Al-A'raf (Die Höhen) | Lektionen zum Lernen 94-102
Al-a`rāf (the Heights) | Lessons To Learn 94-102
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Dieser Abschnitt der Sure kommentiert die Berichte, die soeben über die Geschichte der Völker zu Ende erzählt wurden, zu denen die Propheten Noah, Hūd, Ṣāliḥ, Lot und Schuʿaib gesandt wurden. Hier wird die Regel erläutert, die Gott festgelegt hat und die sicherstellt, dass Sein Wille geschieht, wenn Er jene bestraft, die Seine Botschaften leugnen. Es ist dieselbe Regel und dasselbe Prinzip, das die menschliche Geschichte in einem sehr wichtigen Aspekt prägt. Gott bringt Prüfungen und Not über jene, die Seine Gesandten zurückweisen, damit ihre Herzen weich werden und sie sich Gott zuwenden, Seine Einheit anerkennen und erkennen, dass ihnen als einzige Möglichkeit nur bleibt, sich Seiner überwältigenden Macht zu unterwerfen. Reagieren sie nicht darauf, so prüft Er sie mit Wohlstand und Glück. Er eröffnet ihnen alle Arten von Segnungen und lässt sie eine Zeit lang ihren Wohlstand genießen. All dies aber ist ein Mittel der Prüfung.
This passage of the sūrah comments on the accounts that have just finished of the histories of the communities to whom the Prophets Noah, Hūd, Şāliĥ, Lot and Shu`ayb were sent. We have here an explanation of the rule God has laid down which ensures that His will is done when He punishes those who deny His messages. It is the same rule and principle which shapes human history in one very important aspect. God inflicts tribulations and hardship on those who reject His messengers so that their hearts may soften and they turn to God, acknowledging His oneness and recognizing that the only course of action open to them is to submit to His overpowering authority. If they do not respond, then He tries them with affluence and good fortune. He opens up for them all types of blessings and leaves them for a while to enjoy their prosperity. All this, however, is a means of trial.
Der Wohlstand der Menschen führt dazu, dass sie ein Leben voller Leichtsinn, Nachlässigkeit und Unachtsamkeit führen, denn sie neigen zu der Annahme, dass sich Schicksale von selbst wandeln und dass auf eine Zeit der Not zwangsläufig ein Leben im Überfluss folgt, ohne jeden bestimmten Zweck oder Plan.
People’s prosperity causes them to lead a life of recklessness, negligence and heedlessness, because they tend to think that fortunes change by themselves, and a life of plenty is simply bound to follow a period of hardship, without any particular purpose or design.
Wenn sie empfinden, dass das, was sie erlebt haben, dasselbe ist, was ihre Vorfahren erlebt haben, ohne irgendeinen bestimmten Zweck in all dieser Ordnung, dann wird Gottes Strafe sie gewiss unvermittelt treffen. Sie verstehen nicht den Zweck Gottes, wenn Er sie mit Widrigkeit und Wohlstand prüft. Sie können nicht begreifen, warum sich die Lage der Menschen von Zeit zu Zeit ändert. Sie haben sich nicht davor gehütet, sich Gottes Zorn zuzuziehen, und ziehen es vor, wie Tiere zu leben, bis sie von Gottes Strafe getroffen werden. Hätten sie an Gott geglaubt und den rechten Weg eingeschlagen, so wäre ihre Lage sich gewandelt und Segnungen hätten sich ihnen eröffnet. Gott hätte Seine Gnade auf sie herabgelassen, und sie wären dahin gebracht worden, Seine Segnungen von überall her zu empfangen, was ihnen Zuversicht und eine glückliche Zukunft geschenkt hätte.
When they feel that what they have experienced is the same as was experienced by their forefathers, without any particular purpose in all this design, God’s punishment is certain to take them unawares. They do not understand God’s purpose when He tries them with affliction and prosperity. They cannot comprehend why people’s situations change every now and then. They have not guarded against incurring God’s anger, preferring to live like animals until they are smitten by God’s punishment. Had they believed in God and followed the right course, their situation would have changed and blessings would have opened up to them. God would have bestowed His grace on them and they would have been made to receive His blessings from everywhere, giving them reassurance and a happy future.
Gott warnt daraufhin die neuen Generationen vor einem Leben der Leichtfertigkeit. Er ruft sie dazu auf, wachsam zu sein und die Lehren der vergangenen Generationen sowie das Schicksal zu bedenken, dem sie verfielen. Auch sie selbst unterliegen den Naturgesetzen Gottes, die fortbestehen und ihren Einfluss auf die Geschichte der Menschheit in allen Epochen und Generationen ausüben werden.
God then warns the new generations against a life of recklessness. He calls on them to be alert and to appreciate the lessons of past generations and how they met their doom. They themselves are also subject to God’s laws of nature, which will remain in operation, exercising their influence on human history across all periods and generations.
Dieser kurze Kommentar schließt mit einer Anrede an den Propheten Muhammad ﷺ, in der ihm gesagt wird, dass diese Geschichten erzählt werden, damit er erfährt, wie das Gesetz Gottes verwirklicht wurde. Es teilt ihm die wahre Lage jener Gemeinschaften mit: „Wir fanden, dass die meisten von ihnen ihre Verpflichtungen nicht einhielten; ja, Wir fanden die meisten von ihnen als Übertreter.“ (Vers 102) Er ist der letzte Gesandte, und seine Anhänger sind die Gemeinschaft, die die göttliche Botschaft in ihrer Gesamtheit erbt. Sie sind es, die aus den Lehren der Vergangenheit Nutzen ziehen.
This short commentary concludes with an address to the Prophet Muhammad (peace be upon him), telling him that these histories are being related so that he learns how God’s law has been given effect. It tells him of the true position of those communities: “We found that most of them were untrue to their commitments; indeed We found most of them to be transgressors.” (Verse 102) He is the last Messenger, and his followers are the nation which inherits the divine message in its totality. They are the ones to benefit by past lessons.
Prüfungen durch Widrigkeiten
Trials of Adversity
Nie haben Wir in eine Stadt einen Propheten gesandt, ohne dass Wir ihre Bewohner mit Not und Drangsal heimsuchten, auf dass sie sich demütig flehend an Uns wenden. Dann machten Wir das Übel durch Gutes wieder wett, bis sie gediehen und sprachen: „Auch unsere Vorfahren haben Not und Wohlergehen erlebt.“ Da erfassten Wir sie plötzlich, während sie es nicht ahnten. Doch hätten die Bewohner jener Städte geglaubt und Gottesfurcht gezeigt, so hätten Wir ihnen sicherlich Segnungen vom Himmel und von der Erde geöffnet. Aber sie leugneten, und so erfassten Wir sie für das, was sie zu tun pflegten. (Verse 94-96)
Never have We sent a prophet to any city without trying its people with tribulations and hardship that they may supplicate with humility. We then replaced the affliction with good fortune till they throve and said, `Hardship and good fortune befell our forefathers as well.’” We then smote them, all of a sudden, while they were totally unaware. Yet had the people of those cities believed and been God-fearing, We would indeed have opened up for them blessings out of heaven and earth. But they disbelieved, so We smote them on account of what they had been doing. (Verses 94-96)
Hier wird uns kein bestimmtes Ereignis berichtet, doch wird ein wichtiger Aspekt des Naturgesetzes hervorgehoben, das Gott in Kraft gesetzt hat. Uns wird gezeigt, wie das Schicksal bestimmt wird. Wir erfahren somit, dass es ein Gesetz gibt, das die Dinge in ein bestimmtes Muster ordnet, die Ereignisse lenkt und die Menschheitsgeschichte auf der Erde formt. Wir erfahren, dass die göttliche Botschaft selbst, so wichtig sie auch ist, als eines der Mittel betrachtet werden kann, um die göttliche Verfassung zu verwirklichen, die in ihrem Umfang weit über die Botschaft hinausgeht.
We are not told here of any particular incident, but an important aspect of the natural law God has set in operation is highlighted. We are told how fate is determined. We thus learn that there is a law which sets matters into a particular pattern, dictating events, and shaping human history on earth. We learn that the divine message itself, important as it is, can be regarded as one of the means of implementing the divine constitution, which is far greater in scope than the message.
Die Dinge geschehen nicht einfach von selbst. Der Mensch steht nicht allein da, wie es die späteren Atheisten behaupten. Was auch immer im Universum geschieht, ist Teil eines kunstvollen Plans und hat einen bestimmten Zweck, der einem letzten Ziel dient. Das Naturgesetz ist von einem absolut freien Willen ersonnen, der die Beschaffenheit geformt hat. Gemäß diesem Gesetz, das durch Gottes freien Willen wirkt, traf jene Gemeinschaften, deren Geschichte in dieser Sure erzählt wird, ihr Schicksal.
Matters do not simply happen by themselves. Man does not stand alone, as alleged by later day atheists. Whatever takes place in the universe is part of an elaborate scheme, and has a definite purpose, serving an ultimate aim. The law of nature is devised by an absolutely free will which has shaped the constitution. It was in accordance with that law, operated by God’s free will, that those communities, whose history was related in this sūrah, met their fate.
Ein sicherer Weg, die Segnungen Gottes zu empfangen
A Sure Way to Receive God’s Blessings
„Hätten jedoch die Menschen jener Städte geglaubt und Gottesfurcht gezeigt, so hätten Wir ihnen gewiss Segnungen vom Himmel und von der Erde geöffnet. Doch sie leugneten, und so ergriffen Wir sie für das, was sie zu tun pflegten.“ (Vers 96) Dies ist der andere Teil des natürlichen Gesetzes, das Gott in Kraft gesetzt hat. Hätten die Menschen jener Städte geglaubt, anstatt die Botschaften Gottes zu verleugnen, und wären sie gottesfürchtig gewesen, anstatt achtlos zu sein, so hätte Gott ihnen Segnungen vom Himmel und von der Erde geöffnet. Solche Segnungen wären ihnen in Fülle und ohne Einschränkung zuteilgeworden. Gottes Segnungen wären zu ihnen von oben und von unten gekommen. Der Ausdruck im Qur'an ist so allgemein gehalten, dass er den Eindruck großer Überfülle vermittelt, der nicht auf das beschränkt ist, was den Menschen an Versorgung und Unterhalt vertraut ist.
“Yet had the people of those cities believed and been God fearing, We would indeed have opened up for them blessings out of heaven and earth. But they disbelieved, so We smote them on account of what they had been doing.” (Verse 96) This is the other part of the natural law God has set in operation. Had the people of those cities believed instead of denying God’s messages, and had they been God-fearing instead of being careless, God would have opened up for them blessings from heaven and earth. They would have been given such blessings in abundance, without restriction. God’s blessings would have come to them from above and beneath. The Qur’ānic expression is so general that it imparts a sense of great abundance that is not limited to what is familiar to human beings of provisions and sustenance.
Diese Aussage und die vorangehende führen uns bestimmte Tatsachen vor Augen, die einerseits den Glauben und andererseits das menschliche Leben in dieser Welt betreffen. Sie berühren zudem einen Faktor, der großen Einfluss auf die Geschichte der Menschheit hat, obwohl er oft übersehen und von menschengemachten Theorien und Philosophien sogar geleugnet wird. Diese Tatsache lehrt uns, dass die Frage des Glaubens an Gott und der Gottesfurcht nicht losgelöst ist von der Wirklichkeit des Lebens und vom Verlauf der Menschheitsgeschichte. Gott zu glauben und Ihn zu fürchten, macht die Menschen würdig, Segnungen vom Himmel und von der Erde zu empfangen. Dies ist ein Versprechen Gottes, und Gott hält stets Sein Versprechen.
This statement and the one preceding it put in front of our eyes certain facts that relate to faith on the one hand and to human life in this world on the other. They also touch on a factor that has a great influence on human history, even though it is often overlooked and indeed denied by man-made theories and philosophies. That fact tells us that the question of having faith in God and fearing Him is not isolated from the reality of life and the course of human history. To believe in God and to fear Him qualify people to receive blessings from heaven and earth. This is a promise given by God, and God is always true to His promises.
Ein trügerisches Gefühl der Sicherheit
A False Sense of Security
Die Sure hat somit festgestellt, dass Gottes Gesetz in Kraft ist und niemals versagen wird, wie es die Geschichte früherer Gemeinschaften bestätigt. Nun, da die Gemüter angesichts des Untergangs derer, die den Glauben verwarfen und den Zweck ihrer Prüfung übersahen, erhitzt sind, wendet sich die Sure an jene, die diese Tatsachen des Lebens bisher übersehen haben. Sie versucht, in ihnen ein Gefühl der Erwartung zu wecken, und macht sie darauf aufmerksam, dass Gottes Macht sie jederzeit treffen kann, bei Tag oder bei Nacht, wenn sie schlafen, bei der Arbeit oder beim Vergnügen: „Fühlen sich die Bewohner dieser Städte etwa sicher, dass Unsere Macht sie nicht in tiefer Nacht treffen würde, während sie schlafen? Oder fühlen sich die Bewohner dieser Städte etwa sicher, dass Unsere Macht sie nicht am helllichten Tag treffen würde, während sie spielen? Fühlen sie sich vor den Plänen Gottes sicher? Vor Gottes Plänen fühlt sich niemand sicher außer denen, die verloren sind. Ist es denen, die nach früheren Generationen das Land geerbt haben, nicht klar, dass Wir, wenn Wir es wollten, sie für ihre Sünden bestrafen und ihre Herzen versiegeln könnten, sodass sie des Hörens beraubt sind?“ (Verse 97–100)
The sūrah has thus established the fact that God’s law is set in operation and will never fail, as confirmed by the history of former communities. Now that feelings are high about the doom that befell those who rejected the faith and overlooked the purpose of their test, the sūrah addresses those who have so far overlooked these facts of life. It tries to awaken in them a sense of expectation, alerting them to the fact that God’s might may strike them at any time of day or night, when they are asleep, at work or having fun: “Do the people of these cities feel secure that Our might would not strike them at dead of night when they are asleep? Or do the people of these cities feel secure that Our might would not strike them in broad daylight when they are playing around? Do they feel themselves secure from God’s designs? None feels secure from God’s designs except those who are losers. Is it not plain to those who have inherited the earth in succession of former generations that, if We so willed, We can punish them for their sins and seal their hearts, leaving them bereft of hearing.” (Verses 97-100)
Nachdem Gottes Gesetz verkündet wurde, nach dem Menschen und Gemeinschaften durch Prüfungen der Not und des Wohlstands auf die Probe gestellt werden, und nachdem man das Verderben gesehen hat, das jene traf, die in früheren Zeiten die göttliche Botschaft verwarfen: Glaubt die Menschheit der Gegenwart sich so sicher, dass sie annimmt, Gottes Macht werde nicht zuschlagen, wenn sie völlig ahnungslos sind? Fühlen sie sich so gefeit gegen Gottes Macht, die mitten in der Nacht zuschlagen kann, während sie tief schlafen? Sie sollten bedenken, dass ein schlafender Mensch machtlos ist, unfähig, Vorkehrungen zu treffen oder auch nur ein schwaches, kleines Insekt abzuwehren. Wie könnte er einen gewaltigen Schlag Gottes verhindern, wenn kein Mensch, so wachsam und stark er auch sei, ihm widerstehen oder ihn abwenden kann?
Eine von Gott aufgezeichnete Geschichte
A History Recorded by God
Nachdem die Sure in eindrucksvollen Bildern die wirkenden Gesetze der Natur dargelegt hat, wendet sie sich an den Gesandten Gottes (Friede sei mit ihm ﷺ) und teilt ihm das Endergebnis mit, das sich daraus ergab, dass jene Gemeinschaften auf die Probe gestellt wurden. Dabei weist sie auf bestimmte Tatsachen über das Wesen des Glaubens und des Unglaubens hin, wie auch über das Wesen des Menschen, so wie es an jenen Gemeinschaften sichtbar wird: „Wir haben dir von den Geschichten jener Gemeinschaften berichtet. Gesandte aus ihrer eigenen Mitte kamen zu ihnen mit klaren Beweisen der Wahrheit; doch sie wollten nicht an das glauben, was sie zuvor verworfen hatten. So besiegelt Gott die Herzen der Ungläubigen.
Having outlined, with highly inspiring touches, the operative rules of nature, the sūrah addresses God’s Messenger (peace be upon him) informing him of the net outcome of putting those communities to trial, pointing out certain facts about the nature of faith and disbelief, as well as the nature of human beings, as seen in those communities: “We have related to you parts of the history of those communities. Messengers from among themselves came to them with clear evidence of the truth; but they would not believe in what they had formerly rejected. Thus does God seal the hearts of the unbelievers.
„Wir fanden jedoch, dass die meisten von ihnen ihren Verpflichtungen nicht treu waren; ja, Wir fanden die meisten von ihnen als Frevler.“ (Verse 101-102)
We found that most of them were untrue to their commitments; indeed We found most of them to be transgressors.” (Verses 101-102)
Diese Geschichte wird eindeutig als von Gott offenbart beschrieben. Der Prophet ﷺ konnte sie aus keiner anderen Quelle als der Offenbarung erfahren haben.
This history is clearly stated to have been revealed by God. The Prophet could not have learnt it from any source other than revelation.
„Gesandte aus ihrer eigenen Mitte kamen zu ihnen mit klaren Beweisen der Wahrheit.“ (Vers 101) Doch die Beweise nützten ihnen nichts, denn sie blieben dabei, die Botschaft abzulehnen, nachdem sie diese Beweise erhalten hatten, so wie sie sie auch zuvor abgelehnt hatten. Sie wollten schlicht nicht an das glauben, was sie bereits abgelehnt hatten. Wie klar der Beweis der Wahrheit auch sein mag, er wird solche Menschen nicht dazu führen, den Glauben anzunehmen. Was jenen Menschen fehlte, war nicht der offensichtliche Beweis der Wahrheit, sondern vielmehr offene Herzen und Sinne sowie ein lebhaftes Verlangen, Rechtleitung zu empfangen. Es fehlte ihnen eine aktive Wesensart, die aufnimmt und antwortet. Als sie sich weigerten, ihre Sinne für Elemente der Rechtleitung zu öffnen, versiegelte Gott ihre Herzen, sodass sie keine angemessene Antwort mehr geben konnten: „So versiegelt Gott die Herzen der Ungläubigen.“ (Vers 101)