Al-Hajj Die Pilgerfahrt (Die Blicke, die blinden Herzen) 42-57
Al-Hajj The Pilgrimage (The Sights, Blind Hearts) 42-57
Wenn sie dich der Lüge bezichtigen, so haben die Völker vor ihnen, das Volk Nuhs, die 'Ād und die Thamūd, ebenso [ihre Gesandten] der Lüge bezichtigt. (42)
If they accuse you of falsehood, before their time, the people of Noah, the `Ād and Thamūd similarly accused [their prophets] of falsehood, (42)
wie es das Volk Abrahams und das Volk Lots getan hatten (43)
as did the people of Abraham and the people of Lot, (43)
Und ebenso die Bewohner von Madyan; und auch Moses wurde der Lüge bezichtigt. [In allen Fällen] ließ Ich den Ungläubigen eine Weile freien Lauf, dann aber zog Ich sie zur Rechenschaft. Wie furchtbar war Meine Verwerfung ihrer. (44)
and the dwellers of Madyan; and so too was Moses accused of falsehood. [In every case] I gave rein, for a while, to the unbelievers, but then I took them to task. How awesome was the way I rejected them. (44)
{Wie viele Ortschaften haben Wir vernichtet, weil sie in Frevel versunken waren! Nun liegen sie in Trümmern verödet da. Wie viele verlassene Brunnen und wie viele hohe Paläste, die verwaist sind!} (45)
How many a township have We destroyed because it had been immersed in evildoing. Now they lie in desolate ruin. How many a well lies abandoned, and how many a proud palace lies empty. (45)
Sind sie denn nicht im Land umhergezogen, sodass ihre Herzen Verständnis erlangt hätten und ihre Ohren hörten? Denn nicht die Augen erblinden, sondern erblindet sind die Herzen, die in den Brüsten sind.
Have they never journeyed through the lands, letting their hearts gain wisdom, and their ears hear? It is not eyes that go blind; but blind indeed become the hearts that are in people’s breasts.
(46)
(46)
Sie fordern dich heraus, die Strafe Gottes über sie herbeizubeschleunigen; doch Gott bricht Sein Versprechen niemals. Wahrlich, bei deinem Herrn ist ein Tag wie tausend Jahre eurer Zählung.
They challenge you to hasten the coming upon them of God’s punishment; but God never fails to fulfil His promise. Well, in your Lord’s sight a day is like a thousand years of your reckoning.
(47)
(47)
Wie viele Städte, die im Unrecht versunken waren, habe ich eine Weile gewähren lassen! Dann aber habe ich sie zur Rechenschaft gezogen. Zu Mir ist das Ende aller Wege.
To how many a township that was immersed in evildoing have I given rein for a while! But then I took it to task. With Me is the end of all journeys. (48)
Sprich: „O ihr Menschen, ich bin nur ein deutlicher Warner, der zu euch gesandt wurde!“ (49)
Say: ‘Mankind, I am but a plain warner, sent to you!’ (49)
Denjenigen, die glauben und gute Werke tun, wird Vergebung der Sünden und eine hervorragende Versorgung zuteil werden; (50)
Those who believe and do righteous deeds shall be granted forgiveness of sins and a most excellent sustenance; (50)
Diejenigen hingegen, die sich gegen Unsere Zeichen bemühen und dabei deren Absicht zu vereiteln suchen, sind dem lodernden Feuer bestimmt. (51)
whereas those who strive against Our revelations, seeking to defeat their purpose, are destined for the blazing fire. (51)
Immer wenn Wir vor dir einen Gesandten oder einen Propheten entsandten und dieser etwas ersehnte, warf der Satan etwas in seine Wünsche hinein.
Whenever We sent forth a messenger or a prophet before you, and he was hoping for something, Satan would throw some aspersion on his wishes.
Doch Gott hebt auf, was der Satan an Einwürfen vorbringt, und Gott macht Seine Botschaften klar in und durch sich selbst. Gott ist Allwissend, Allweise. (52)
But God renders null and void whatever aspersion Satan may cast; and God makes His messages clear in and by themselves. God is All- Knowing, Wise. (52)
Er macht das, was Satan an Einflüsterungen eingibt, zu einer Prüfung für alle, in deren Herzen Krankheit ist und deren Herzen verhärtet sind. Wahrlich, jene, die sich in dieser Weise im Unrecht befinden, sind in tiefster Verirrung. (53)
He may cause whatever aspersion Satan may cast to become a trial for all in whose hearts is disease and all whose hearts are hardened. Indeed, all who are thus sinning are most deeply in the wrong. (53)
Und diejenigen, denen Wissen gegeben wurde, mögen erkennen, dass dies [der Koran] die Wahrheit von deinem Herrn ist, und so mögen sie daran glauben, und ihre Herzen mögen sich demütig Ihm unterwerfen. Gott wird gewiss diejenigen, die glauben, auf einen geraden Weg leiten.
And those who are endowed with knowledge may realize that this [Qur’ān] is the truth from your Lord, and thus they may believe in it, and their hearts may humbly submit to Him. God will surely guide those who believe to a straight path.
(54)
(54)
Doch die Ungläubigen werden über diesen (Koran) nicht aufhören zu zweifeln, bis die Stunde plötzlich über sie kommt oder die Strafe eines Tages über sie hereinbricht, der keinem weiteren Tag folgt. (55)
Yet the unbelievers will not cease to be in doubt about Him until the Last Hour comes suddenly upon them, or suffering befalls them on a day with no more [days] to follow. (55)
An jenem Tag wird alle Herrschaft Gott gehören.
On that day, all dominion shall belong to God.
Er wird zwischen ihnen richten. So werden alle, die glauben und gute Werke tun, in Gärten der Wonne sein. (56)
He shall judge between them. Thus, all who believe and do righteous deeds shall find themselves in gardens of bliss, (56)
Die Ungläubigen aber, die Unsere Zeichen verleugnet haben, erwartet eine schmähliche Strafe. (57)
whereas for the unbelievers who have denied Our revelations there shall be shameful suffering in store. (57)
Überblick
Overview
Der vorangegangene Abschnitt endete mit der Erlaubnis, gegen die Ungläubigen zu kämpfen, um den Glauben und den Gottesdienst zu schützen und zu bewahren, verbunden mit Gottes Verheißung, denjenigen den Sieg zu gewähren, die ihren Pflichten gegenüber dem Glauben nachkommen und das göttliche Gesetz im Leben umsetzen. Nachdem die dem Kreis der Gläubigen anvertraute Aufgabe nun klar dargelegt ist, versichert die Sure dem Propheten ﷺ, dass Gottes Macht eingreifen wird, um ihm die Hilfe zu gewähren, die er braucht, und so das Scheitern seiner Feinde sicherstellt.
The previous passage finished with permission granted to fight unbelievers in order to protect and preserve faith and worship, coupled with God’s promise to grant victory to those who fulfil their responsibilities towards faith and implement the divine law in life. Now that the task entrusted to the community of believers has been clearly spelt out, the sūrah reassures the Prophet that God’s power will intervene to provide him with the help he needs ensuring the failure of his enemies.
Dieselbe Macht hat in der Vergangenheit eingegriffen, um frühere Propheten und Gesandte zu unterstützen und jene zu bestrafen, die sie verleugneten und sich ihnen widersetzten. Den Ungläubigen wird geboten, über das Verderben nachzudenken, das frühere Gemeinschaften erlitten haben; doch ein solches Nachdenken nützt nur Herzen und Verstände, die offen und empfänglich sind. Blind können nicht nur die Augen sein, denn die wahre Blindheit ist die des Herzens.
The same power intervened in the past to support earlier prophets and messengers, and to punish those who denied and opposed them. The unbelievers are directed to reflect on the doom suffered by earlier communities; even though such reflection benefits only hearts and minds that are open and receptive. It is not only eyes that can be blind, for real blindness is that of the heart.
Der Prophet erhält eine weitere Beruhigung, nämlich dass Gott Seine Gesandten vor den bösen Ränken des Satans beschützt, ebenso wie Er sie vor den Anschlägen ihrer Gegner bewahrt. Er macht alle Versuche des Satans zunichte und bewahrt Seine Offenbarungen rein und klar, damit Menschen mit gesundem Verstand über sie nachdenken. Diejenigen, deren Herz krank ist, und jene, die den wahren Glauben leugnen, werden weiterhin im Zweifel bleiben, und ihre Zweifel werden sie zu dem schlimmsten Schicksal führen, das ein Mensch jemals haben kann. So ist dieser neue Abschnitt eine Betrachtung darüber, wie die Macht Gottes eine entscheidende Rolle für das Geschick derer spielt, die Seine Botschaft verkünden.ﷺ
The Prophet is also reassured on another count, namely that God protects His messengers from Satan’s wicked scheming, just like He protects them from their opponents’ plots. He renders all Satan’s attempts futile, keeps His revelations pure and clear, so that people with sound mind reflect on them. Those that are sick at heart and those who deny the true faith will continue to be in doubt, and their doubts will lead them to the worst destiny anyone can ever have. Thus, this new passage is a study of how God’s power plays a vital role in the fortunes of the advocates of His message.
Frühere Völker, die bestraft wurden
Past Communities Punished
Wenn sie dich der Lüge bezichtigen – auch vor ihnen haben schon das Volk Noahs, die `Ād und Thamūd die Lüge bezichtigt, ebenso das Volk Abrahams und das Volk Lots, und die Bewohner von Madyan; und auch Moses wurde der Lüge bezichtigt. [In all diesen Fällen] gewährte Ich den Ungläubigen eine Zeitlang Aufschub, dann aber ergriff Ich sie. Wie furchtbar war dann Meine Ablehnung.
If they accuse you of falsehood, before their time, the people of Noah, the `Ād and Thamūd similarly accused [their prophets] of falsehood, as did the people of Abraham and the people of Lot, and the dwellers of Madyan; and so too was Moses accused of falsehood. [In every case] I gave rein, for a while, to the unbelievers, but then I took them to task. How awesome was the way I rejected them. (Verses 42-44)
Es ist immer wieder dasselbe Muster, in allen früheren Botschaften bis zur letzten. Gesandten werden Zeichen und Offenbarungen gegeben, und es wird immer Menschen geben, die die Wahrheit leugnen. Als die Götzendiener in Makkah die Botschaft des Propheten Muhammad ﷺ leugneten, war das daher keineswegs ein neuer Trend, und der Prophet ﷺ erlebte auch keine unbekannte Form der Feindseligkeit. Der Ausgang ist jedoch allgemein bekannt, und was mit früheren Gemeinschaften geschah, wird sich zwangsläufig wiederholen: „Das Volk Noahs, die `Ād und die Thamūd haben [ihre Propheten] ebenso der Lüge bezichtigt, ebenso das Volk Abrahams und das Volk Lots und die Bewohner von Madyan.“ (Verse 42-44)
It is the same pattern seen over and over again, in all past messages up to the final one. Messengers are given signs and revelations, and there will always be those who deny the truth. Thus, when the idolaters in Makkah denied the message of the Prophet Muhammad, it was by no means a new trend nor did the Prophet experience an unknown pattern of hostility. However, the outcome is well known, and what happened with earlier communities is bound to happen again: “The people of Noah, the `Ād and Thamūd similarly accused [their prophets] of falsehood, as did the people of Abraham and the people of Lot, and the dwellers of Madyan.” (Verses 42-44)
Moses hingegen wird für sich allein erwähnt, als sei der Verweis auf ihn ein eigener Abschnitt: „Und so wurde auch Moses der Lüge bezichtigt.“ (Vers 44)
Moses, however, is mentioned on his own as though the reference to him constitutes a special paragraph: “And so too was Moses accused of falsehood.” (Verse 44)
Anders als bei anderen Gesandten wurde Moses nicht von seinem eigenen Volk der Lüge bezichtigt. Es waren der Pharao und seine Oberen, die sich Moses widersetzten und ihm allerlei Vorwürfe machten. Außerdem wurden Moses sehr klare und zahlreiche Zeichen gegeben. Dennoch gewährte Gott den Ungläubigen in all diesen Fällen für eine Weile Aufschub, so wie Er nun den Quraisch, dem eigenen Volk des Propheten ﷺ, das ihn erbittert bekämpfte, Zeit zum Nachdenken gab. Danach bestrafte Er alle diese früheren Gemeinschaften sehr streng.
Eine Trennung der Wege
A Parting Of The Ways
An dieser Stelle der Erzählung über das Schicksal früherer Gemeinschaften, und bei der Darlegung der Regel für diejenigen, die darauf beharren, die Botschaften Gottes zu leugnen, wendet sich die Sure an den Propheten ﷺ und weist ihn an, die Menschen zu warnen und ihnen das unausweichliche Ergebnis zu erklären.
At this point in the narrative describing the fate of past communities, and outlining the rule concerning those who persist in denying God’s messages, the sūrah addresses the Prophet instructing him to warn people and explain the inevitable outcome:
Sprich: „O ihr Menschen, ich bin nur ein deutlicher Warner, der zu euch gesandt wurde!“ Denen, die glauben und gute Werke tun, wird Vergebung der Sünden und eine herrliche Versorgung zuteil werden; diejenigen aber, die sich bemühen, Unsere Zeichen zunichtezumachen, sind dem brennenden Feuer bestimmt. (Verse 49–51)
Say: Mankind, I am but a plain warner, sent to you!’ Those who believe and do righteous deeds shall be granted forgiveness of sins and a most excellent sustenance; whereas those who strive against Our revelations, seeking to defeat their purpose, are destined for the blazing fire. (Verses 49-51)
Wir stellen fest, dass in diesem Zusammenhang die Aufgabe des Propheten ﷺ klar benannt wird: Menschen eine deutliche und unmissverständliche Warnung zu überbringen, die keinen Raum für Zweideutigkeit lässt. Dies passt zur unmittelbaren Situation des hartnäckigen Verwerfens der Botschaft Gottes, durch das sich die Menschen ihren eigenen Untergang beschleunigen.
We note that in this context, the Prophet’s task is clearly stated as one of giving people a clear and plain warning, that leaves no room for ambiguity. This fits the immediate situation of stubborn rejection of God’s message that makes people hasten their own doom.
Das endgültige Ziel wird klar benannt: Jene, die glauben und ihren Glauben in die Praxis umsetzen, indem sie „rechtschaffene Taten vollbringen“, erhalten ihren Lohn, der in der Vergebung aller Sünden besteht, die sie begangen haben mögen, sowie in der Vergebung der Pflichten, die sie unterlassen haben, durch ihren Herrn. Diese Vergebung geht einher mit „einem überaus trefflichen Unterhalt“, den sie in Würde empfangen.
The final destiny is clearly stated. Those who believe and put their faith into practice, so as to ‘do righteous deeds’ will have their reward which consists of forgiveness by their Lord of all sins that they may have committed or duties they may have omitted to do. Such forgiveness is coupled with ‘a most excellent sustenance’ that they receive with dignity.
Diejenigen, die sich darum bemühen, dass Gottes Offenbarungen die Herzen der Menschen nicht erreichen und Gottes Gesetze in ihrem Leben nicht umgesetzt werden, werden diejenigen sein, die im lodernden Feuer leiden. Der Ausdruck, den die Sure verwendet, macht sie zu den Eigentümern dieses Feuers, was in scharfem Kontrast zu der vortrefflichen Versorgung steht, die die Gläubigen empfangen.
Satans Bemühungen vereiteln
Foiling Satan’s Efforts
In seinem Kommentar zum Qur'an sagt Ibn Kathīr, al-Baghawī führe mehrere Fassungen an, die aus Überlieferungen von Ibn ʿAbbās, Muhammad ibn Kaʿb und anderen zusammengefasst sind und ähnliche Berichte bieten. Dann fragt er: „Wie kann das geschehen, wenn Gott die Unfehlbarkeit des Propheten bei der Übermittlung Seiner Botschaft garantiert hat?“ Anschließend führt er die Antworten verschiedener Personen auf diese Frage an. Eine der interessantesten lautet, dass Satan die Götzendiener nur dazu verleiten konnte zu glauben, sie hätten diese Worte vom Propheten ﷺ gehört, obwohl es in Wirklichkeit nicht so war. Das alles sei das Werk Satans gewesen und nicht die Worte des Gesandten Gottes ﷺ.
In his commentary on the Qur’ān, Ibn Kathīr says that al-Baghawī includes several versions consolidated from reports by Ibn `Abbās, Muhammad ibn Ka`b and others, giving similar accounts. He then asks: “How could this take place, given that God guaranteed the Prophet’s infallibility in conveying His message?” He then quotes answers to this question by different people. One of the most interesting is that Satan could only delude the idolaters into thinking that they heard these words from the Prophet when it was not so in reality. It was all Satan’s work, not the words of God’s Messenger.
Al-Bukhārī überliefert die Erklärung Ibn ʿAbbās', der das arabische Wort umniyyatih, das in der Übersetzung mit „nach seinen Wünschen“ wiedergegeben wird, als „seine Rede“ deutet. Demnach bedeutet der Vers: Wenn der Prophet ﷺ sprach, fügte Satan etwas in seine Rede ein, doch Gott macht die Bemühungen Satans zunichte und lässt Seine eigene Botschaft klar hervortreten. Mujāhid hingegen erklärt die Aussage, dass einer von Gottes Gesandten „etwas erhofft“, als seine Rede oder seine Rezitation. Al-Baghawī sagt, die meisten Kommentatoren meinten damit seine Rezitation der Offenbarungen Gottes. Gerade in seiner Rezitation könne Satan etwas hinzufügen. Ibn Jarīr beschreibt diese Auslegung als eine Übung darin, Wörtern eine besondere Bedeutung zu geben.
Al-Bukhārī reports Ibn `Abbās’s explanation, making the Arabic word, umniyyatih, rendered in translation as ‘on his wishes’, as meaning ‘his discourse’. Thus the verse means that when the Prophet spoke, Satan added something into his speech, but God causes Satan’s efforts to be futile and makes His own message clear. Mujāhid, on the other hand, explains the reference to any of God’s messengers ‘hoping for something’ as meaning his speech, or his recitation. Al-Baghawī says that most commentators say that it means his reading of God’s revelations. It is in his recitation that Satan may add something. Ibn Jarīr describes this explanation as an exercise in giving special meaning to words.
Diese Geschichte ist als „die Geschichte von den Vögeln bzw. al-Gharāniq“ bekannt. Unter dem Gesichtspunkt ihrer Überlieferung ist die Geschichte sehr schwach. Die Ḥadīth-Gelehrten vertreten die Auffassung, dass sie von niemandem überliefert wurde, der als zuverlässiger Überlieferer gelten kann; auch wurde sie nie mit einer ununterbrochenen Kette verlässlicher Überlieferer weitergegeben. Al-Bazzār sagt: „Wir wissen nicht, dass dieses Ḥadīth jemals mit einer erwähnenswerten Überliefererkette bis zum Propheten ﷺ berichtet wurde.“ Inhaltlich steht sie im Widerspruch zu einem Grundprinzip des Glaubens, nämlich der Unfehlbarkeit des Propheten ﷺ und der Unmöglichkeit, dass Satan etwas in die Übermittlung seiner Botschaft einzuschleusen vermag. Orientalisten und Gegner des Islams haben diesen Bericht aufgegriffen, verbreitet und mit großer Bedeutung ausgeschmückt. Tatsächlich ist es ein falscher Bericht, der einer Diskussion nicht standhält. In der Tat ist er es nicht einmal wert, Gegenstand einer Debatte zu sein.
9 Der jüngste Gegner des Islam, der um diese absurde Geschichte viel Aufhebens machte, war Salman Rushdie mit seinem berüchtigten Werk „Die satanischen Verse“. — Anmerkung der Redaktion.
9 The most recent opponent of Islam to make a fuss of this absurd story was Salman Rushdie in his infamous work Satanic Verses. — Editor’s note.
Die großen Hoffnungen der Gesandten
Messengers’ Great Hopes
Wir finden einige Beispiele aus dem Leben des Propheten ﷺ und aus der islamischen Geschichte, die dies bestätigen. Somit besteht keine Notwendigkeit für die Art von nicht belegter Auslegung, über die einige Gelehrte berichten.
We find some examples during the Prophet’s life and in Islamic history to confirm this. Thus there is no need for the sort of unsupported interpretation reported by some scholars.
Ein solches Beispiel ist der Vorfall mit Ibn Umm Maktūm, einem armen und blinden Gefährten des Propheten ﷺ. Er ging einst zum Propheten ﷺ und bat ihn wiederholt, ihn etwas von dem zu lehren, was Gott ihn gelehrt hatte. Der Prophet ﷺ war sehr beschäftigt damit, mit al-Walīd ibn al-Mughīrah und einigen angesehenen Männern der Quraisch zu sprechen, in der Hoffnung, dass sie den Islam annehmen könnten. Ibn Umm Maktūm wusste nicht, dass der Prophet ﷺ beschäftigt war, doch der Prophet ﷺ war über seine wiederholte Bitte verärgert, und dies war in seinem Gesicht deutlich zu sehen. Dies war Gegenstand eines scharfen Tadels Gottes an den Propheten ﷺ: „Er runzelte die Stirn und wandte sich ab, als der Blinde zu ihm kam. Wie könntest du wissen? Vielleicht hätte er sich reinigen wollen. Oder er wäre ermahnt worden, und die Ermahnung hätte ihm genützt. Doch dem, der sich selbst für genügsam hält, schenkst du ganze Aufmerksamkeit. Dennoch trifft dich keine Schuld, wenn er sich nicht läutern lässt. Wer aber eifrig zu dir kommt und dabei Furcht im Herzen hat, den vernachlässigst du. Nein, keineswegs! Dies ist eine Ermahnung. Wer will, der behalte sie im Gedächtnis.“ (80: 1–12)
One such example is that of the incident involving Ibn Umm Maktūm, a poor and blind Companion of the Prophet. He once went to the Prophet and asked him repeatedly to teach him something of what he had been taught by God. The Prophet was very busy speaking to al-Walīd ibn al-Mughīrah and a number of Quraysh notables, entertaining hopes that they might accept Islam. Ibn Umm Maktūm did not know that the Prophet was busy, but the Prophet was unhappy about his repeated request, and this was clear on his face. This was the subject of a strong reproach of the Prophet by God: “He frowned and turned away when the blind man came to him. How could you tell? He might have sought to purify himself. He might have been reminded and the reminder might have profited him. But to the one who considered himself self-sufficient you were all attention. Yet the fault would not be yours if he remained uncleansed. As to him who comes to you with zeal, and with a feeling o f fear in his heart, him you ignore. No indeed! This is an admonition. Let him who will, bear it in mind.” (80: 1-12)
So setzte Gott die Botschaft wieder auf ihren rechten Weg, indem Er an ihrem richtigen Maßstab und an den angemessenen Werten festhielt. Auch das Verhalten des Propheten in diesem Vorfall wurde korrigiert. Sein Beweggrund war der Wunsch, jene angesehenen Männer der Quraysch als Muslime zu sehen, denn dadurch wäre sichergestellt gewesen, dass große Teile ihrer Anhänger es ihnen gleichgetan hätten. Gott aber erklärte dem Propheten ﷺ, dass die Wahrung der richtigen islamischen Werte bei der Vermittlung der Botschaft an die Menschen weit wichtiger sei, als einige wenige angesehene Persönlichkeiten für die Sache zu gewinnen. Die Versuche Satans, die Verkündung der Botschaft durch die Hoffnungen des Propheten ﷺ abzulenken, blieben somit vergeblich. Gott machte Seine Botschaft klar, und die Gläubigen wurden beruhigt.
10 Diese Geschichte wird im Kommentar zur Sūrah 80 ausführlich erläutert, einschließlich der Anmerkungen zu ihren praktischen Auswirkungen auf die muslimische Gesellschaft: Bd. XVIII, S. 37–48. — Anmerkung des Herausgebers.
10 This story is explained in detail in the commentary on Sūrah 80, with comments on its practical effects on Muslim society: Vol. XVIII, pp. 37-48. — Editor’s note.
11 Diese Verse und die Ereignisse, auf die sie sich beziehen, werden im Kommentar zur Sūra 33 in Band XIV ausführlicher behandelt. – Anmerkung des Herausgebers.
11 These verses and the events to which they refer will be discussed more fully in the commentary on Sūrah 33, in Vol. XIV. — Editor’s note.
Hastige Hoffnungen
Hasty Hopes
Auch der Eifer kann bei den Verfechtern der göttlichen Botschaft, in allen Generationen, ein wichtiger Faktor sein. Ihr seit langem gehegter Wunsch, die Botschaft verbreitet und siegreich zu sehen, kann sie dazu anregen, bestimmte Einzelpersonen oder einflussreiche Menschen für sich zu gewinnen, selbst wenn sie dafür zunächst über einige Vorgaben hinwegsehen müssen, die sie für nicht besonders wichtig halten mögen. Sie mögen sogar versuchen, sich einigen dieser Praktiken anzupassen, damit die Menschen der göttlichen Botschaft nicht feindselig begegnen.
Enthusiasm may also be an important factor with advocates of the divine message, in all generations. Their long cherished desire to see the message spread and triumph may encourage them to try to win over certain individuals or influential people, even if this requires them to initially overlook some requirements that they may think to be of no great importance. They may even try to accommodate some of these practices so that people do not adopt a hostile attitude to the divine message.
In ihrem Eifer, dem Erfolg ihrer Sache zum Durchbruch zu verhelfen, mögen sie sogar noch weiter gehen und Mittel und Methoden übernehmen, die mit den strengen Maßstäben des Islam oder mit seiner Handlungsweise unvereinbar sind. Sie verknüpfen ihre Eile mit dem, was sie für die Interessen des Islam halten. Diesen jedoch dient man wahrhaftig nur durch die strikte Einhaltung der Vorgehensweise und Methode, die der Islam vorgibt. Den künftigen Ausgang kennt allein Gott.
In their keenness to achieve success for their cause, they may go even further and adopt means and methods that are inconsistent with the strict standards of Islam or with its line of action. They link their haste with what they consider to be the interests of Islam. But these are truly served only by strict adherence to the approach and method of action adopted by Islam. Future results are known only to God.
Daher dürfen sich die Vertreter des Islam nicht mit solchen Ergebnissen beschäftigen, denn sie sind dafür nicht verantwortlich. Ihre Aufgabe ist es, dem richtigen islamischen Vorgehen und dem klaren Weg zu folgen. Sie müssen die Ergebnisse Gott überlassen, in dem Wissen, dass diese nur gut sein können und den Interessen Seiner Sache dienen.
Hence, the advocates of Islam must not concern themselves with such results, as they are not accountable for them. Their duty is to follow the proper Islamic approach and clear line of action. They must leave the results to be determined by God, knowing that they can only be good and serve the interests of His cause.
Diese Koranverse enthalten eine Warnung an die Fürsprecher des Islam. Sie machen deutlich, dass Satan versuchen wird, ihre übereilten Hoffnungen auszunutzen, um ihre eigene Sache zu untergraben.