Al-'Ankabut – Die Spinne (Die unvermeidliche Prüfung) 1–13
Al- Ankabut The Spider (The Inevitable Test) 1-13
Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers.
In the Name of God, the Lord of Grace, the Ever Merciful.
Alif. Lām. Mīm. (1)
Alif. Lām. Mīm. (1)
Denken die Menschen, dass sie, sobald sie sagen: „Wir sind gläubig“, in Ruhe gelassen werden und nicht auf die Probe gestellt werden? (2)
Do people think that once they say: ‘We are believers’, they will be left alone and will not be put to a test? (2)
Wir haben gewiss auch schon diejenigen geprüft, die vor ihnen lebten. Und Gott weiß gewiss, wer die Wahrhaftigen sind, und Er weiß gewiss, wer die Lügner sind. (3)
We certainly tested those who lived before them; and so most certainly God knows those who speak the truth and most certainly He knows those who are liars. (3)
Oder meinen diejenigen, die Böses tun, dass sie Uns entkommen können? Wie schlecht sie urteilen!
Or do those who do evil deeds think that they can escape Us? How ill they judge! (4)
Wer mit Hoffnung auf die Begegnung mit Gott blickt [der sollte sich darauf vorbereiten]; denn die von Gott bestimmte Frist wird gewiss kommen. Er allein ist der Allhörende, der Allwissende. (5)
Whoever looks forward with hope to meeting God [let him be ready for it]; for the end set by God is bound to come. He alone hears all and knows all. (5)
Wer sich bemüht, bemüht sich zu seinem eigenen Nutzen. Gewiss, Gott bedarf keiner Sache in allen Welten. (6)
Whoever strives hard [for God’s cause] does so for his own good. For certain, God is in no need of anything in all the worlds. (6)
Was diejenigen betrifft, die glauben und rechtschaffene Werke tun: Wir werden ihre schlechten Taten gewiss tilgen, und Wir werden sie gewiss gemäß dem Besten belohnen, was sie je getan haben. (7)
As for those who believe and do righteous deeds, We shall most certainly erase their bad deeds, and shall most certainly reward them in accordance with the best that they ever did. (7)
Wir haben dem Menschen geboten, gut zu seinen Eltern zu sein. Doch wenn sie sich bemühen, dich dazu zu bringen, Mir etwas beizugesellen, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht. Zu Mir werdet ihr alle zurückkehren, und Ich werde euch dann über alles unterrichten, was ihr getan habt. (8)
We have enjoined upon man goodness towards his parents: yet should they endeavour to make you associate as partner with Me something of which you have no knowledge, do not obey them. It is to Me that you shall all return, when I shall inform you about all that you were doing [in life]. (8)
Diejenigen aber, die glauben und gute Werke tun, werden Wir gewiss unter die Rechtschaffenen aufnehmen. (9)
As for those who believe and do righteous deeds, We shall most certainly admit them among the righteous. (9)
Unter den Menschen gibt es solche, die sagen:
Among people, there are those who say:
„Wir glauben an Gott“, doch wenn einem von ihnen um Gottes willen Leid zugefügt wird, hält er die Verfolgung durch Menschen für ebenso schwer wie die Strafe Gottes. Sollte jedoch Hilfe von deinem Herrn kommen, so wird er gewiss sagen: „Wir waren doch immer bei euch!“ Weiß Gott nicht bestens, was in den Herzen aller Geschöpfe ist?
‘We believe in God,’ yet when any of them is made to suffer in God’s cause, he thinks that oppression by man is as grievous as God’s punishment. However, should help from your Lord be forthcoming, he is sure to say: ‘We have always been with you!’ Is not God fully aware of what is in the hearts of all creatures? (10)
Gewiss weiß Gott, wer wahrhaft glaubt, und gewiss weiß Er, wer die Heuchler sind. (11)
Most certainly God knows those who truly believe and most certainly He knows those who are hypocrites. (11)
Die Ungläubigen sagen zu denen, die glauben:
The unbelievers say to those who believe:
„Folgt unserem Weg, und wir werden gewiss eure Sünden auf uns nehmen.“ Doch sie werden niemals irgendeine ihrer Sünden auf sich nehmen. Sie sind wahrlich Lügner. (12)
‘Follow our way and we shall indeed take your sins upon ourselves.’ But never will they take upon themselves any of their sins. Liars indeed they are. (12)
Gewiss werden sie ihre eigenen Lasten tragen und andere Lasten neben ihren eigenen; und gewiss werden sie am Tag der Auferstehung für all ihre falschen Behauptungen zur Rechenschaft gezogen werden.
Yet most certainly will they bear their own burdens, and other burdens besides their own; and most certainly will they be called to account on the Day of Resurrection for all their false assertions.
(13)
(13)
Unvermeidliche Prüfungen
Inevitable Tests
„Alif. Lām. Mīm.“ Dies sind drei der einzelnen arabischen Buchstaben, die am Anfang einiger Suren des Qur’ān vorkommen. Nach unserer Auffassung sollen sie den Zuhörer darauf aufmerksam machen, dass solche Buchstaben der Stoff sind, aus dem das dem Propheten ﷺ gegebene göttliche Buch, also der Qur’ān, gemacht ist. Sie sind den Arabern vertraut, die diese Buchstaben verwenden, um alles zusammenzusetzen, was sie ausdrücken möchten. Doch sie können nichts diesem göttlichen Buch Ähnliches verfassen, denn es ist nicht von Menschenhand verfasst; sein Urheber ist Gott.
“Alif. Lām. Mīm.” These are three of the separate Arabic letters that occur at the beginning of some Qur’ānic sūrahs. In our view, they are meant to alert the audience to the fact that such letters are the material from which the divine book given to the Prophet, i.e. the Qur’ān, is made. They are familiar to the Arabs who use them to compose whatever ideas they wish to express. Yet they cannot compose anything like this divine book, because it is of no man’s composition; its author is God.
Suren, die mit solchen einzelnen Buchstaben beginnen, sprechen immer vom Qur'an, entweder unmittelbar nach diesen Buchstaben oder später, wie es bei der vorliegenden Sure der Fall ist.
Sūrahs that start with such separate letters always speak about the Qur’ān, either immediately following these letters or later on, as is the case in the present sūrah.
Daher lesen wir in ihren Versen: „Trage vor, was dir von dem Buch offenbart worden ist.“ (Vers 45) „Und so haben Wir dir dieses Buch offenbart.“ (Vers 47) „Du hast vorher kein Buch gelesen und hast es auch nicht mit deiner rechten Hand niedergeschrieben.“ (Vers 48) „Genügt es ihnen denn nicht, dass Wir dir dieses Buch offenbart haben, das ihnen vorgetragen wird?“ (Vers 51) Dass in diesen Sūren stets auf den Qur’ān und seinen unnachahmlichen Stil Bezug genommen wird, bestätigt unsere Ansicht über diese einzelnen Buchstaben.
Hence, we read in its verses: “Recite what has been revealed to you of the book.” (Verse 45) “Thus it is that We have revealed this book to you.” (Verse 47) “Never have you been able to read a book before this, nor have you ever been able to transcribe one with your right hand.” (Verse 48) “Is it not enough for them that We have revealed to you this book which is being read out to them?” (Verse 51) The fact that references to the Qur’ān and its inimitable style are invariably made in these sūrahs confirms our view concerning these separate letters.
Unmittelbar nach der Eröffnung beginnt die Sure, über den Glauben und die harte Prüfung zu sprechen, der die Gläubigen unterworfen werden, damit ihr Glaube Wirklichkeit wird. Sie erwähnt, dass gerade durch eine solche Prüfung die wahrhaft Gläubigen von den Lügnern unterschieden werden: „Meinen die Menschen, dass sie in Ruhe gelassen werden, wenn sie sagen: ‚Wir sind gläubig‘, und dass sie nicht auf die Probe gestellt werden? Wir haben tatsächlich jene geprüft, die vor ihnen lebten; und so weiß Gott gewiss, wer die Wahrheit spricht, und gewiss weiß Er, wer die Lügner sind.“ (Verse 2-3)
Wer profitiert vom Bemühen
Who Benefits By Striving
Die dritte Note, die die Sure anschlägt, ist die der Beruhigung für jene, die hoffen, Gott zu begegnen, und der Stärkung ihrer Bindung an Ihn: „Wer mit Hoffnung darauf blickt, Gott zu begegnen [der sei darauf vorbereitet]; denn die von Gott bestimmte Frist wird gewiss kommen. Er allein hört alles und weiß alles.“ (Vers 5) Jene, die von ganzem Herzen hoffen, Gott zu begegnen, mögen guten Mutes sein.
The third note the sūrah strikes is that of reassuring those who hope to meet with God and strengthening their bond with Him: “Whoever looks forward with hope to meeting God [let him be ready for it]; for the end set by God is bound to come. He alone hears all and knows all.” (Verse 5) Those who dearly hope to meet God should rest assured.
Sie sollten zuversichtlich auf die Erfüllung Seines Versprechens warten. Sie dürfen darauf hoffen, sofern sie dies mit Gewissheit tun. Dies ist ein eindrucksvolles Bild: ein gläubiger Mensch, der Hoffnungen hegt und der Erfüllung des Versprechens Gottes entgegenblickt. Seine Sehnsucht wird mit der Bestätigung ihrer Wahrheit beantwortet. Darauf folgt die Zusicherung, dass Gott all ihre Hoffnungen vollständig kennt: „Er allein hört alles und weiß alles.“ (Vers 5)
They should wait confidently for the fulfilment of His promise. They can look forward to it provided they do so with certitude. This is an inspiring image: a person of faith cherishing hopes and looking forward to the fulfilment of God’s promise. His aspiration is answered with confirmation of its truth. This is followed by the reassurance that God is fully aware of all their hopes: “He alone hears all and knows all.” (Verse 5)
Dann sagt die Sure zu jenen Gläubigen, die sich bemühen, die Pflichten des Glaubens zu erfüllen und dabei allerlei Mühsal ertragen, dass sie nur für sich selbst und zu ihrem eigenen Nutzen streben. Damit haben sie ihre Angelegenheiten auf den rechten Weg gebracht. Was Gott betrifft, so bedarf Er niemandes: „Und wer sich abmüht, der müht sich nur für sich selbst. Gewiss, Gott bedarf der Welten nicht.“ (Vers 6)
Then the sūrah states to those believers who strive to fulfil the duties of faith, enduring all manner of hardship, that they only strive for themselves and for their own good. By doing so they have set their affairs on the right course. As for God, He needs no one: “Whoever strives hard [for God’s cause] does so for his own good. For certain, God is in no need of anything in all the worlds.” (Verse 6)
Es ist wahr, dass Gott die Gläubigen geprüft und von ihnen verlangt hat, sich mit großem Einsatz zu bemühen, damit sie Widrigkeiten mit Geduld ertragen können. Doch all dies geschieht zu ihrem eigenen Besten. Es sichert ihnen Nutzen sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits. Das Streben, der Dschihad, stärkt die guten Anlagen eines Menschen, weitet seinen Horizont, macht ihn bereit, sein Leben und seinen Besitz zu opfern, und steigert zugleich seine besten Eigenschaften und Fähigkeiten. All dies geschieht zunächst für den Einzelnen, der sich bemüht, bevor es der Gemeinschaft der Gläubigen weitere Vorteile bringt: Sie verbessert ihre Lage, festigt in ihr die Wahrheit und lässt das Gute in ihren Reihen über das Böse siegen.
Konflikt mit den Eltern
Conflict With Parents
Die Sure verweist anschließend auf eine Art der Prüfung, die wir bereits erwähnt haben: die der Bindungen und Verbindungen zu Familie und geliebten Menschen. Sie gibt in einer solch schwierigen Situation klare und eindeutige Anleitung.
The sūrah then refers to a type of test which we have already mentioned: that of ties and bonds with family and loved ones. It gives clear and decisive guidance in such a difficult situation:
Wir haben dem Menschen aufgetragen, gütig zu seinen Eltern zu sein. Doch wenn sie sich bemühen, dich dazu zu bringen, Mir etwas als Teilhaber zur Seite zu stellen, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht. Zu Mir werdet ihr alle zurückkehren, und Ich werde euch dann über alles unterrichten, was ihr im Leben getan habt. Diejenigen aber, die glauben und rechtschaffene Werke tun, werde Ich gewiss unter die Rechtschaffenen aufnehmen. (Verse 8-9)
We have enjoined upon man goodness towards his parents: yet should they endeavour to make you associate as partner with Me something of which you have no knowledge, do not obey them. It is to Me that you shall all return, when I shall inform you about all that you were doing [in life]. As for those who believe and do righteous deeds, We shall most certainly admit them among the righteous. (Verses 8-9)
Eltern sind die nächsten aller Verwandten. Sie geben ihren Kindern sehr viel. Daher ist es die Pflicht eines jeden, gut zu seinen Eltern zu sein. In der Tat müssen Eltern mit Liebe, Achtung und Fürsorge behandelt werden. Doch wenn es um die Pflicht gegenüber Gott geht, darf ihnen nicht entgegen Ihm gehorcht werden: „Wir haben dem Menschen geboten, gut zu seinen Eltern zu sein; doch wenn sie sich bemühen, dass du Mir etwas als Teilhaber zur Seite stellst, wovon du kein Wissen hast, so gehorche ihnen nicht.“ (Vers 8) Das vornehmste Band ist das mit Gott. Daher sollen Eltern, die Ungläubige sind, mit Sorgfalt und Güte behandelt werden, dürfen aber nicht befolgt oder ihnen nachgefolgt werden. Ist dieses gegenwärtige Leben vorbei, kehren alle zu Gott zurück: „Zu Mir werdet ihr alle zurückkehren, dann werde Ich euch über all das informieren, was ihr [im Leben] getan habt.“ (Vers 8)
Parents are the closest of all relatives. They give much to their children. Hence, to be kind to one’s parents is a duty required of everyone. Indeed parents must be treated with love, respect, and care. Yet when it comes to one’s duty towards God, they cannot be obeyed in opposition to Him: “We have enjoined upon man goodness towards his parents: yet should they endeavour to make you associate as partner with Me something of which you have no knowledge, do not obey them.” (Verse 8) The paramount bond is that with God. Hence, if one’s parents are unbelievers, they should be treated with care and kindness, but must not be obeyed or followed. Once this present life is over, all return to God: “It is to Me that you shall all return, when I shall inform you about all that you were doing [in life].” (Verse 8)
Harte Prüfungen und falsche Versuchungen
Hard Tests And False Temptation
Die Sura zeigt uns dann das Bild von Menschen, die sich demütig beugen, wenn sie Unterdrückung und Ungerechtigkeit gegenüberstehen. Doch wenn es ihnen leicht geht, machen sie prahlerische Behauptungen:
The sūrah then gives us an image of people who yield abjectly when they face oppression and injustice. Yet, when the going is easy, they make boastful claims:
Unter den Menschen gibt es solche, die sagen: „Wir glauben an Gott“, doch wenn jemand von ihnen um Gottes willen Leid erfährt, hält er die Verfolgung durch Menschen für ebenso schwer wie die Strafe Gottes. Sollte jedoch Hilfe von deinem Herrn kommen, wird er gewiss sagen: „Wir waren doch immer bei euch!“ Weiß Gott nicht genau, was in den Herzen aller Geschöpfe ist? Gewiss kennt Gott jene, die wirklich glauben, und gewiss kennt Er die Heuchler. (Verse 10-11)
Among people, there are those who say: ‘We believe in God,’ yet when any of them is made to suffer in God’s cause, he thinks that oppression by man is as grievous as God’s punishment. However, should help from your Lord be forthcoming, he is sure to say: ‘We have always been with you!’ Is not God filly aware of what is in the hearts of all creatures? Most certainly God knows those who truly believe and most certainly He knows those who are hypocrites. (Verses 10-11)
Solche Menschen bekennen ihren Glauben, wenn die Dinge hell aussehen und die Zukunft rosig scheint. Sie denken, die Annahme des Glaubens an Gott sei einfach und bedeute nicht mehr, als die knappste aller Erklärungen abzugeben. Doch „wenn einem von ihnen um Gottes willen Leid zugefügt wird“, hält er wegen der Erklärung, die er abgab, als alles leicht schien, „die Unterdrückung durch Menschen für ebenso schwer wie die Strafe Gottes“. So geraten sie in Panik, und ihre Maßstäbe und Werte werden verwirrt. Ihr Glaube selbst gerät ins Wanken. Sie bilden sich ein, dass nichts schlimmer sein könne als die Unterdrückung, die sie erleiden, nicht einmal die Strafe Gottes im Jenseits. Sie fragen sich, warum sie ein solch endloses Leid ertragen sollten, wo doch Gottes Strafe nicht schlimmer sein könne. So setzen sie das von Menschen verursachte Leid mit der Strafe Gottes gleich; doch Letztere ist etwas, das niemand abschätzen kann.
Such people declare their belief when things look bright and the future rosy. They think that accepting God’s faith is easy and that it does not constitute more than making the briefest of declarations. Yet, “when any of them is made to suffer in God’s cause,” on account of the declaration they made when everything seemed easy “he thinks that oppression by man is as grievous as God’s punishment.” Thus, they panic and their standards and values become confused. Their very faith is shaken. They imagine that nothing could be worse than the oppression they are suffering, not even God’s punishment in the life to come. They wonder why they should endure such endless suffering when God’s punishment could not be any worse. Thus do they equate hardship caused by man with God’s punishment; yet the latter is something which no one can estimate.