Al-Munafiqun (Die Heuchler)
Al-Munafiqun (The Hypocrites)
Prolog
Prologue
Obwohl der Titel al-Munafiqun, also „Die Heuchler", den Gegenstand dieser Sure andeutet, ist sie dennoch nicht die einzige, die Heuchelei erwähnt und die boshaften Ränke der Heuchler beschreibt. Tatsächlich kommt kaum eine der in Madinah offenbarten Suren ohne ausdrücklichen oder impliziten Verweis auf Heuchelei aus. Die vorliegende Sure ist jedoch fast ganz den Heuchlern gewidmet; sie spricht über sie und nimmt Bezug auf bestimmte Ereignisse und Äußerungen, die sie getätigt haben. Die Sure greift die Heuchler scharf an: ihr Auftreten, ihre Lügen, ihre Intrigen und ihre bösen Pläne. Sie enthüllt ihre wahren Gefühle des Hasses gegenüber den Muslimen, ebenso ihre Feigheit und ihre üble Natur.
Although the title al-Mundfiqun, or The Hypocrites, indicates this surah's subject matter, it is nonetheless not the only one that mentions hypocrisy and that describes the hypocrites wicked scheming. Indeed, hardly any of the surahs revealed in Madinah is without an express or implied reference to hypocrisy. However, the present surah is dedicated, almost entirely, to speaking about the hypocrites, referring to particular events and statements they made. The surah launches a strong attack against the hypocrites: their manners, lies, intrigue and wicked plots. It exposes their true feelings of hatred towards the Muslims, as also their cowardice and evil nature.
Am Ende wird den Gläubigen eine Warnung ausgesprochen, dass sie keine der Eigenschaften der Heuchelei in ihre Nähe kommen lassen sollen. Das erste Element der Heuchelei besteht darin, nicht vollständig der Sache Gottes ergeben zu sein, sondern stattdessen mit Geld, Besitz und Kindern beschäftigt zu sein. Heuchelei umfasst außerdem das Nachlassen, wenn man aufgefordert wird, finanziell zur Sache Gottes beizutragen, bis ein Tag kommt, an dem keine solche Spende mehr von Nutzen sein wird.
A warning is given at the end to the believers not to allow any of the characteristics of hypocrisy to creep near them. The first element of hypocrisy is not to be totally dedicated to Gods cause, and to be instead preoccupied with money, property and children. Hypocrisy also entails slackening when invited to contribute financially to Gods cause until a day comes when no such donation will be of any use.
Die Heuchelei der Ungläubigen nahm zu, als der Islam nach Madinah übersiedelte, und wuchs weiter an bis praktisch zum Ende des gesegneten Lebens des Propheten ﷺ. Obwohl sich solche Merkmale nahezu ununterbrochen zeigten, nahm die Heuchelei dennoch verschiedene Gestalten an und bediente sich unterschiedlicher Taktiken. Zwangsläufig hatte dieses Verhalten einen starken Einfluss auf die Ereignisse jener Zeit und beanspruchte einen großen Teil der Bemühungen, der Zeit und der Kraft der muslimischen Gemeinschaft. In der Tat wird die Heuchelei im Qur'an und im Hadith häufig erwähnt, was zeigt, wie weit verbreitet sie geworden war.
The unbelievers’ hypocrisy accelerated when Islam moved to Madinah and continued to so grow until virtually the end of the Prophets blessed life. Although evidence of such traits was almost uninterrupted, hypocrisy nonetheless acquired different aspects and variously resorted to different tactics. Inevitably, such behaviour had a strong bearing on the events of the period, taking up much of the Muslim community’s efforts, time and energy. Indeed, hypocrisy is frequently mentioned in the Qur’an and Hadith, thereby indicating how prevalent it had become.
In seiner Biografie des Propheten, Sirat al-Rasul: Suwar Muqtabasah min al-Qurdn al-Kartm, widmet Muhammad Izzat Darwazah diesem Thema ein schönes Kapitel. Die folgenden Abschnitte sind besonders aufschlussreich:
In his biography of the Prophet, Sirat al-Rasul: Suwar Muqtabasah min al-Qurdn al-Kartm, Muhammad Izzat Darwazah, devotes a fine chapter to this issue. The following paragraphs are especially revealing:
Es gab offensichtliche Gründe dafür, dass das Phänomen der Heuchelei in Madinah auftrat. Die frühen Muslime in Makkah waren weder stark genug noch einflussreich genug, dass eine Gruppe von Menschen sie hätte fürchten oder versuchen müssen, sie zu besänftigen. Tatsächlich widersetzten sich die Leute von Makkah, insbesondere ihre Anführer und Honoratioren, dem Propheten ﷺ auf sehr offene Weise, fügten den Muslimen viel Schaden zu und griffen zu jedem Mittel, das ihnen zur Verfügung stand, um den Vormarsch der neuen Religion aufzuhalten. Sie verfügten in der Tat über große Macht. Aufgrund dieser Verfolgung sahen sich einige der Muslime gezwungen, nach Abessinien und danach nach Madinah auszuwandern. Manche von ihnen waren einem so unerträglichen Druck ausgesetzt, dass sie ihrem Glauben abschwören mussten, sei es infolge von Folter oder unter dem Einfluss von Verlockungen. Dies nahm so extreme Formen an, dass einige sogar unter der Folter starben.
There were obvious reasons for the phenomenon of hypocrisy to appear in Madinah. The early Muslims in Makkah were neither strong enough nor influential enough to make a group of people fear them or try to appease them. Indeed, the people of Makkah, and its leaders and notables in particular, opposed the Prophet in a very open manner, inflicting much harm on the Muslims, and resorted to any measure within their means to check the new religion’s advance In fact, they commanded much power. Because of this persecution the Muslims were subjected to some had to migrate to Abyssinia, and thereafter to Madinah. In fact, some of them were subjected to such unbearable pressure that they had to renounce their faith: this as a result of either torture or the lure of temptation. So extreme did this become that a few even died under torture.
In Medina war die Lage deutlich anders. Noch vor seiner Auswanderung dorthin konnte der Prophet ﷺ eine Reihe starker und einflussreicher Anhänger aus den beiden Stämmen der Aws und der Khazraj gewinnen. Er wanderte erst aus, nachdem er sich der günstigen Lage dort vergewissert hatte. Tatsächlich gab es in Medina kaum ein arabisches Haus, in dem nicht ein Angehöriger den Islam angenommen hatte. Es gab zweifellos auch viele, die den Islam ablehnten, sei es, weil sie sich seiner Botschaft nicht öffnen wollten, oder weil sie voller Feindseligkeit waren, da sie erkannten, dass die Ankunft des Propheten ﷺ in Medina ihre Führungsstellung und ihren Einfluss bedrohte. Sie erkannten jedoch, dass sie keine offen feindselige Haltung gegenüber dem Propheten ﷺ und seinen Anhängern unter den Muhajirin und den Ansar einnehmen konnten. Hinzu kam, dass die Stammeszugehörigkeit ein wichtiger Faktor war, der eine solche offene Feindseligkeit verhinderte. Tatsächlich war nun die breite Mehrheit ihrer eigenen Stämme, der Aws und der Khazraj, muslimisch und unterstützte den Propheten ﷺ aufrichtig und hingebungsvoll.
In Madinah, the situation was markedly different. Prior to his migration there, the Prophet was able to recruit a number of strong and influential followers from the two tribes of the Aws and the Khazraj. He migrated only after having made sure of the favourable situation there. Indeed, there was hardly an Arab house in Madinah without its followers of Islam in the family. There were no doubt many who rejected Islam, either because they chose not to listen to its message or because they were full of hostility realizing that the Prophet’s arrival in Madinah threatened their position of leadership and influence. They realized, however, that they could not take an openly hostile attitude to the Prophet and his Muhajirin and Ansar followers. Moreover, tribal affiliation was an important factor preventing such open hostility. Indeed, the broad majority of their own tribes, the Aws and the Khazraj, were now Muslim, giving sincere and devoted support to the Prophet.
Sie waren gute Muslime, die den Propheten ﷺ als ihren obersten Feldherrn und als die Führung betrachteten, der sie folgen mussten. Diejenigen jedoch, die noch Gedanken an Götzendienst hegten und Groll in ihren Herzen trugen, was sie dazu trieb, den Islam untergraben zu wollen, sahen ihre einzige Möglichkeit darin, sich als Muslime auszugeben, den Anschein zu erwecken, ihren islamischen Pflichten nachzukommen, und zugleich ihre fortwährende Treue zu ihren Stämmen zu beteuern, während sie gleichzeitig auf Ränke und Intrigen zurückgriffen. Zuweilen jedoch roch ihre Opposition nach Heuchelei, und zwar meist dann, wenn die Muslime in eine schwierige Krise gerieten; dann rieten die „Scheinheiligen“ zur Vorsicht und behaupteten, dies sei die einzige Option, die den Interessen der Muslime diene. Es versteht sich von selbst, dass sie nicht eingestanden, in Wahrheit Ungläubige zu sein.
They were good Muslims who looked at the Prophet as their own supreme commander, and the guide they had to follow. Therefore, the ones who still entertained thoughts of idolatry and harboured rancour in their hearts, prompting them to seek to undermine Islam, felt that their only option was to pretend to be Muslim, appearing to fulfil their Islamic duties, declaring their continued loyalty to their tribes, while at the same time resorting to plots and intrigue. At times, however, their opposition did smack of hypocrisy, this usually when the Muslims faced some tough crisis, and here the ‘pretenders’ counselled caution, claiming that it was the only option that served Muslim interests. Needless to say, they did not acknowledge that they were in fact unbelievers.
Dennoch blieb ihre wahre heuchlerische Haltung dem Propheten ﷺ und seinen Gefährten nicht verborgen. Zudem verhärtete ihre Haltung in Zeiten der Krisen, in denen sie eine Politik der Schwäche empfahlen, sie in ihrer Heuchelei und ihrem Unglauben weiter. Immer wieder deckten die Offenbarungen des Qur'an ihre Machenschaften auf und prangerten sie an, und sie machten den Propheten ﷺ und die Gläubigen darauf aufmerksam, im Umgang mit ihnen sehr vorsichtig zu sein.
Nonetheless, their true attitude of hypocrisy did not go unnoticed by the Prophet and his Companions. Moreover, their stand at times of crises, counselling a policy of weakness, hardened them further in their hypocrisy and unbelief. Qur’anic revelations time after time exposed and denounced their schemes, alerting the Prophet and the believers to the need to be very cautious in dealing with them.
Die Haltung und die Machenschaften der Heuchler hatten nach dem Inhalt der Offenbarungen des Qur'an eine weitreichende Wirkung. Wir haben das Gefühl, dass es einen entschlossenen Kampf gab, der an den zwischen dem Propheten ﷺ und den Ältesten von Mekka erinnert, jedoch mit einer Umkehrung in seinem Ausgang.
The hypocrites attitude and schemes had, according to the import of Quranic revelations, a far-reaching effect. We feel that there was a determined struggle, reminiscent of that between the Prophet and the Makkan elders, but with a reversal in its outcome.
In kurzer Zeit festigte der Prophet ﷺ seine Stellung in Madinah, und sein Einfluss wuchs. Der Islam breitete sich aus und festigte seine Machtbasis. Die Heuchler bildeten weder eine geschlossene Gruppe noch eine klar erkennbare Einheit. Da der Islam im Aufwind war, wurden sie schwächer, und so nahm ihr Einfluss ab.
Within a short period, the Prophet strengthened his position in Madinah and his influence increased. Islam was spreading and consolidating its power base. The hypocrites were neither a solid group nor a clearly identified entity. As Islam was on the ascendancy, they grew weaker and thus their influence diminished.
Um die Bedrohung durch die Heuchler, besonders in der frühen Zeit des Islam in Medina, richtig einzuschätzen, müssen wir uns jedoch daran erinnern, dass sie noch auf Stammesloyalitäten zurückgreifen konnten, die unter den Arabern nach wie vor stark waren. Außerdem hatten sie sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht offen entlarvt. Auch hatte der Islam seinen Einfluss auf seine neuen Anhänger noch nicht gefestigt. Darüber hinaus war der Prophet ﷺ von allen Seiten von Götzendienern umgeben. Die Bewohner von Mekka genossen weiterhin eine Stellung großen Einflusses unter den Arabern und lauerten auf jede Gelegenheit, dem noch jungen muslimischen Staat eine vernichtende Niederlage zuzufügen. Auch die Juden in Medina ließen nicht lange auf sich warten und nahmen eine feindselige Haltung gegenüber dem Propheten ﷺ und dem Islam ein. Tatsächlich beeilten sie sich, ein natürliches Bündnis mit den Heuchlern zu schmieden, und legten gemeinsame Ziele im Gegensatz zur muslimischen Gemeinschaft fest. Ja, die Heuchler hätten dem Propheten ﷺ und seinen Anhängern nicht so großen Schaden zufügen können, hätten sie nicht die Unterstützung der Juden gehabt und jenes Bündnis, das die beiden Gruppen miteinander eingingen. Dennoch schwand ihr Einfluss allmählich, und die Gefahr, die sie darstellten, ließ erst nach, als Gott ihre Pläne vereitelte und dem Propheten ﷺ den Sieg über sie ermöglichte.
To appreciate the threat posed by the hypocrites, particularly in the early period of Islam in Madinah, we need to remember however that they could still call on tribal loyalties, which remained strong among the Arabs. Besides, they had not at this juncture exposed themselves. Nor had Islam as yet consolidated its influence on its new followers. Moreover, the Prophet was surrounded by idolaters on all fronts. The people of Makkah continued to enjoy a position of great influence among the Arabs, and they were on the lookout for any chance to level a crushing defeat on the still fledgling Muslim State. The Jews in Madinah were also not long in taking a hostile stance towards the Prophet and Islam. Indeed, they were quick to cement a natural alliance with the hypocrites, defining common objectives in opposition to the Muslim community. In fact, the hypocrites could not have caused so much harm to the Prophet and his followers had they not had the support of the Jews and the sort of alliance that the two groups forged. Nonetheless, their influence gradually weakened and the danger they represented subsided only after God foiled their schemes and enabled the Prophet to achieve victory over them.