Die Sure wiederholt weiterhin die vollständige Unterscheidung zwischen den beiden Gemeinschaften und legt die Grenzen dar, innerhalb derer Umgang und Beziehungen gepflegt werden dürfen.
The sūrah continues to reiterate the complete distinction between the two communities, outlining the limits within which dealings and interactions may be conducted.
Halte dich fern von denen, die vom Leben dieser Welt betört sind und ihre Religion zum Zeitvertreib und Spiel machen; doch ermahne sie mit diesem (Qur'an), damit nicht jemand um dessen willen, was er getan hat, in Pfand gehalten wird, wenn er außer Gott keinen Beschützer und keinen Fürsprecher hat. Und wenn er auch jedes mögliche Lösegeld anbietet, so wird es nicht von ihm angenommen. Das sind diejenigen, die für das, was sie getan haben, in Pfand gehalten werden. Siedendes Wasser werden sie zu trinken haben, und qualvolle Pein wartet ihrer, weil sie ungläubig waren. (Vers 70)
Stay away from those who, beguiled by the life of this world, take their religion for a pastime and a sport; but remind them with this (Qur’ān), lest every human being should be held in pledge for whatever he has done, when he shall have none to protect him from God, and none to intercede for him. If he were to offer any conceivable ransom, it shall not be accepted from him. Those are the ones who are held in pledge for what they have done. Scalding water shall they drink, and grievous suffering awaits them because they were unbelievers. (Verse 70)
Dieser Vers bekräftigt noch einmal die Unterscheidung zwischen den beiden Gemeinschaften und hebt dabei mehrere wichtige Punkte hervor.
This verse re-emphasises the distinction between the two communities, making several important points.
1. Der Prophet ist, und mit ihm jeder Muslim, angewiesen, diejenigen mit Wort und Tat zu ignorieren, die die Religion als Zeitvertreib und als sinnloses Spiel behandeln. Diese Beschreibung trifft auf jeden zu, der seinem Glauben keine Achtung erweist, indem er ihn nicht zur Grundlage aller Lebensbereiche macht: Gottesdienst, Glaubensinhalte, Praktiken, moralische Werte und eine Rechtsordnung. Sie trifft auch auf jeden zu, der die Prinzipien und Gesetzgebungen dieses Glaubens in herabsetzender Weise beschreibt, etwa jene, die den Begriff des Ghayb, also den Glauben an die Welt jenseits der menschlichen Wahrnehmung, der ein wesentlicher Bestandteil des islamischen Glaubens ist, verspotten. Dasselbe gilt für Menschen, die respektlos über die Zakāt sprechen, die eine der Säulen ist, auf denen das Gebäude des Islam errichtet ist, oder die Moral und Keuschheit als Werte ländlicher und feudaler Gesellschaften darstellen, und für jene, die die islamischen Eheregeln missbilligend betrachten oder die Garantien, die Gott muslimischen Frauen gegeben hat, um ihre Keuschheit zu bewahren, als Fesseln bezeichnen. Es trifft vor allem auf diejenigen zu, die Gottes absolute Souveränität und Sein Recht, das menschliche Leben auf politischem, sozialem, wirtschaftlichem und rechtlichem Gebiet zu regeln, leugnen und behaupten, Menschen dürften sich selbst Gesetze geben, ohne auf das Gesetz Gottes Bezug zu nehmen. All diese gehören zu denen, die „ihre Religion als Zeitvertreib und Spiel nehmen“. Jeder Muslim ist angewiesen, sich von ihnen fernzuhalten, außer um sie an ihre Pflicht gegenüber Gott zu erinnern. Sie gehören zu den Frevlern und Ungläubigen, von denen dieser Vers sagt, dass sie „für das, was sie getan haben, verpfändet sind“.
1. The Prophet, and indeed every Muslim, is commanded to ignore, by word and deed, those who treat religion as a pastime and as idle play. This description applies to anyone who does not give his faith respect by making it the basis of all aspects of his life: worship, beliefs, practices, moral values, and a legal code. It also applies to anyone who describes the principles and legislations of this faith in derogatory terms, such as those who ridicule the concept of ghayb, or believing in the world beyond the reach of human perception, which is an essential part of the Islamic faith. The same is the case with people who talk disrespectfully of zakāt which is one of the pillars upon which the structure of Islam is built, or describe morality and chastity as the values of rural and feudal societies, and those who speak disapprovingly of the Islamic rules of marriage, or describe as fetters the sort of guarantees God has given to Muslim women to help them maintain their chastity. It applies above all to those who deny God’s absolute sovereignty and His authority to legislate for human life in political, social, economic and legal fields, claiming that human beings may legislate for themselves without reference to God’s law. All those are included as ones who, `take their religion for a pastime and a sport’. Every Muslim is commanded to stay away from them except to remind them of their duty towards God. They are among the wrongdoers and unbelievers described in this verse as ones who are held in pledge for what they have done’.
Ihnen wird angedroht, siedendes Wasser trinken zu müssen und wegen ihres Unglaubens qualvolle Pein erleiden zu müssen.
They are threatened with having to drink boiling water and having to endure painful suffering for their disbelief.
2. Der Prophet und ebenso jeder Muslim wird weiterhin angewiesen, diese Menschen an Gott zu erinnern und sie davor zu warnen, dass sie für das, was sie getan haben, verpfändet und dadurch zugrunde gerichtet werden. Sie sollen daran erinnert werden, dass sie gegen Gott keinerlei Beistand genießen können und dass niemand bei Ihm für sie Fürsprache einlegen kann. Von ihnen wird kein Lösegeld angenommen. Der Stil des Qur'ān ist hier außerordentlich schön und wirkungsvoll: „Erinnere mit diesem (Qur'ān) daran, damit nicht jede Seele für das verpfändet wird, was sie erworben hat, wenn sie außer Gott weder einen Beschützer noch einen Fürsprecher haben wird. Und wenn sie auch jedes mögliche Lösegeld anböte, es würde nicht von ihr angenommen." (Vers 70) Jede einzelne Seele wird selbst Rechenschaft ablegen müssen, ohne Beistand, und wenn kein Lösegeld mehr von Nutzen ist. Diejenigen aber, die ihre Religion zum Spott gemacht und vom diesseitigen Leben betört wurden, sind bereits für das verpfändet, was sie getan haben.
2. The Prophet, and indeed every Muslim is further instructed to remind these people of God and warn them against being held in pledge and destroyed in consequence of what they have done. They are to be reminded that they cannot enjoy any support against God, and no one can intercede with Him on their behalf. No ransom will be accepted from them. The Qur’ānic style here is exceedingly beautiful and effective: “Remind them with this (Qur’ān), lest every human being should be held in pledge for whatever he has done, when he shall have none to protect him from God, and none to intercede for him. If he were to offer any conceivable ransom, it shall not be accepted from him.” (Verse 70) Every single soul will have to account for itself, without support, and when no ransom is of any use. As for those who have taken their religion in jest and been beguiled by the life of this world, they are already held in pledge for what they have done.
Ihr Schicksal ist besiegelt: „Diese sind es, die für das, was sie getan haben, zum Pfand gehalten werden. Siedendes Wasser werden sie trinken, und qualvolle Pein erwartet sie, weil sie ungläubig waren.“ Das siedende Wasser, das in ihren Kehlen und Mägen brodelt, und die schmerzhafte Pein, die darauf folgt, sind eine angemessene Vergeltung für ihren Spott über den Glauben.
Their doom is sealed: “Those are the ones who are held in pledge for what they have done. Scalding water shall they drink, and grievous suffering awaits them because they were unbelievers.” The scalding water, which boils in their throats and stomachs, and the painful suffering which ensues are a fitting recompense for their ridicule of faith.
3. Von den Ungläubigen spricht Gott und beschreibt sie als „diejenigen, die ihre Religion zu einem Zeitvertreib und einem Spiel machen“. Ist es wirklich deren Religion? Diese Beschreibung passt vollkommen auf diejenigen, die ihren Glauben an den Islam bekundet und danach ihre Religion zum Gegenstand des Spottes gemacht haben. Es gab einige Menschen dieser Art, denen die Bezeichnung „Heuchler“ gegeben wurde, doch sie lebten in Madinah. Kann dieselbe Aussage auch auf Ungläubige zutreffen, die den Islam von vornherein nicht angenommen haben?
3. Speaking of the unbelievers, God describes them as ‘Those who take their religion for a pastime and a sport’. Is it truly their religion? This description fits perfectly those who declared their acceptance of Islam and then treated their religion as an object of ridicule. There were some people like that to whom the appellation `hypocrites’ was given, but they were in Madinah. Can the same statement apply to unbelievers who did not embrace Islam in the first place?
Nun, der Islam ist die Religion der gesamten Menschheit, auch derer, die nicht an ihn glauben, denn er ist der einzige Glaube, den Gott von den Menschen annimmt, seit der Offenbarung der Botschaft, die der Prophet Muĥammad ﷺ verkündet hat, des letzten aller Gesandten. Daher lehnt jeder, der ihn ablehnt, in Wahrheit seinen eigenen Glauben ab. Deshalb ist es bedeutsam, dass am Anfang dieses Verses das Possessivpronomen verwendet wird: „Meide diejenigen, die ihre Religion zu Zeitvertreib und Spiel machen." Es bezieht sich höchstwahrscheinlich, und Gott weiß es am besten, auf die Tatsache, dass der Islam eine Religion für die gesamte Menschheit ist. Wer ihn verspottet, auch wenn er ein Götzendiener sein mag, verspottet in Wahrheit seine eigene Religion.
Well, Islam is the religion of all mankind, including those who do not believe in it, since it is the only faith God accepts from human beings ever since the revelation of the message preached by the Prophet Muĥammad, the last of all messengers. Hence, anyone who rejects it actually rejects his own faith. Hence, it is significant that the possessive pronoun is used in the beginning of this verse: “Stay away from those who take their religion for a pastime and a sport.” It is most probably, and God knows best, a reference to the fact that Islam is a religion for all mankind. Whoever makes fun of it, even though he may be an idolater, actually makes fun of his own religion.
Wir sollten wahrscheinlich noch erklären, wer mit dem Begriff „Götzendiener“ gemeint ist. Gemeint sind diejenigen, die behaupten, dass irgendein Wesen an den Eigenschaften Gottes Anteil habe. Dies kann die Form annehmen, an die Existenz anderer Gottheiten als Gott zu glauben, jemandem außer Gott Anbetung darzubringen und Riten für ihn zu vollziehen, oder die Befugnis zur Gesetzgebung einem anderen als Gott zuzuerkennen. Es versteht sich von selbst, dass der Begriff Götzendiener auch jene umfasst, die sich selbst eines dieser Merkmale zuschreiben, so sehr sie sich auch zum Islam bekennen mögen. Wir sollten dann klar sein, wer zu unserem Glauben gehört.
We probably still need to explain who are meant by the term `idolaters’. They are those who claim that any being has a share of God’s attributes. This may take the form of believing in the existence of deities other than God, or offering worship and performing rituals to anyone other than God, or acknowledging the authority to legislate to anyone besides God. Needless to say, the term idolaters also includes those who claim for themselves any of these, however strongly they may profess to be Muslims. We should then be clear about who belongs to our faith.
4. Der letzte Punkt betrifft die Grenzen, innerhalb derer es erlaubt ist, mit Frevlern oder Götzendienern und mit jenen zusammenzusitzen, die die Religion zum Gegenstand von Spott und Hohn machen. Wie wir bereits erwähnt haben, ist dies nur erlaubt, wenn es geschieht, um sie an den göttlichen Glauben zu erinnern und sie davor zu warnen, Gott ungehorsam zu sein. Es kann keinen anderen Zweck haben. Sobald wir erkennen, dass sie leeres Gerede über die Offenbarungen Gottes führen oder sie zum Gegenstand des Spotts machen, müssen wir ihre Gesellschaft sofort verlassen. Bei der Auslegung dieses Verses erläutert al-Qurţubī die im Qur'ān genannten Bestimmungen: „Dieser Vers gibt im Buch Gottes eine Antwort an jeden, der behauptet, hochangesehene Imame und ihre Anhänger dürften gesellschaftlichen Umgang mit Frevlern pflegen oder sich dadurch zu schützen versuchen, dass sie vorgeben, deren Ansichten als richtig anzuerkennen."23
4. The last point concerns the limits within which it is permissible to sit with the wrongdoers, or idolaters, and those who take religion as an object of fun and ridicule. As we have already mentioned, this is permissible only when it is done to remind them of divine faith and to warn them against disobeying God. It can have no other purpose. Once we realize that they engage in idle talk about God’s revelations or treat them as an object of ridicule we must leave their company immediately. In commenting on this verse, al-Qurţubī explains the rulings mentioned in the Qur’ān: “This verse provides an answer in God’s Book to anyone who claims that high standing Imams and their followers may have social contacts with wrongdoers, or may try to protect themselves by pretending to accept their views as correct.”23
Unsere Auffassung lautet, dass der Koranvers es erlaubt, sich unter die Übeltäter zu mischen, um sie zu ermahnen und zu warnen und um ihre irrigen Ansichten zu berichtigen. Sich unter sie zu mischen und über das, was sie sagen und tun, zu schweigen, um sich selbst zu schützen, ist jedoch inakzeptabel, denn es vermittelt den Eindruck, dass man die Falschheit akzeptiert und die Wahrheit ablehnt. Außerdem täuscht es die Menschen und setzt den göttlichen Glauben und seine Verfechter herab. Eine solche Situation ist völlig inakzeptabel.
Our view is that the Qur’ānic verse allows mixing with the wrongdoers in order to admonish and warn them, and to correct their erring views. Mixing with them and keeping quiet about what they say and do in order to protect ourselves is unacceptable, because it imparts an impression of accepting falsehood and rejecting the truth. In addition, it deceives people and degrades the divine faith and its advocates. Such a situation is totally unacceptable.
Al-Qurṭubī zitiert einige Aussagen anderer Gelehrter: „Ibn Khuwayz Mindād sagt: ‚Wer sich in eitle Reden über die Offenbarungen Gottes verwickelt, soll gemieden werden, ob er ein Gläubiger oder ein Ungläubiger ist. Unsere Kollegen untersagen auch das Betreten des Landes, das vom Feind beherrscht wird, oder das Betreten ihrer Kirchen und Tempel, ebenso wie den geselligen Umgang mit Ungläubigen und mit denen, die abweichende Praktiken erfinden und behaupten, sie seien islamisch. Es ist auch nicht erlaubt, ihnen gegenüber Sympathie zu zeigen oder mit ihnen zu streiten. Einer dieser Erfinder sagte einst zu Abū ʿImrān al-Nakhaʿī: „Lass mich dir ein Wort sagen.“ Al-Nakhaʿī wandte sich ab und sagte: „Nicht einmal ein halbes Wort.“ Dieselbe Haltung wird von Ayyūb al-Sakhtiyānī überliefert. Al-Fuḍayl ibn ʿIyāḍ sagt: ‚Wenn jemand eine Person liebt, die abweichende Neuerungen praktiziert, wird Gott seine guten Taten zunichtemachen und seine Überzeugung wankend werden lassen. Wer seine Tochter einem Erfinder abweichender Neuerungen zur Ehe gibt, begeht Unrecht an ihr, und wer mit einer solchen Person verkehrt, hat keinen Anteil an der Weisheit. Wenn Gott weiß, dass ein Mensch Erfinder abweichender Neuerungen wirklich verabscheut, so hoffe ich, dass Er ihm seine Sünden vergibt.‘ Der Prophet ﷺ wird von seiner Frau ʿĀʾischa mit den Worten überliefert: ‚Wer einen Menschen ehrt, der abweichende Neuerungen praktiziert, trägt tatsächlich dazu bei, den Islam zu zerstören.‘“24
Al-Qurţubī quotes a few statements by other scholars: “Ibn Khuwayz Mindād says: `Anyone who engages in vain discourse about God’s revelations should be boycotted, whether he is a believer or an unbeliever. Our colleagues also disallow entry into the land ruled by the enemy or entry into their churches and temples, as well as mixing socially with unbelievers and those who invent deviant practices and claim them to be Islamic. It is also not permissible to be sympathetic to them or to argue with them. One of these inventors once said to Abū `Imrān al-Nakha`ī: “Let me say one word to you”. Al-Nakha`ī turned away, saying: “Not even half a word”. The same attitude was reported of Ayyūb al-Sakhtiyānī. Al-Fuđayl ibn `Iyād says: “If one loves a person who practises deviant inventions, God will cause his good actions to be wasted and will cause his conviction to be shaky. A person who gives his daughter in marriage to a deviant inventor is unkind to her, and one who mixes with such a person has no share of wisdom. If God knows a person to truly dislike deviant inventors, I hope He will forgive him his sins.” The Prophet is quoted by his wife, `Ā’ishah as saying: He who respects a person practising deviant inventions actually helps to destroy Islam’.24
All diese Aussagen beziehen sich auf eine Person, die abweichende Neuerungen praktiziert, obwohl sie weiterhin an den göttlichen Glauben glaubt. Es versteht sich von selbst, dass sie sich in einer weitaus besseren Lage befindet als jemand, der für sich die Eigenschaften der Gottheit beansprucht, indem er Gesetze verkündet, die dem göttlichen Gesetz widersprechen, oder jemand, der seine Autorität dazu anerkennt. Solche Ansprüche zeugen von völligem Unglauben oder Polytheismus. Die frühen Gelehrten mussten sich nach der Gründung des Islam nicht mit solchen Situationen auseinandersetzen. Niemand erhob derartige Ansprüche und bezeichnete sich zugleich als Muslim. Dies war unbekannt bis zur französischen Besetzung Ägyptens unter Napoleon, als die Mehrheit der Menschen ihrem Glauben den Rücken kehrte. Offensichtlich treffen die Aussagen früherer Gelehrter nicht auf die gegenwärtige Lage zu, die das, was sie beschrieben und wozu sie Urteile gefällt haben, bei Weitem übertrifft.
All these statements speak about a person who practises deviant inventions, although he continues to believe in the divine faith. Needless to say, he is in a much better position than the person who claims for himself the attributes of Godhead by promulgating laws that are in conflict with divine law, or one who acknowledges his authority to do so. Such claims indicate total disbelief or polytheism. Early scholars did not have to deal with such situations after the establishment of Islam. No one made any such claims while saying at the same time that he was Muslim. This was unknown until the French occupation of Egypt under Napoleon when the majority of people turned their backs on their faith. Obviously, the statements of past scholars do not apply to the present situation which exceeds by far what they have described and the rulings they made concerning it.