Die Sure untersucht sodann den Fall derer, die untätig bleiben und im Land des Unglaubens verharren, anstatt in das Land des Islam auszuwandern. Ihre Beweggründe, so zurückzubleiben, sind die Sorge um ihren Besitz und ihre Interessen oder eine innere Schwäche, die sie davor zurückschrecken lässt, die beschwerliche Aufgabe der Auswanderung auf sich zu nehmen. Wären sie bereit gewesen, Opfer zu bringen, hätten sie auswandern können, doch sie bleiben, bis die Engel angewiesen werden, sie im Tod einzusammeln. Sie werden hier auf herabsetzende Weise dargestellt, was eigentlich ausreichen sollte, um jeden von ihnen zu bewegen, das Land des Bösen zu verlassen und sich den Reihen der Gläubigen anzuschließen.
The sūrah then examines the case of those who remain passive, staying in the land of unfaith instead of migrating to the land of Islam. Their motives for so staying behind are to look after their property and interests, or an inherent weakness which makes them unwilling to undertake the arduous task of migration. Had they been willing to sacrifice, they would have been able to migrate, but they stay put until the angels are instructed to gather them in death. They are portrayed here in a derogatory way, which should have been enough to motivate any one of them to flee from the land of evil to join the ranks of the believers.
Zu denjenigen, die die Engel im Tod abberufen, während sie sich noch selbst Unrecht getan haben, werden die Engel sagen: „In welcher Lage wart ihr?“ Sie werden antworten: „Wir waren auf der Erde unterdrückt.“ (Die Engel) werden sagen: „War Gottes Erde nicht weit genug, dass ihr hättet auswandern und anderswo wohnen können?“ Diese werden ihre Bleibe in der Hölle haben, ein fürwahr übles Ende. Ausgenommen sind die Männer, Frauen und Kinder, die wirklich hilflos sind, die nichts ersinnen können und keinen Weg finden. Diesen mag Gott vergeben, denn Gott ist wahrlich der Nachsichtigste, Allvergebende. (Verse 97–99)
To those whom the angels gather in death while they are still wronging themselves, the angels will say: “What were you doing?” They will answer: “We were oppressed on earth.” (The angels) will say: “Was not God’s earth so spacious that you might have migrated to settle elsewhere?” Such will have their abode in Hell, a certainly evil end. Excepted are the men, women, and children who, being truly helpless, can devise nothing and can find no way. These God may well pardon, then, for God is indeed most Lenient, Much-Forgiving. (Verses 97-99)
Diese Verse beziehen sich auf eine reale Situation, die nach der Hidschra des Propheten ﷺ und der Gründung des islamischen Staates in Mekka und anderswo auf der Arabischen Halbinsel bestand. Einige Muslime blieben zurück, weil sie nicht bereit waren, ihren Besitz und ihre Interessen zu opfern, da die Ungläubigen denjenigen, die auswanderten, nicht erlaubten, irgendeinen Besitz mitzunehmen. Manche von ihnen fürchteten vielleicht die Folgen der Auswanderung, denn die Ungläubigen waren stets wachsam und versuchten, jeden Muslimen, der nach Medina aufbrechen wollte, zurückzuhalten. Andere waren jedoch zu schwach, um auszuwandern. Unter ihnen waren die Alten, die Frauen und die Kinder, die keinen Weg zur Flucht finden konnten.
These verses are speaking of a real situation that existed in Makkah and elsewhere in the Arabian peninsula after the Prophet’s migration and the establishment of the Islamic state. There were still some Muslims who stayed behind, unwilling to sacrifice their property and interests because the unbelievers did not allow those who migrated to take any possessions with them. Some of them might have feared the consequences of migration, because the unbelievers were ever watchful, trying to turn hack any Muslim who sought to leave for Madinah. Some, however, were too weak to migrate. Among them were the elderly, women, and children who could not find a way of escape.
Da die Ungläubigen den Propheten und seine Gefährten nicht fassen konnten, als sie nach Madinah auswanderten, und da sie die Errichtung des muslimischen Staates nicht verhindern konnten, drehten sie den Muslimen, die zurückgeblieben waren, umso mehr die Schraube an, besonders als der neue muslimische Staat begann, die Handelskarawanen der Quraisch abzufangen. Als die Muslime bei Badr ihren glänzenden SiegErringen konnten, verschärften die Ungläubigen in Makkah die Folter an den zurückgebliebenen Muslimen und versuchten, sie zur Rückkehr zur Götzenanbetung zu zwingen. Manche von ihnen gaben dem Druck nach und fühlten sich gezwungen, zumindest so zu tun, als wären sie nicht mehr Muslime, und nahmen mit den Ungläubigen an deren götzendienerischen Praktiken teil. Diese Fassade der Abkehr vom Islam wurde ihnen zugestanden, solange sie keinen Staat hatten, in den sie auswandern konnten. Nach der Errichtung dieses Staates war eine solche Verstellung jedoch nicht mehr annehmbar, besonders dann, wenn die Möglichkeiten zur Auswanderung vorhanden waren. Durch die Auswanderung konnten sie erklären, dass sie Muslime sind, und nach den Grundsätzen des Glaubens leben.
Unable to seize the Prophet and his Companions when they migrated to Madinah and unable to prevent the establishment of the Muslim state, the unbelievers turned the screw on those Muslims who stayed behind, especially when the new Muslim state began to intercept the Quraysh’s trade caravans. When the Muslims were able to score their resounding victory at Badr, the unbelievers in Makkah escalated their torture of those Muslims who were left behind, trying to force them to return to idol worship. Some of them succumbed to the pressure, feeling compelled to at least pretend that they were no longer Muslims and taking part with the unbelievers in their idolatrous practices. This facade of having rejected Islam was permitted them when they had no state to which they could migrate. However, after the establishment of that state, such pretence was no longer acceptable and especially when the means to migrate were available. Migration enabled them to declare that they were Muslims and to live according to the principles of faith.
Diese Verse wurden herabgesandt, um jenen speziellen Fall zu behandeln. Sie bezeichnen die Menschen, die aus einem der oben genannten Gründe nicht auswandern wollten, als solche, die „sich selbst Unrecht getan haben“.
These verses were revealed to address that particular case. They describe the people unwilling to migrate for one of the above reasons as “wronging themselves”.
Sie haben sich in der Tat großes Unrecht angetan, indem sie sich selbst die Möglichkeit genommen haben, im Land des Islam zu leben, wo sie ein reines, gesundes, gesegnetes Leben hätten führen können, frei von allen Bedrängnissen. Stattdessen entschieden sie sich dafür, in Schwäche zu leben und Verfolgung zu erleiden. Darüber hinaus warnen diese Verse sie, dass ihre Wohnstätte die Hölle sein wird, und beschreiben sie als „ein gewiss schlimmes Ende“. Das deutet darauf hin, dass sich diese Aussage auf jene bezieht, die tatsächlich in Makkah vom Islam abgefallen sind.
They have indeed done themselves a great wrong by depriving themselves of the opportunity to live in the land of Islam where they could enjoy a clean, healthy, blessed life, free from all pressures. Instead, they chose to live in weakness and to suffer persecution. Moreover, these verses warn them that their abode will be Hell, and describe it as “a certainly evil end”. This suggests that this particular statement refers to those who actually turned back from Islam in Makkah.
Auf die unnachahmliche Weise des Qur'ān wird diese ganze Situation sehr anschaulich geschildert: „Denjenigen, die die Engel im Tod abberufen, während sie sich selbst Unrecht getan haben, werden die Engel sagen: ‚Was habt ihr getan?‘ Sie werden antworten: ‚Wir waren auf der Erde unterdrückt.‘ (Die Engel) werden sagen: ‚War Gottes Erde nicht weit genug, dass ihr hättet auswandern und anderswo siedeln können?‘“ (Vers 97)
In the inimitable fashion of the Qur’ān, this whole situation is portrayed very vividly: “To those whom the angels gather in death while they are still wronging themselves, the angels will say: ‘What were you doing?’ They will answer: `We were oppressed on earth.’ (The angels) will say: `Was not God’s earth so spacious that you might have migrated to settle elsewhere?’“ (Verse 97)
Der Qur’ān wendet sich hier an Menschen, in denen er die Elemente der Güte, des Mutes und der Würde wecken und die Elemente der Schwäche, des Geizes und der Demut ausmerzen will. Deshalb gibt er uns dieses Bild, das eine wahre Situation schildert. Er bedient sich dabei jedoch dieser wahren Situation, um menschliche Schwächen zu behandeln. Die Szene des herannahenden Todes ist eine, die einem Menschen einen Schauder ins Herz jagt. Die Darstellung der Engel, so wie der Qur’ān sie vornimmt, macht sie anschaulicher und steigert unsere Furcht. Diese Menschen haben sich selbst Unrecht getan, und die Engel sind gekommen, um sie in eben diesem Zustand abzuholen. Auch das lässt einem das Herz erbeben. Es genügt, dass sich jemand vorstellt, wie er selbst mit den Engeln konfrontiert wird, die sein Leben beenden, während er sich selbst Unrecht tut. Er hat dann keine andere Möglichkeit mehr, sich zu retten.
The Qur’ān is dealing here with human beings in whom it attempts to arouse the elements of goodness, courage, and dignity, and to eradicate the elements of weakness, miserliness and humility. It, therefore, gives us this portrait delineating a true situation. It makes use, however, of that true situation to treat human weaknesses. The scene of approaching death is one that sends a shiver into a man’s heart. Portraying the angels in the way in which the Qur’ān does makes it more vivid, and heightens our fear. Those people have wronged themselves, and the angels have arrived to gather them in that condition. This, again, makes one’s heart shudder. It is sufficient for anyone to imagine himself with the angels terminating his life while he is wronging himself. He has no other chance to redeem himself.
Die Engel jedoch schweigen nicht, während sie diese Menschen sterben lassen. Sie gehen ihre vergangene Geschichte durch und finden darin vieles, was fehlt. Deshalb fragen sie sie, womit sie sich in ihren Tagen und Nächten beschäftigt haben. Ihre Beschäftigung hat ihnen ja letztlich den völligen Verlust gebracht. Im Augenblick des Todes geben sie eine demütigende Antwort und halten diese für eine ausreichende Rechtfertigung für ihre Feigheit:
The angels, however, do not keep quiet as they cause these people to die. They review their past history and find a great deal wanting therein. Therefore, they ask them what they were preoccupied with during their days and nights. Their preoccupation has, after all, meant their utter loss. At the moment of death, they provide a humiliating reply, thinking this sufficient justification for their cowardice:
„Wir waren auf der Erde unterdrückt.“ Wir wurden von den Mächtigen gedemütigt, und wir waren nicht in der Lage, etwas gegen unsere Lage zu unternehmen.
“We were oppressed on earth.” We were humiliated by the people in power and we were unable to do anything about our situation.
Trotz all der Selbsterniedrigung, die dieser Antwort innewohnt und die uns dazu bringt, denjenigen zu verachten, der sich in der Todesstunde so verhält, nachdem er sich zeit seines Lebens geweigert hat, auszuwandern, konfrontieren die Engel diese Menschen mit der Wirklichkeit ihrer Lage. Sie werfen ihnen vor, es nicht versucht zu haben, als die Gelegenheit dazu bestand.
Despite all the self-degradation inherent in this reply, which leads us to despise the person who takes such an attitude at the point of death, after having refused to migrate throughout his lifetime, the angels confront these people with the reality of their situation. They reproach them for not having tried when the chance was there:
„War Gottes Erde nicht weit genug, dass ihr hättet auswandern und anderswo siedeln können?“ Nicht Hilflosigkeit zwang sie dazu, Demütigung und Unterdrückung hinzunehmen, statt in das Land des Islam auszuwandern. Es war etwas anderes, nämlich ihre Unwilligkeit, ihren Besitz, ihr Eigentum und ihre Interessen im Land des Bösen zu opfern. An diesen festhaltend, bleiben sie in ihren Häusern, obwohl Gottes Erde so weit ist, dass Auswanderung möglich wäre, wenn sie nur bereit wären, das nötige Opfer zu bringen.
“Was not God’s earth so spacious that you might have migrated to settle elsewhere?” It was not helplessness that forced them to accept humility and oppression in preference to migrating to the land of Islam. There was something else, namely, their unwillingness to sacrifice their property and possessions and interests in the land of evil. Holding on to these, they remain in their homes when God’s earth is so spacious as to make migration possible if only they are willing to make the necessary sacrifice.
Diese eindrucksvolle Szene endet mit einem schrecklichen Ausgang: „Ihre Wohnstatt wird die Hölle sein, ein gewiss übles Ende.“ (Vers 97)
This highly effective scene concludes with a fearful end: “Such will have their abode in Hell, a certainly evil end.” (Verse 97)
Eine Ausnahme wird jedoch für diejenigen gemacht, die keine echte Möglichkeit hatten, das Land des Bösen zu verlassen, in dem sie verfolgt und des leichten und glücklichen Lebens im Land des Islam beraubt wurden. Dazu gehören die Alten, die Frauen und die Kinder, die wirklich hilflos sind. Für sie wird die Aussicht auf Gottes Vergebung und Barmherzigkeit eröffnet, weil ihre Gründe stichhaltig sind: „Ausgenommen sind die Männer, Frauen und Kinder, die wirklich hilflos sind, nichts ausrichten können und keinen Weg finden. Diesen mag Gott wohl vergeben, denn Gott ist wahrlich Allnachsichtig, Allvergebend.“ (Verse 98-99)
An exception is then made for those who did not have any real chance of leaving the land of evil where they were persecuted and deprived of the easy and happy life in the land of Islam. These include the elderly, women, and children who are truly helpless. To these, the prospect of God’s forgiveness and mercy is raised because their reasons are valid: “Excepted are the men, women, and children who, being truly helpless, can devise nothing and can find no way. These God may well pardon, then, for God is indeed most Lenient, Much-Forgiving.” (Verses 98-99)
Dieses Urteil bleibt bis zum Ende der Zeit gültig. Es betrifft nicht nur jene Muslime, die Druck und Verfolgung ausgesetzt sind, mit dem Ziel, sie von ihrem Glauben abzubringen, und dennoch dort bleiben, um ihren Besitz und ihre Interessen zu wahren, um bei ihren Verwandten und Freunden zu sein, oder weil sie nicht bereit sind, die Mühsal der Auswanderung auf sich zu nehmen. Sobald es irgendwo auf der Erde einen Ort gibt, an dem der Islam herrscht und an dem man sicher sein Bekenntnis ablegen und seine religiösen Pflichten erfüllen kann, dann muss man auswandern, um unter dem Banner des Islam zu leben und den erhabenen Lebensstandard zu genießen, den der Islam gewährt.
This ruling remains valid until the end of time. It transcends the case of those Muslims who are subjected to pressure and persecution aimed at turning them away from their faith, and yet who stay where they are in order to look after their possessions and interests or to be with their relatives and friends or because of their unwillingness to undertake the hardships of migration. Once there is a place on earth, any place, where Islam rules and where one can feel secure declaring one’s faith and fulfilling one’s religious duties, then one must migrate in order to live under the banner of Islam and enjoy the sublime standard of life Islam affords.