Danach hält die Sure kurz inne, um sich an alle zu wenden, die den Glauben verleugnen, an die unausweichliche Rückkehr aller Menschen zu Gott sowie an die Auferstehung und die Abrechnung.
Thereafter, the sūrah takes a brief pause to address all who deny faith, the inevitable return of all mankind to God, and the resurrection and reckoning:
Wissen sie denn nicht, wie Gott die Schöpfung zuerst hervorbringt und sie dann erneut entstehen lässt? Das ist wahrlich leicht für Gott. Sprich: „Zieht auf der Erde umher und seht, wie Gott die Schöpfung zuerst hervorgebracht hat; und dann wird Er gewiss das zweite Leben entstehen lassen. Gewiss, Gott hat Macht über alle Dinge. Er bestraft, wen Er will, und erbarmt Sich, wessen Er will. Zu Ihm werdet ihr zurückgebracht werden. Und ihr könnt Ihm weder auf der Erde noch im Himmel entfliehen. Ihr habt keinen Beschützer außer Gott und keinen Helfer.“ Diejenigen, die die Zeichen Gottes und die Begegnung mit Ihm leugnen, sind es, die die Hoffnung auf Meine Barmherzigkeit aufgeben. Für sie ist qualvolle Strafe bestimmt. (Verse 19–23)
Are they not aware how God creates [life] in the first instance, and then brings it forth anew? This is indeed easy for God. Say: ‘Go all over the earth and see how God has originated His creation in the first instance; and then He will certainly bring about the second life. Most certainly, God has the power over all things. He punishes whom He will, and bestows His mercy on whom He will. To Him you shall be made to return. And never can you elude Him, neither on earth nor in the skies. You have none to protect you from God and none to give you support.’ Those who deny God’s signs and the meeting with Him are indeed the ones who abandon all hope of My mercy. It is for these that grievous suffering awaits. (Verses 19-23)
Dies richtet sich an alle, die Gott und ihre Begegnung mit Ihm leugnen. Es führt das Universum als Beleg an, der seine Wahrheit bestätigt. Der Qur’ān stellt das Universum häufig als ein offenes Buch für Herzen und Verstand dar, in dem man nachdenken, nach den Zeichen Gottes suchen und Hinweise auf Seine Einheit sowie auf die Wahrheit Seiner Verheißungen und Warnungen finden soll. Die Erscheinungen des Universums sind stets gegenwärtig, damit die Menschen sie sehen und betrachten können, doch durch lange Vertrautheit verlieren sie ihre Wirkung auf den Geist. Deshalb lenkt der Qur’ān die Aufmerksamkeit der Menschen auf diese großartigen Szenen, lässt sie vor ihren Augen lebendig werden und erneuert ihre Wirkung. Er greift nicht auf Argumentation und kalte, leblose Logik zurück. Eine solche Logik ist dem islamischen Denken ohnehin fremd. Stattdessen gibt der Qur’ān Beispiele, legt die Methode fest und zeigt den Weg auf.
This is addressed to everyone who denies God and their meeting with Him. It uses the universe as evidence confirming its truth. The Qur’ān frequently presents the universe as an open book for hearts and minds to ponder on, searching for God’s signs, and finding indications of His oneness and the truth of His promises and warnings. Universal phenomena are always present for people to see and contemplate, but they lose their inspiration as a result of long familiarity. Therefore, the Qur’ān directs people’s attention to these magnificent scenes, bringing them alive before their eyes and renewing their effects. It does not resort to argument and cold, lifeless logic. Such logic, is, in any case, alien to Islamic thought. Instead, the Qur’ān gives examples, sets the method and outlines the way.
„Sehen sie denn nicht, wie Gott die Schöpfung zunächst hervorbringt und sie dann erneut entstehen lässt? Das ist für Gott gewiss ein Leichtes." (Vers 19) Sie sehen mit eigenen Augen, wie Gott die Schöpfung ins Dasein ruft: Sie sehen es am sprießenden Pflanzenkeim, am Ei und am Embryo und an allem, was entsteht, ohne zuvor gewesen zu sein. Sie sehen es an allem, was Menschen, einzeln oder gemeinsam, nicht selbst hervorbringen können. Das Geheimnis des Lebens ist in der Tat unergründlich: So war es in der Vergangenheit, und so ist es auch heute. Wir wissen nicht, wie und woher das Leben entstanden ist, geschweige denn, dass jemand behaupten könnte, es hervorgebracht zu haben. Das Leben kann daher keine andere Erklärung haben, als dass es Gottes eigenes Werk ist. Er ist es, der in jedem Augenblick die Schöpfung vor unseren Augen hervorbringt. Wir alle sehen es und können es nicht leugnen.
“Are they not aware how God creates [life] in the first instance, and then brings it forth anew? This is indeed easy for God.” (Verse 19) They see with their own eyes how God originates creation: they see it in the shooting plant, the egg and the foetus, and in everything that comes into being, having had no prior existence. They see it in everything that humans, individually and collectively, cannot bring about themselves. Indeed the secret of life is unfathomable: it was so in the past and it remains so today. We do not know how life originated and where from, let alone that anyone should claim to have brought it about. Life, thus, cannot have any explanation other than that it is of God’s own making. It is He who originates creation at every moment before our very eyes. We all see it and cannot deny it.
Außerdem ist Derjenige, der das Leben hervorbringt, gewiss in der Lage, die Menschen nach dem Tod zurückzubringen: „Das ist für Gott tatsächlich leicht.“ Nichts ist für Gott schwer, doch Er führt das Argument nach menschlichen Maßstäben an. Für uns ist es leichter, etwas ein zweites Mal zu tun als das erste Mal; für Gott jedoch sind beide gleich leicht. Es bedarf nichts weiter, als dass Gott etwas will und sagt: „Sei!“, und es geschieht.
Moreover, the One who originates life is certainly able to bring people back after death: “This is indeed easy for God.” Nothing is difficult for God, but He gives the argument by human standards. For us, doing something for the second time is easier than the first; but to God both are equally easy. It needs nothing more than for God to will something and say, ‘Be’, and it happens.
Die Sure ruft dann die Menschen auf, in alle Richtungen zu reisen und über das Werk Gottes sowie über die Zeichen nachzudenken, die sich in der gesamten Schöpfung zeigen, in der belebten wie in der unbelebten. Wenn sie das tun, werden sie erkennen, dass Derjenige, der das Leben hervorbringt, es ohne Mühe zurückbringen kann: „Sprich: Zieht auf der Erde umher und seht, wie Gott die Schöpfung zuerst hervorgebracht hat; dann wird Er gewiss das zweite Leben hervorbringen. Gewiss, Gott hat Macht über alle Dinge.“ (Vers 20)
The sūrah then calls on people to travel in all directions and contemplate God’s work and signs that appear in all creation, animate and inanimate alike. When they do, they will realize that the One who originates life can bring it back without difficulty: “Say: Go all over the earth and see how God has originated His creation in the first instance; and then He will certainly bring about the second life. Most certainly, God has the power over all things.” (Verse 20)
Reisen öffnet die Herzen der Menschen für neue und unbekannte Horizonte. Es weckt ihre Sinne und ihren Verstand. Dagegen besitzt der Ort, an dem man lebt, aufgrund allzu großer Vertrautheit sehr oft keinen Reiz und keine Spannung. Doch die Rückkehr nach Hause nach einer längeren Abwesenheit entfacht häufig die Leidenschaft und Begeisterung für das neu, was einst langweilig und unscheinbar wirkte. Dies führt somit zu einer neuen Auseinandersetzung mit und einer neuen Wertschätzung der eigenen unmittelbaren Umgebung. Alles Lob gebührt Gott, der den Koran von oben herabgesandt hat und der völlig genau weiß, wie die Herzen und der Verstand der Menschen funktionieren und wie sie mit ihrer Umgebung in Wechselwirkung stehen.
Travelling opens people’s hearts to new and unfamiliar vistas. It awakens their senses and minds. By contrast, the place where one lives very often holds no attraction or excitement because of over-familiarity. Yet to return home after a period away often rekindles passion and enthusiasm for what once seemed dull and unremarkable. This, thus, leads to new interaction and appreciation of one’s immediate environs. All glory is to God, who has bestowed the Qur’ān from on high and who has full knowledge of how people’s hearts and minds function and interact with their surroundings.
„Sprich: Zieht durch die ganze Erde und seht, wie Gott die Schöpfung zuerst hervorgebracht hat.“ (Vers 20) Im arabischen Text folgt auf die Aufforderung zu reisen ein Satz im einfachen Vergangenheitstempus, der sich auf den Beginn der Schöpfung bezieht. Dies ist bedeutsam, denn wir sehen heute bestimmte Dinge, die auf den Anfang des Lebens und darauf hinweisen, wie die Erde mit verschiedenen Arten bevölkert wurde. Wissenschaftliche Ausgrabungen haben eine gewisse Vorstellung davon entwickelt, wie das Leben entstand, sich ausbreitete und fortschritt, doch sie sind zu nichts Endgültigem über das Geheimnis des Lebens gelangt. Sie wissen nicht, wie es auf die Erde kam, noch wann das erste Lebewesen auf ihr platziert wurde. Der Auftrag Gottes lautet daher, nach dem Anfang des Lebens zu forschen und das erworbene Wissen zu nutzen, um über die Auferstehung und das Leben im Jenseits zu lernen.
“Say: Go all over the earth and see how God has originated His creation in the first instance.” (Verse 20) In the Arabic text the order to travel is followed with a sentence that uses the simple past tense referring to the start of creation. This is significant, for we see today certain things that are indicative of the beginning of life and how the earth came to be populated with different species. Scientific excavations have formed some idea about how life started, spread and progressed, but they have not arrived at anything definite about the secret of life. They do not know how it came to be on earth, nor when the first living creature was placed on it. The order given by God, then, is to search for the beginning of life and to use acquired knowledge to learn about resurrection and the life to come.
Es sollte hier auch festgehalten werden, dass die Menschen, an die sich der Qur'ān zuerst richtete, nicht in der Lage waren, eine solche wissenschaftliche Forschung zu betreiben; sie ist eine wesentlich neuere Entwicklung in der Suche nach Wissen. Daher konnten sie die einschlägigen Fakten, falls dies tatsächlich beabsichtigt war, nicht ermitteln. Ebenso wenig konnten sie anhand solcher Fakten ein gedankliches Bild davon entwickeln, wie ein zweites Leben beginnen würde. Deshalb verlangte der Vers von ihnen, die Art und Weise zu betrachten, wie das Leben bei Pflanzen, Tieren und Menschen überall auf der Erde entsteht. Vor diesem Hintergrund diente das Reisen dazu, ihren Verstand und ihre Gefühle wachzurütteln, während sie über das nachdachten, was ihnen fremd war.
We should also note here that the people first addressed by the Qur’ān were not qualified to undertake such scientific research; it is a much more recent development in the search for knowledge. Hence, they could not arrive at the relevant facts, if this was really intended. Nor could they use such facts to draw a mental picture of how a second life would begin. Therefore, the verse required them to look at the way life starts in plants, animals and man everywhere on earth. With this in mind, travelling served to alert their minds and feelings as they pondered that which was unfamiliar.
Sie könnten dann über die Erscheinungsformen der Macht Gottes nachdenken, darüber, wie leicht es für Ihn ist, in jedem Augenblick der Nacht und des Tages Leben hervorzubringen.
They could then reflect on the manifestations of God’s power, on how easy it is for Him to initiate life at every moment of the night and day.
Vor allem aber gibt der Qur’ān seine Weisungen so, dass sie allen Generationen des menschlichen Lebens gerecht werden, mit ihren unterschiedlichen Stufen des Fortschritts, ihren Umständen und den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Jede Generation wird diese Ordnung aufnehmen und daraus Nutzen ziehen, entsprechend den Fähigkeiten, über die sie verfügt. Die Ordnung bleibt für spätere Generationen anwendbar, während sich das Leben entwickelt und voranschreitet, und sie gibt dabei immer neuen Ansporn und neuen Antrieb.
More importantly, the Qur’ān gives its directives to suit all generations of human life, with their different levels of progress, circumstances and the means available to them. Every generation will take up this order and benefit by it in accordance with what abilities it commands. The order remains applicable to later generations as life develops and progresses, giving fresh incentive and impetus.
„Gewiss, Gott hat Macht über alle Dinge.“ (Vers 20) Er bringt das Leben hervor und lässt es wiederkehren. Er ist nicht an das gebunden, was Menschen für machbar oder unmachbar, möglich oder unmöglich halten.
“Most certainly, God has the power over all things.” (Verse 20) He initiates life and brings it back. He is not restricted by what people imagine to be feasible or unfeasible, possible or impossible.
Teil von Gottes Macht über alle Dinge ist, dass Er bestraft, wen Er will, und Seine Gnade zuteilwerden lässt, wem Er will. Zu Ihm kehrt die gesamte Menschheit zurück; keiner entkommt Ihm, und keiner kann sich Seinem Willen entziehen: „Er bestraft, wen Er will, und erbarmt Sich, wessen Er will. Zu Ihm werdet ihr zurückgebracht werden. Und weder auf Erden noch im Himmel könnt ihr Ihm entfliehen. Ihr habt außer Gott weder einen Beschützer noch einen Helfer.“ (Verse 21-22)
Part of God’s power over all things is that He punishes whomever He wills and bestows His grace upon whomever He wills. To Him all mankind return; none escapes Him and none can evade His will: “He punishes whom He will, and bestows His mercy on whom He will. To Him you shall be made to return. And never can you elude him, neither on earth nor in the skies. You have none to protect you from God and none to give you support.” (Verses 21-22)
Strafe und Barmherzigkeit unterliegen dem Willen Gottes in dem Sinne, dass Er eine klare Rechtleitung gegeben und den Weg des Irrtums für alle deutlich gemacht hat. Er hat dem Menschen die Veranlagung gegeben, dem einen oder dem anderen zu folgen. Die Wahl liegt völlig beim Menschen. Wenn der Mensch jedoch beschließt, an Gott zu glauben, und seine Bereitschaft zeigt, Seiner Rechtleitung zu folgen, wird Gott ihm helfen, wie Er sich verpflichtet hat, dies zu tun. Wenn er sich dagegen von der göttlichen Rechtleitung abwendet, wird er isoliert und lebt im Irrtum. Die beiden Wege führen dann entweder im ersten Fall zu Gottes Barmherzigkeit oder im letzteren zu Seiner Strafe.
Punishment and mercy are subject to God’s will in the sense that He has given clear guidance and made the way of error clear for all. He has given man the propensity to follow either. The choice belongs entirely to man. However, when man chooses to believe in God and shows a willingness to follow His guidance, God will help him as He has committed Himself to do so. On the other hand, when he turns away from divine guidance he becomes isolated and lives in error. The two ways then lead to either God’s mercy in the first case or to His punishment in the latter.
„Zu Ihm werdet ihr zurückgebracht werden.“ (Vers 21) An dieser Stelle verwendet die Sure das Wort tuqlabūn, das die Konnotation einer gewaltsamen Rückkehr trägt, passend zu dem, was folgt:
“To Him you shall be made to return.” (Verse 21) In this instance, the sūrah uses the word tuqlabūn, which carries connotations of violent return, to suit what follows:
„Und ihr könnt Ihm weder auf der Erde noch im Himmel entfliehen.“ (Vers 22) Ihr habt keine Macht, euch vor einer Rückkehr zu Gott zu retten. Weder eure eigene Macht, die ihr auf der Erde besitzt, noch die Macht derjenigen, die ihr manchmal verehrt, wie die Engel oder die Dschinn, in der Annahme, sie hätten Macht im Himmel, vermag etwas auszurichten: „Ihr habt außer Gott keinen Beschützer und keinen Helfer.“ (Vers 22) Wie könnte es irgendeinen Schutz oder Beistand gegen Gott geben? Wer könnte ihn gewähren: der Mensch, der Engel oder der Dschinn? Sie alle sind Geschöpfe und Diener Gottes. Sie können weder sich selbst Nutzen noch Schaden bringen, geschweige denn irgendjemand anderem.
“And never can you elude Him, neither on earth nor in the skies.” (Verse 22) You have no power to save yourselves from a return to God. Neither your own power that you have on earth nor that of those whom you sometimes worship, such as the angels or jinn, thinking that they have power in the skies, have any effect: “You have none to protect you from God and none to give you support.” (Verse 22) How can there be any protection or support against God? Who could give it: man, angel, or jinn? They are all God’s creatures and servants. They cannot cause benefit or harm even to themselves, let alone anyone else.
„Diejenigen, die die Zeichen Gottes und die Begegnung mit Ihm leugnen, sind es, die jede Hoffnung auf Meine Barmherzigkeit aufgeben. Für sie ist qualvolle Pein bestimmt.“ (Vers 23) Der Mensch verzweifelt nur dann an der Barmherzigkeit Gottes, wenn er völlig ungläubig wird und jede Verbindung zu seinem Herrn abbricht. Und der Mensch wird nur dann ungläubig, wenn er verzweifelt, eine Beziehung zwischen sich und Gott herzustellen, und somit jede Hoffnung auf die Gnade Gottes aufgibt. Das Ende ist dann allgemein bekannt: „Für sie ist qualvolle Pein bestimmt.“ (Vers 23)
“Those who deny God’s signs and the meeting with Him are indeed the ones who abandon all hope of My mercy. It is for these that grievous suffering awaits.” (Verse 23) Man does not despair of God’s mercy except when he totally disbelieves, severing all relations with his Lord. Again man does not disbelieve except when he despairs of establishing a relation between himself and God, abandoning all hope of God’s grace. The end then is well known: “It is for these that grievous suffering awaits.” (Verse 23)