Al-Imran (Die Botschaft des Propheten der Barmherzigkeit) 159 - 164
Al-Imran ( The Prophet’s Message Of Compassion ) 159 - 164
Durch die Barmherzigkeit Gottes behandelst du sie sanftmütig. Wärst du hart und verhärteten Herzens gewesen, hätten sie sich gewiss von dir abgewandt.
It is by God’s grace that you deal gently with them. Had you been harsh and hard-hearted, they would surely have broken away from you.
Daher verzeihe ihnen und bitte um Vergebung für sie und berate dich mit ihnen in den Angelegenheiten. Wenn du dich zu einem Entschluss entschieden hast, dann vertraue auf Gott. Gott liebt jene, die auf Ihn vertrauen. (159)
Therefore, pardon them and pray for them to be forgiven and consult with them in the conduct of public affairs. When you have resolved about a course of action, put your trust in God. God loves those who put their trust in Him. (159)
Wenn Gott euch hilft, kann euch niemand besiegen; wenn Er euch aber im Stich lässt, wer ist es dann, der euch nach Ihm helfen könnte? Auf Gott sollen die Gläubigen daher vertrauen. (160)
If God helps you, none can overcome you; but if He should forsake you, then who is it that can help you besides Him? It is in God that the believers should put their trust. (160)
Einem Propheten steht es nicht zu, unredlich zu handeln, denn wer unredlich handelt, wird am Tag der Auferstehung mit seiner Unredlichkeit konfrontiert werden. Dann wird jedem voll vergolten werden, was er verdient hat, und niemand wird Unrecht getan. (161)
It does not behove a Prophet to act dishonestly, for he who acts dishonestly shall be faced with his dishonesty on the Day of Resurrection. Everyone will then be paid in full what he has earned, and none shall be wronged. (161)
Kann derjenige, der nach Gottes Wohlgefallen strebt, mit jemandem verglichen werden, der sich Gottes Zorn zugezogen hat und dessen Wohnstätte die Hölle ist? Wie schlecht ein solches Ziel doch ist.
Can he who strives after God’s pleasure be compared to one who has incurred God’s wrath and whose abode is hell? How evil such a goal is.
(162)
(162)
Sie haben unterschiedliche Stellungen in Gottes Augen.
They have different standings in God’s sight.
Gott sieht alles, was sie tun. (163)
God sees all that they do. (163)
Gewiss, Gott hat den Gläubigen eine Wohltat erwiesen, als Er unter ihnen einen Gesandten aus ihrer eigenen Mitte entsandte, der ihnen Seine Zeichen verliest, sie läutert und ihnen das Buch und die Weisheit lehrt, während sie zuvor doch in offenkundigem Irrtum waren. (164)
Indeed, God bestowed a favour on the believers when He sent them a messenger from among themselves, to recite to them His revelations, and to purify them, and teach them the book and wisdom, whereas before that they were surely in plain error. (164)
Besondere Kennzeichen der Persönlichkeit des Propheten
Distinctive Marks Of The Prophet’s Personality
Es ist durch die Gnade Gottes, dass du sanft mit ihnen umgehst. Wärst du hart und unbarmherzigen Herzens gewesen, so hätten sie sich sicherlich von dir abgewandt. Vergib ihnen daher, bitte für sie um Vergebung und berate dich mit ihnen in den Angelegenheiten des Gemeinwesens.
It is by God’s grace that you deal gently with them. Had you been harsh and hard- hearted, they would surely have broken away from you. Therefore, pardon them and pray for them to be forgiven and consult with them in the conduct of public affairs.
Wenn du dich für eine Handlung entschieden hast, vertraue auf Gott. Gott liebt diejenigen, die auf Ihn vertrauen. (Vers 159)
When you have resolved about a course of action, put your trust in God. God loves those who put their trust in Him. (Verse 159)
Im Verlauf des Kommentars zur Sure über die Schlacht von Uĥud und die Haltungen der muslimischen Gemeinschaft und anderer Gruppen gegenüber dem Verlauf der Ereignisse, sowohl vor als auch während dieser Schlacht, werden einige Verse über die edle Persönlichkeit Muĥammads, des Gesandten Gottes ﷺ, und die Bedeutung seines Status als Prophet für das Leben der muslimischen Gemeinschaft angeführt. Dies zeigt einen Großteil der Gnade, die Gott der muslimischen Gemeinschaft erwiesen hat. Während die Persönlichkeit des Propheten ﷺ das bekannte Thema der folgenden Verse ist, erläutern einige Zeilen auch die islamische Methode zur Organisation der muslimischen Gemeinschaft, die Grundlage dieser Organisation sowie einige grundlegende Elemente der islamischen Philosophie und ihre allgemeine Bedeutung für das menschliche Leben.
In the course of the sūrah’s commentary on the Battle of Uĥud and the attitudes of the Muslim community and other groups towards the way events developed both prior to and during that battle, a few verses are included about the noble personality of Muĥammad, God’s Messenger (pbuh) and the importance of his status as a Prophet to the life of the Muslim community. This demonstrates much of the grace God has bestowed on the Muslim community. While the Prophet’s personality is the known theme of the following verses, certain lines also explain the Islamic method in organising the Muslim community, the basis of this organisation, as well as some basic elements of Islamic philosophy and its importance to human life generally.
Wir können den großen Aspekt der göttlichen Gnade würdigen, der sich in den hohen moralischen Maßstäben des Propheten ﷺ und seinen edlen Umgangsformen zeigt. Er besaß ein sanftes, mildes, nachsichtiges und mitfühlendes Wesen, das Menschen anzog und echte Bindungen zwischen ihnen schuf. In dieser kurzen Passage finden wir zudem das grundlegende Prinzip, das das Leben der muslimischen Gemeinschaft bestimmt, nämlich die beratende Herrschaft. Hier gibt es einen klaren Auftrag, dieses Prinzip der Beratung umzusetzen. Bemerkenswert ist, dass dieser Auftrag zu einer Zeit erteilt wird, in der die Beratung bittere Folgen gehabt zu haben scheint. Neben dem Prinzip der beratenden Herrschaft steht das der festen Entschlossenheit, das heißt, das nach der Beratung Beschlossene ohne Zögern umzusetzen. Zu diesen beiden Prinzipien tritt der wichtigste Wert hinzu, nämlich das Vertrauen auf Gott. Diese drei Prinzipien bilden eine deutliche begriffliche, praktische und organisatorische Ergänzung. Darüber hinaus wird hier das Wesen des göttlichen Willens und der Vorherbestimmung erläutert. Alle Dinge nehmen ihren Anfang bei Ihm und kehren zu Ihm zurück. Sein Wille ist maßgeblich für den Verlauf der Ereignisse und die Bestimmung der Ergebnisse. Die Passage warnt außerdem vor Verrat und Habgier und unterscheidet zwischen denen, die dem folgen, was Gott gefällt, und denen, die Seinen Zorn auf sich ziehen. Damit wird ein Maßstab geliefert, um Gewinn und Verlust zu beurteilen. Abschließend betont die Passage die große Gabe, die Gott dieser Gemeinschaft in Form der Botschaft verliehen hat, die der Prophet ﷺ überbracht hat. Im Vergleich zu dieser Gabe erscheint alles andere so gering, und alles Leid lässt sich leicht ertragen.
Beratung: Das Wesen der islamischen Regierung
Consultation: The Essence Of Islamic Government
Hier haben wir einen bemerkenswerten Befehl: „Berate dich mit ihnen in Angelegenheiten des Gemeinwesens.“ Dieser Grundsatz, der für das islamische System der Regierung grundlegend ist, wird hier festgelegt, selbst dann, wenn Muḥammad ﷺ, der Gesandte Gottes, derjenige ist, der die öffentlichen Angelegenheiten führt. Dies ist also eine eindeutige Aussage, die der muslimischen Gemeinschaft keinen Zweifel lässt, dass die Beratung im Zentrum islamischer Regierungsführung steht. Ohne sie ist kein System wirklich islamisch. Welche Form diese Beratung annimmt und wie der Grundsatz umgesetzt wird, sind Fragen, die den jeweiligen Gegebenheiten einer bestimmten islamischen Gesellschaft angepasst werden können. Alle Formen und Mechanismen, die sicherstellen, dass die Beratung tatsächlich und nicht nur oberflächlich praktiziert wird, sind mit dem Islam vereinbar.
We have here a distinctive order: “Consult with them on the conduct of public affairs.” This principle, which is basic to the Islamic system of government, is established here, even when Muĥammad himself, God’s Messenger, is the one who conducts public affairs. This is, then, a definitive statement which leaves the Muslim community in no doubt that consultation is central to Islamic government. Without it, no system is truly Islamic. What form this consultation takes and how the principle is implemented are matters which can be adapted to the prevailing conditions of any particular Islamic society. Any forms and mechanisms which ensure that consultation is really, not superficially, practised are acceptable to Islam.
Der entscheidende Befehl, „sich mit ihnen in den Angelegenheiten zu beraten“, erging von Gott an den Propheten zu einer Zeit, in der die Beratung bittere Ergebnisse hervorgebracht zu haben schien. Dem Anschein nach war es gerade die Beratung, durch die in den Ereignissen vor der Schlacht von Uḥud Zwietracht unter den Muslimen aufkam. Zur Erinnerung: Die eine Gruppe wollte, dass die Muslime in Madinah bleiben, wo sie etwaige Angriffe des Feindes leicht abwehren könnten. Eine andere Gruppe wollte die Ungläubigen außerhalb der Stadt bekämpfen. Die daraus entstandene Zwietracht zeigte sich deutlich, als ʿAbdullāh ibn Ubayy ibn Salūl mit nicht weniger als einem Drittel des Heeres abzog, obwohl der Feind bereits vor den Toren Madinahs stand. Außerdem schien der für die Verteidigung Madinahs gewählte Plan aus militärischer Sicht nicht der beste zu sein. Er widersprach dem, was aus früheren Erfahrungen gelernt worden war. Die Muslime wandten in der folgenden Schlacht jedoch die entgegengesetzte Strategie an: Sie blieben in Madinah und hoben einen Graben um die Stadt aus. Damit zeigten sie, dass sie die Lehren von Uḥud beherzigt hatten.
The decisive order, “consult with them on the conduct of public affairs” is issued by God to the Prophet at a time when consultation appears to have produced bitter results. Appearances suggested that it was due to consultation that disunity crept in among the Muslims during the events leading to the Battle of Uĥud. By way of a reminder, one group wanted the Muslims to stay in Madinah, where they could easily repel any enemy attacks. Another group wanted to fight the unbelievers outside the city. The resulting disunity was clearly apparent when `Abdullāh ibn Ubayy ibn Salūl withdrew with no less than one-third of the army, when the enemy was knocking at the gates of Madinah. Moreover, the plan adopted for the defence of Madinah did not appear to be the most sound from a military point of view. It was at variance with what had been learnt from past experience. The Muslims did, however adopt the opposite strategy in the following battle, staying in Madinah and digging a moat around it. Thus, they showed that they had benefited by the lessons of Uĥud.
Wenn Gottes Hilfe entzogen wird
When God’s Help Is Withdrawn
Um zu erklären, was es bedeutet, auf Gott zu vertrauen, stellt die Sure klar, dass die Macht, die über Sieg und Niederlage entscheidet, bei Gott liegt. Von Ihm sollte Unterstützung erbeten werden, und durch Seine Hilfe wird eine Niederlage abgewendet. Haben die Gläubigen ihre Vorbereitungen getroffen und alle Kräfte mobilisiert, die sie aufbieten können, wenden sie sich an Gott um Hilfe, verlassen sich ganz auf Ihn und erkennen, dass sie keinen Einfluss darauf haben, welche Folgen eintreten. Der Wille Gottes ist es, der den Ausgang bestimmt: „Wenn Gott euch hilft, dann kann euch niemand besiegen; wenn Er euch aber im Stich lässt, wer ist dann, der euch nach Ihm helfen kann? Und auf Gott sollten die Gläubigen ihr Vertrauen setzen.“ (Vers 160)
In order to explain what placing one’s trust in God means, the sūrah clearly states that the power which determines victory or defeat is God’s. It is from Him that support should be sought and through His help defeat is avoided. Once the believers have made their preparations and mobilised all the forces they can muster, they turn to God for help, rely fully on Him and recognise that they have no say in determining the consequences. It is God’s will that determines the outcome: “If God helps you, none can overcome you; but if He should forsake you, then who is it that can help you beside Him? It is in God that the believers should place their trust.” (Verse 160)
Das islamische Lebenskonzept zeigt das vollkommene Gleichgewicht zwischen der Behauptung, dass der Wille Gottes bei der Gestaltung aller Ereignisse absolut ist, und der Tatsache, dass er sich durch das eigene Handeln des Menschen verwirklicht. Das göttliche Naturgesetz stellt in allen Angelegenheiten ein Ursache-Wirkung-Verhältnis her, doch die Ursachen bewirken die Wirkungen nicht von sich aus. Die wirkende Kraft ist die Gottes, Der die Wirkungen auf der Grundlage der Ursachen gemäß Seinem Willen bestimmt. Anschließend verlangt Er vom Menschen, hart zu arbeiten, seine Pflichten zu erfüllen und seinen Verpflichtungen nachzukommen. Je nachdem, inwieweit der Mensch seiner Verantwortung gerecht wird, bestimmt Gott die Ergebnisse.
The Islamic concept of life demonstrates the perfect balance between asserting that God’s will is absolute in shaping all events and that it comes into operation through man’s own actions. The Divine law of nature establishes a cause and effect relationship in all matters, but causes do not initiate effects. The operative force is that of God, Who determines effects on the basis of causes according to His will. He then requires man to work hard, fulfil his duties, and meet his obligations. It is in relation to how far man discharges his responsibility that God determines the results.
Dies bedeutet, dass Ergebnisse und Folgen stets vom Willen Gottes abhängen, denn Er allein bringt sie hervor, wann und wie Er will. Auf diese Weise stellt sich ein Gleichgewicht zwischen dem Grundgedanken eines Muslims und seinen Handlungen ein. Er arbeitet so hart er kann und weiß, dass die Ergebnisse seines Tuns vom Willen Gottes abhängen. Für ihn gibt es keine Zwangsläufigkeit im Verhältnis von Ursache und Wirkung, denn er behauptet nicht, dass irgendetwas, was Gott tut, zwangsläufig sei.
Eine große Gunst, die den Gläubigen erwiesen wurde
A Great Favour Done To Believers
Im Rahmen des Bestrebens, einen Anteil an der Kriegsbeute zu erhalten, das die unmittelbare Ursache der Niederlage bei Uḥud war, und der Unehrlichkeit im Allgemeinen, betont die Sure die rechten Werte, auf die die Aufmerksamkeit eines Gläubigen gerichtet sein muss: „Ist denn der, der dem Wohlgefallen Gottes folgt, dem gleich, der sich den Zorn Gottes zugezogen hat und dessen Aufenthalt die Hölle ist? Wie übel ist dieses Ziel.“ (Vers 162)
Within the framework of keenness to have a share in the spoils of war, which was the direct cause of the defeat at Uĥud, and dishonesty in general, the sūrah underlines the proper values, on which a believer’s attention must be focused: “Can he who strives after God’s pleasure be compared to one who has incurred God’s wrath and whose abode is hell? How evil such a goal is.” (Verse 162)
Es besteht kein Zweifel daran, dass Gottes Wohlgefallen der erstrebenswerte Gewinn ist, und das Erlangen desselben entscheidet darüber, ob sich die Bemühungen eines Menschen lohnen oder in völligem Verlust enden. Zwischen dem, der Gottes Wohlgefallen verfolgt, bis er es erlangt, und dem, der sich Gottes Missfallen zuzieht, das ihn in die Hölle führt, liegt ein großer Unterschied. Die beiden haben vor Gott sehr unterschiedliche Stellungen: „Sie haben unterschiedliche Stufen vor Gott.“ (Vers 163) Jeder erwirbt tatsächlich seine Stellung, was bedeutet, dass es keine Bevorzugung gibt und niemandem Unrecht geschieht: „Gott sieht alles, was sie tun.“ (Vers 163)
There is no doubt that God’s pleasure is the prize to be coveted, and the winning of which determines whether one’s efforts are profitable or end in utter loss. The gulf is great between the one who pursues God’s pleasure until he wins it and the one who ends up incurring God’s displeasure, which leads him to hell. The two have greatly different standings with God: “They have different standings in God’s sight.” (Verse 163) Each actually earns his position, which means that there is no favouritism and none is wronged: “God sees all that they do.” (Verse 163)
Dieser Abschnitt der Sure endet mit einem Verweis auf die Person des Gesandten Gottes, seine Botschaft und die Tatsache, dass diese eine große Gunst darstellt, die Gott den Gläubigen erwiesen hat: „Gewiss, Gott hat den Gläubigen eine Gunst erwiesen, als Er ihnen einen Gesandten aus ihrer Mitte schickte, der ihnen Seine Offenbarungen verliest, sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt, während sie zuvor doch in offenkundigem Irrtum waren.“ (Vers 164)
This part of the sūrah concludes with a reference back to the personality of God’s Messenger, his message, and the fact that it represents a great favour bestowed by God on the believers: “Indeed, God bestowed a favour on the believers when He sent them a messenger from among themselves, to recite to them His revelations, and to purify them, and teach them the book and wisdom, whereas before that they were surely in plain error.” (Verse 164)
Die Reinigung einer vorbildlichen Gemeinschaft
The Purification Of A Model Community
Die Aufgabe des Gesandten besteht auch darin, „sie zu läutern“. Diese Läuterung erfasst ihre Herzen, wirkt sich auf ihre Häuser, ihre Ehre und ihre Gottesverehrung aus und prägt ihr Leben, ihre Gemeinschaft und ihre gesellschaftlichen Ordnungen. Er befreit sie von allen Spuren des Polytheismus, der Götzenverehrung und des Aberglaubens sowie von allem, was damit verbunden ist, von Riten, Gewohnheiten und Traditionen, die des Menschen unwürdig sind. Das menschliche Leben wird so von allen Spuren der Unwissenheit und ihren Auswirkungen auf Werte, Grundsätze und gesellschaftliche Traditionen gereinigt.
The role of the Messenger is also “to purify them”. This purification touches their hearts, affects their homes, honour and worship, and characterises their lives, community and social systems. He purges them of all traces of polytheism, idol worship, and superstition and all that is associated with these, of rituals, habits and traditions which are unworthy of man. Human life is thus purged of all traces of ignorance and its effects on values, principles and social traditions.
Jede Gemeinschaft der Unwissenheit, einschließlich der Araber jener Zeit, war mit ihren eigenen Übeln behaftet. Diese Übel wurden von Ja`far ibn Abī Ţālib, einem Vetter des Propheten ﷺ, hervorgehoben, als er sich an Negus, den Herrscher von Abessinien, wandte. Eine Anzahl von Muslimen hatte in Abessinien Zuflucht gesucht, doch die Quraisch entsandten eine Delegation, die den Herrscher ersuchte, sie auszuliefern. Dieser ließ die muslimischen Flüchtlinge zu sich rufen, damit sie ihre Sache darlegten. Ihr Sprecher, Ja`far, trug seine Aussage in folgenden Worten vor:
Every type of ignorant community, including the Arabs at that time, entertained its own evil aspects. These evils were highlighted by Ja`far ibn Abī Ţālib, a cousin of the Prophet, when he addressed Negus, the ruler of Abyssinia. A number of Muslims had sought refuge in Abyssinia, but the Quraysh sent a delegation which requested its ruler to extradite them. He called in the Muslim refugees to put their case. Their spokesman, Ja`far, made his statement in the following terms:
„Wir waren ein unwissendes Volk, das Götzen anbetete, Aas aß, alle Arten von Schamlosigkeit beging, die Verwandtschaftsbande zerriss, seine Nachbarn schlecht behandelte, und die Starken unter uns die Rechte der Schwachen an sich rissen. Wir verharrten in diesem Zustand, bis Gott uns einen Gesandten aus unserer Mitte schickte, der uns wegen seiner guten Herkunft sowie seiner Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit bekannt war. Er rief uns dazu auf, Gott allein anzubeten und Ihm keine Teilhaber beizugesellen, und das abzulegen, was wir und unsere Väter neben Ihm an Steinen und Statuen verehrten. Er hat uns geboten, in unseren Worten wahrhaftig zu sein, ehrlich, gütig zu unseren Verwandten und Nachbarn, und uns von Sünde und davon fernzuhalten, einander zu töten. Er hat uns jede Form von Schamlosigkeit, Meineid, das Verzehren des Eigentums von Waisen und die Verleumdung keuscher Frauen des Ehebruchs verboten. Er hat uns geheißen, Gott allein anzubeten, Ihm keine Teilhaber beizugesellen, unsere Gebete zu verrichten, Almosen (zakāt) zu geben und zu fasten.“ Ein weiterer Aspekt der bösen Sitten, die im unwissenden Arabien herrschten, beschreibt ʿĀʾischa, die Frau des Propheten ﷺ, wenn sie diesen Bericht über die Beziehungen zwischen den Geschlechtern gibt. Dieser Bericht findet sich in Al-Buchārīs Ṣaḥīḥ, der authentischsten Sammlung der Ḥadīthe des Propheten ﷺ: „In den Tagen der Unwissenheit gab es vier Arten von Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Eine davon glich den ehelichen Beziehungen von heute: Ein Mann konnte um die Tochter eines anderen Mannes oder um ein anderes Mädchen in seiner Obhut anhalten. Er zahlte ihr eine Brautgabe und heiratete sie. Eine zweite Art bestand darin, dass ein Mann zu seiner Frau, nachdem sie ihre Menstruation beendet hatte, sagte: ‚Geh zu so und so …‘ [er nannte einen bestimmten Mann] und empfange von ihm. Er selbst enthielt sich ihres Beischlafs, bis sie offensichtlich von dem Mann schwanger war, den er genannt hatte. Wenn sie schwer mit dem Kind wurde, durfte ihr Mann, falls er es wünschte, wieder Beischlaf mit ihr haben. Er griff zu dieser Methode aus dem Wunsch heraus, einen Sohn von edlerem Blut zu haben.“ Eine dritte Form ist, dass eine Anzahl von Männern, weniger als zehn, dieselbe Frau teilten, wobei jeder von ihnen mit ihr verkehrte. Wenn sie schwanger wurde und ein Kind gebar, schickte sie nach ihnen und ließ sie einige Tage nach der Geburt zu sich kommen. Keiner von ihnen konnte sich dieser Zusammenkunft entziehen. Sie sagte dann zu ihnen: „Ihr wisst, was zwischen uns vorgefallen ist. Nun, da ich ein Kind geboren habe, ist dieses Kind der Sohn von ....“ Sie wählte denjenigen, den sie sich als Vater wünschte. Er konnte dieses Kind nicht verleugnen. Die vierte Form war die der Prostitution. Eine beliebige Anzahl von Männern durfte mit einer Frau verkehren, die niemandem, der zu ihr kam, ihre Gunst verweigerte. Prostituierte pflegten an ihren Türen eine Art Fahne anzubringen, um anzuzeigen, dass sie jeden Mann willkommen hießen. Wenn eine solche Prostituierte ein Kind gebar, sammelte man etwas Geld für sie, und man holte einen Physiognomiker, um den Vater dieses Kindes zu bestimmen. Das Kind wurde dann nach dem Mann benannt, der sich nicht weigerte, es als sein Kind anzuerkennen.“ Dieser verachtenswerte, erniedrigende Zustand bedarf keines Kommentars. Es genügt, sich vorzustellen, wie ein Mann seine Frau zu einem anderen Mann schickt, damit sie von ihm schwanger wird, so wie er seine Stute, sein Kamel oder ein anderes Tier zur guten Zucht schickt. Es genügt, sich vorzustellen, wie weniger als zehn Männer mit derselben Frau verkehren und ihr dann erlauben, einen von ihnen als Vater ihres Kindes auszuwählen. Was die Prostitution betrifft, so ist sie überall dieselbe. In diesem besonderen Fall jedoch wird das Kind einer Prostituierten nach einem bestimmten Ehebrecher benannt. Er findet darin keine Schande und verleugnet das Kind nicht. Hätte es den Islam und seine reinigenden Grundsätze nicht gegeben, so hätten die Araber weiterhin in solchem Elend gelebt.
Götzendienst und Menschenwürde
Idolatry And Human Dignity
Alle Systeme, die auf der Unkenntnis Gottes beruhen, haben ihre Übel und verderbten Praktiken.
All systems based on ignorance of God have their evils and debased practices.
Vielleicht war unter diesen die bekannteste im vorislamischen Arabien die Götzenverehrung, wie sie Nadwī beschreibt:
Perhaps the most prominent among these in pre-Islamic Arabia was idol-worship as described by Nadwī:
Der Glaube an eine alles lenkende Vorsehung war unter ihnen (den Arabern der vorislamischen Zeit) sehr schwach geworden. Er beschränkte sich auf eine kleine Auswahl von Menschen, während die Religion der großen Masse von ihnen grober Götzendienst war. Die Götzenbilder, die ursprünglich als Mittel der Andacht eingeführt worden waren, hatten den Rang der Gottheit erlangt. Man erwies zwar noch einem einzigen, erhabenen Gott Verehrung, aber nur mit Worten; in ihren Herzen thronte eine Vielzahl von Gottheiten, deren Wohlwollen sie zu gewinnen und deren Missfallen sie abzuwenden suchten.
The belief in an overruling Providence had grown very feeble among them (the Arabs of pre-Islamic days). It was confined to a select few, while the religion of the great mass of them was gross idolatry. The idols that had originally been introduced to serve as devotional media had become elevated to the status of divinity. Homage was still paid to one transcendent God, but only verbally; in their hearts a host of deities were enthroned, whose goodwill they sought to propitiate, and displeasure avert.
Jeder Stamm, jede Stadt und jeder Ort hatte seinen eigenen Gott. Al-Kalbī hat berichtet, dass jeder Haushalt in Makkah sein eigenes Götzenbild besaß. Brach ein Makkaner zu einer Reise auf, war seine letzte Handlung zu Hause, den Segen der Hausgottheit zu erbitten, und das Erste, was er nach seiner Rückkehr tat, war, ihr Ehrerbietung zu erweisen.
Each tribe, city, and locality had its own god. Al-Kalbī has stated that every household in Makkah had its own idol. When a Makkan started on a journey, his last act at home would be to invoke the blessings of the family deity, and the first thing he did on his return was to pay reverence to it.
Die Menschen wetteiferten früher miteinander darin, Götzen zu sammeln und Tempel für sie zu errichten. Wer sich weder das eine noch das andere leisten konnte, stellte einen Steinblock vor der Ka'bah auf und vollzog das Ritual des Umkreisens um ihn herum.
People used to vie with one another in collecting idols and constructing temples for them. Those who could afford neither planted a slab of stone in front of the Ka`bah and performed the ritual of circumambulation around it.
4 Abu’l-Ĥasan `Alī Nadwī, Islam and the World, Lucknow, 1973, S. 30-1. (Der Autor hat sich auf Scheich Nadwīs Mādhā Khasira al-`Ālam bi Inĥiţāt al-Muslimīn bezogen, während das von uns zitierte Werk eine gekürzte englische Übersetzung des oben genannten ist. — Übersetzer)
4 Abu’l-Ĥasan `Alī Nadwī, Islam and the World, Lucknow, 1973, pp. 30-1. (The author has referred to Shaykh Nadwī’s Mādhā Khasira al-`Ālam bi Inĥiţāt al-Muslimīn, while the work cited by us is an abridged English translation of the above — Translators).
5 Ebd., S. 29–30.
5 Ibid., pp. 29-30.
6 Ebd., S. 31–32.
6 Ibid., pp. 31-2.
Nationalismus und islamische Identität
Nationalism And Islamic Identity
„Und sie das Buch und die Weisheit lehrt.“ Diejenigen, die von diesem Vers angesprochen wurden, waren in jeder Hinsicht unwissend. Sie konnten nicht nur weder lesen noch schreiben, sondern auch ihre geistige Unwissenheit war groß. Gemessen an internationalen Wissensmaßstäben lagen sie in jedem Bereich zurück. Ihre Beschäftigungen waren nicht von der Art, die Wissen förderte oder vermehrte. Als sie diese Botschaft empfingen, erfuhren sie eine große Wandlung, die sie dazu brachte, sie an die übrige Welt weiterzugeben. Sie verlieh ihnen große Weisheit. Sie wurden zu Wegbereitern einer geistigen und gesellschaftlichen Philosophie, die dazu bestimmt war, die Menschheit aus den Tiefen der Unwissenheit zu retten, in die sie versunken war. Dieselbe Lehre steht im Begriff, so Gott will, erneut ihre Rolle zu spielen und die Menschheit von ihrer gegenwärtigen Unwissenheit zu retten, einer Unwissenheit, die mit früheren Formen dieselben moralischen und gesellschaftlichen Merkmale teilt, da sie dieselben Ziele und Zwecke für das menschliche Leben setzt, trotz der großen materiellen Fortschritte der Wissenschaft und Industrie und des Wohlstands, den solche Fortschritte mit sich gebracht haben.
“And to teach them the book and wisdom.” Those addressed by this verse were illiterate in every sense of the word. Not only did they not read and write, but their illiteracy was intellectual as well. According to international standards of knowledge, they lagged behind in every field. Their preoccupations were not of the sort which encouraged or increased knowledge. When they received this message, they experienced a great transformation which made them pass it on to the rest of the world. It endowed them with great wisdom. They became the standard-bearers of an intellectual and social philosophy which was destined to save humanity from the depths of ignorance into which it had sunk. The same doctrine is about to play its role again, God willing, to save humanity anew from its contemporary ignorance, an ignorance which shares with past forms the same moral and social characteristics, as it sets the same goals and objectives for human life, despite the great material advances of science and industry and the affluence such advances have brought about.
„Obwohl sie zuvor fraglos in offenkundigem Irrtum waren.“ Sie irrten gewiss in Bezug auf Vorstellungen und Glaubensinhalte, Ziele und Absichten, Gewohnheiten und Praktiken, Systeme und Maßstäbe sowie auf sittliche und gesellschaftliche Werte. Die Araber, die durch diesen Vers zum ersten Mal angesprochen wurden, erinnerten sich zweifellos daran, wie ihr Leben einst aussah, und erkannten in vollem Maße die völlige Wandlung, die der Islam bewirkt hatte. Sie erkannten, dass sie ohne den Islam niemals jene hohen Maßstäbe erreicht hätten, zu denen der Islam sie erhob. Eine solche Wandlung ist in der Menschheitsgeschichte einzigartig. Sie erkannten, dass sie durch den Islam unmittelbar von der Stammesstufe mit all ihren kleinlichen Anliegen und ihrer Engstirnigkeit zu einer Nation im vollen Sinne des Wortes aufstiegen, und zwar nicht nur zu einer Nation, sondern zu einer Nation, die die Menschheit anführen und ihr ihre Ideale und Systeme vorgeben sollte.