Früher in dieser Sure wurden Anordnungen erlassen, wonach Frauen ihre Reize und Schmuckstücke bedecken sollen, damit kaum Raum für Versuchung oder erregende Begierde bleibt. Hier wird eine Ausnahme gemacht für ältere Frauen, die kein Verlangen mehr haben, mit Männern zu verkehren, und die die Begierde der Männer nicht mehr erregen.
Earlier in the sūrah orders were given requiring women to cover their charms and adornments so that there is little room for temptation or exciting desire. An exception is made here in the case of older women who no longer have the desire to consort with men, and who no longer excite men’s desires:
Ältere Frauen, die keine Aussicht mehr auf eine Ehe haben, begehen keine Sünde, wenn sie ihre [äußere] Kleidung ablegen, vorausgesetzt, sie stellen ihre Reize nicht zur Schau.
Such elderly women as are past the prospect of marriage incur no sin if they lay aside their [outer] garments, provided they do not make a showy display of their charms.
Aber es wäre besser für sie, wenn sie bescheiden blieben. Gott hört alles und weiß alles. (Vers 60)
But it is better for them to be modest. God hears all and knows all. (Verse 60)
Solche älteren Frauen dürfen, wenn sie es wünschen, ihre Überkleider und äußeren Gewänder ablegen, vorausgesetzt, dass dadurch ihre Blöße nicht entblößt wird und sie keine Zurschaustellung betreiben, indem sie ihre Reize oder Schmuckstücke zeigen. Es ist besser für sie, dies nicht zu tun, und weiterhin ihre äußeren, weiten Gewänder zu tragen. Bei der Beschreibung dieser Sittsamkeit verwendet die Sure das Wort yasta`fifna, das von der arabischen Wurzel `iffah abgeleitet ist und Keuschheit bedeutet. Diese Haltung wird somit als Streben nach der Bewahrung der Keuschheit beschrieben, aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen Keuschheit und der Verhüllung der Reize der Frau, während das Zeigen solcher Reize eng mit Versuchung verbunden ist. Diese Anweisung steht im Einklang mit der allgemeinen islamischen Auffassung, dass die beste Methode, die Keuschheit der Menschen zu wahren, darin besteht, die Gelegenheiten zur Versuchung zu verringern.
Such elder women may, if they choose, put aside their cloaks and outer garments, provided that this does not expose their nakedness, and that they do not make a show, displaying their charms or adornments. It is better for them that they should not do so, continuing to wear their outer, loose garments. In describing such modesty the sūrah uses the word yasta`fifna, which is derived from the Arabic root `iffah, meaning chastity. Thus, this attitude is described as aiming to maintain chastity because of the close link between chastity and covering women’s charms, while exposing such charms is closely linked to temptation. This instruction is in line with the general Islamic view that the best method of guarding people’s chastity is to reduce the chances for temptation.
„Gott hört alles und weiß alles.“ Er ist sich aller Dinge bewusst, auch dessen, was ausgesprochen wird und was sich im Denken eines Menschen festsetzt. Hier geht es um die Frage der Absicht und des Gewissens.
“God hears all and knows all.” He is aware of all things, including what is uttered and what is entertained in one’s thoughts. The question here is one of intention and conscience.
Die Sure geht dann auf einen weiteren Aspekt der Beziehungen zu Freunden und Verwandten ein:
The sūrah then tackles another aspect of relations with friends and relatives:
Es liegt keine Schuld auf dem Blinden, noch liegt Schuld auf dem Lahmen, noch liegt Schuld auf dem Kranken; und auch nicht auf euch selbst, dass ihr aus euren Häusern esst oder aus den Häusern eurer Väter oder den Häusern eurer Mütter oder den Häusern eurer Brüder oder den Häusern eurer Schwestern oder den Häusern eurer väterlichen Onkel oder den Häusern eurer väterlichen Tanten oder den Häusern eurer mütterlichen Onkel oder den Häusern eurer mütterlichen Tanten oder aus den Häusern, deren Schlüssel in eurem Besitz sind, oder aus den Häusern eurer Freunde. Ihr begeht keine Sünde, wenn ihr gemeinsam oder getrennt esst. Wenn ihr aber Häuser betretet, so grüßt einander mit einem gesegneten, guten Gruß, wie Gott es geboten hat. So macht Gott Seine Offenbarungen euch klar, auf dass ihr Verstand gebrauchen möget. (Vers 61)
No blame attaches to the blind, nor does blame attach to the lame, nor does blame attach to the sick; and neither to yourselves for eating from your houses, or your fathers’ houses, or your mothers’ houses, or your brothers’ houses, or your sisters’ houses, or your paternal uncles’ houses, or your paternal aunts’ houses, or your maternal uncles’ houses, or your maternal aunts’ houses, or in houses of which the keys are in your possession, or in the houses of your friends. You will incur no sin by eating in company or separately. But when you enter houses, greet one another with a blessed, goodly greeting, as enjoined by God. Thus does God make His revelations clear to you, so that you may use your reason. (Verse 61)
Berichten zufolge pflegten Muslime in den frühen Tagen des Islam in den Häusern, die in diesem Vers erwähnt werden, zu essen, ohne die Erlaubnis der Besitzer einzuholen. Sie nahmen auch Arme mit sich, die blind, lahm oder krank waren. Als dann der Vers offenbart wurde: „Verzehrt nicht untereinander euer Vermögen auf unrechte Weise“ (2:188), empfanden sie großes Unbehagen, in den Häusern von Verwandten zu essen. Außerdem fühlten sich Arme, die blind, lahm oder krank waren, unwohl, sich ihnen anzuschließen, es sei denn, sie waren vom Besitzer ausdrücklich eingeladen worden. Dies spiegelt die feine Empfindsamkeit der frühen Muslime wider und ihren Wunsch, alles zu meiden, was auch nur entfernt mit dem zusammenhängt, was Gott verboten hat. Daher wurde dieser vorliegende Vers offenbart, der es Verwandten ausdrücklich erlaubt, in den Häusern der im Vers genannten Verwandten zu essen, und die Bedürftigen, die der Vers beschreibt, mitzubringen. All dies gilt unter der klaren Voraussetzung, dass der Hausbesitzer damit nicht unzufrieden ist und das Essen in seinem Haus ihm keinen Schaden zufügt. Diese Einschränkung beruht auf allgemeinen Grundsätzen, wie sie in den beiden folgenden Ḥadīthen dargelegt sind: „Es darf weder Schaden zugefügt werden noch Schaden erwidert werden“ und „Es ist nicht erlaubt, das Eigentum eines Muslims zu nehmen, außer mit seiner Zustimmung.“ [überliefert von al-Shāfiʿī]
Da dieser Vers eine bestimmte gesetzliche Regelung enthält, beachten wir, wie er formuliert ist: Seine Wortwahl wurde sehr sorgfältig gewählt, um keinen Raum für Zweifel oder Verwirrung zu lassen. Ebenso beachten wir, dass die Verwandten in einer bestimmten Reihenfolge genannt werden. Er beginnt mit einem Hinweis auf die Häuser der eigenen Kinder und Ehepartner, ohne diese Verwandten überhaupt zu nennen. Der Vers schließt diese in den allgemeinen Ausdruck „eure Häuser“ ein, denn das Haus des Sohnes, der Tochter, der Ehefrau oder des Ehemannes ist wie das eigene. Danach werden andere Häuser genannt, beginnend mit denen des Vaters, der Mutter, des Onkels väterlicherseits und der Tante väterlicherseits, des Onkels mütterlicherseits und der Tante mütterlicherseits. Dazu gehört auch eine Person, der die Obhut über das Eigentum eines anderen anvertraut ist und die die Schlüssel dazu besitzt. Eine solche Person darf in angemessenem Maße aus diesem Haus essen und dabei nicht mehr nehmen, als sie für ihre eigene Verpflegung benötigt. Ebenso werden die Häuser von Freunden hinzugerechnet, so dass das Verhältnis zu ihnen dem zu den eigenen Verwandten gleicht. Freunde können sich nämlich sehr darüber freuen, wenn Freunde in ihren Häusern essen, ohne dass dafür eine Erlaubnis nötig wäre. Dies alles setzt jedoch voraus, dass dem Besitzer des Hauses kein Schaden entsteht.
Reports suggest that in the early days of Islam, Muslims used to eat in such houses mentioned in this verse without asking the owners’ permission. They also took with them poor people who were blind, lame or ill. Then when averse was revealed stating: “Do not devour one another’s property wrongfully,” (2: 188) they felt very uneasy about eating in relatives’ homes. Furthermore, such poor people as were blind, lame or ill felt uneasy about joining them, unless they were specifically invited by the owner. This reflects the keen sensitivity of the early Muslims, and their desire to avoid anything that was even remotely connected with what God prohibited. Hence, this present verse was revealed, making it perfectly permissible for relatives to eat in the homes of such relatives mentioned in the verse, and to bring with them such needy people as the verse describes. All this is understood to be contingent on the clear understanding that the home owner is not averse to this, and their eating in his home does not cause him any harm. Adding such a proviso is based on general rules like those outlined in the following two ĥadīths: “There shall be no infliction of harm on oneself or others,” and “It is not permissible to take the property of a Muslim except with his consent.” [Related by al-Shāfi`ī] Since this verse lays down certain legislation we note how it is phrased, choosing its wording very carefully so as not to leave any room for doubt or confusion. We also note how relatives are mentioned in a specific order. It starts with a reference to the homes of one’s own children and spouses without even mentioning these relatives. The verse includes these in the general reference to “your houses”, because the house of one’s son, daughter, wife or husband is like one’s own. Then other homes are mentioned, starting with those belonging to a father, mother, paternal uncle and aunt, maternal uncle and aunt. Added to these is a person who is entrusted with looking after one’s property, having the keys to it. Such a person may eat from that house in accordance with what is reasonable, not taking more than what he needs for his own food. Also added are friends’ homes so as to make the relation with them similar to that with one’s own relatives. Indeed, friends may be very happy for friends to eat at their homes without the need for any permission. But all this is conditional on causing no harm to the home owner.
Nachdem der Vers die Häuser genannt hat, in denen man ohne vorherige Erlaubnis essen darf, fährt er fort und erklärt, auf welche Weise dieses Essen stattfinden darf: „Es ist keine Sünde für euch, gemeinsam oder einzeln zu essen.“
In der vorislamischen Zeit mochten manche Araber es nicht, allein zu essen. Fand ein solcher Mensch niemanden, mit dem er zusammen essen konnte, rührte er die Speise nicht an. Gott hob diese Einschränkung auf, denn sie verursacht unnatürliche Schwierigkeiten. Er machte die Sache einfach, um allen Lebenslagen gerecht zu werden. Daher dürfen die Menschen allein oder in Gesellschaft essen.
Having mentioned the homes in which one may eat without seeking prior permission, the verse continues to explain the manner in which such eating may take place: “You will incur no sin by eating in company or separately.” In pre-Islamic days some Arabs disliked eating alone. If such a person did not find someone to eat with, he would not touch the food. God lifted this restriction, because it causes unnatural complications. He left the matter simple to cater for all situations. Hence people may eat alone or in company.
Der Vers enthält eine Anweisung zu den Umgangsformen, die beim Betreten solcher Häuser zu beachten sind, in denen man essen darf: „Wenn ihr in Häuser eintretet, so grüßt einander mit einem gesegneten, guten Gruß, wie von Gott geboten.“ (Vers 61) Die Formulierung dieser Anweisung im arabischen Original enthält eine feine Nuance, denn dort heißt es: sallimū `alā anfusikum – „grüßt euch selbst“ –, was mit der Übersetzung „grüßt einander“ wiedergegeben wird. Dies ist ein Hinweis auf die Stärke der Verbundenheit zwischen den im Vers Genannten. Wer seinen Verwandten oder Freund grüßt, grüßt tatsächlich sich selbst, und der dargebotene Gruß ist von Gott geboten, gleichsam als käme er von Ihm. Er ist daher gesegnet und voller Gutes. Auf diese Weise stiftet er ein Band zwischen ihnen, das niemals zerreißt.
The verse adds an instruction on manners to be observed when entering such homes where people are allowed to eat: “When you enter houses, greet one another with a blessed, goodly greeting, as enjoined by God.” (Verse 61) The phraseology of this instruction in the Arabic original employs a fine touch as it says: sallimū `alā anfusikum ‘greet yourselves’ to express the meaning given in translation as ‘greet one another’. This is an indication of the strength of the relationship between those mentioned in this verse. A person who greets his relative or friend is actually greeting himself, and the greeting offered is enjoined by God, as though coming from Him. It is thus blessed, full of goodness. As such it establishes a bond between them that is never severed.
Diese Anweisungen betonen, dass die Gläubigen ihre Verbindung zu Gott in allen Angelegenheiten spüren und die Weisheit hinter der göttlichen Gesetzgebung zu schätzen wissen: „So macht Gott euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr nachdenken möget.“ (Vers 61)
These instructions emphasize that the believers feel their bond with God in all matters and appreciate the wisdom behind divine legislation: “Thus does God make His revelations clear to you, so that you may use your reason.” (Verse 61)