Nachdem die Sure die richtigen Umgangsformen beim Betreten von Häusern nach Erlaubnis geregelt hat, geht sie dazu über, das Verlangen davor zu bewahren, außer Kontrolle zu geraten. Sie verhindert schlicht das Anschauen dessen, was das Verlangen zwangsläufig erregen muss, und sie untersagt Handlungen, die zur Sünde verleiten.
Having dealt with the proper manners of entering homes after taking permission, the sūrah moves on to prevent desire from running loose. It simply prevents looking at what is bound to excite desire, and it prohibits action that encourages sin.
Sag den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren. Das ist für ihre Reinheit am förderlichsten. Gott ist gewiss über alles unterrichtet, was sie tun. Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren und ihre Reize nicht zur Schau stellen, außer dem, was normalerweise sichtbar ist. Sie sollen ihre Kopftücher über ihren Busen ziehen und ihre Reize nur ihren Ehemännern zeigen, oder ihren Vätern, oder den Vätern ihrer Ehemänner, oder ihren Söhnen, oder den Söhnen ihrer Ehemänner, oder ihren Brüdern, oder den Söhnen ihrer Brüder, oder den Söhnen ihrer Schwestern, oder ihren Frauen, oder denen, die sie rechtmäßig besitzen, oder männlichen Dienern, die frei von sexuellem Verlangen sind, oder Kindern, die noch keine Kenntnis von der Blöße der Frauen haben. Sie sollen auch nicht mit den Beinen aufstampfen, damit nicht ihre verborgenen Reize bekannt werden. Ihr Gläubigen, wendet euch reumütig zu Gott, damit ihr erfolgreich sein möget. (Verse 30-31)
Tell believing men to lower their gaze and to be mindful of their chastity. This is most conducive to their purity. God is certainly aware of all that they do. And tell believing women to lower their gaze and to be mindful of their chastity, and not to display their charms except what may ordinarily appear thereof. Let them draw their head- coverings over their bosoms and not display their charms to any but their husbands, or their fathers, or their husbands’ fathers, or their sons, or their husbands’ sons, or their brothers, or their brothers’ sons, or their sisters’ sons, or their womenfolk, or those whom they rightfully possess, or such male attendants as are free of physical desire, or children that are as yet unaware of women’s nakedness. Let them not swing their legs in walking so as to draw attention to their hidden charms. Believers, turn to God in repentance, so that you may achieve success. (Verses 30-31)
Der Islam möchte eine saubere Gesellschaft errichten, in der das Verlangen nicht in jedem Augenblick erregt wird und erotische Szenen nicht überall zur Schau gestellt werden. Ständige Reizung des Geschlechtstriebs führt zu einem unersättlichen Verlangen, das unaufhaltsam werden kann. Ein verstohlener Blick, eine verführerische Bewegung, auffälliges Make-up und knapp bekleidete Körper dienen nur dazu, eine solche unersättliche und unkontrollierte Erregung noch zu steigern. Dadurch werden Umsicht und Selbstbeherrschung stark beansprucht. Daher bleiben zwei Alternativen: entweder völlige Freizügigkeit, die alle Grenzen und Werte missachtet, oder psychische Probleme und Störungen, die daraus entstehen, dass ein stark erregtes Verlangen unterdrückt werden muss.
Islam wants to establish a clean society where desire is not aroused at every moment, and erotic scenes are not displayed everywhere. Continual excitement of the sexual urge leads to an insatiable desire that may become unstoppable. A stealthy look, a seductive move, flagrant make-up and thinly-dressed bodies are meant only to add to such insatiable and uncontrolled excitement. Thus, prudence and self control are heavily taxed. Hence, there remains one of two alternatives: either total permissiveness that disregards all checks and values, or psychological problems and disorders that result from having to suppress a desire that has been strongly aroused.
Das grenzt an reine Folter.
This borders on unmitigated torture.
Ein Weg, den der Islam wählt, um sein Ziel einer sauberen menschlichen Gesellschaft zu verwirklichen, besteht darin, eine solche unkontrollierbare Erregung des Geschlechtstriebs zu verhindern. Er will, dass der natürliche Geschlechtstrieb sowohl bei Männern als auch bei Frauen gesund bleibt, seine natürliche Stärke behält und auf die richtige, saubere Weise gestillt wird.
One way Islam uses for achieving its goal of establishing a clean human society is to prevent such uncontrollable excitement of the sexual urge. It wants the natural sexual urge, of both men and women, to remain healthy, maintaining its natural strength and to satisfy it in the proper, clean manner.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde die Idee verbreitet, dass ungezwungene Vermischung der beiden Geschlechter, spielerische Unterhaltung und das Zurschaustellen körperlicher Reize zu einer entspannten gesellschaftlichen Atmosphäre beitragen, ohne starre Hemmungen. Man sagte, dies sei notwendig als vorbeugende Maßnahme gegen die willkürliche Unterdrückung natürlicher Begierden sowie psychischer Komplexe und Störungen. Es verringere den Druck des Geschlechtstriebs und verhindere eine unkontrollierbare Entladung usw.
At some point in time, the idea was promoted that easy mixing between the two sexes, playful conversation and revealing physical attractions help to provide a relaxed social atmosphere, with no rigid inhibitions. It was said that this is necessary as a preventive measure against arbitrary suppression of natural desires and psychological complexes and disorders. It reduces the pressure of the sexual urge and prevents an uncontrollable explosion, etc.
Solche Ideen wurden gefördert infolge der Verbreitung von Theorien, die darauf abzielten, dem Menschen seine besonderen Merkmale zu nehmen, durch die sich die Menschheit von den Tieren unterscheidet, und die den Menschen auf dieselbe Stufe wie die Tiere stellten. Die bedeutendste dieser Theorien war die Freuds. Doch all dies war nicht mehr als theoretische Annahmen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, in einer freizügigen Gesellschaft, die alle sozialen, sittlichen und religiösen Schranken aufgegeben hatte, handfeste Belege dafür, ihre eigenen Grundlagen zu untergraben. Ich habe in einem Land, das keinerlei Beschränkung für das Zurschaustellen des menschlichen Körpers oder für sexuelle Beziehungen in allen Formen und Arten kennt, gesehen, dass eine solche Freiheit den sexuellen Trieb in keiner Weise verfeinert oder kontrolliert. Im Gegenteil, sie führte zu einem unersättlichen Streben nach sexuellem Vergnügen. Ich sah außerdem viele der psychischen Probleme und Störungen, von denen behauptet wurde, sie würden allein durch Entbehrung und Isolation vom anderen Geschlecht ausgelöst. Sie nahmen zu, ebenso alle Arten sexueller Perversion. Und all dies war eine direkte Folge der freien, ungezügelten Vermischung der beiden Geschlechter, der völligen Freizügigkeit, der Zurschaustellung großer Teile des menschlichen Körpers auf der Straße, verführerischer Gesten, anzüglicher Blicke usw. Dies ist nicht der Ort, solche Szenen im Einzelnen festzuhalten, doch muss ich nur sagen, dass all dies die Notwendigkeit aufzeigt, jene Theorien zu überprüfen, die durch das widerlegt werden, was in der Gesellschaft herrscht.
Such ideas were promoted as a result of the advancement of theories that aimed to deprive man of his distinctive characteristics that separate the human race from animals, and which put man at the same level as animals. The most important of these theories was Freud’s. But all this was no more than theoretical assumptions. I have seen with my own eyes, in a permissive society that abandoned all social, moral and religious restrictions, solid evidence to undermine its very foundation.18 I have seen in a country that does not place a single restriction on exposing the human body or on sexual relations, in all forms and types, that such freedom in no way refines or controls the sexual urge. On the contrary, it led to an insatiable quest for sexual pleasure. I also saw much of the psychological problems and disorders which were claimed to be triggered only by deprivation and isolation from the other sex. They were on the increase, as were all types of sexual perversion. And all this was a direct result of free, unrestrained mixing between the two sexes, total permissiveness, exposure of much of the human body in the street, seductive gestures, suggestive glances, etc. This is not the place for recording such scenes in detail, but I only have to say that all this indicates the need to revise those theories, which are contradicted by what prevails in society.
Die Anziehung zum anderen Geschlecht ist sowohl natürlich als auch tiefgreifend, denn Gott hat sie zum Mittel gemacht, durch das das menschliche Leben fortbesteht und durch das der Mensch seine Aufgabe auf Erden erfüllen kann. Es ist eine dauerhafte Anziehung, die für eine Weile nachlässt und dann wieder an Kraft gewinnt.
Attraction to the other sex is both natural and profound, because God has made it the means by which human life continues and by which man can fulfil his task on earth. It is a permanent attraction that subsides for a while and then regains strength.
Sie in ständiger Bewegung zu halten, hält sie ohne Zweifel am Kochen. Daher verlangt sie nach körperlicher Befriedigung. Bleibt diese aus, steigt die Anspannung, und der Mensch befindet sich in einer Art dauerhafter Qual. Erregung entsteht durch einen Blick, eine Bewegung, ein Lächeln, einen Scherz und sogar durch den Tonfall in der Sprache. Der beste Schutz besteht darin, solche Erregung zu verringern, sodass die gegenseitige Anziehung zwischen Mann und Frau in ihren natürlichen Grenzen bleibt und ihre Erfüllung auf die richtige und natürliche Weise findet. Dies ist der Weg, den der Islam bevorzugt.
To stir it at all times will undoubtedly keep it on the boil. Thus, it requires physical satisfaction. If this does not take place, tension will rise and man finds himself in a sort of permanent torture. Excitement takes place through a look, a move, a smile, a joke and even the tone in one’s speech. The best safeguard is to reduce such excitement so that the mutual attraction between man and woman remains within its natural limits, and finds its satisfaction in the proper and natural way. This is the line Islam prefers.
Die beiden Verse, die wir nun besprechen, geben uns einige Beispiele dafür, wie der Islam hilft, die Möglichkeiten von Erregung und Sünde zu verringern: „Sag den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit bewahren sollen. Das ist für sie am reinsten. Gewiss, Gott weiß wohl, was sie tun.“ (Vers 30)
The two verses we are now discussing give us some examples of how Islam helps to reduce the chances of excitement and sin: “Tell believing men to lower their gaze and to be mindful of their chastity. This is most conducive to their purity. God is certainly aware of all that they do.” (Verse 30)
Den Blick zu senken ist ein Akt der Veredelung der Manieren des Mannes. Es stellt einen Versuch dar, sich über das Verlangen zu erheben, die körperlichen Reize der Frauen anzusehen. Als solches ist es ein praktischer Schritt, um sicherzustellen, dass das erste Fenster der Versuchung verschlossen wird. Die Bewahrung der Keuschheit ist die natürliche Folge des Senkens des Blicks. Es ist in der Tat der zweite Schritt, der darauf folgt, den eigenen Willen zu stärken und sich gleich zu Beginn über den natürlichen Trieb zu erheben.
Lowering their gaze is an act of refining men’s manners. It represents an attempt to rise above the desire to look at women’s physical charms. As such, it is a practical step to ensure that the first window of temptation is shut. Minding their chastity is the natural result of lowering their gaze. It is indeed the second step that comes after strengthening one’s will and rising above the natural urge right at the beginning.
Daher werden die beiden im selben Vers als Ursache und Wirkung genannt, oder als zwei aufeinanderfolgende Schritte, sowohl im persönlichen Gewissen als auch in der Wirklichkeit.
Hence, the two are stated in the same verse as a cause and effect, or as two consecutive steps both in personal conscience and in reality.
„Das ist für ihre Reinheit am förderlichsten.“ (Vers 30) Es stellt sicher, dass ihre Gefühle rein bleiben, unberührt von zügelloser Begierde und hemmungslosem Handeln. So bewahren die Gefühle ihren edlen menschlichen Maßstab und sinken nicht auf das Niveau der Tiere herab. Dies schützt die Ehre, die Integrität und die Heiligkeiten innerhalb der Gemeinschaft. Außerdem ist es Gott, der solche vorbeugenden Maßnahmen erlässt, denn Er kennt die Psyche der Menschen, ihre natürlichen Triebe, Gedanken und Beweggründe ganz genau: „Gott ist gewiss über alles im Bilde, was sie tun.“ „Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und auf ihre Keuschheit achten.“ (Vers 31) Sie dürfen keine begehrlichen oder verführerischen Blicke auf Männer werfen, um deren Verlangen zu erregen. Auch ist ihnen kein sexuelles Verhalten erlaubt, außer dem, was erlaubt und rein ist. So werden die Kinder, die daraus hervorgehen, nichts zu verbergen haben, wenn sie der Gesellschaft gegenübertreten und ihre Rolle in ihr spielen müssen.
“This is most conducive to their purity.” (Verse 30) It ensures that their feelings remain pure, unaffected by licentious desire and promiscuous action. Thus, feelings retain their noble human standards, and do not sink to animal levels. This protects honour, integrity and sanctities within the community. Besides, it is God who lays down such preventive measures, fully aware as He certainly is of people’s psychology, natural instincts thoughts and motives: “God is certainly aware of all that they do.” “And tell believing women to lower their gaze and to be mindful of their chastity.” (Verse 31) They must not cast hungry or seductive looks at men to arouse their desire. Nor are they permitted any sexual behaviour other than what is lawful and clean. Thus, children that are born as a result will have nothing to be ashamed of when they have to face society and play their roles in it.
„Und sie sollen ihre Reize nicht zur Schau stellen, außer dem, was normalerweise davon sichtbar ist“ (Vers 31)
“And not to display their charms except what may ordinarily appear thereof” (Verse 31)
Der arabische Begriff zīnah, hier mit „Reize“ übersetzt, hat eine weitere Bedeutung als nur natürliche Schönheit. Er umfasst den Schmuck, den Frauen anlegen, um attraktiver zu wirken. Solcher Schmuck ist für Frauen erlaubt, denn er entspricht einer natürlichen weiblichen Neigung, die Frauen stets dazu bringt, schön und anziehend aussehen zu wollen. Diese Schmuckformen unterscheiden sich von einer Zeit zur anderen, doch welche Form sie auch annehmen, sie dienen demselben natürlichen Beweggrund, schöner zu erscheinen und den Männern ihre Reize zu zeigen.
The Arabic term zīnah, translated here as ‘charms’, has wider connotations than natural beauty. It includes adornments women add to look more attractive. Such adornments are lawful for women to use, because they satisfy a natural female tendency that makes women always want to look beautiful and attractive. Such adornments differ from one time to another, but whatever form they take, they are meant to satisfy the same natural motive of appearing more beautiful and displaying charms before men.
Da dies eine natürliche Neigung ist, unterdrückt der Islam sie nicht; er bringt sie unter Kontrolle, sodass eine Frau ihre Reize vor einem einzigen Mann zeigt, ihrem Ehegatten, der sie so sieht, wie niemand sonst sie sieht. Darüber hinaus dürfen auch ihre nahen Verwandten, die nicht mit ihr verheiratet sein können, einige ihrer Reize sehen, da ihre Begierde dadurch nicht erregt wird, in Anbetracht ihrer engen Verwandtschaft. Die Reize bzw. Schmuckstücke, die im Gesicht und an den Händen einer Frau sichtbar sind, dürfen jedoch angesehen werden. Der Prophet ﷺ sagte zu Asmā’ bint Abī Bakr, seiner Schwägerin: „Asmā’! Wenn eine Frau die Pubertät erreicht, darf von ihr nichts gesehen werden außer diesem“ – dabei deutete er auf das Gesicht und die Hände. [Überliefert von Abū Dāwūd] 19
Since this is a natural tendency, Islam does not suppress it; it brings it under control so that a woman displays her charms before one man, who is her spouse who sees her as no one else does. In addition, her close relatives who may not be married to her may see some of her charms as well, because their desires are not excited as a result, considering their close relation. However, the charms or adornments that appear on a woman’s face and hands are permissible to see. The Prophet said to Asmā’ bint Abī Bakr, his sister-in-law: “Asmā’! When a woman attains puberty, nothing should be seen of her except this [and he pointed to face and hands].” [Related by Abū Dāwūd] 19