Hud (Die besonderen Gäste Abrahams) 69–83
Hud (Abraham’s Special Guests) 69-83
„Unsere Gesandten kamen mit der frohen Botschaft zu Abraham. Sie sprachen: ‚Friede!', und er antwortete: ‚Friede!' Dann eilte er, ihnen ein gebratenes Kalb zu bringen.' (69)
Our messengers came to Abraham with good news. They bade him peace, and he answered: ‘Peace [be to you].’ He then hastened to bring them a roasted calf. (69)
Doch als er sah, dass ihre Hände nicht danach griffen, empfand er ihr Verhalten als seltsam und fühlte sich ihnen gegenüber beunruhigt. Sie sagten: „Fürchte dich nicht. Wir sind zu dem Volk des Lot gesandt worden.“ (70)
But when he saw that their hands did not reach out to it, he felt their conduct strange and became apprehensive of them. They said: ‘Do not be alarmed. We are sent to the people of Lot.’ (70)
Seine Frau, die in der Nähe stand, lachte; da verkündeten Wir ihr die frohe Botschaft von Isaak und nach Isaak von Jakob. (71)
His wife, standing nearby, laughed; whereupon We gave her the happy news of [her giving birth to] Isaac and, after Isaac, Jacob. (71)
Sie sagte: „Wehe mir! Soll ich denn ein Kind gebären, wo ich doch eine alte Frau bin und dieser mein Mann schon hochbetagt ist? Das ist wahrlich eine seltsame Sache.“ (72)
Said she: ‘Woe is me! Shall 1 bear a child, now that I am an old woman and this my husband is well-advanced in years? This is a strange thing indeed.’ (72)
Sie sagten: „Wunderst du dich über das Geheiß Gottes? Die Barmherzigkeit und der Segen Gottes seien über euch, ihr Leute dieses Hauses. Er ist wahrlich der Lobenswerte, der Ruhmreiche.“ (73)
They said: ‘Do you marvel at God’s decree? May God’s mercy and blessings be upon you, people of this house. He is indeed ever to be praised, Glorious.’ (73)
Als die Furcht von Abraham gewichen war und ihm die frohe Botschaft zuteilwurde, begann er, mit Uns für das Volk Lots zu streiten. (74)
When his fear had left Abraham, and he received the happy news, he began to plead with Us for Lot’s people. (74)
Abraham war in der Tat äußerst nachsichtig, mitfühlend und gottesfürchtig. (75)
Abraham was indeed most clement, tender- hearted, and devout. (75)
Abraham! Lass von diesem [Flehen] ab.
Abraham! Leave off all this [pleading].
Das Urteil deines Herrn muss sich erfüllen.
Your Lord’s judgement must come to pass.
Sie werden von einer unabwendbaren Qual getroffen werden. (76)
They shall be afflicted by an irrevocable torment. (76)
Als Unsere Gesandten zu Lot kamen, wurde er ihretwegen beunruhigt, denn er war machtlos, ihnen Schutz zu bieten. Er sprach:
When Our messengers came to Lot he was troubled on their account, for he was powerless to offer them protection. He said:
„Dies ist ein schrecklicher Tag.“ (77)
‘This is a woeful day.’ (77)
Sein Volk kam herbeigeeilt, denn sie waren schon lange auf verwerfliche Taten aus gewesen. Er sagte: „Mein Volk! Hier sind meine Töchter; sie sind reiner für euch. Fürchtet Gott und bringt mich nicht in Schande, indem ihr meinen Gästen Unrecht tut. Gibt es nicht unter euch einen einzigen rechtschaffenen Mann?“ (78)
His people came running towards him, for they had been long keen on abominable practices. He said: ‘My people! Here are my daughters: they are purer for you. Have fear of God and do not disgrace me by wronging my guests. Is there not one right- minded man among you?’ (78)
Sie antworteten: „Du weißt doch, dass wir keinen Bedarf an deinen Töchtern haben, und du weißt sehr wohl, was wir wollen.“ (79)
They answered: ‘You know we have no need of your daughters; and indeed you well know what we want.’ (79)
Er sagte: „Hätte ich doch nur die Kraft, mit der ihr mir beistehen könntet, oder dass ich mich auf eine starke Stütze lehnen könnte.“ (80)
He said: ‘Would that with you I had real strength, or that I could lean on some mighty support.’ (80)
„Die Engel sprachen: ‚Lot, wir sind Gesandte deines Herrn. Sie werden dich nicht berühren.“
[The angels] said: ‘Lot, we are messengers from your Lord. They shall not touch you.
„Brich mit deiner Familie in der Nacht auf, und keiner von euch soll sich umblicken, außer deiner Frau. Sie wird dasselbe Schicksal erleiden, das jenen widerfahren wird. Ihr bestimmter Zeitpunkt ist der Morgen. Ist der Morgen nicht nah?“ (81)
Depart with your household, during the night, and let none of you look back, except for your wife. She shall suffer the same fate which is to befall them. Their appointed time is the morning. Is not the morning near?’ (81)
Als Unser Befehl kam, kehrten Wir jene [Städte] von oben nach unten, und Wir ließen auf sie Steine aus Ton regnen, eine Schicht über der anderen, (82)
When Our Judgement came to pass We turned those [towns] upside down, and rained on them stones of clay, ranged one upon another, (82)
Das ist vom Herrn gesandt. Und eine solche Strafe ist den Frevlern nicht fern.
marked out as from your Lord. Nor is such [punishment] far from the wrongdoers.
(83)
(83)
Vorschau
Preview
Diese Sure gibt einen kurzen Überblick über die Völker, die nach der Zeit Noahs die Herrschaft über die Erde übernahmen. Sie erwähnt bestimmte Gemeinschaften, denen Gottes Segen zuteilwurde, und andere, die Seinen Zorn auf sich zogen und Seine Strafe verdienten. Nun folgt ein Hinweis auf einen Teil der Geschichte Abrahams, in dem wir Gottes Segen sehen. Daran schließt sich die Geschichte des Volkes Lots an, das ein qualvolles Ende erlitt. In beiden Geschichten erfüllt sich die doppelte Verheißung, die Gott Noah gab. Gottes Verheißung lautete wie folgt:
This sūrah gives a brief history of the people who were left in charge of the earth after Noah’s time. It refers to certain communities which received God’s blessings and to others which incurred His displeasure and deserved His punishment. We now have a reference to a part of Abraham’s story in which we witness God’s blessings. This leads to the story of Lot’s people who suffered a painful end. In both stories the dual promise God made to Noah is fulfilled. God’s promise ran as follows:
„Und es erging der Befehl: O Nuh, steige aus [dem Schiff] in Frieden von Uns herab, und mit Unseren Segnungen auf dir und auf den Gemeinschaften, die mit dir sind. Andere Gemeinschaften aber werden Wir eine Weile genießen lassen, danach wird sie von Uns eine schmerzhafte Strafe treffen.“ (Vers 48)
“The word was spoken: Noah, disembark in peace from Us, and with Our blessings upon you as well as upon generations from those who are with you. As for other folk, We shall let them have enjoyment, and then there will befall them grievous suffering from Us.’” (Verse 48)
So erhielten einige der Nachkommen derer, die in der Arche gerettet wurden, Gottes Segen, während andere Gemeinschaften eine Weile ihr Leben genießen durften, bevor sie für ihre Verfehlungen von furchtbarer Strafe überwältigt wurden. Die Segnungen wurden Abraham und seinen Nachkommen durch beide seiner Söhne zuteil: durch Isaak und seine Kinder, die die israelitischen Propheten waren, und durch Ismael, dessen Nachkommen Muhammad ﷺ einschlossen, den letzten der Gesandten Gottes.
Thus, some of the offspring of those saved in the ark were to receive God’s blessings, while other communities were left to enjoy themselves for a while before terrible punishment overwhelmed them for their misdeeds. The blessings are given to Abraham and his seed through both his sons: Isaac and his children who were the Israelite prophets, and Ishmael whose offspring included Muĥammad, the last of God’s messengers.
Gute Nachricht für Abraham
Good News For Abraham
Die Erzählung über Abraham beginnt hier mit der Tatsache, dass ihm eine frohe Botschaft überbracht werden sollte: „Unsere Gesandten kamen mit der frohen Botschaft zu Abraham.“ (Vers 69) Es wird nicht sogleich gesagt, worin die frohe Botschaft bestand. Dies sollte zum richtigen Zeitpunkt geschehen, als seine Frau anwesend war. Bei den Gesandten handelte es sich um Engel, deren Identität im Dunkeln bleibt.
The account of Abraham opens here with the fact that he was to receive good news: “Our messengers came to Abraham with good news.” (Verse 69) We are not told immediately what the good news was. This would come at the right moment, when his wife was present. The messengers were angels whose identity is left a mystery.
Obwohl einige Korankommentatoren Namen und Zahlen nennen, ziehen wir es vor, nicht zu spekulieren, da wir keine Belege haben, die solche Behauptungen stützen.
Although some commentators on the Qur’ān mention names and numbers, we prefer not to speculate, since we have no evidence to support such contentions.
„Sie grüßten ihn mit Frieden, und er antwortete: ‚Frieden [sei mit euch].‘“ (Vers 69) Abraham war aus seinem Geburtsort im Irak ausgewandert, hatte den Jordan überquert und sich im Land der Kanaaniter niedergelassen, das größtenteils eine Wüste war. Der Beduinentradition der Gastfreundschaft folgend, machte sich Abraham sogleich daran, Essen für seine Gäste zuzubereiten. „Dann eilte er, ihnen ein gebratenes Kalb zu bringen“ (Vers 69). Er holte ein fettes Kalb, briet es und bereitete es zu.
“They bade him peace, and he answered: ‘Peace [be to you].’” (Verse 69) Abraham had emigrated from his birthplace in Iraq, crossed the Jordan and settled in the land of the Canaanites which was largely a desert. Following the Bedouin tradition of hospitality, Abraham immediately went about preparing food for his guests. “He then hastened to bring them a roasted calf” (Verse 69) He gets a fat calf, roasts and prepares it.
Er setzt es seinen Gästen vor, die, wie wir bereits gesagt haben, Engel waren. Engel essen jedoch nicht, was Menschen essen. Daher konnten sie vom Kalb nicht kosten, und das beunruhigte Abraham: „Als er sah, dass ihre Hände nicht danach griffen, empfand er ihr Verhalten als seltsam und wurde ihnen gegenüber argwöhnisch.“ (Vers 70) Ein Gast, der von der ihm vorgesetzten Speise nicht isst, erregt Sorge. Er macht seinen Gastgeber nervös, weil dieser fürchtet, dass er irgendeine Art von Verrat im Sinn hat. Bis heute betrachten Landbewohner und Beduinen es als schweres Verbrechen, jemandem gegenüber hinterlistig zu handeln, mit dem sie Speise geteilt haben. Wenn sie also das Essen eines anderen verweigern, deutet ihr Verhalten darauf hin, dass sie entweder Böses beabsichtigen oder den Absichten des Gastgebers nicht trauen. Deshalb offenbaren die Gesandten Abraham ihre Identität und teilen ihm ihren Auftrag mit: „Sie sagten: Fürchte dich nicht. Wir sind zu dem Volk des Lot gesandt.“ (Vers 70)
Vertraut oder wundersam?
Familiar Or Miraculous?
Nichts, was Gott tut, sollte als seltsam betrachtet werden. Wenn es die Regel ist, dass sich etwas auf eine bestimmte Weise ereignet, bedeutet das nicht, dass diese Weise unveränderlich ist. Die Regel kann durchbrochen werden, wenn Gott es so will, zu einem bestimmten Zweck, den nur Er kennt. Der Zweck besteht hier darin, den Gläubigen in jenem Haushalt Seine Barmherzigkeit und die verheißenen Segnungen zuteilwerden zu lassen. Doch wenn die Regel durchbrochen wird, geschieht alles, was daraus folgt, in Übereinstimmung mit den umfassenden göttlichen Naturgesetzen, die wir nicht in vollem Umfang kennen. Wir können Gottes Gesetze nicht nach dem beurteilen, was in einem kurzen, begrenzten Zeitraum geschieht.
Nothing that God does should be considered strange. When it is the norm for something to happen in a particular fashion, this does not mean that that fashion is unchangeable. The norm can be broken when God so chooses, for a particular purpose of His own. The purpose here is to bestow His mercy and promised blessings to the believers in that household. Yet, when the norm is broken, whatever takes place as a result occurs in accordance with the overall divine laws of nature which we do not know in full. We cannot judge God’s laws according to what happens during a short, limited period of time.
Diejenigen, die den Willen Gottes auf die ihnen vertrauten Naturgesetze beschränken, kennen die Wirklichkeit der Gottheit nicht, wie Gott sie in Seinem Buch dargelegt hat. Was Gott sagt, ist wahr. Unser menschlicher Verstand hat dabei nichts mitzureden. Auch diejenigen, die den Willen Gottes auf das beschränken, was Er selbst als Sein Gesetz festgelegt hat, sind wiederum sich der wahren Natur der Gottheit nicht bewusst. Der Wille Gottes ist frei und nicht durch Seine Gesetze eingeschränkt.
Those who try to restrict God’s will to the laws of nature familiar to them are ignorant of the reality of Godhead as stated by God in His book. Whatever God states is true. Our human minds have no say in all this. Even those who restrict God’s will to what He Himself has stated to be His law are again unaware of the true nature of Godhead. God’s will is free and not restricted by His laws.
Es stimmt, dass Gott die Angelegenheiten dieses Universums gemäß den Gesetzen lenkt, die Er ihm gesetzt hat. Das ist jedoch etwas anderes, als Gottes Willen auf diese Naturgesetze zu beschränken, nachdem sie einmal in Gang gesetzt wurden. Die Naturgesetze wirken die ganze Zeit durch Gottes Willen. Sie sind nicht automatisch. Zu jeder Zeit kann Gott wählen, Seine Naturgesetze auf andere Weise wirken zu lassen. Wenn dies geschieht, ändern sich die Naturgesetze in die neue Form, die Gott bestimmt hat. Das übergeordnete Gesetz der Natur, das die Wirkung aller anderen Gesetze bestimmt, besagt, dass Gottes Wille frei und absolut ist.
Perversion bringt eine schmerzhafte Strafe
Perversion Brings A Painful Doom
Als Unsere Gesandten zu Lot kamen, war er ihretwegen bekümmert und fühlte sich machtlos, sie zu beschützen. Er sprach: „Dies ist ein schrecklicher Tag.“ (Vers 77)
When Our messengers came to Lot he was troubled on their account, for he was powerless to offer them protection. He said: ‘This is a woeful day.’ (Verse 77)
Lot war sich der Verderbtheit seines Volkes bewusst, das es vorzog, seine sexuellen Begierden mit Männern statt mit Frauen zu befriedigen. Damit lehnten sie sich gegen die Natur auf, die sich der Weisheit Gottes bedient, indem sie alle Arten paarweise erschuf, damit Fortpflanzung und Erneuerung stattfinden können. Die unverfälschte Natur findet wahre Freude darin, sich dieser Weisheit auf natürliche und instinktive Weise zu fügen.
Lot was aware of the perversity of his people, who preferred to satisfy their sexual desires with men instead of women. In so doing they rebelled against nature, which avails itself of God’s wisdom in creating all species in pairs so that procreation and regeneration can take place. Undistorted nature finds true pleasure in conforming to this wisdom, naturally and instinctively.
Es gibt tatsächlich allerlei Arten von Perversion. Der Fall des Volkes Lots ist jedoch einzigartig. Er legt nahe, dass psychische Störungen ansteckend sind, wie körperliche Krankheiten. Es ist möglich, dass sich eine psychische Störung wie die der Leute von Sodom infolge einer Verwirrung der Werte in einer bestimmten Gesellschaft ausbreitet, und durch das Vorhandensein schlechter Vorbilder, die eine ungesunde Umwelt erzeugen. Es ist möglich, dass sich eine solche psychische Störung ausbreitet, obwohl sie im Widerspruch zur Natur steht, die demselben Gesetz unterliegt, das das Leben selbst regiert. Dieses Gesetz bestimmt, dass die aufrichtige Natur ihre Freude an dem findet, was den Anforderungen des Lebens entspricht und dessen Fortbestand sichert, nicht an dem, was das Leben erstickt. Sexuelle Perversion gehört zur letzteren Art, denn sie legt die Samen des Lebens in einen bösartigen Boden, der ihrem Wachstum nicht förderlich ist. Aus diesem Grund empfindet die gesunde menschliche Natur die Praktiken des Volkes Lots instinktiv, und nicht nur moralisch, als abstoßend. Die gesunde menschliche Natur unterliegt dem Gesetz Gottes, der das Leben gewährt und der die gesunde Lust an das gebunden hat, was das Leben bereichert.
There are indeed all kinds of perversion. The case of Lot’s people, however, is singular. It suggests that psychological disturbances are infectious, like physical illnesses. It is possible that a psychological disorder such as that of the people of Sodom may spread as a result of a disturbance of values in any particular society and the presence of bad examples which produces an unhealthy environment. It is possible that such a psychological disorder spreads despite the fact that it is in conflict with nature which is subject to the same law that governs life itself. This law determines that upright nature finds its pleasure in what meets the requirements of life and ensures its continuity not in what stifles life. Sexual perversion is of the latter sort because it puts the seeds of life in a wicked soil that is not conducive to their growth. For this reason, healthy human nature instinctively, not only morally, finds the practices of Lot’s people repulsive. Sound human nature is subject to God’s law who grants life and who has made healthy pleasure attendant on what enriches life.