Glauben und dann durch das Beseitigen der Hindernisse, die den Menschen davon abhalten, zu jenem offenen Horizont emporzufliegen.
Thus the historical accounts in the surah are closely related to its main theme, namely, pure and complete heart devotion to God, freeing it from all hindrances, strengthening its bond with heaven, first by faith and then by removing obstacles that prevent man from flying to that open horizon.