Ya Sin (Was verhindert die Auferstehung?) 69-83
Ya Sin ( What Prevents Resurrection? ) 69-83
Wir haben dem Propheten keine Dichtkunst gelehrt, und sie geziemt ihm auch nicht. Dies ist nur eine Ermahnung und ein Qur'an, der alles klar darlegt. (69)
We have not taught the Prophet poetry; nor is it fitting for him [to be a poet]. This is but a reminder and a Qur’ān making all things clear, (69)
damit er jeden warne, der lebt, und damit das Wort (Gottes) gegen die Ungläubigen bewiesen werde. (70)
to warn everyone who is alive, and that the word of God be proved against the unbelievers. (70)
Sehen sie denn nicht, dass Wir ihnen unter dem, was Unsere Hände geschaffen haben, Vieh erschaffen haben, über das sie verfügen? (71)
Are they not aware that, among all the things Our hands have made, We have created for them cattle which they control? (71)
Wir haben sie ihnen untertan gemacht, sodass sie einige von ihnen zum Reiten benutzen und von einigen essen.
We have subjected these to them, so that some of them they use for riding and of some they may eat, (72)
Und sie haben weitere Nutzen von ihnen, und [Milch] zu trinken. Wollen sie denn nicht danken? (73)
and they have other benefits from them, and [milk] to drink. Will they not give thanks? (73)
Dennoch haben sie sich Gottheiten außer Gott zur Anbetung genommen, in der Hoffnung auf deren Beistand. (74)
Yet they have taken to worship deities other than God, hoping for [their) support. (74)
Sie sind nicht in der Lage, ihnen zu helfen; dennoch stehen ihre Anbeter wie Krieger da, um sie zu verteidigen.
They are unable to support them; yet their worshippers stand like warriors to defend them.
(75)
(75)
Lass dich nicht von ihren Worten betrüben. Wir wissen, was sie verbergen, ebenso wie das, was sie offenbaren. (76)
Let not their words grieve you. We know all that they keep secret as well as all that they bring into the open. (76)
Sieht der Mensch denn nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben, und dass er dann ein offenkundiger Streiter wird? (77)
Is man, then, not aware that it is We who create him out of a gamete; and then he becomes flagrantly contentious? (77)
Er bringt Argumente gegen Uns vor und vergisst dabei, wie er selbst erschaffen wurde. Er fragt:
He comes up with arguments against Us, forgetting how he himself was created. He asks:
„Wer kann Knochen, die zu Staub zerfallen sind, wieder lebendig machen?" (78)
‘Who could give life to bones that have crumbled to dust?’ (78)
Sprich: „Der, Der sie zum ersten Mal erschaffen hat, wird sie wieder lebendig machen. Er hat umfassendes Wissen über jede Schöpfung;
Say: ‘He who brought them into being in the first instance will give them life again. He has full knowledge of every act of creation; (79)
„Der, der für euch aus dem grünen Baum Feuer hervorbringt, und daraus zündet ihr euer Feuer an.“ (80)
He who produces for you fire out of the green tree, and from this you kindle your fires.’ (80)
Ist denn Der, Der die Himmel und die Erde erschaffen hat, nicht in der Lage, ihresgleichen zu erschaffen? Gewiss, Er vermag es. Er allein ist der höchste Schöpfer, der Allwissende. (81)
Is, then, He who has created the heavens and the earth unable to create their like? Of course He can. He alone is the supreme Creator, the All- Knowing. (81)
Wenn Er etwas beabsichtigt, sagt Er nur zu ihm: „Sei!", und es ist. (82)
When He intends something to be, He only says to it, ‘Be,’ and it is. (82)
Unendlich erhaben ist also in Seiner Herrlichkeit Derjenige, in Dessen Hand die gewaltige Herrschaft über alle Dinge liegt, und zu Ihm werdet ihr alle zurückgebracht. (83)
Limitless, then, in His glory is He in whose hand rests the mighty dominion over all things, and to Him you all will be brought back. (83)
Überblick
Overview
In diesem letzten Teil fasst die Sure noch einmal alle Themen zusammen, die sie zuvor behandelt hat: das Wesen der Offenbarung, die Gottheit und ihre Einzigkeit sowie die Auferstehung. Diese werden in einzelnen Abschnitten wiederholt und mit eindrucksvollen Wirkungen und einem klaren Rhythmus dargestellt. Das übergeordnete Ziel ist es zu zeigen, wie die Hand Gottes alles im Universum lenkt. Dieser Gedanke wird im letzten Vers der Sure zusammengefasst: „Preis sei also dem, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge liegt, und zu Ihm werdet ihr zurückgebracht.“ (Vers 83) Seine Hand, stark und schöpferisch, hat das Vieh erschaffen und es dem Menschen unterworfen, und sie hat den Menschen aus einem bloßen Samentropfen erschaffen. Dieselbe Hand kann auch Knochen, die zu Staub zerfallen sind, wieder Leben einhauchen, so wie sie diese im Anfang hervorgebracht hat. Diese Hand ließ auch aus dem grünen Baum Feuer entstehen und brachte Himmel und Erde ins Dasein. Am Ende hat sie die Gewalt über alles im Universum. Das ist also der Kern dieses letzten Teils der Sure.
In this final part, the sūrah reviews all the issues it tackled earlier: the nature of revelation; Godhead and its oneness, and resurrection. These are reviewed in separate sections and shown with strong effects coupled with a clear rhythm. The overall aim is to show how God’s hand controls everything in the universe. This concept is summed up in the last verse of the sūrah: “Limitless, then, in His glory is He in whose hand rests the mighty dominion over all things, and to Him you all will be brought back.” (Verse 83) His hand, strong and innovative, has created cattle and subjected them to man, and created man from a mere gamete. The same hand can also give life to bones that had broken into dust, just like it originated them in the first instance. It was this hand that produced fire from the green tree and brought the heavens and the earth into being. In the end, it has control of everything in the universe. This, then, is the gist of this final part of the sūrah.
Keine Gelegenheit für Poesie
No Place For Poetry
Wir haben ihn die Dichtkunst nicht gelehrt, und es ziemt sich auch nicht für ihn. Dies ist nur eine Ermahnung und ein klarer Koran, um jeden zu warnen, der lebt, und damit das Wort Gottes gegen die Ungläubigen bewiesen werde. (Verse 69-70)
We have not taught the Prophet poetry; nor is it fitting for him [to be a poet). This is but a reminder and a Qur’ān making all things clear, to warn everyone who is alive, and that the word of God be proved against the unbelievers. (Verses 69-70)
Gleich zu Beginn sprach die Sure über die Frage der Offenbarung: „Yā Sīn. Bei dem Qur’ān, der voller Weisheit ist, bist du wahrlich einer der Gesandten Gottes, der einen geraden Weg verfolgt. Er ist eine Offenbarung des Allmächtigen, des Barmherzigen, damit du Menschen warnst, deren Vorfahren nicht gewarnt worden waren und die deshalb unwissend [über die Wahrheit] sind.“ (Verse 1–6)
Right at the outset, the sūrah spoke about the question of revelation: “Yā Sīn. By the Qur’ān, full of wisdom, you are indeed one of God’s messengers, pursuing a straight way. It is a revelation by the Almighty, the Ever Merciful, so that you may warn people whose forefathers had not been warned, and who therefore are unaware [of the truth].” (Verses 1-6)
Nun wird es in dieser besonderen Form dargelegt, um den Vorwurf zu widerlegen, der Prophet sei ein Dichter gewesen und der Qur'an sei bloße Dichtung. Die Ältesten der Quraisch wussten sehr wohl, dass all dies vollkommen falsch war, und dass der Qur'an, den Muhammad ﷺ rezitierte, etwas war, das in ihrer Sprache unbekannt war. Sie waren nicht so stumpf, dass sie den Qur'an nicht von Dichtung hätten unterscheiden können. Diese Anschuldigungen waren schlicht Teil der Propaganda, die sie gegen den neuen Glauben und den Gesandten, der ihn verkündete, in Gang setzten, ﷺ.
Now it is presented in this particular form to refute the allegation that the Prophet was a poet, and that the Qur’ān was mere poetry. The elders of the Quraysh were fully aware that all this was absolutely false, and that the Qur’ān Muĥammad recited was something unknown in their language. They were not so dull as to be unable to distinguish the Qur’ān from poetry. These allegations were simply part of the propaganda they launched against the new faith and the Messenger preaching it.
Sie verwiesen lediglich auf den feinen, mitreißenden Stil des Qur’ān, um die Massen dazu zu bringen, ihn mit Dichtung zu verwechseln.
They simply referred to the fine, inspiring style of the Qur’ān to try to make the masses confuse it with poetry.
An dieser Stelle verneint Gott in Seiner grenzenlosen Herrlichkeit, dass Er Seinen Gesandten die Kunst der Dichtkunst gelehrt hat. Da Gott ihn dies nicht gelehrt hat, wird er sie auch nicht erlernen. Niemand wird jemals etwas anderes erfahren als das, was Gott ihn lehrt.
Nur der eine Gott
Just The One God
Der zweite Abschnitt dieses letzten Teils der Sure behandelt die Frage von Gottes Einzigkeit und bietet dafür einen Rahmen, ausgehend von dem, was die Menschen um sich herum sehen, und von den Segnungen, die Gott ihnen gewährt.
The second section of this final part of the sūrah addresses the question of God’s oneness providing a framework for it from what people see around them and the blessings God grants them:
Sehen sie denn nicht, dass Wir ihnen unter dem, was Unsere Hände geschaffen haben, Vieh erschaffen haben, über das sie verfügen? Wir haben es ihnen untertan gemacht, sodass sie einen Teil davon als Reittiere nutzen und einen Teil davon essen, und sie haben darin weitere Vorteile und Getränke (Milch). Werden sie nicht danken? Doch sie haben sich anstelle Gottes Gottheiten genommen, in der Hoffnung, Unterstützung zu finden. Sie können ihnen nicht helfen; und doch stehen ihre Anhänger bereit wie ein Heer, um sie zu verteidigen. Ihre Worte sollen dich nicht betrüben. Wir wissen, was sie verbergen, und ebenso, was sie offen zeigen.
Are they not aware that, among all the things Our hands have made, We have created for them cattle which they control. We have subjected these to them, so that some of them they use for riding and of some they may eat, and they have other benefits from them, and [milk] to drink. Will they not give thanks? Yet they have taken to worship deities other than God, hoping for [their] support. They are unable to support them; yet their worshippers stand like warriors to defend them. Let not their words grieve you. We know all that they keep secret as well as all that they bring into the open.
(Verse 71-76)
(Verses 71-76)
Diese Verse beginnen mit der Frage: „Sehen sie denn nicht…“, was wörtlich auch übersetzt werden könnte mit: „Sehen sie nicht, wie…“ Das Zeichen, auf das hier ihre Aufmerksamkeit gelenkt wird, ist unmittelbar vor ihnen vorhanden. Sie müssen nicht weit danach suchen. Es liegt direkt vor ihren Augen und erfordert wenig Nachdenken. Es handelt sich um das Vieh, das Gott erschaffen und ihrer Verfügungsgewalt unterworfen hat. So können sie auf ihnen reiten, sie zur Nahrung verwenden, Milch gewinnen und vielfachen anderen Nutzen aus ihnen ziehen. All dies geschieht nach dem Gesetz Gottes und gemäß den Eigenschaften, die Er Mensch und Tier verliehen hat. Die Menschen hätten all dies niemals aus eigener Kraft erreichen können. Tatsächlich sind sie nicht einmal imstande, eine Fliege zu erschaffen, selbst wenn sie alle ihre Kräfte dafür aufböten. Sie können eine Fliege auch nicht beherrschen, es sei denn, Gott hätte ihr die Eigenschaft verliehen, vom Menschen beherrscht zu werden. Daher die Frage: „Wollen sie denn nicht dankbar sein?“ Betrachten wir die Sache im Licht dieses Qur’ān-Verses, so müssen wir unweigerlich empfinden, dass Gottes Segnungen von allen Seiten um uns herum überfließen. So empfinden wir in unseren Herzen Gottes endlose Segnungen und unendliche Gnade, jedes Mal wenn wir ein Tier reiten, ein Stück Fleisch essen, einen Schluck Milch trinken, ein Stück Käse kosten, Tierfett zum Kochen verwenden oder ein Kleidungsstück aus Leder, Wolle oder Tierhaar tragen. Dies gilt dann für alles um uns herum und alles, was wir gebrauchen, ob belebt oder unbelebt. Unser ganzes Leben wird so zu einem fortwährenden Akt der Verherrlichung Gottes und der Danksagung an Ihn.
Ein zweites Leben für alle
A Second Life For All
Der dritte Abschnitt dieses letzten Abschnitts wirft die Frage nach Auferstehung und Abrechnung auf:
The third section of this final passage raises the question of resurrection and reckoning:
Sieht der Mensch denn nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben? Und doch wird er auf einmal ein offenkundiger Streiter. Er stellt Uns Gleichnisse auf und vergisst seine eigene Erschaffung. Er fragt: „Wer wird die Knochen wieder lebendig machen, wo sie doch vermodert sind?“ Sprich: „Lebendig machen wird sie Derjenige, Der sie das erste Mal hervorgebracht hat. Er kennt jede Schöpfung genau.“ Er ist Es, Der euch aus dem grünen Baum Feuer hervorbringt, sodass ihr damit Feuer entzündet. Ist denn Der, Der die Himmel und die Erde erschaffen hat, nicht imstande, ihresgleichen zu erschaffen? Doch, gewiss! Er ist der Allwissende Schöpfer. Wenn Er etwas will, so spricht Er nur zu ihm: „Sei!“, und es ist.
Is man, then, not aware that it is We who create him out of a gamete; and then he becomes flagrantly contentious. He comes up with arguments against Us, forgetting how he himself was created. He asks: ‘Who could give life to bones that have crumbled to dust?’ Say: ‘He who brought them into being in the first instance will give them life again. He has full knowledge of every act of creation; He who produces for you fire out of the green tree, and from this you kindle your fires.’ Is, then, He who has created the heavens and the earth unable to create their like? Of course He can. He alone is the supreme Creator, the All-Knowing. When He intends something to he, He only says to it, ‘Be,’ and it is. (Verses 77-82)
Dieser Abschnitt betrachtet zunächst die Lage des Menschen selbst und beschreibt seinen Ursprung und sein Ende. Er legt ihm all dies vor, damit er es als eine Wirklichkeit betrachtet, die sich ständig vollzieht. Doch der Mensch erkennt weder dessen Bedeutung, noch nimmt er es als Beweis dafür, dass Gottes Versprechen, alle Menschen auferstehen zu lassen, verwirklicht wird. „Sieht der Mensch denn nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben? Und siehe, er ist ein offenkundiger Streiter.“ (Vers 77) Der Mensch zweifelt nicht daran, dass sein unmittelbarer Ursprung ein Samentropfen ist. Dieser ist nichts weiter als ein winziger Tropfen wertloser Flüssigkeit, ein Tropfen, der unzählige Tausende von Zellen enthält, von denen eine zu einem Embryo wird, der später zu einem streitsüchtigen Menschen heranwächst, der mit seinem Herrn streitet und von Ihm Beweise und Belege fordert.
This section looks first at man’s own position, describing his origins and ends, putting it all before him so that he looks at it as a reality taking place all the time. Yet man neither appreciates its significance nor takes it as evidence confirming the realization of God’s promise to resurrect all humanity. “Is man, then, not aware that it is We who create him out of a gamete; and then he becomes flagrantly contentious.” (Verse 77) Man does not doubt that his immediate origin is a gamete. It is no more than a tiny drop of worthless fluid; a drop containing countless thousands of cells, one of which then becomes an embryo, which later grows into a contentious person, arguing with his Lord and demanding proof and evidence from Him.